Das Gleichnis von Mamis Liebling

Und es begab sich zu der Zeit, dass in West-Galiläa eine Bank stand, die sogenannte West-Bank, was aber gelogen ist, denn dieses Gleichnis trug sich in Ost-Galiläa zu, ich wollte aber den guten Scherz nicht umkommen lassen, damit allgemeines Gelächter in der Welt sei.

Tatsächlich war es nun also Ost-Galiläla, wo ein braver Farmer mit seinen drei Söhnen von der Viehzucht und dem Ackerbau wohlfein lebte. Seine Söhne hießen Hossekiel, kleiner Josephus und Adam. Der brave Farmersmann hieß Theopor Karsuppke und ihr kleines Reich, ihre geliebte Farm nannten sie „Kronprinz-Willem-Zeche“ und schrieben dies auch über das Tor.

Dort lebten sie in Ruhe und Zufriedenheit, gut versorgt von ihrem chinesischen Koch afrikanischer Abstammung mit dem Namen Ulf. Und so lebten sie dort ohne Frau und so bekamen auch die Schafe der Farm jedes Mal Ausbrüche von Angstschweiß, wenn sie nur aus der Ferne das Öffnen eines Reißverschlusses hörten.

Dareinst begab es sich nun, dass die Familie Karsuppke und Ulf, der chinesische Koch afrikanischer Abstammung friedlich auf der Veranda saßen, einen Hot Dog verspeisten und über den kategorischen Imperativ von Kant diskutierten, als dort in Ost-Galiläa ein Trupp von Komantschen auf den Hof geritten kam. Neugierig traten sie den Fremden entgegen. Der älteste Komantsche mit dem prächtigsten Federschmuck erhob die Hand zum Gruße und sprach „Ich bin der alte Häuptling der Indianer!“ worauf die Karsuppkes antworteten „Wild ist der Westen, schwer ist der Beruf! Uff!“ Was die traditionelle Begrüßungsformel in Ost-Galiläa war.

Verschlagen lächelnd stieg der Häuptling ab, zog eine dicke Ledermappe aus seiner Satteltasche und sprach: „Höre Theopor Karsuppke! Du und Deine Kinder müsst die Zeche Kronprinz Willem verlassen. Ihr hab die  Kanalerschließungsgebühren der Stadtwerke Jericho nicht bezahlt und deswegen werdet ihr gepfändet!“ „Du teuflischer Schurke!“ rief Theopor darauf aus, „Ihr wisst genau, dass wir hier eine zertifizierte biologische Senkgrube haben und gar nicht an den Kanal angeschlossen sind, das ist ein Komplott!“

„Oh nein“, sprach der alte Häuptling der Indianer, „Kompott gibt es nur
Sonntags zum Frühstück und dann nur Zwetschge von koscheren Bäumen!“ „Diese Beleidigung lasse ich nicht auf mir sitzen!“ rief Theopor aus, hechtete hinter einen Felsen und begann mit seinem Colt das Feuer auf die Indianer zu eröffnen und seine Söhne und Ulf taten es ihm gleich. Bald flogen die Kugeln von einer Seite zur anderen und so mancher Komantsche und so mancher Zechen-Kumpel verletzte sich stark an einem Splitter. Diese Verletzten wurden aber mit Pflastern verarztet, die ein lustiges Tiermotiv hatten, nämlich einen toten Wasserbüffel.

Da – plötzlich trat ein Mann tapfer in den Kugelhagel und rief: „HALTET EIN!“. Verwirrt blickten sich die Kontrahenten an und stellten das Feuer ein. Und der Fremde sprach „Ich bin der Abgesandte der letzten großen Friedensmacht dieser Welt – der IG Metall – und ich fordere euch auf, sofort diese sinnlose Metallvergeudung einzustellen. Wegen euch müssen schon die Patronendreher in Wanne-Eickel Überstunden machen. Wisst ihr was das kostet ihr Passelakken?“ Da erhob sich der alte Häuptling der Indianer und sprach „Ich möchte Dir die einzig passende Antwort darauf geben!“
Daraufhin drehte er sich um, zog die Hose runter, beugte sich vor und sang  „Pubsgesicht, Pubsgesicht, du bist ein doofes Pubsgesicht!“ und alle seine Indianer und alle Zechenkumpel taten es ihm gleich. Da begann der Gewerkschaftsfunktionär an bitterlichst zu greinen, rief „Das sag ich meiner Mama und die kommt und verdrischt euch!“, steckte sich den Daumen in den Mund und rannte weg.

Daraufhin erhob sich die Schießerei von neuem. Aber da plötzlich,
verfinsterte sich der Himmel und eine große Wolke brach auf,
überschüttete die Zeche Kronprinz Willem mit hellem, warmen Licht
und eine liebreizende Stimme erschall: „Hallo Schnuffelhase,  hier ist deine Mama, kannst Du mich bitte mal zurückrufen? Kann auch spät werden. Danke! Tschüss und Tschaui!“

Und alle, egal ob Ost-Galiläer, Komantschen oder der chinesische Koch
afrikanischer Herkunft Ulf, alle griffen zu ihren Handys und Smartphones, um bei der Mama anzurufen. Und sogar an den Telefonzellen bildeten sich lange Schlangen und das, obwohl alle acht Indianer und alle fünf Zechen-Kumpel ein Smartphone besaßen. Aber als sie die Nummer gewählt hatten und hofften mit der Mama sprechen zu können, da war besetzt, denn ein asiatisches Callcenter war schneller gewesen und drehte der alten Dame gerade einen neuen und schweineteuren Stromtarif an

Und alle brachen darob in ein gewaltiges Heulen und Wehklagen aus,
das bis nach Bottrop-Kirchhellen zu hören war, woraufhin Omma Krawuttke auf der Zeche in Ost-Galiläa anrief und keifte: „Ihr ollen Kackpratzen, könnt ihr keine Ruhe geben?“ Aber sie gaben keine  Ruhe, bis sie so erschöpft vom Heulen und Wehklagen waren, dass sie alle, wo sie auch Standen, einschliefen. Manche lagen sogar Löffelchen, aber das ist eine andere Geschichte.

Nur Ulf, der chinesische Koch afrikanischer Abstammung, schlich sich noch in den Schafstall – der Schlingel.

Aber so war auch Ruhe und Frieden in Ost-Galiläa eingekehrt und noch Generationen später feierten die Menschen dieses Landstriches – die
Ost-Galiläianer – diese Errettung durch die Mama und gedachten ihr. So kommt es, dass noch heute, an jenem Tage die Menschen sich auf der Straße versammeln, ihre Handys in die Höhe halten und das alte Ost-Galiläianische Volkslied „In meiner Badewanne bin ich Kapitän“ singen. Olé!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s