Gelesen: Muss man wissen! Ein Interview mit Dr. Axel Stoll

9783944342290

Bartoschek, Sebastian / Waschkau, Alexa / Waschkau, Alexander:
Muss man wissen! Ein Interview mit Dr. Axel Stoll
JMB-Verlag, 2013, 226 Seiten, 8,95 € Paperback
ISBN 9783944342290

Dr. Axel Stoll dürfte einigen Leserinnen und Lesern durch seine Youtube-Clips sicherlich als Internet-phänomen der braunen Esoterik bekannt sein. In diesen Clips sind Ausschnitte aus seinen Vorträgen zu sehen, die während eines sogenannten Neuschwabenland-Treffens aufgenommen wurden. Hier vertritt Stoll Verschwörungstheorien zu Themen wie Wettermanipulationen durch „Chemtrails“ oder die us-amerikanische Forschungseinrichtung HAARP oder die reichsdeutsche Besiedlung des Mondes via Reichsflugscheiben. Auch ist er ein Vertreter der Hohlwelttheorie und geht davon aus, dass die Mondlandung der NASA gefälscht war. Seine Äußerungen sind zum Teil auch antisemitisch und relativieren den Holocaust. Im Rahmen dieser Vorträge fällt immer wieder sein Sprachduktus auf, der mehr an militärische Lagebesprechungen als an wissenschaftliche Vorträge erinnert. Immer wieder gipfeln die Aussagen Stolls in die Ausrufe „Muss man wissen!“ oder „Kann man nachlesen!“. Hieraus resultiert auch der Titel des hier besprochenen Buches.

Die beiden Psychologen Sebastian Bartoschek und Alexander Waschkau haben es nun auf sich genommen, Stoll zu interviewen und somit tief in seine Gedankenwelt einzudringen. Nun, wie nähert man sich nun jemanden wie Dr. Axel Stoll? Natürlich kann man sich über ihn lustig machen, ihn vorführen, als armen Irren oder als psychisch krank abstempeln und kräftig lachen. Aber man kann sich auch objektiv an die Materie und der Person annähern und dies haben die beiden Interviewer auch getan, wofür ihnen großer Respekt gebührt.

Dass die beiden Psychologen allerdings auch mit etwas gemischten Gefühlen in das Gespräch gegangen sind, kann man in der Vorbemerkung zum Interview von Alexander Waschkau nachlesen. Gerade dieses Kapitel hat mir sehr gut gefallen, zeigt es doch die menschliche Seite der Interviewer und macht sie sehr sympathisch für den Leser.

Sebastian Bartoschek zeigt chronologisch in seinen Vorbemerkungen zum Interview auf, wie es zu dem gesamten Projekt gekommen ist und man erfährt auch viel über die Intention, die zu dem vorliegenden Buch geführt hat.

Nach diesen Vorbemerkungen beginnt das Interview. 122 Seiten, auf denen alles über Dr. Axel Stoll, seine Person, seine Geschichte und seine Gedankenwelt erfährt. Dabei generieren sich die beiden Interviewer nicht als brutal-investigative Enthüllungs-Journalisten, vielmehr leiten Waschkau und Bartoschek das Gespräch sanft, nicht aggressiv, fragen aber trotzdem strikt nach. Man erfährt etwas über den Menschen Axel Stoll, seine Herkunft, sein Werdegang. Über Verschwörungstheorien, braune Esoterik, die Neuschwabenland-Treffen, seine politischen und zum größten Teil extremistischen Einstellungen oder wissenschaftliche Standpunkte. Mit jeder Frage, mit jeder Nachfrage, dringt man tiefer ein in einen Sumpf aus (pseudo-)wissenschaftlichen Thesen, Geschichtsklitterung, Verschwörungen und Antisemitismus. Man lernt Randbereiche unserer Gesellschaft kennen. Menschen, die davon ausgehen, dass Geheimbünde wie die Iluminaten oder die Freimaurer „hinter den Kulissen“ die Fäden ziehen, die nach der Weltherrschaft streben und dies mit allen Mitteln.

Nach dem Gespräch ziehen die Autoren ihr Resümee. Was bleibt von dem Interview? Großen Platz in diesem Kapitel nimmt die Frage ein, ob Axel Stoll an einer psychischen Störung, sei es Schizophrenie oder Psychose leidet. Dadurch dass die beiden Interviewer selbst Psychologen sind, bewegt sich dieses Kapitel natürlich auf einem hohen fachlichen, aber trotzdem für den Laien gut verständlichen, Niveau.

Ein Wort noch zu der Aufbereitung des Interviews, die, wie zu lesen war, der dritten Autorin, Alexa Waschkau, zu verdanken ist. Auf den 122 Seiten des Interviews finden sich insgesamt 181 Fußnoten, die nicht nur spezielle Termini erklären, sondern auch biographische Hintergründe oder Erläuterungen zum Gesprächsverlauf liefern. Darüber hinaus gibt es ein ausführliches Glossar (immerhin 60 Seiten), in dem die im Interview erwähnten Personen und Sachbegriffe ausführlich erläutert werden. Dies liefert dem Leser ein fundiertes Hintergrundwissen, durch das man auch ohne großes Vorwissen dem Interview gut folgen kann.

Abschließend muss man den drei Autoren des Bandes großen Respekt zollen. Respekt dafür, dass sie sich der Person und der Thematik neutral und objektiv genähert haben und hierdurch dem Leser einen fesselnden und umfassenden Einblick in diese Theorien, Gedankenwelten, Vorstellungen, geben. Jeder, der sich mit dem Thema Verschwörungstheorien beschäftigt oder einen Einblick in das Thema nehmen möchte, kommt an dem vorliegenden Buch nicht vorbei. Somit ist es eine absolute Leseempfehlung. Auch wäre es auf jeden Fall wünschenswert, wenn das Autoren-Team zukünftig mit weiteren Bänden zu ähnlichen Themen auf dem Markt vertreten wären.

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