Ich muss mich jetzt kurz mal aufregen

Ich muss mich jetzt kurz mal aufregen. Gestern las ich einen Tweet von Volker Dohr gelesen, der erzählte, dass seine Schwester zwar das Lehramtsstudium mit 1,0 bestand, aber wegen ihrer Depressionen nun nicht verbeamtet wird.

Wenn ich so etwas lese, dann ärgere ich mich maßlos. Dies ist nur wieder ein Punkt, der Patienten mit Depressionen dazu treibt, ihre Erkrankung zu verschweigen und sie vielleicht sogar vom Arzt fern hält, weil man sich einfach schämt. Denn psychische Erkrankungen sind in Deutschland ja ein dermaßen großer Makel, dass jeder, der sich offen dazu bekennt, ausgegrenzt wird. Ich frage mich nur warum.

Depressionen und andere psychische Erkrankungen sind Krankheiten wie jede andere auch. Kein Mensch würde z. B. bei einem Krebspatienten die Krankheit mit einem lapidaren „Jetzt stell Dich doch mal nicht so an“ vom Tisch wischen. Aber wenn wir uns die Realität einmal anschauen, dann ist eine unbehandelte Depression genauso gefährlich und tödlich wie eine unbehandelte Krebserkrankung.

Ich habe es selbst miterleben müssen, wie sich die „Meute Mensch“ auf einen meiner Arbeitskollegen gestürzt hat, der seine Depressionen öffentlich gemacht hat. Und ich fand das so ekelhaft. Zwar haben einige wenige von uns versucht, unserem Kollegen beizustehen, aber da die wirklich breite Masse der lieben MitarbeiterInnen ihn genüsslich „durchgekaut“ (und mit durchgekaut meine ich, dass man sich das Maul über ihn zerriss, über hanebüchene „Gründe“ für seine Erkrankung und allerlei andere „Details“ aus seinem Privatleben, die natürlich erstunken und erlogen waren. Aber natürlich wurde so getratscht, dass der arme Kerl alles mitbekommen musste) hatte, hatten wir keine große Chance.

Mein bester und engster Freund, der mir nahe steht wie ein Bruder, leidet schon seit Jahren unter Depressionen und daher weiß ich, wie man da als Mensch zu kämpfen und zu knabbern hat und dass sich die Patienten nicht „anstellen“ oder aus der Mücke einen Elefanten machen. Jedenfalls zeigt mein Freund auch ganz deutlich, dass man zwar unter Depressionen leiden kann, aber beileibe nicht psychisch gestört sein muss, denn das ist es ja, was die breite Masse allen Arten der psychischen Krankheiten unterstellt. „Was? Der hat Depressionen? Na ich dachte mir schon immer, dass er nicht ganz normal ist“ hört man ja öfters. Und da muss man eindeutig dagegen halten. Depressionskranke sind eben nicht „plemplem“, wie es in der Öffentlichkeit dargestellt wird.

Gut, bei meinem Freund gab es trotz allem noch einen positiven Nebeneffekt. Während der Therapie hat er seine Lebensgefährtin kennengelernt und das ist wirklich eine tolle Frau, die ihm gut tut. Das aber nur am Rande.

Schaut man sich die angelsächsischen Länder, speziell die USA an, dann besteht hier eine weitaus größere Akzeptanz psychischer Krankheiten. Dort ist es nichts Besonderes zum Psychiater oder Therapeuten zu gehen.

Ich persönlich würde mich wirklich sehr freuen, wenn auch Depressive als „normale Kranke“ gesehen würden und nicht irgendwie scheel angeschaut würden.

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