Der deutsche Baustellen-Opa in seinem natürlichen Habitat

Liebe Naturfreunde,

heute kann ich euch von einer sensationellen Beobachtung berichten, die ich kürzlich bei einer meiner Forschungsreisen gemacht habe. Mir gelang es nämlich, den gemeinen Deutschen Baustellen-Opa (Emeritus exstructionis germaniae) in seinem natürlichen Habitat zu beobachten.

Der gemeine Deutsche Baustellen-Opa ist eine spezielle Unterart des Deutschen Nörgelrentners (Emeritus lamentari germaniae), dessen natürlicher Lebensraum sich auf sämtliche Baustellen in seinem Brutgebiet erstreckt, egal welche Größe diese haben.

Es war nun an einem sonnigen Altweibersommertag, als ich gerade die Beobachtung einiger prächtiger männlicher Exemplare des gemeinen Deutschen Nörgelrentners fortsetzte. Dies geschah in seinem ureigensten Habitat, nämlich einem beliebten Wasserloch, dem Pils-Pub, wo ich mich mit einer BILD-Zeitung und einer leicht nach Eigenurin müffelnden Jogginghose tarnte.

Plötzlich kam mein getreuer eingeborener Fährtenleser Kai-Uwe ins Etablissement gestürmt und sorgte mit seinem Ungestüm in der Herde für einige Unruhe. Er berichtete mir, dass nahe unseres Standortes eine Baustelle eingerichtet wurde und er bereits einen Baustellen-Opa beobachten konnte, der sich vorsichtig anschlich.

Da gab es für mich kein Halten mehr. Ich verließ das Wasserloch und folgte meinen Fährtenleser Kai-Uwe zu der Baustelle, die sich nur wenige hundert Meter weit weg neben einem Supermarkt befand. Als wir ca. 50 Meter an die Baustelle herangekommen waren, gingen wir langsam zu Boden und robbten an der Wand des Supermarktes entlang auf die Baustelle zu. So gelangten wir bis auf wenige Meter an den Ort des Geschehens heran. Als Tarnung diente uns ein Heckenpenner, der zwischen Einkaufswagenhäuschen und Baustellentoiletten eingeschlafen war. Derart geschützt konnten wir das gesamte Geschehen wunderbar beobachten.

Kaum hatten wir unseren Beobachtungsposten bezogen, sahen wir auch schon von Richtung des Parkplatzes den ersten Baustellen-Opa ankommen. Es war dies der Opa, den schon Kai-Uwe früher am Tag beobachten konnte. Der Baustellen-Opa war ein prächtiges Exemplar, der ein buntes Kleid trug, wahrscheinlich um Weibchen anzulocken und seine Feinde abzustoßen. Es bestand aus einer wild gemusterten Golfhose, einer beigen Windjacke und einer braunen Tuchmütze. Dazu ein brauner Holzstock mit allerlei Plaketten wie „Prien am Chiemsee“ oder „St.-Peter-Ording“.

Vorsichtig schlich sich der Baustellen-Opa an das Objekt seiner Begierde an, bis er genau an der Absperrbarke stand. Genau beobachtete er das Vorgehen der Bauarbeiter und nach wenigen Minuten ließ er seinen unmelodiösen Gesang hören „Na das geht hier aber langsam voran, früher, ja früher hätten wir das schon fertig ausgeschachtet gehabt und zwar mit der Hand. Aber die ihr jungen Leute wollt ja heutzutage nix mehr arbeiten. Hockt in einem Bagger und es geht trotzdem nichts vorwärts. Ich würde euch das Arbeiten schon lernen!“

Dies ist nämlich eine der Taktiken des Baustellen-Opas. Egal, ob er Sachverstand in einer Angelegenheit besitzt, lässt er doch seinen schauerlichen Gesang hören. Dieser, von den führenden Forschern der Universität Aberystwyth in Wales, als „Besserwisserei“ benannte pseudo-verbale Gesang kann sogar wissenschaftlich berechnet werden.
Die Laute werden umso aggressiver, je größer die Prostata des Baustellen-Opas geschwollen ist. Dies wird mit der Formel Aggro = N x F berechnet. Wobei N hier für die Normalgröße der Prostata steht und F für den Schwellfaktor. Nehmen wir eine normalgroße Prostata von 20g, die um das Fünffache vergrößert ist, haben wir einen um 100% höheren Nörgel- und Klugscheißfaktor als sonst.

Einen weiteren Effekt der fünffach angeschwollenen Prostata konnten wir dann kurze Zeit später beobachten. An unserem Baustellen-Opa konnte nämlich ein zunehmend unsteter Blick erkannt werden, gepaart mit starken Schweißausbruch auf der Stirn. Dies ließ uns als geübte Naturbeobachter darauf schließen, dass er bald sein Wasser abschlagen würde, ein überaus seltenes Schauspiel, auf das Kai-Uwe und ich schon sehr gespannt waren. Tatsächlich rückte der Baustellen-Opa von seinem Beobachtungsposten ab und schob sich langsam immer näher zu einem dichten Gebüsch in der Nähe.

Aber es sollte alles anders kommen, denn wir konnten noch ein weitaus imposanteres Schauspiel verfolgen. Kaum hatte der Baustellen-Opa sein skrofulöses Gemächt entblößt, schlich sich ein anderer Baustellen-Opa heran, um den Platz seines Konkurrenten einzunehmen. Nachdem Opa A sein Wasser in den Busch (und auf einen dahinter angebundenen Hund) verrichtet hatte, lief er seinen Spazierstock schwingend auf Opa B zu und ließ seinen Angriffsruf hören „Du hast doch keine Ahnung!“ Immer schneller werdend umkreisten sich die Baustellen-Opas und es hätte sicherlich einen imposanten Brunftkampf gegeben, wäre nicht ein für die Baustellen-Opas attraktives Weibchen (Scroparum mulieris Germaniae) die Straße entlang gekommen. Das für die Opas wohl stimulierenste Attribut des Weibchens war ein prall gefüllter Einkaufstrolley, in dem das Weibchen seine Wintervorräte zu der Stelle zog, wo es sie vergraben wollte. Auch die mitgeführte Gehhilfe schien eine stimulierende Wirkung auszusenden.

Kaum wurden sich die Baustellen-Opas der Anwesenheit des Weibchens gewahr, so begannen sie mit verschiedenen Balzzeremonien und Tänzen. Dies wurde aber von dem Weibchen mit einem fürchterlichen Kreischen unterbunden „Schautdasihrweiterkommtihraltengeilenböckesonstmacheicheuchmitmeinemstockbeine“

Dies verfehlte seine Wirkung nicht und die beiden Baustellen-Opas zogen sich verängstigt zu ihrem Wasserloch, dem Pils-Pub zurück.

Dies war doch eine der interessantesten Naturbeobachtungen. Ich hoffe, Sie schalten auch nächste Woche wieder ein, wenn Sie Dr. Bob sagen hören … Ääääh, sorry, falscher Text.
Auf jeden Fall schalten Sie nächste Woche wieder ein, denn da sehen Sie unsere Beobachtungen aus einem Fitnessstudio in Marzahn.

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