Vom Sein oder Nichtsein des Mr. William Shakespeare

Kürzlich habe ich ja etwas zum Hoaxilla-Podcast geschrieben und mir hierzu auch einige ältere Folgen dazu angehört, unter anderem auch über die Urheberschaftsdebatte der Shakespeare-Werke. Da kam mir wieder ein Artikel in den Sinn, den ich einmal für ein Buchprojekt geschrieben habe, das dann doch leider nicht zu Stande kam. Bevor der Artikel hier bei mir anfängt zu schimmeln, dachte ich mir, ich stelle ihn hier ins Blog. Der Artikel wurde bisher noch nicht groß redigiert, deswegen bitte ich hier um etwas Nachsicht. Aber jetzt: Ring frei!

Vom Sein oder Nichtsein des Mr. William Shakespeare
Ein Einführung in die Urheberschaftsdebatte

Dass die Briten ein unverkrampftes Verhältnis zu ihren Klassikern haben zeigt eine schon seit Jahrzehnten hart geführte Diskussion über die Urheberschaft der großen Werke William Shakespeares. Zwar wird die Diskussion teilweise sehr aggressiv und auch äußerst emotional geführt, doch wäre sie in dieser Art und Weise in Deutschland nicht möglich, da wir unsere Klassiker außerhalb der Schule und der Universität kaum lesen, aber dennoch auf sehr hohe Sockel stellen. Stellen Sie sich doch vor, was passieren würde, würden wir eine ähnliche Diskussion über Goethe oder Schiller anstoßen, der Urheber dieser Debatte würde doch von den vereinigten Vorsitzenden der Goethe-Gesellschaften grausamst gefoltert (mindestens mit der Gesamtausgabe von Rosamunde Pilcher) und dann mit der Weimarer Goethe-Ausgabe erschlagen.

Was die Diskussion um die Urheberschaft der Shakespeare-Werke nun angeht, so liegt ihr ein „common sense“ zugrunde, denn so erbittert auch gestritten wird, ob die Schriften von Shakespeare aus Stratford oder einer anderen unbekannten Person stammen, so einig ist man in der Ansicht, dass sie ein unsterbliches Geschenk an die Welt sind und einer der großen Pfeiler der Weltliteratur. Um hier eine Unterscheidung zwischen der „öffentlichen Person“ des Autor William Shakespeare und der „Privatperson“ aus Stratford-upon-Avon zu machen, wird Letzterer so benahmt wie er zu Lebzeiten genannt wurde und so wie er unterschrieben hat: William Shaksper.

Was wir wissen…

…ist bezüglich auf gesicherte Daten um William Shaksper nicht allzuviel. Sein genaues Geburtsdatum ist unbekannt. Getauft wurde er in der Holy-Trinity-Church in Stratford-upon-Avon am 26. April 1564 und nachdem es zur damaligen Zeit üblich war, Kinder am dritten Tag nach der Geburt zu taufen ist davon auszugehen, daß er am 23. April 1564 geboren wurde. Seine Eltern waren John Shakespeare und Mary Ardens, der einer Familie des wohlhabenden, aber niederen Landadels angehörte. Es kann vermutet werden, daß er die Lateinschule in Stratford besuchte, nachgewiesen kann dies aber nicht werden. Sein Fächerkanon hätte im Falle eines Schulbesuches hätte Latein, Geschichte, Morallehre und Dichtkunst umfasst.
Noch nicht 19jährig heiratete er 1582 die acht Jahre ältere Bauerntochter Anne Hathaway. Auch hier ist das genaue Datum nicht bekannt, das Aufgebot wurde am 28. November bestellt. Das Ehepaar Shaksper hatte drei Kinder: Susanna (*26. Mai 1583) und die Zwillinge Hamnet und Judith (*2. Feber 1585).

The lost Years

Mit der Geburt der Zwillinge beginnt nun ein erstes Mysterium im Leben William Shakspers, denn er verschwindet aus Stratford, in allen möglichen Dokumenten ist kein Nachweis mehr über ihn zu finden. Gemutmaßt wurde viel, so soll er im Gefängnis gesessen haben, als Söldner in den Niederlanden gekämpft haben, soll sich auf Reisen durch ganz Europa gemacht haben oder einfach nur als Schullehrer verdingt haben. Einer Verschwörungstheorie zufolge sollen sich seine Spuren 1585 und 1592 in Rom wiederfinden, wo er als Abgesandter des katholischen Untergrunds im anglikanischen England tätig war.

Am wahrscheinlichsten ist es, dass sich Shaksper einer Theatergruppe angeschlossen hatte und an deren Theater Hilfsdienste verrichtete. Es kann auf jeden Fall nachgewiesen werden, dass 1592 der Dichter Robert Greene eine Schmähschrift gegen ihn verbreitete und ihn darin als Emporkömmling bezeichnete. Shaksper schien damals bereits einen recht großen Bekanntheitsgrad und einflussreiche Gönner gehabt zu haben, denn der Herausgeber dieses Pamphlets brachte es erst nach Greenes Tod heraus und fügte gleich eine Entschuldigung mit bei.

Shaksper gehörte damals zu einer Theatergruppe, die sich „Lord Strange’s Men“ und ab 1594 „Lord Chamberlain’s Men“ nannten. Nach seiner Thronbesteigung machte sie Jakob I. zu seiner Truppe mit dem Namen „King’s Men“.

Wenn der Gulden in der Kasse klingt

Seinen Einfluss und sein Vermögen erwarb sich Shakespeare vor allem als Teilhaber des Globe Theater, sodass ihm 1596 das Recht auf ein Familienwappen gewährt wurde, was sein Vater bereits 1576 erfolglos versuchte. Sein Vermögen zeigte sich auch im Kauf des zweitgrößten Wohnhauses in Stratford und der Tatsache, daß er Freunden größere Kredite gewährte. Besonders zu schaffen machte ihm aber, daß durch die Pestepidemien immer wieder die Theater geschlossen wurden.
Aufzeichnungen belegen nun, daß zwischen 1593 und 1630 Theaterstücke, Versepen und Sonetten erschienen, deren Verfasser mit William Shakespeare oder Shake-Speare angegeben wurde und dass die Gruppe, die diese Stücke aufführte auch einen Schauspieler dieses Namens umfaßte. Die ersten Veröffentlichungen unter dem Namen William Shake-Speare waren 1593 und 1594 „Venus and Adonis“ und „Lukretia“.

1596 wurde das exklusivere „Blackfriars Theatre“ errichtet, an dem sich Shaksper auch finanziell beteiligte.

Blest be the man that spares these Stones

Im Alter von 46 Jahren kehrte Shaksper nach Stratford-upon-Avon zurück und lebte dort als wohlhabender Bürger und verstarb 1616 mit 52 Jahren. Obschon die Todesursache nicht genau bekannt ist, wird spekuliert, dass Shaksper Drogen konsumiert haben soll. Dies geht auf eine Untersuchung an Tonpfeifen zurück, die auf seinem Grundstück in Stratford gefunden wurden und an denen Rückstände von Marihuana und Kokain gefunden wurden. In seinem Testament vermachte er verschiedenen Schauspielern seiner Gruppe Ringe.

1623 wurde von der Einwohnerschaft Stratfords ein Epitaph für Mr. William Shakespeare gestiftet. Dieses Denkmal bezeichnet ihn als Schriftsteller und hat folgende Inschrift:

Good friend, for Jesus’ sake forbear,
To dig the dust enclosed here.
Blest be the man that spares these stones,
But cursed be he that moves my bones.

Guter Freund, um Jesu Willen verzichte darauf,
den Staub, der hier eingeschlossen ist, auszugraben.
Gesegnet sei der Mensch, der verschont diese Steine
Und verflucht sei er, der bewegt meine Gebeine.
Ebenfalls 1623 erschien das „First Folio“ der erste Versuch einer Gesamtausgabe der Shakespeare-Werke unter dem Titel „Mr. William Shakespeare’s Comedies, Histories and Tragedies“.

Triumph Britanniens oder Etikettenschwindel?

Warum wird nun die Verfasserschaft Shakspers an den großen Werken der Weltliteratur in Frage gestellt, wenn doch nachgewiesen werden kann, dass 1593 das erste Vers-Epos unter seinem Namen erschienen ist? Nun, die Fakten werden von den Zweiflern ja auch nicht bestritten oder geleugnet, viel eher ist es so, dass davon ausgegangen wird, dass der Schauspieler aus Stratford nicht der große Literat war, sondern aus unbekannten Gründen nur als Verfasser vorgeschoben wurde, die anonym bleiben wollte oder musste.

Aber welche Indizien führen die Zweifler hierfür ins Feld?

1. Fehlende Hinweise auf eine literarische Produktion
Zwar ist der Mann aus Stratford als finanzieller Unternehmer in den offiziellen Akten in Erscheinung getreten, aber nie als Schriftsteller. Es sind auch nach den intensivsten Suchen und Recherchen keinerlei Briefe, Manuskripte, Tagebücher, Berichte von Freunden, Anekdoten oder sonstige Hinweise auf eine schriftstellerische Tätigkeit gefunden worden. Auch gibt es keinerlei Sekundärhinweise auf sein literarisches Schaffen durch andere Schriftsteller. Ein derart herausragender Mensch hätte im gesellschaftlichen Leben seiner Zeit weit heraus geragt, aber nirgends gibt es hierfür Belege. Hinzu kommt auch, daß alle Verbindungen zwischen Shaksper aus Stratford und dem Werk erst nach seinem Tode gezogen wurden.

2. (Zu) später Publikationsbeginn
Im 16. Jahrhundert lag die Lebenserwartung bei durchschnittlich 40 Jahren. Das erste Werk des Shaksper aus Stratford kam aber erst in seinem 30. Lebensjahr auf dem Markt, nämlich 1593. Vorher gibt es keinerlei Hinweise auf eine frühere Publikation. Es ist also nicht rational nachvollziehbar, warum ein derartiges Genie so lange mit der Publikation seiner Werke so lange hätte warten sollen.
3. Niemand nahm Kenntnis von seinem Tod
Obwohl Shakespeare das wohl größte literarische Genie seiner Zeit gewesen sein soll, gab es doch keinerlei Nachrufe, Lobpreisungen, Briefe oder sonstige Schriftstücke, in denen der Tod Shakespeares auch nur ansatzweise Thema war. Auch sein Epitaph wurde von den Bürgern Stratfords 1623 ja erst nach dem Erscheinen des „First Folio“ gestiftet. So kann davon ausgegangen werden, daß sie ihn zur Zeit seines Todes nicht mit dem literarischen Werk in Zusammenhang brachten.

4. Wo kommt wohl sein Patron her?
Sein erstes Buch widmete Shakespeare Henry Wriothesley, den Earl of Southampton, allerdings gibt es keinerlei Belege dafür, dass der Mann aus Stratford den Adligen überhaupt gekannt hat. Von einer so engen Beziehung, dass er ihn sein Werk zueignen konnte ganz zu schweigen. Aus seiner literarischen Produktion heraus muss auch davon ausgegangen werden, dass Shakespeare einen recht intimen Einblick in die Welt des englischen Adels hatte, aber auch hierfür gibt es keinerlei Quellen.

5. Grammar School statt Universität?
Fakt ist, daß der Schöpfer des herausragenden Werk-Kanons der Weltliteratur ein Mann von ebenso herausragender Bildung und Intelligenz gewesen sein musste. Dieses Werk zeigt, dass sein Autor auf den Gebieten der Mythologie, Musik, Krieg, Adel, dem höfischen Zeremoniell etc. ein so profundes Wissen angehäuft hatte, dass es mit der dürftigen Ausbildung des Shaksper aus Stratford in der dortigen Lateinschule nicht vereinbar war. Auch innerhalb seiner Familie kann nicht von einem hohen Bildungsniveau ausgegangen werden. Seine Eltern sowie seine Tochter Judith waren Analphabeten. Seine älteste Tochter Susanna konnte nur mit Mühe Schreiben und Lesen. 1642 besuchte der Militärarzt James Cook eben jene Susanna und zeigte sich sehr überrascht, dass sie ihm weder ein einziges Buch zeigen konnte, dass ihrem Vater gehörte, noch ein Manuskript und nicht einmal eine Notiz. Ja die älteste Tochter Shakspers hatte keinerlei Wissen in Bezug auf dessen angebliches Werk.

6. Wo sammer? Da sammer…
Zwar belegt Shakespeare in seinem Werk ein außerordentliches spezifisches Wissen bezüglich der Orte seiner Handlungen, doch kann nicht nachvollzogen werden, dass der Mann aus Stratford jemals England verlassen hat. Ein Beispiel: Im „Kaufmann von Venedig“ benutzt er den dem Veneziano-Dialekt entnommenen Begriff „traghetto“ für Transportschiffe, ein Begriff den man nur in Venedig kennenlernen kann, genauso wie den Namen „Gobbo“, der selbst im restlichen Italien unbekannt ist. Ähnliches Detailwissen beweist er auch in Dänemark, Schottland, Frankreich, Spanien oder Italien.

7. Ein Schauspieler oder Theater-Mitarbeiter?
Das Shaksper aus Stratford während seiner Londoner Jahre Kontakte zum Theater hatte ist unbestreitbar. Er war Mitbesitzer des „Globe“ und „Blackfriars Theatre“ und finanziell an den „King’s Men“ beteiligt. Aber der einzige Hinweis, der ihn als „actor“, also Schauspieler bezeichnet stammt erst aus dem Jahre 1616, dem Todesjahr des Mannes aus Stratford.

8. Ein solches Genie und so ein Testament?
Es existieren zwei Testamente aus dem Jahre 1616 von Shaksper, datiert auf Januar und März. In der endgültigen Fassung vom 25. März wurde lediglich die erste Seite neu geschrieben, die beiden folgenden Seiten blieben in der Fassung vom Januar 1616, wurden aber durch Einschübe und Streichungen ergänzt. Das Januar-Testament enthält keinerlei Hinweis darauf, dass Shaksper in irgendeiner Art und Weise mit dem Theater in Verbindung brachte. Dies wurde erst in der März-Fassung eingefügt, mit einem Einschub, dass drei Mitglieder der „King’s Men“ 36 Shilling und 8 Pence erhielten, um sich einen „Ring“ zu kaufen.
In dem Testament werden mit großer Sorgfalt sämtliche Vermögenswerte aufgelistet, von Geldvermögen über Immobilien, Ländereien, Schmuck oder persönliche Gegenstände, aber eines findet man nicht: einen Hinweis darauf, wie mit einem literarischen Werk zu verfahren sei. Auch gibt es keinerlei Erwähnung von persönlichen Papieren, einer Bibliothek oder Verfahrensanweisungen bezüglich eventuell unveröffentlichter Texte.

9. Mangelnde Schreibpraxis
Von Shaksper sind lediglich sechs Handschriftenproben vorhanden und zwar handelt es sich um Unterschriften auf Dokumenten aus den letzten vier Jahren seines Lebens. Diese Schriftzüge sind stark verzittert und von offenkundig ungewohnter Hand geschrieben. Im Gegensatz hierzu steht dann aber die enorme manuelle Schreibleistung, die Shakespeare erbracht haben muss, da die Manuskripte zu seinen Werken ja noch per Hand verfasst wurden.

10. Wie hiess er denn nun?
Es gab im elisabethanischen England keine gemeinsame Orthographie und auch die Schreibweise von Namen war nicht standardisiert, so verwundert es nicht, dass in Dokumenten und auch in den sechs Unterschriften keine einheitliche Schreibweise des Familiennamens des Mannes aus Stratford gab. Einige Schreibweisen von über 30, die mit ihm oder seiner Familie in Verbindung gebracht wurden, waren Shakspear, Shaksper oder Shakspere. Insgesamt gibt es 83 verschieden Schreibweisen dieses Namens, die sich aber auch auf andere Familien bezogen. Aber so unterschiedlich diese Schreibweisen auch waren, eine kam nie vor: „SHAKE-SPEARE“ (der den Speer schüttelt) und genau unter diesem Namen wurden die ersten Werke veröffentlicht.

11. Das Epitaph
Wann genau das Epitaph zu Ehren Shakespeares in der Holy-Trinity-Church in Stratford-upon-Avon installiert wurde ist nicht bekannt. Fest steht nur, dass es im Jahre 1623 vor der Herausgabe des „First Folio“ errichtet worden sein muss, da es in der Vorrede dieser Ausgabe bereits erwähnt wird. 1656 wurde erstmals von Sir William Dugdales ein Kupferstich veröffentlicht, der dieses Grabmal zeigt. Abgebildet ist darauf ein streng blickender Mann mit hängendem Schnurrbart und eine Glatze, der seine Hände auf einen in seinem Schoß liegenden Getreidesack legt. Heute sieht man einen gütig blickenden Glatzkopf mit spitz nach oben weisenden Schnurrbart, ein Quastenkissen vor dem Leib und in der einen Hand ein Stück Papier und in der anderen Hand einen Gänsekiel. Woher kommt das? 1747, als die Popularität der Werke Shakespeares stieg, wurde die alte Büste „restauriert“, bzw. ersetzt. Dies wird von den Zweiflern als ein Indiz dafür gesehen, dass die Werke Shakespeares dem, wie James Joyce ihn bezeichnete, „Malzhändler und Geldverleiher“ aus Stratford zugeschrieben wurden, da der wahre Autor geheim bleiben wollte oder musste.

Dies sind nur einige Thesen, die die Zweifler an der Urheberschaft der Shakespeare-Werke anführen, genauso interessant ist die Liste der möglichen tatsächlichen Autoren des Shakespeare-Kanons:
Edward de Vere, 17th Earl of Oxford
Sir Francis Bacon
Christopher Marlowe
William Stanley, 6th Earl of Derby
Sir Walter Raleigh
Oder war es gar ein Autorenkollektiv, das die verschiedenen Stücke geschrieben hat? Mittlerweile gibt es mit über 70 möglichen „Shakespeares“ fast genauso viele Verdächtige wie im Fall „Jack the Ripper“.

Was ist dran, an diesen Theorien

Bei Lichte besehen ist an diesen Thesen wenig dran, da auch von anderen Theaterautoren bzw. Schauspielern relativ wenig bekannt ist. Wir bewegen uns immerhin in Zeiten, in denen es weder Bild-Zeitung noch das „Goldene Blatt“ oder die „Bunte“ gab, die auch noch das uninteressanteste Detail aus dem Leben von „Prominenten“ durchhecheln. Und gibt es nicht auch z. B. in der Biographie von Agatha Christie Lücken?
Wir wissen jedenfalls, dass er während seiner „Lost Years“ Kontakte zum Hochadel bekommen hat und diese ausbaute. Mit seiner Theatertruppe spielte er oft am Königshof oder vor anderem hochrangigen Publikum. So verwundert es nicht, dass er die Welt des Hochadels als glamouröse Kulisse für seine Stücke wählte. Sicherlich wurde er auch von Adeligen mit Klatsch, Tratsch und Anspielungen versorgt.
Aus eben jener Bekanntschaft mit Adeligen ist auch seine Kenntnis der Welt außerhalb Englands zuzuschreiben, waren doch Rom, Venedig oder Paris klassische Ziele der „Grand Tour“ junger Adeliger. Und auch wenn Shakespeare nicht selbst diese Orte aufsuchen konnte, konnte er doch Details aus derartigen Erzählungen gewinnen. Sowas machen Schriftsteller heute auch noch, das nennt man Recherche.
Übrigens machte er auch bedeutende Fehler, oder lag Böhmen jemals am Meer, wie es in „Ein Wintermärchen“ zu finden ist? Auch gibt es im Mittelmeer keine nennenswerten Gezeiten (10-100cm), wie sie in „Timon von Athen“ beschrieben sind. Auch sind Verona und Mailand Binnenstädte und haben keinen Seehafen (Zwei Herren aus Verona).
Hier kann man sagen, dass – wie heute auch – tatsächliche Bildung mit Schulbildung relativ wenig zu tun hat. Shakespeare kann sich seinen Wortschatz und sein Wissen auch außerhalb von Schule und Universität autodidaktisch, quasi auf dem „zweiten Bildungsweg“ erarbeitet haben. Eine interessante Frage ist auch, ob Shakespeare nach einer universitären Ausbildung derart innovative Stücke hätte schreiben können oder ob er nicht mehr angepasst, zeitkonform geschrieben hätte.
Auch ist es interessant zu sehen, dass zu Lebzeiten Shakespeares und in den Jahren/Jahrhunderten danach es keine Zweifel über die Urheberschaft seiner Werke gab. Zweifel kamen erst im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts auf. Warum haben seine Zeitgenossen, die durchaus über ihn schrieben (und auch nicht mit Kritik sparten) nie etwas ähnliches verlautbaren lassen? Vielleicht weil Shakespeare durch die Popularität seiner Stücke eine derart „öffentliche“ Person war, dass der Vorwurf absurd gewesen wäre. Hätte es auch nur den Hauch eines Zweifels gegeben, kann man sicher sein, dass seine Neider dies gnadenlos ausgeschlachtet hätten.
Seit den 1980er Jahren gibt es auch zahlreiche stilistische Untersuchungen zu Shakespeares Werk, die alle (auch wenn sie von Anhängern der verschiedenen Verschwörungstheorien durchgeführt wurden) zu dem Schluss kamen, dass die Werke von Shakespeare stammten. Vor allem ist dies an der stilistischen Entwicklung, die er durchmachte zu erkennen. Auch merkt man den Eindruck, den seine persönliche Biographie in den Werken hinterlässt. So schreibt er nach dem Tod seines einzigen Sohnes Hamnet hauptsächlich düstere, tiefsinnige Werke, die sich oft mit Leid und Tod beschäftigen.

Fazit

Verschwörungstheorien waren und sind weit verbreitet, was davon zu halten ist, bleibt natürlich jedem selbst überlassen, aber was die Urheberschaft der Shakespeare-Werke ist die Sachlage äußerst deutlich. Der Schriftsteller Shakespeare ist mit der biographischen Person Shaksper identisch und wir dürfen ihn heute noch sehr dankbar sein, für die großartigen Werke, die er uns während seiner kurzen Schaffenszeit (er starb ja bereits mit 52 Jahren) schenkte.

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