The Devil’s Footprints – Die Fußabdrücke des Teufels

Devon ist mit seinen über 6.700 km² eine der größten Grafschaften Englands und bietet eine abwechslungsreiche Landschaft. Während im Norden und Süden das Meer die natürliche Grenze bildet, stößt Devon im Westen an Cornwall, im Nordosten an Somerset und im Südosten an Dorset.

So finden sich an den Küsten malerische Fischerdörfer und Seefahrerstädte, wie zum Beispiel Plymouth, von wo aus über Jahrhunderte Forscher und Krieger zu ihren Reisen aufbrachen. Im Binnenland andererseits befindet sich mit dem Nationalpark Dartmoor eine karge und wilde, mit ihren Zeugnissen früherer Kulturen teilweise mystisch anmutende Landschaft.

Und hier in Devon, genauer gesagt an der Kanalküste Devons, begab sich im Februar 1855 eine mysteriöse Begebenheit, die die Einwohner des Küstenstreifens zwischen Exmouth und Teignmouth im Schlaf überraschte und als The Devil’s Footprints in die Annalen einging.

Schon im Januar 1855 hatte es stark geschneit und dies setzte sich auch in der Nacht vom 8. auf den 9. Februar fort. Und in eben jenem frischen Schnee fanden die ersten Frühaufsteher auch etwas seltsames, als sie aus den Fenstern blickten. Und zwar eine Spur von anscheinend gespaltenen Hufabdrücken, die sich schnurgerade von Exmouth landeinwärts bis Topsham abzeichneten. In Topsham überquerten die Abdrücke den Fluss Exe und führten daraufhin über Dawlish bis Teignmouth, insgesamt eine Strecke von knapp 100 Meilen, was knapp 161 Kilometern entspricht. Auch bei Totnes und Torquay, also weiter südlicher, fanden sich die Spuren, in denen nur wenige, notwendige Richtungsänderungen festzustellen waren.

Die Abdrücke ließen sich augenscheinlich auch nicht von Hindernissen wie Gartenpforten, Mauern oder Häusern aufhalten. In einem Fall ging die Spur bis wenige Zentimeter vor eine Gartenpforte und setzte sich dahinter wieder fort, so dass es schien, als wäre sie durch die Tür hindurch gegangen. Auch in einem Abflussrohr mit nur etwa zehn Zentimeter Durchmesser fand man diese Spuren.

Die Spuren selbst hatten eine Breite von 1,5 bis 2,5 Inch (3,8-6,3cm) und der Abstand dazwischen war eine recht regelmäßige Distanz von 8 Inch (20,3cm) und erinnerten an die Spuren eines Esels.

Die Illustrated London News berichteten am 24. Februar 1855 wie folgt über das Phänomen: Die am Freitagmorgen im (zu diesem Zeitpunkt recht dünnen) Schnee entdeckten Spuren trugen alle Merkmale eines Eselshufes – eine Länge von 4 Inch und eine Breite von 2 Inch. Doch statt der bei diesem (und anderen) Tieren übliche Fortbewegung war hier offenbar in gerader Linie ein Fuß vor den anderen gesetzt worden. Der Abstand zwischen den Tritten betrug 8 Inch oder eher mehr – wobei die Spuren in sämtlichen Gemeinden genau dieselbe Größe und Schrittweite aufwiesen!

Der geheimnisvolle Besucher durchschritt oder überquerte einen Garten oder Hofraum in der Regel nur einmal, besuchte dafür aber in vielen Teilen der verschiedenen Städte sämtliche Häuser […] sowie ringsum verstreute Gehöft. In manchen Fällen führte seine regelmäßige, stets den gleichen Schrittabstand einhaltende Spur über Hausdächer, Heuschober und sehr ansehnliche Mauern […] hinweg, als hätten diese nicht das geringste Hindernis gebildet, wobei weder hüben noch drüben der Schnee zertrampelt war. Gärten mit hohen Zäunen und Mauern oder versperrten Pforten wurden ebenso heimgesucht wie offene, uneingefriedete Besitzungen.

Überschlägt man, welche Strecke zu bewältigen waren, um diese Spuren zu hinterlassen, die sich so gut wie jedem Garten, auf Türstufen, in den ausgedehnten Wäldern von Luscombe, auf dem Gemeindeland, auf eingehegten Grundstücken und Gehöften fanden, so muss der insgesamt zurückgelegte Weg wohl über hundert Meilen betragen haben.

Es ist sehr einfach, über diese Erscheinung zu lachen und leichtfertig zu urteilen, doch in Wirklichkeit konnte bis jetzt noch keine befriedigende Erklärung gefunden werden. Kein Tier hätte einen so ausgedehnten Bereich in einer einzigen Nacht durchstreifen und noch dazu eine zwei Meilen breite Flussmündung überqueren können […] (1)

Sogar in Australien wurde über dieses Phänomen berichtet, allerdings etwas unaufgeregter: Es scheint, dass am letzten Donnerstagabend es in der Umgebung von Exeter und dem südlichen Devon starken Schneefall gegeben hat. Am folgenden Morgen entdeckten die überraschten Bewohner der genannten Städte, Fußspuren von einem seltsamen und geheimnisvollen Tier, ausgestattet mit der Macht der Allgegenwart, wie die Spuren waren, die in allen Arten und an unerklärlichen Orten – auf den Giebeln der Häuser, an schmalen Wänden, in Gärten und Höfen, von hohen Mauern und Geländern und offenen Feldern auftauchten. (2)

Natürlich trug die ganze Angelegenheit auch einige hysterische Züge. Henrietta Fusdon, Pfarrerstochter zu Dawlish, erinnerte sich wie folgt an den Vorfall: Die Fußspuren tauchten über Nacht auf. Wie mir mein Vater erzählte, der hier damals als Pfarrer wirkte, kamen gleich am nächsten Morgen Hilfspfarrer, Kirchenvorsteher und Gemeindemitglieder zu ihm, um seine Ansicht über die in ganz Dawlish beobachteten Abdrücke zu erfahren. Diese verliefen in gerader Linie und zeigten die Form eines kleinen Hufes, in dessen Rundung sich jedoch Klauen ausgeprägt fanden. Namentlich eine Fährte, die vom Pfarrhaus geradewegs zur Sakristeitür führte, erregte Aufmerksamkeit. In anderen Fällen lief die Spur geradewegs zu einer Mauer ohne Durchlass zu und setzte sich auf der anderen Seite fort. Vielfach fanden sie sich auch auf Hausdächern, und zwar in allen Vierteln von Dawlish […] Ich entsinne mich noch ganz deutlich dieser Fußspuren und meiner kindlichen Angst vor der unbekannten wilden Bestie, die wohl draußen herumstreichen musste, da sich die Dienstboten nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr hinauswagten, um das Hoftor zu schließen. (1)

Der Pfarrer von Clyst St. George, Reverend H. T. Ellacombe, berichtete sogar, drei Tage später Exkremente entlang der Spuren gefunden zu haben: Kaum ein Acker, Obstgarten oder Garten, wo sie nicht – durchwegs in einer einzigen Linie – bis unter die Hecken führten, und auf einem Feld in meiner Nachbarschaft stießen wir auf Exkremente – viele länglich-ovale Klümpchen von weißlicher Farbe, von der Größe und Form einer großen Traubenbeere. (1)

Die renommierte Times berichtete einige Wochen später: Das Interesse an der Angelegenheit hat kaum nachgelassen. Immer noch werden zahlreiche Untersuchungen über den Ursprung der Abdrücke angestellt, die am Morgen des 8. Februar für große Aufregung gesorgt hatten. Wir können festhalten, daß in Dawlish eine ganze Reihe von Leuten mit Gewehren und anderweitig bewaffnet auszog, um, soweit möglich, das Tier zu finden und zu töten, das mit so großem Eifer die Fußabdrücke hinterlassen haben soll. Wie zu vermuten war, kehrte der Suchtrupp unverrichteter Dinge zurück […] Die ganze Angelegenheit ist geheimnisvoll wie eh und je. (3)

Dadurch, dass die Spuren aussahen, wie ein einzelner Huf, wurden sie im Volksmund bald „The Devil‘s Footprints“ genannt, die Fußspuren des Teufels. Die Londoner Times vom 16. Februar 1855 schreibt hierzu unter der Überschrift „Außergewöhnliche Vorfälle“: Starke Emotionen riefen in den Städten Topsham, Lympstone, Exmouth, Teignmouth und Dawlish im Süden von Devon die Entdeckung einer Vielzahl von Fußspuren hervor, deren Beschreibung sehr seltsam und geheimnisvoll ist. Die Abergläubischen gehen so weit zu glauben, dass es die Spuren von Satan höchst selbst sind. Dass große Aufregung unter allen Schichten herrschte zeigt auch die Tatsache, dass das Thema selbst von der Kanzel herab diskutiert wurde. (4)

Natürlich schossen die wildesten Theorien ins Kraut, woher die Spuren stammen könnten, von Wetterballonen, die zu tief flogen, Mäuse, die durch den Schnee hüpften, Dachse, Hunde, Katzen, Esel, Albatrosse, ein entlaufenes Känguru oder ein Spaßvogel mit Brennschere. Natürlich wurden auch etwas exaltiertere Lösungsansätze gesucht. So wurde – wie bereits angeführt – auch der Teufel für die Spuren verantwortlich gemacht, genauso wie verschiedene andere kryptozoologische „Kreaturen“.

So sollen in den 1950er Jahren zwei Kadaver eines unbekannten Tieres am Strand der Canvey-Inseln angeschwemmt worden seien, bei denen es sich um Meeresbewohner handelt, das aber auch aufrecht über das Festland ‚laufen‘ konnte. Das Tier geriet im Laufe der Zeit schnell wieder in Vergessenheit. Doch am 11. August 1954 entdeckte Reverend Joseph Overs nahe der ersten Fundstelle ein identisches Tier, das scheinbar von der Flut angeschwemmt wurde. Auch dieser Kadaver wurde untersucht. Er wog ca. 25 Pfund, war fast doppelt so groß wie das erste Exemplar, hatte eine Hautfarbe, die an ein Schwein erinnerte, zeigte Kiemen und scharfe Zähne sowie zwei sehr große Augen. Doch besonders interessant waren die zwei kleinen Beine, denn diese endeten in hufeisenförmigen Füßen. (3) Leider ist in der wissenschaftlichen Literatur kein derartiger Fall bekannt, er wird nur auf den einschlägigen Web-Sides diskutiert.

Mike Dash, der langjährige Herausgeber der „Fortean Times“ beschäftigte sich intensiv mit diesem Phänomen und fand unter anderem heraus, dass es in der Nacht vom 8. auf den 9. Februar 1855 eine Wetteranomalie gab. So herrschte bis Mitternacht starker, fast stürmischer Schneefall, dann stiegen die Temperaturen aber an und es begann zu regnen. Zum Morgen hin fiel das Thermometer wieder und bei Tagesanbruch gab es wieder Frost. Diese war sicher auch der Grund, warum die Spuren so aussahen, als wäre der Schnee in ihnen weggeschmolzen und nicht wie bei normalen Spuren „zusammengedrückt“. Auch dürfte dies darauf hinweisen, dass die Spuren zwischen Mitternacht und dem Morgengrauen entstanden sind, da sie ja sonst vom Schnee wieder zugedeckt worden wären. Der Wechsel aus Regen, Tauen und Frost dürfte die Spuren auch bis zu einem gewissen Grad verfälscht haben.

Auch verglich Mike Dash die verschiedenen in den Originalquellen angegeben Angaben zu Größe und Abstand der Abdrücke. Hier zeigte sich, dass es teilweise erhebliche Abweichungen gab und Dash folgerte daraus, dass es sich um verschiedene und nicht um eine einzige Spur handelte.

Interessant ist, dass es sich hierbei nicht um das erste Phänomen dieser Art handelte. Bereits am 14. März 1840 berichte die „Times“ aus Schottland: Unter den hohen Bergen dieses erhabenen Bezirks, in dem Glenorchy, Glenlyon und Glenorchy liegen, wurden in diesem – und auch in vorherigen – Wintern mehrmals die Spuren eines in Schottland anscheinend unbekannten Tieres gefunden. Die Abdrücke ähneln denen eines Fohlens von erheblicher Größe, mit dem Unterschied, dass die Sohle anders gerundet zu sein scheint. Bisher hatte noch niemand das Glück gehabt, diese Kreatur zu sehen, deswegen kann nichts weiter zu seinem Aussehen oder seiner Größe gesagt werden. Es wurde allerdings bemerkt, dass die Abdrücke recht tief in dem Schnee eingesunken waren, so muss es ein Tier von beträchtlichem Gewicht sein. Auch läuft es nicht wie die Allgemeinheit der Vierbeiner, sondern es sieht so aus, als würde es gemächlich wie ein Hase hoppeln, wenn er nicht ängstlich ist oder verfolgt wird. Die Spuren fanden sich in einem Umkreis von 12 Meilen. (5)

Weiterhin schreibt Sir James Clark Ross von der Royal Navy im Bericht seiner Antarktisexpedition der Jahre 1839 bis 1843 über Entdeckungen, die ein Vermessungstrupp auf den Kerguelen-Inseln machte, als er in der Baie de l’Oiseau an Land ging: Von Landtieren sahen wir keine; und die einzigen Spuren, die wir entdecken konnten, waren einzelne Spuren von einem Pony oder Esel. Entdeckt wurden sie von einem Vermessungstrupp unter dem Kommando von Lieutnant Bird und wurden von Dr. Robertson als drei Zoll lang und zweieinhalb in der Breite, die eine tiefe Furche an den Seiten aufweist. Es ist keineswegs unwahrscheinlich, dass das Tier von einem havarierten Schiff an Land geworfen wurde. Sie verfolgten die Spuren eine Strecke lang durch den kurz zuvor gefallenen Schnee, verloren sie aber auf felsigen Untergrund, der frei von Schnee war. (6)

In der Ausgabe der Illustrated London News vom 17. März 1855 wurde ein mit „C. C. C.“ gezeichneter Leserbrief aus Heidelberg abgedruckt, der auf die Vorkommnisse in Devon Bezug nimmt und ausführt, dass in einem „kleinen Dorf in Galizien“ ähnliche Phänomene zu sehen sind und das jährlich. Als Quelle wurde ein „angesehener polnischer Doktor der Medizin“ genannt, der die dortigen Spuren im Schnee selbst gesehen haben will.

Was allerdings nun wirklich diese Spuren verursacht hat, wird sich nie befriedigend klären lassen. Dass es sich dabei um Spuren des Teufels handelt, das kann man allerdings ausschließen, müsste er dafür doch erst einmal existieren.

Meine persönliche Lieblingserklärung wird in der deutschsprachigen Wikipedia wie folgt zusammengefasst: Waldmäuse könnten wegen der ungewöhnlich kalten Witterung auf Nahrungssuche in Gehöfte und Siedlungen vorgedrungen sein. Auf Schnee bewegten sie sich springend, erzeugten eine geradeaus weisende Linie und hinterließen dabei an Hufabdrücke erinnernde Spuren im Schnee. Der Abstand sei nahezu gleich, das Muster des Abdrucks variiere indessen geringfügig und könne durchaus den Eindruck eines vorne offenen Hufes aufweisen. Dass manch beobachtete Spuren abrupt aufhörten, könne am Zugriff von Raubvögeln wie etwa Eulen liegen, deren Beute die im Schnee leicht erkennbaren Mäuse wurden. Als versierte Kletterer kämen die Nagetiere über Mauern und Dächer hinweg und wären fähig, durch Rohre, Ritzen und kleine Öffnungen zu gelangen. (7)

Wäre das nicht putzig? Eine kleine Mäusearmee in Reihe hintereinander, die durch’s ländliche Devon zieht? Mir würde es gefallen.

(1) http://www.freenet.de/nachrichten/wissenschaft/die-nacht-des-teufels_726384_4702462.html

(2) https://en.wikipedia.org/wiki/Devil’{}s_Footprints?oldid=701080052

(3) http://private.freepage.de/cgi-bin/feets/freepage_ext/339483x434877d/rewrite/groomlake/devon.html

(4) http://zeitpunkte.eu/2015/08/die-fussspuren-des-teufels/

(5) https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Devil%27s_Footprints&oldid=701080052

(6) Ross, James Clark: A Voyage of Discovery and Research in the Southern and Antarctic Regions, during the Years 1839-43. London, 1847. S. 87.

(7) https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Fu%C3%9Fspuren_des_Teufels&oldid=147345197

Alle Seiten abgerufen am 25.01.2016.

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