Von SciLogs und ScienceBlogs oder: Wie ich lernte, die Naturwissenschaften zu lieben

Mein Problem mit den Naturwissenschaften liegt darin, dass ich meine Schulbildung im Bayern der 1980er Jahre erworben habe. Spätestens seit der 3. Grundschulklasse entstammten meine Lehrer dem letzten Aufgebot der Kriegserlebnisgeneration, deren eigentlicher Ehrgeiz darin lag, die Jahre bis zur Pensionierung möglichst ruhig zu verleben. Wir als Schüler waren eigentlich egal. Das mache ich den Herrschaften jetzt noch nicht einmal zum Vorwurf, ich hätte an deren Stelle wahrscheinlich gar nicht anders gehandelt.

An unsere Lehrer in Physik, Chemie oder Biologie erinnere ich mich mit Grausen. Monotoner Frontalunterricht, mit monotoner Stimme vorgetragen, so dass man als Schüler Mühe hatte, wach zu bleiben. Die Herren hätten genauso gut die Anleitung zum Lohnsteuerjahresausgleich 1954 vortragen können. Ich bin jedenfalls stolz darauf, nun hier all das zu präsentieren, was ich aus meinem Chemieunterricht behalten habe:

Erst das Wasser, dann die Säure, sonst geschieht das Ungeheure!

So, das war’s, mehr ist es nicht. Von der Physik habe ich nur einige Schlagworte behalten und was die Biologie angeht, so haben wir alles über die Kriegsverletzungen unseres Studienrates gelernt, ansonsten war war’s auch zappenduster. Den meisten meiner Mitschüler ging es ja so wie mir, wir verstanden nur Bahnhof und wenn wir nachfragten, wiederholte unser lieber Herr F. einfach das, was er vorher erzählt hatte, nur lauter.Und wenn unsere Eltern am Elternabend nachfragten, warum wir alle so schlechte Noten in Physik hatten, erklärte Herr F. einfach, dass es halt Schüler gibt, die mit den Naturwissenschaften nichts anfangen können. Das ist halt so, da kann er sich Mühe geben wie er will, das bringt nichts. Eine Aussage, die der Hohn in Tüten war.

Einzig und allein im Geographieunterricht ging es lebhafter zu, weil wir hier einen Lehrer hatten, der selbst gerne reiste (und auch im Krieg viel rumgekommen ist) und hier seine Erfahrungen mit einbrachte und den Unterricht sehr lebendig gestaltete.

Aber was war das Ende vom Lied? Sobald als möglich wurden Physik, Chemie und Biologie abgewählt und mein Wissen in diesen Disziplinen blieb auf beschämendem Niveau. Es blieb sogar ein gewisser Widerwillen gegen die Thematiken. Dokumentationen im Fernsehen wurden weg gezappt, Bücher hierzu blieben im Regal.

Es war dann erst im Jahr 2007 (glaube ich zumindest, sicher bin ich mir nicht mehr), dass ich die erste Folge der ScienceBusters auf 3Sat sah. Durch Zufall war ich hier reingezappt und blieb hängen. Das war für mich eine vollkommen neue Welt. Physik! Chemie! Unterhaltsam! Das konnte doch nicht sein… Und ich verstand alles, was da erklärt wurde. Ich war ja gar nicht so doof, wie Herr F. immer behauptet hatte.

Dadurch hatte ich Blut geleckt, dann folgten Bücher. So richtige Wissenschaftsbücher. Dawkins, Haber, Hawking, alle wurden gelesen. 2012 dann stieß ich über den Maya-Weltuntergangswahn auf „Astrodicticum simplex“, das Blog von Florian Freistetter auf ScienceBlogs, woraufhin mein Erkenntniskosmos explodierte. Neben „Astrodicticum simplex“ verschlang (und verschlinge) ich die Blogartikel von Cornelius Courts bei „blooDNAcid“, dem „Gesundheits-Check“ von Joseph Kuhn oder „Frischer Wind“ von Christian Reinboth, wobei die Aufzählung natürlich nicht beendet ist.

Durch fleißiges klicken und suchen traf ich dann auf die SciLogs, die Tagebücher der Wissenschaft. Eine erneute Wissensexplosion. Ich liebe das „Fischblog“ von Lars Fischer, „1IFE5CIENCE“ von Anna Müllner oder „Von Menschen und Mäusen“ von Claudia Davenport. Aber auch diese drei sind nur eine kleine Auswahl, von den Blogs, die mir die naturwissenschaftliche Welt erschließen.

All hier genannten und noch viele Blogger mehr schaffen es, komplexe Sachverhalte für Laien verständlich darzustellen und helfen so mir und vielen anderen Dummies, diese faszinierende Welt zu eröffnen. Deswegen an dieser Stelle vielen Dank hierfür.

Was ich persönlich mir noch wünschen würde, wäre ein Blog, der mir als Außenstehenden den Tagesalltag eines Wissenschaflers zeigen würde. Aber das gibt’s sicherlich irgendwo da draußen im „Neuland“…

Die Wahrheit über die NWO – Oder: Neues von Aluhut-King Mampfred

Von meinem ganz persönlichen Aluhut-King Mampfred habe ich euch ja bereits erzählt. Mittlerweile ist seine Frau gestorben und er kommt jeden Tag, aber auch wirklich JEDEN Tag zu uns in die Bibliothek und ratet mal, wer sich mit ihm rumplagen ihn freundlich betreuen darf? Richtig – Ich, euer armer Onkel Michael. Aber ich möchte euch seine Ergüsse nicht vorenthalten. Also, was gibt’s neues von der NWO?

Ich habe mittlerweile gelernt, dass sämtliche Service-Clubs, wie Lions, Rotary, Kiwanis und wie sie alle heißen die Aufgabe haben, den „Umsturz“ auf der untersten Ebene vorzubereiten. Sobald die NWO in Kraft tritt, werden diese Clubs quasi die Verwaltungsebene der Städte übernehmen. Die Verwaltung auf Länderebene übernehmen die Illuminaten und die Bundesregierung wird von Freimaurern übernommen und ganz oben thronen dann die Rothschilds.

Die Rothschilds übrigens, stecken auch hinter dem Zweiten Weltkrieg. Hitler war ein illegitimer Rothschild-Sproß und hat den Auftrag bekommen, den Weltkrieg vom Zaun zu brechen.

Und die Rothschilds die sitzen ja auch auf dem Bilderberg, das ist alles die verschwundene Raubkunst (und das meint der nicht als Spaß…)

Ach ja, nochmal zurück zu den Service-Clubs. Dass das alles Satanisten sind, ist ja eh klar oder? Hmmmm… vielleicht machen die ja auch schicke Orgien. Das wäre wieder mal nett. So ’ne kleine Orgie…

Also Lions, Rotary, Kiwanis und wie ihr alle heißt: Ihr seid enttarnt!

Das Massaker von Fort William Henry oder der echte Lederstrumpf

Cooper-OffterdingerEs war eine Eigenthümlichkeit der Kriege, welche in den Kolonien Nordamerikas geführt wurden, daß die Mühseligkeiten und Gefahren der Wildnisse zu bestehen waren, ehe noch die feindlichen Heere sich begegnen konnten. Ein breiter Gürtel von scheinbar undurchdringlichen Wäldern trennte die Besitzungen der feindlichen Provinzen von Frankreich und England. Der kühne Pflanzer und der geübte Europäer, der an seiner Seite focht, kämpften oft Monate lang mit reißenden Waldströmen, oder suchten rauhe Gebirgspässe gangbar zu machen, um Gelegenheit zu finden, ihren Muth in mehr kriegerischem Kampfe zu zeigen. Aber wetteifernd mit der Ausdauer und Selbstverläugnung der erfahrenen eingebornen Krieger lernten sie jede Schwierigkeit überwinden; und es wollte scheinen, daß mit der Zeit kein Winkel in den Waldungen so finster, kein Versteck so abgelegen wäre, in den sie nicht zu dringen wagten, die ihr Blut verpfändet hatten, ihre Rache zu sättigen, oder der kalten, selbstsüchtigen Politik entfernter Monarchen Europas Geltung zu verschaffen. Quelle

 
James_Fenimore_Cooper_by_JarvisMit diesen Sätzen beginnt eine der wohl bekanntesten Indianererzählungen. Es ist „Der letzte Mohikaner“ aus der Feder von James Fenimore Cooper, die seit 1826 tausende von Lesern begeisterte. Nur wenige wissen aber, dass sich dieser Roman auf zwei tatsächliche Begebenheiten stützt.

Der erste Teil der Handlung bezieht sich auf die Belagerung des Forts William Henry im Franzosen- und Indianerkrieg der Jahre 1754 bis 1763. Mir sei erlaubt, die Truppenbewegungen und sonstige Begebenheiten, die zu dieser Belagerung führten zu überspringen und gleich an den Schauplatz zu gehen.

800px-French_and_Indian_War_mapEs war der August des Jahres 1757, als das Fort William Henry am Ufer des Lake George mit 2.200 britischen Soldaten und amerikanischen Milizionären gehalten wurde, als der Marquis Louis-Joseph de Montcalm mit 8.000 Mann (3.000 Mann reguläre Truppen, 3.000 Mann Miliz, 2.000 Indianer) gegen das Fort zogen, um es zu erobern.

Befehligt wurden die belagerten Truppen durch Lieutenant Colonel George Monro, der im Jahr 1700 in Clonfin in Irland geboren wurde. Monro wurde im Lederstrumpf „Munro“ genannt, wobei seine Töchter eine Erfindung von Cooper waren. Tatsächlich hatte er eine Tochter und zwei Söhne. Monro starb auch nicht während der Belagerung, sondern für einen Soldaten recht unspektakulär am 3. November 1757 an Herzversagen.

Louis-Joseph_de_MontcalmAuf der anderen Seite stand Colonel Louis Joseph de Montcalm-Gozon, Marquis de Saint-Véran, der am 28. Februar 1712 auf Château de Candiac bei Nimes in Frankreich geboren wurde. 1729 kaufte ihm sein Vater ein Capitaines-Patent der französischen Armee und war seitdem Berufssoldat, der sich in zahlreichen Feldzügen bewährte. 1756 wurde er mit seiner Truppe nach Nordamerika geschickt, wo er im Kampf gegen die Briten zahlreiche Erfolge verbuchen konnte. Montcalm starb am 13. September 1759 bei einem voreiligen Angriff der britischen Truppen zur Verteidigung von Québec.

FortWilliamHenry1765PlanNatürlich war die Belagerung von Fort William Henry für die Verteidiger eine aussichtslose Angelegenheit. 8.000 Belagerer standen 2.200 Verteidigern mit begrenzten Vorräten gegenüber. Gerade die Versorgungssituation war angespannt, da sich natürlich auch zahlreiche Zivilisten ins Fort geflüchtet hatten.

Die Franzosen waren gut mit Artillerie ausgestattet und begannen mit einem schweren Beschuss des Forts, den die Verteidiger aushalten mussten. Mehrfach bat er General Daniel Webb um Entsatz. Dessen letztendliche Absage erreichte Monro erst, nachdem sie den Franzosen in die Hände gefallen war. Da diese nun auch um die auswegslose Lage der Briten wussten, blieb Monro nichts anderes übrig, als mit Montcalm über die Kapitulation zu verhandeln.

Was dann geschah, wollen wir uns aus einer zeitgenössischen deutschen Quelle anhören: Dieser Vertrag, welcher am neunten August von den Befehlshabern beider Theile in den Laufgräben vor William Henry unterzeichnet wurde, schien die Engländer hinreichend für ihre kurzen Leiden und Besorgnisse zu entschädigen. Nur allzubald wurden sie aber aus trauriger Erfahrung überzeugt, dass Montcalm’s Schreiben, welches dem Obristen Monro gleich zu Anfang der Belagerung zugeschickt wurde, keine leeren Drohungen enthielt. Unmittelbar nach der Uibergabe des Fort hörte ein englischer Officier, dass der Anführer der Wilden dem französischen Befehlshaber die bittersten Vorwürfe machte. Er schalt ihm einen Lügner und treulosen Mann, der sein Versprechen nicht halte, und die zugesagte Plünderung der Besatzung verhindere. Er bestehe darauf, sagte er, dass dieser Punkt erfüllt werden müsse, und würde sich mit feinen Landsleuten selbst Genugthuung verschaffen, wenn Montcalm die Engländer in Schutz nehmen wolle. Nach diesem Wortstreite fielen die blutdürstigen Unmenschen sogleich über die wehrlosen Engländer her, und verübten Greuel, bei deren Erzählung sich die menschliche Natur entsetzt. Officiere sowohl als Gemeine wurden aus Reihe und Glied gerissen, und ohne Barmherzigkeit vor den Augen ihrer Freunde skalpirt. Alle in dem Fort befindliche englische Wilden und Negern wurden entweder todtgeschlagen oder zur immerwährenden Knechtschaft verdammt. Allen Weibspersonen wurde die Gurgel abgeschnitten, der Leib aufgerissen und das Eingeweide ins Antlitz geworfen. Kinder wurden bei den Füssen genommen, und so lange mit den Köpfen an Bäume oder Felsenstücke geschleudert, bis das Gehirn durch den zerschmetterten Schedel drang. Kurz, es war ein Mordfest, dergleichen der zum Tyger gewordene Wilde in seinen grausenvollen Einöden vielleicht seit Jahrhunderten nicht feierte. Tausend drei hundert Menschen, ohne Weiber, Kinder, und andere zum Tross gehörige Personen, mussten an diesem greulichen Tage unter dem Schlachtmesser bluten. Von der ganzen Besatzung wurden nur neun hundert Mann gerettet. Drei hundert derselben hatten sich den Franzosen in die Hände geworfen, und sechs hundert waren im ersten Getümmel nach Fort Edward geflohen. Viel Mühe kostete es diesen leztern dem Tode zu entrinnen, denn sie wurden von den nachsetzenden Wilden eine Strecke von sieben englischen Meilen verfolgt.

Dieser Bericht ist 1757 unter dem Titel Die Einnahme Des Fort William Henry In Nordamerika Von Den Königlich Französischen Truppen Unter Anführung Des Marquis von Montcalm im August 1757. erschienen. Die Kollegen der Sächsischen Landesbibliothek in Dresden stellen diesen Bericht übrigens hier als vollständiges Digitalisat zur Verfügung.

Montcalm_trying_to_stop_the_massacreAber kommen wir zurück in die historische Realität. Der Marquis de Montcalm gewährte den Briten höchst ehrenvolle und großzügige Kapitulationsbedingungen und ließen sie unbehelligt abziehen. Damit waren die eingeborenen Hilfstruppen nicht einverstanden, war ihnen doch vorher großzügige Kriegsbeute versprochen worden, und griffen die abziehenden Briten an. Viele wurden getötet, ausgeraubt und gefangen genommen. Von den 1.300 bis 1.500 Toten, die in zeitgenössischen Quellen genannt werden, ist die Realität weit entfernt, wo es tatsächlich zwischen 70 und 180 Getötete waren. Was natürlich auch schon zuviel war. Montcalm selbst versuchte auch, das Massaker zu stoppen, was ihm allerdings nicht gelang. Hier sieht man wieder sehr schön, wie ausgeprägt und nachhaltig schon damals die Kriegspropaganda war.

Nun folgt im Roman von Cooper die Entführung der beiden Töchter des Colonel Munro durch die Huronen. Nachdem der reale Monro nun nur eine Tochter und zwei Söhne hat, drängt sich der Verdacht auf, dass das so nicht ganz stimmen kann. Und da trügt die Ahnung auch nicht. Tatsächlich wurden Töchter entführt, aber nicht die von Lt.-Col. Monro, sondern die des bekannten Waldläufers Daniel Boone.

Ja, genau der:

Naja, vielleicht hat die TV-Serie da ein paar historisch nicht ganz korrekte Details… Also schauen wir uns mal an, worum es wirklich ging.

Daniel_Boone03Daniel Boone wurde – je nachdem welchen Kalender wir anschauen – am 22. Oktober (julianisch) oder 2. November (gregorianisch) 1734 in Birdsboro, Pennsylvania geboren. Boone war Pionier, Jäger und Forscher. So wagte er sich als einer der ersten Weißen in die Blue Ridge Mountains vor, erforschte Kentucky und Tennessee, gründete die Stadt Boonesborough in Kentucky und klöppelte Spitzendeckchen äääh kämpfte gegen Briten und Indianer. Und in diese Zeit fiel auch die Episode aus Boones Lebens, die James Fenimore Cooper im Lederstrumpf seinen Colonel Munro anhängte. Seine Tochter Jemima und die Schwestern Betsey und Fanny Callaway wurden von den Indianern entführt.

1280px-Capture_of_the_Daughters_of_D._Boone_and_Callaway_by_the_IndiansEs begab sich also am 14. Juli 1776, dass sich Jemima Boone mit ihren Freundinnen Betsey und Fanny Callaway außerhalb von Boonesborough aufhielten und dort von Indianern gefangen genommen wurden. Die drei Teenager wurden in Richtung Norden, nach Ohio verschleppt, wo sich die großen Shawnee-Siedlungen befanden. Daniel Boone verfolgte die Gruppe zusammen mit anderen Männern ausThe rescue of Jemima Boone and Betsey and Fanny Callaway, kidnapped from Boonesborough by Indians in July 1776.  A. Crafts, Pioneers in the Settlement of America (Boston, 1877)

Boonesborough und traf zwei Tage später auf die Indianer, als diese gerade eine Essenspause machten.

Boone und seine Männer konnte die Mädchen durch einen Überraschungsangriff befreien und mit ihnen zurück in ihre Heimatstadt flüchten. Dies ist eine der bekanntesten Episoden aus Daniel Boones Leben, eben nicht zuletzt durch die Darstellung in Coopers letztem Mohikaner.

1280px-Carl_Wimar_Abduction_of_Boones_Daughter_detail_Amon_Carter_MuseumDer Lederstrumpf ist ja eigentlich kein einzelner Roman, sondern eine Romanreihe, die das Leben des Waldläufers Nathaniel Bumppo im Mittelpunkt hat. Sie besteht aus den Romanen

  • Die Ansiedler (The Pioneers; Or The Sources of the Susquehanna. A Descriptive Tale, 1823)
  • Der letzte Mohikaner (The Last of the Mohicans. A Narrative of 1757., 1826)
  • Die Prärie (The Prairie, 1827)
  • Der Pfadfinder (The Pathfinder; Or The Inland Sea, 1840)
  • Der Wildtöter (The Deerslayer, Or The First War Path, 1841)

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Gelesen: Bartoschek, Sebastian: Bekanntheit von und Zustimmung zu Verschwörungstheorien: eine empirische Grundlagenarbeit

UnbenanntdfSebastian Bartoschek (oder auch „Bartoschekel“, wie ihn der gemeine Aluhutträger liebevoll nennt), Psychologe und Journalist aus dem Ruhrgebiet, hat mit seiner Dissertation zur Bekanntheit von und Zustimmung zu Verschwörungstheorien das Standardwerk in diesem Bereich vorgelegt.

Grundlage ist die Auswertung einer Befragung zu 95 verschiedenen Verschwörungstheorien, an der über tausend Menschen teilgenommen hatten. Was dabei entstand, ist die weltweit breiteste Untersuchung von Verschwörungstheorien, gestützt auf empirische Daten, die für sich betrachtet ebenso faszinierend sind wie mit Blick auf zukünftige Forschungsmöglichkeiten. (1)

Hochinteressant ist auch das Kapitel über den Stand der Forschung, in dem man sich über die bisherigen Untersuchungen zu Verschwörungstheorien informieren kann.

Bekanntheit von und Zustimmung zu Verschwörungstheorien ist sicherlich kein Werk, das sich an die breite Masse wendet. Das sind ja die wenigsten Dissertationen, aber wer sich grundlegend mit dem Thema auseinander setzen möchte, wird um diese Publikation mit ihren stolzen 347 Seiten nicht herum kommen.

Erschienen ist das Buch – wieder einmal – im JMB-Verlag (ISBN 39783944342603) und kostet 18,95 €, von denen sich jeder Cent lohnt.

Also: Auf auf, sprach der Fuchs zum Hasen, hörst Du nicht den Jäger blasen?

(1) Verlagstext

Gelesen: Bartoschek, Sebastian: Gedankenwelten Band 1 und 2

9783944342108Sebastian Bartoschek, promovierter Psychologe und freier Journalist aus dem Ruhrgebiet (Recklinghausen, da hatte ich einen ganz tollen Großonkel, der für jeden Scheiß zu haben war. Echt cooler Typ, alter Zechenkumpel, leider schon tot.), humanistisch-skeptischer Provenienz.

Band 1 hat den schönen Untertitel Interviews zwischen Science und Fiction und es finden sich insgesamt 14 Gespräche, die Bartoschek mit so illustren Menschen wie Erich von Däniken, Bernhard Hoecker, Florian Freistetter oder Lorenz Mayer geführt hat. Man sieht also die interessante Mischung, auf der einen Seite Vertreter des wissenschaftlichen Skeptizismus, auf der anderen Seite Vertreter aus dem Bereich der Parawissenschaften.

9783944342399rgbBand 2 führt Interviews zwischen Wahn und Sinn im Untertitel und beinhaltet zehn Gespräche. Diesmal finden sich neben einer Hexe, einem Paganisten und einem FDP-Politiker auch Bundestagspräsident Norbert Lammert, das Internet-Kollektiv Anonymus oder der Wetterexperte Jörg Kachelmann.

Nun wäre es für den promovierten Psychologen ein leichtes, gerade die Vertreter der Parawissenschaften vorzuführen. Aber das tut Bartoschek nicht. Er nimmt sie ernst. Er nimmt jeden ernst, mit dem er spricht und so sind die beiden vorliegenden Interviewbände ganz besondere Einblicke in (jedenfalls mir) fremde Gedankenwelten, die hoch spannend sind. Und selbst, wenn er so offensichtlich unwillige (und meiner Meinung nach auch unhöfliche) Gesprächspartner wie Norbert Lammert vor sich hat, erfreut die Gelassenheit und Höflichkeit, die Sebastian Bartoschek seinem Gegenüber entgegen bringt.

Somit sind die beiden Bände der Gedankenwelten wertvolle Einblicke in die Welt der Skeptiker, wie auch in die Welt der Parawissenschaftler. Deswegen kann ich nur kurz und knapp eine deutliche LESEEMPFEHLUNG geben!

Erschienen sind die beiden Bände beim JMB-Verlag und sind zum Preis von 11,95 € (Band 1 – ISBN 9783944342535) und 12,95 € (Band 2 – ISBN 9783944342399) erhältlich.
Also auf zum JMB-Verlag! Und am besten noch ein bißchen dort stöbern, da findet man so einige interessante Sachen.

Gehört: Polydora – Ein Vorlese-Podcast

Die deutsche Podcastszene hält ja immer wieder Überraschungen bereit. Eine solche Überraschung erlebte ich gerade, als ich den Vorlese-Podcast „Polydora“ entdeckte.

Bei dem kleinen, feinen Podcast findet man wunderbare Perlen der klassischen Literatur von Edgar Allan Poe über Fjodor M. Dostojewski zu Johann Wolfgang von Goethe oder Friederike Kempner.

Als großer Freund der Balladen von Theodor Fontane hörte ich mir natürlich gleich „John Maynard“ an und genoss die wunderbare Umsetzung von Carola Bach, der Vorleserin und Betreiberin des Podcasts. Sprachgewaltig, mit perfekter Nuancierung und angenehmer Sprachfärbung vorgetragen, war „John Maynard“ ein wahrer Genuss.

Danach folgten „Das verräterische Herz“ von Poe, der „Zauberlehrling“ von Goethe oder Rilkes herrlich melancholischer „Herbsttag“ und jede Folge war ein ebenso großer Genuss.

Deswegen möchte ich euch allen „Polydora – Ein Vorlese-Podcast“ ans Herz legen. Unbedingt mal reinhören!

Gehört: Das geheime Kabinett

geheimkabinett

Den „Angegraben“-Podcast des Buddlers habe ich euch ja schon mal empfohlen, weswegen ich es nicht versäumen möchte, euch auch noch den zweiten Wurf des Buddlers, „Das geheime Kabinett“ ans Herz legen.

Im Archäologischen Nationalmuseum im schönen Neapel gibt es ein Gabinetto Segreto, also ein geheimes Kabinett, in dem sich ganz besondere Fundstücke aus der römischen Antike finden. Nämlich Fundstücke mit erotischem Motiv. Die meisten dieser Stücke fanden sich bei den Ausgrabungen von Pompeji und zeigen zum Beispiel kopulierende Paare, fliegende Penisse oder Götter mit enormen (wirklich enormen) erigierten Penissen.

Ähnlich dem neapolitanischen Kabinett beschäftigt sich auch der Buddler in seinem geheimen (Hör-)Kabinett mit Skurrilitäten der Geschichtsschreibung, die in der „offiziellen“ Geschichtsschreibung untergehen.

So erzählt der Buddler über Rasputins Gemächt, die Toilettenkultur im alten Rom, hysterische Gebärmütter oder Inzest im alten Ägypten. Aber auch „unerotische“ Skurrilitäten finden sich, wie z. B. in der Folge über die kgl.-preußischen Kaffeeriecher, dem Nabel der Welt, dem Ungeheuer von London oder die Knochen des Nikolaus.

Interessant sind auch die Folgen über Hitlers Blähungen (eines der wenigen Themen, die Guido Knopp noch nicht aufgearbeitet hat) oder den Postversand von Kindern in den USA.

Schön war auch das Adventskabinett, also ein hörbarer Adventskalender, in dem unser Buddler täglich (!) eine Folge des Kabinetts kredenzte, was die Vorweihnachtszeit wieder etwas erträglicher machte.

Was mir besonders am geheimen Kabinett gefällt, ist die große Mühe, die sich der Buddler mit jeder einzelnen Folge gibt. Selbst in der sicherlich stressigen Zeit des Adventskabinetts waren alle Folgen sehr liebevoll gestaltet. Dafür ein dickes Lob an den Buddler!

Also, ran an die Podcatcher und holt euch „Das geheime Kabinett“ auf die Ohren, es lohnt sich!

Ach ja, auch die normale Titelmelodie, als auch die des Adventskabinetts sind wieder toll!