Live and let Die

Während ich diesen Artikel schreibe stirbt meine Großmutter. Wobei „sterben“ ein sehr euphemistischer Begriff ist. Man kann es leider nicht anders ausdrücken, sie verreckt elendiglich. Ihr Hirn ist nach Jahren der Demenz und der Schlaganfälle, die sie vor kurzem erlitten hat, nur noch auf seine vegetativen Funktionen heruntergefahren. Sie liegt in ihrem Bett und dämmert vor sich hin. Die einzige Empfindung, die sie noch gezeigt hat, war Schmerz; und das sehr deutlich. Ich weiß nicht, ob ich diese Schreie je vergessen kann. Aber jetzt bekommt sie Morphium und hat sich wieder in ihren Dämmerzustand zurückgezogen.

Ich weiß nicht, ob es sich hierbei um das „würdevolle Sterben“ handelt, von dem die Herren Kardinäle und Bischöfe und welche blumigen Titel diese Herrschaften noch führen, immer sprechen. Für mich hat das überhaupt nichts Würdevolles. Für mich ist das nur eine Quälerei, eine sich nunmehr fast zwei Wochen hinziehende, unmenschliche Quälerei und ich kann mir keinen Sinn vorstellen, warum die vorgenannten Herren (und natürlich Frau Käßmann, die Helene Fischer der evangelischen Kirche) irgendjemanden zu solchen Qualen und zu solchen Schmerzen verdammen, nur um irgendwelchen selbstgestrickten Vereinsregeln zu genügen.

Gerne würde ich die Herren Marx, Wölki und Frau Käßmann an den Nasenlöchern ins Krankenzimmer meiner Großmutter zerren und ihnen zeigen, wie „würdevoll“ dieses Sterben ist. Warum fahren eigentlich gerade die Katholen so auf Leid und Schmerzen ab? Das hätte ich dann doch gerne mal psychologisch erklärt. Ich jedenfalls würde vieles darum geben, um meiner Großmutter weitere Schmerzen zu ersparen und ihr einen sanften Tod zu bescheren. Aber so wie es aussieht, muss sie sich noch ein paar Tage herumquälen. Und wir sitzen daneben und können nichts weiter tun als zuzusehen, ihr den Mund, die Lippen zu befeuchten und zu warten.

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