Von SciLogs und ScienceBlogs oder: Wie ich lernte, die Naturwissenschaften zu lieben

Mein Problem mit den Naturwissenschaften liegt darin, dass ich meine Schulbildung im Bayern der 1980er Jahre erworben habe. Spätestens seit der 3. Grundschulklasse entstammten meine Lehrer dem letzten Aufgebot der Kriegserlebnisgeneration, deren eigentlicher Ehrgeiz darin lag, die Jahre bis zur Pensionierung möglichst ruhig zu verleben. Wir als Schüler waren eigentlich egal. Das mache ich den Herrschaften jetzt noch nicht einmal zum Vorwurf, ich hätte an deren Stelle wahrscheinlich gar nicht anders gehandelt.

An unsere Lehrer in Physik, Chemie oder Biologie erinnere ich mich mit Grausen. Monotoner Frontalunterricht, mit monotoner Stimme vorgetragen, so dass man als Schüler Mühe hatte, wach zu bleiben. Die Herren hätten genauso gut die Anleitung zum Lohnsteuerjahresausgleich 1954 vortragen können. Ich bin jedenfalls stolz darauf, nun hier all das zu präsentieren, was ich aus meinem Chemieunterricht behalten habe:

Erst das Wasser, dann die Säure, sonst geschieht das Ungeheure!

So, das war’s, mehr ist es nicht. Von der Physik habe ich nur einige Schlagworte behalten und was die Biologie angeht, so haben wir alles über die Kriegsverletzungen unseres Studienrates gelernt, ansonsten war war’s auch zappenduster. Den meisten meiner Mitschüler ging es ja so wie mir, wir verstanden nur Bahnhof und wenn wir nachfragten, wiederholte unser lieber Herr F. einfach das, was er vorher erzählt hatte, nur lauter.Und wenn unsere Eltern am Elternabend nachfragten, warum wir alle so schlechte Noten in Physik hatten, erklärte Herr F. einfach, dass es halt Schüler gibt, die mit den Naturwissenschaften nichts anfangen können. Das ist halt so, da kann er sich Mühe geben wie er will, das bringt nichts. Eine Aussage, die der Hohn in Tüten war.

Einzig und allein im Geographieunterricht ging es lebhafter zu, weil wir hier einen Lehrer hatten, der selbst gerne reiste (und auch im Krieg viel rumgekommen ist) und hier seine Erfahrungen mit einbrachte und den Unterricht sehr lebendig gestaltete.

Aber was war das Ende vom Lied? Sobald als möglich wurden Physik, Chemie und Biologie abgewählt und mein Wissen in diesen Disziplinen blieb auf beschämendem Niveau. Es blieb sogar ein gewisser Widerwillen gegen die Thematiken. Dokumentationen im Fernsehen wurden weg gezappt, Bücher hierzu blieben im Regal.

Es war dann erst im Jahr 2007 (glaube ich zumindest, sicher bin ich mir nicht mehr), dass ich die erste Folge der ScienceBusters auf 3Sat sah. Durch Zufall war ich hier reingezappt und blieb hängen. Das war für mich eine vollkommen neue Welt. Physik! Chemie! Unterhaltsam! Das konnte doch nicht sein… Und ich verstand alles, was da erklärt wurde. Ich war ja gar nicht so doof, wie Herr F. immer behauptet hatte.

Dadurch hatte ich Blut geleckt, dann folgten Bücher. So richtige Wissenschaftsbücher. Dawkins, Haber, Hawking, alle wurden gelesen. 2012 dann stieß ich über den Maya-Weltuntergangswahn auf „Astrodicticum simplex“, das Blog von Florian Freistetter auf ScienceBlogs, woraufhin mein Erkenntniskosmos explodierte. Neben „Astrodicticum simplex“ verschlang (und verschlinge) ich die Blogartikel von Cornelius Courts bei „blooDNAcid“, dem „Gesundheits-Check“ von Joseph Kuhn oder „Frischer Wind“ von Christian Reinboth, wobei die Aufzählung natürlich nicht beendet ist.

Durch fleißiges klicken und suchen traf ich dann auf die SciLogs, die Tagebücher der Wissenschaft. Eine erneute Wissensexplosion. Ich liebe das „Fischblog“ von Lars Fischer, „1IFE5CIENCE“ von Anna Müllner oder „Von Menschen und Mäusen“ von Claudia Davenport. Aber auch diese drei sind nur eine kleine Auswahl, von den Blogs, die mir die naturwissenschaftliche Welt erschließen.

All hier genannten und noch viele Blogger mehr schaffen es, komplexe Sachverhalte für Laien verständlich darzustellen und helfen so mir und vielen anderen Dummies, diese faszinierende Welt zu eröffnen. Deswegen an dieser Stelle vielen Dank hierfür.

Was ich persönlich mir noch wünschen würde, wäre ein Blog, der mir als Außenstehenden den Tagesalltag eines Wissenschaflers zeigen würde. Aber das gibt’s sicherlich irgendwo da draußen im „Neuland“…

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3 Gedanken zu “Von SciLogs und ScienceBlogs oder: Wie ich lernte, die Naturwissenschaften zu lieben

  1. Vielen Dank für das freundliche Lob – auch wenn ich in letzter Zeit leider kaum noch zum Bloggen gekommen bin, weil im Labor einfach viel zu viel los ist. Es ist übrigens immer wieder erschütternd zu lesen, wie ein pädagogisch unbegabter Lehrer über die Jahre hunderten Kindern das Interesse an der Wissenschaft dauerhaft (zum Glück nicht in jedem Fall) nehmen kann – schade. 😦

    Was den wissenschaftlichen Tagesalltag angeht, so befürchte ich, dass ein solches Blog dann vermutlich doch etwas zu langweilig wäre. Wenn man beispielsweise wochenlang an einem Förderantrag sitzt oder über Tage immer wieder Messreihen wiederholt, gibt es nicht allzu viel Spannendes zu berichten. Man kann inzwischen allerdings vielen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ganz verschiedener Einrichtungen und Fachgebiete, die regelmäßig über ihren ganz profanen Arbeitsalltag berichten, auf Social Media-Kanälen wie Twitter oder Facebook folgen.

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  2. Wir sind Namensvettern der scilogs und Brüder im Geiste. scilog ist das Magazin des Wissenschaftsfonds FWF, der Förderinstitution für Grundlagenforschung in Österreich. Seit 2015 wollen wir mit scilog die Welt der Wissenschaft und insbesondere die spannenden Projekte in der Grundlagenforschung vor den Vorhang holen. Und zwar einer Form, dass sie für alle, die sich für Wissenschaft interessieren, verständlich und nachvollziehbar ist. Und einen kurzen Einblick in den Alltag der Forscherinnen und Forscher erhalten Sie in unseren Videoporträts über aktuelle FWF-Projekte. Vorhang auf! http://scilog.fwf.ac.at

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