Homöopathie – Ein Erfahrungsbericht

Dass Homöopathie lediglich über den Placeboeffekt wirkt, dürfte allgemein bekannt sein. Das möchten die Anhänger dieser Glaubenslehre natürlich nicht hören und setzen jeder Studie persönliche Erfahrungsberichte nach der Art „aber dem Schwager meiner Tanteschwestermutternonkel“ hat es geholfen.

Deswegen möchte ich auch mal meinen ganz persönlichen Erfahrungsbericht mit der Homöopathie erzählen. Ich leide ja seit Kindesbeinen an Pollinosis, also Heuschnupfen und mein erster und einziger Kontakt mit homöopathischen Mittelchen stammt aus der Zeit, als ich noch keine Desensibilisierung hinter mir hatte.

Also, ich war ein junger Mensch (und entgegen einigen bösen Zungen hat damals Helmut Kohl und nicht Kaiser Wilhelm regiert) und hatte gerade meine erste Stelle angetreten. Es war ein warmer und wunderschöner Sommer und meine Augen waren wochenlang zugeschwollen und meine Nase lief wie Emil Zapotek in seinen besten Zeiten.

Einer meiner Kollegen empfahl mir dann Heuschnupfen-Tropfen, die seiner Schwester wohl immer helfen würden. An diesem Punkt wäre ich auch nackt mit einer schwarzen Katze bei Vollmond an der Wegkreuzung um einen Birnbaum getanzt, hätte es nur geholfen. Ich muss dazu sagen, dass ich vorher noch nie irgendeinen Berührungspunkt mit der Homöopathie hatte. Bei uns zu Hause kam immer nur richtige Medizin „auf den Tisch“, deswegen war ich zu diesem Zeitpunkt noch vollkommen unvoreingenommen.

Also, ich in die Apotheke und das Fläschchen gekauft. Die Apothekerin (oder PTA?) erklärte mir noch, dass ich die Tropfen vor der Einnahme schütteln muss und es vor dem Einsetzen der Wirkung zu einer Verschlimmerung der Symptome kommen kann. Also, ich mir alles auf der Packung notieren lassen, meine paar Mark fuffzich (damals noch tatsächlich D-Mark) bezahlt, ins Büro und das Fläschken geschüttelt und rein damit, in den Schlund. Sechs mal am Tag sollte ich das meiner Erinnerung nach einnehmen. Jedenfalls war genügend Alkohol drin, man ist ja schon mit Kleinigkeiten zufrieden.

Ich nahm die Tropfen über eine Woche. Immer schön schütteln, picheln und warten. Meine Nase lief mittlerweile munter weiter und meine Augen sahen zum fürchten aus. Um es kurz zu machen: es passierte nichts! Nothing! Nüschte! Niente! Ich wäre ja schon für eine Erstverschlimmerung dankbar gewesen. Aber es war definitiv keinerlei Wirkung bei mir zu spüren. Also, weiter probiert, neues Fläschchen gekauft, nochmal wochenlanges schütteln, picheln und warten. Und es passierte weiter nichts. Irgendwann war ich so genervt, dass ich das halbe Fläschchen nach dem schütteln ausgetrunken habe. Davon hatte ich zwar schön einen in der Krone, aber das war es dann auch.

Daraufhin informierte ich mich erstmal über diese „Homöopathie“ und nachdem dies ja in der Vor-Internet-Ära war so richtig mit Büchern und Zeitschriften und so. Und da staunte ich nicht schlecht, was ich so las, so von wegen „je größere Verdünnung, desto mehr Wirkung“ und mir war plötzlich klar, dass die ganze Sache nichts werden konnte.

Ich tat das einzig sinnvolle: ich ging zum Arzt. Ich suchte mir einen richtigen Hausarzt, lies mir ein wirksames Antihistaminikum verschreiben und im darauf folgenden Winter absolvierte ich die erste Desensibilisierungsrunde. Und das kann ich nun jeden empfehlen, denn heute reicht ein leichtes Antihistaminikum und ich kann den Sommer genießen.

Warum ich Heilpraktiker nicht ernst nehmen kann

Wenn ich krank bin, dann gehe ich zum Arzt. Gut, ok, nicht gleich, ich ziehe lieber ein paar Tage oder Wochen mit Magenschmerzen durch die Gegend oder verschleppe mal eine Erkältung, aber dann gehe ich zum Arzt. Gleich zum Arzt zu gehen wäre ja zu einfach, ich bin ja hier auf Arbeit unersetzlich und ohne mich geht AB – SO – LUT nichts. Denke ich jedenfalls. Ist natürlich nicht so, aber das eigene Ego fühlt sich halt doch bestärkt, durch dieses Denken.

Nun gut, sei es wie es will, irgendwann finde ich doch den Weg zum Arzt, dann bekomme ich eine feine Diagnose, Medikamente, evtl. eine Krankschreibung, evtl. eine Überweisung etc. Jedenfalls ist das Problem erkannt und die Heilung in den meisten Fällen nicht mehr fern. Das ist der einfache Weg. Dann gibt es aber noch Menschen, die lieber zu einem Heilpraktiker gehen, um ihre Wehwehchen behandeln zu lassen und das ist für mich ein Problem.

Ich kann Heilpraktiker nämlich leider nicht ernst nehmen.

Wenn ich bei meinem stinknormalen Hausarzt im Wartezimmer sitze, habe ich im Hinterkopf, dass der Arzt nach seinem Abitur ein Studium von sechs Jahren und drei Monaten, Praktika, Famulatur und zahlreiche hammerharte Prüfungen hinter sich hat, bevor er seine Approbation erhielt. Dann kam die Promotion und noch die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin, die ja auch eine Dauer von 60 Monaten umfasst. (Die genauen Abläufe kann man HIER HIER und HIER nachlesen)

Auf der anderen Seite steht dann der Heilpraktiker. Da wollte ich mich auch mal informieren, wie hier die Ausbildungsvorgaben aussehen und war verwundert – ich fand nichts. Es gibt keinen einheitlichen „Lehrplan“ oder andere Ausbildungsvorgaben zur Heilpraktikerausbildung. Es gibt zwar zahlreiche Schulen (so viel zur pöhsen, pöhsen „Schulmedizin“), die verschiedene Prüfungsvorbereitungen für Heilpraktiker anbieten, aber das sind halt auch Prüfungsvorbereitungen und keine Ausbildung. Und welche Schule bei welchem Thema seine Gewichtung legt o. ä. ist jeder selbst überlassen.

Die Prüfung wird in Bayern, wo ich lebe, durch das Gesundheitsamt vorgenommen. Das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Gesundheit hat am 5. August 1994 eine Bekanntmachung herausgegeben, darin heißt es: Die Überprüfung gemäß § 2 Abs. 1 Buchst. i der 1. DV zum Heilpraktikergesetz nimmt das … Gesundheitsamt vor. Ziel der Überprüfung ist festzustellen, ob die Ausübung der Heilkunde durch die antragstellende Person eine Gefahr für die Volksgesundheit bedeuten würde. Die Überprüfung dient somit der Abwehr von Gefahren für die Gesundheit der Bevölkerung und des einzelnen Menschen. Sie ist andererseits aber keine Prüfung im Sinne der Leistungskontrolle zur Feststellung einer bestimmten Befähigung. Daraus folgt, dass sie sich auf die Feststellung beschränken muss, ob der Stand der Kenntnisse und Fähigkeiten der antragstellenden Person Anhaltspunkte dafür bietet, dass eine heilkundliche Tätigkeit durch sie zu einer Schädigung der menschlichen Gesundheit führen könnte. In diesem Rahmen muss die Überprüfung allerdings die wesentlichen Gegenstände umfassen, die für eine solche Feststellung erheblich sind. Neben der hinreichenden Beherrschung der deutschen Sprache und der Kenntnis der einschlägigen gesundheitsrechtlichen Vorschriften gehören dazu notwendigerweise auch diejenigen fachlichen Grundlagenkenntnisse der Medizin, ohne deren Beherrschung heilkundliche Tätigkeiten mit Gefahren für die menschliche Gesundheit verbunden sein können. Durch die Überprüfung muss insbesondere auch festgestellt werden können, ob die antragstellende Person Grenzen ihrer Fähigkeiten und der Handlungskompetenzen von Heilpraktikern klar erkennt, sich den Gefahren bei einer Überschreitung dieser Grenzen bewusst ist und bereit ist, ihr Handeln entsprechend einzurichten.

Zitiert nach Merkblatt für die Heilpraktikerkenntnisprüfung (ohne Beschränkung) der Stadt München.

Um es nochmal deutlich zu sagen: Diese Prüfung ist kein Nachweis über medizinisches Wissen, es geht nur darum festzustellen, dass der Prüfling keine Gefahr für die „Volksgesundheit“ darstellt.

Die „Durchführungsverordnung zum Heilpraktikergesetz“ besagt lediglich, dass die Zulassung zur Prüfung an folgende Vorgaben geknüpft ist:

  • Der Prüfling muss mindestens 25 Jahre alt sein
  • Der Prüfling darf nicht vorbestraft sein, ein Führungszeugnis ist hierüber vorzulegen
  • Der Prüfling muss ein ärztliches Zeugnis vorlegen, aus dem hervorgeht, dass er in gesundheitlicher Hinsicht zur Ausübung des Berufes geeignet ist.
  • Der Prüfling muss einen erfolgreichen (noch nicht einmal einen qualifizierenden) Hauptschulabschluss oder einen gleich- bzw. höherwertigen Schulabschluss verfügen.
  • Der Prüfling muss eine Geburtsurkunde und einen tabellarischen Lebenslauf vorlegen.

Quelle

Hat man diese eine (!) Prüfung bestanden, dann geht’s los, dann darf man am Menschen hantieren. Interessant nicht? Und dann fragt ihr mich ernsthaft, warum ich Heilpraktiker nicht ernst nehmen kann?

Die AfD, Pegida und Fußmatten

Ich hab ja lange nichts zum Thema AfD und Pegida gesagt, aber gerade habe ich wieder einmal einen Text gelesen, der meiner Meinung nach ganz gut zu der Thematik passt. Die AfD will uns mit aller Gewalt in die miefigen Adenauer-Jahre zurückführen, wo „die Welt noch in Ordnung“ war. Frauen standen am Herd, der Mann ging arbeiten, Samstach wird die Sportschau gesehen und danach die Familie verdroschen. Danach gehts ab in die Wanne für das wöchentliche Bad. Man hat die Uniform nicht nur im Schrank hängen, sondern auch im Kopf. Der Staat hat immer recht und die Behörde ist allmächtig. Nur nicht aufmucken, immer schön duckmäusern. So eine Welt will die AfD. Aber ich nicht.

Ich will keine Welt, wie vor 60 Jahren, ich will eine bunte Welt, wo jeder Jeck anders sein kann. Ich will keine Welt, in der Menschenhaufen marodierend durch unser Städte ziehen und stumpf „Wir sind das Volk“ oder „Lügenpresse“ blöken und in ihrer dumpf-brauenen deutschtümelnden Soße hocken.

Ach ja, würden sich all diese *räupser* „Herrschaften“ doch einfach mal den Stock aus dem Arsch ziehen.

Aber immer wenn ich einen dieser *räusper* „Herrschaften“ im Fernsehen in einer Talkshow sehe, habe ich folgenden Dialog im Ohr:

Fr.:      Willem, du willst doch keene Dummheiten machen! 
Voigt:    [bitter] Nee, Dummheiten? Nee! Ausjeschlossen! 
          Ick wer' nu langsam helle! Haa, haa... 
Fr.:      Nu lach doch nich immer! Det is doch ernst! 
Voigt:    Nee, ick find' det lustig: dir ham' se nich befördert, 
          un' mir befördern se. 
Fr.:      Sei doch stille. Is halt'n Unglück, was hier passiert. 
Voigt:    Wat is det? 'n Unglück? Nee, det is'n janz sauberes, 
          jlattes, ausjewachsenes Unrecht, is det! Un det muß man nur 
          wissen, und ick weeß nu. 
Fr.:      Willem, det mußte tragen wie'n Mann. 
Voigt:    Wohin soll ick denn tragen, ohne Paß und ohne Aufenthalt! 
          Muß doch 'n Platz jeben, wo der Mensch leben kann! 
Fr.:      'n Mensch biste doch nur, wenn de dich in 'ne menschliche 
          Ordnung stellst. Leben tut ooch ne Wanze. 
Voigt:    Sehr richtig, die lebt. Un' weeste, warum die lebt? Erst 
          kommt de Wanze, Friedrich, un' dann de Wanzenordnung - 
          erst der Mensch, Friedrich, und dann de Menschenordnung! 
Fr.:      Willem, du fährst auf'm janz falschen Jleis. 
          Bei uns in Deutschland jib't jar kein Unrecht. Bei uns jeht 
          Recht un Ordnung über alles. 
Voigt:    So...meine Ausweisung? Is det Recht un Ordnung? Und deine 
          Beförderung? Is det recht un Ordnung? Wenn, dann muß 
          de Ordnung richtig sein, un det isse nich!!! 
Fr.:      Willem, ick sage dir: vor det Jeld, dat se an meiner 
          Löhnung sparen, wird vielleicht 'ne Kanone jebaut. 
Voigt:    Ja, un dann jeht se los, un dann trifft et wieder dich, 
          bumm-bumm, da liegste - 
Fr.:      Jawoll. Da lieg' ick. Wenn's ma losjeht. Un denn weeß ick 
          aber ooch, wofür. Vor's Vaterland, vor de Heimat. 
Voigt:    Mensch, ick häng' an meiner Heimat jenau wie du, jenau wie 
          jeder, aber erst soll'n se m'r ma drin leben lassen in der 
          Heimat, dann kann ick auch sterben für, wenn's sein muß! 
          Wo isse denn, die Heimat? Im Polizeirevier? Oder hier 
          im Papier? - Ick seh jar keene Heimat mehr vor lauter 
          Bezirke... 
Fr.:      Ick will det nich hören, Willem...un' ick darf's nich hören. 
          Ick bin Soldat un...ick bin Beamter. 
Marie:    ...nu streitet doch nich!!! 
Fr.:      Haste denn jar keene innere Stimme, die dir sagt... 
Voigt:    Vorhin, uff'm Friedhof, da hab' ick se jehört, die innere 
          Stimme. Da hat se jesprochen, da hat se zu mir jesagt: 
          Mensch, hat se jesagt, einmal kneift jeder 'n Arsch zu - 
          du auch, hat se jesagt, und dann stehste vor Jott dem Vater, 
          der alles jeweckt hat, vor dem stehste denn, un der fragt 
          dir ins Jesichte: Schuster Willem Voigt, wat haste jemacht 
          mit dein' Leben, un dann muß ick sagen: Fußmatte...Fußmatte, 
          muß ick sagen, die hab ick jeflochen in Gefängnis, un da sind 
          se alle drauf rumjetrampelt. und Gott der Vater sagt zu mir: 
          Jeh weg, sagt er, Ausweisung, sagt er, detwegen hab ick dir 
          det Leben nich jeschenkt, det biste m'r schuldig, sagt er, 
          wo isset? Wat haste 'mit jemacht?...Un denn, Friedrich, denn 
          isset wieder nischt mit de Aufenthaltserlaubnis... 
Fr.:      Du pochst an die Weltordnung, Willem. Det is Versündigung. 
Voigt:    Nee nee. So knickrig will ich mal nicht vor meinem Schöpfer 
          stehen. Ick wer' noch wat machen...mit mein' Leben... Is jut, 
          Friedrich. Bis'n braver Kerl. Dank d'r für alles. Ick jeh. 
          Dir auch, Marie. Ich wer'...Ich wer' noch wat machen nu... 
Marie:    Willem...Willem! 
Fr.:      Der Mensch is ja jefährlich..... 

Esoterisches Gärtnern

Ich bin ja leidenschaftlicher Hobbygärtner. Ja, das mag sich jetzt altmodisch oder spießerhaft anhören, aber ich mag das Buddeln in der Erde, um dann zu beobachten, wie alles wächst und sprießt und gedeiht. Ich habe mich auch daran gewöhnt, dass es genauso viele „Gartenexperten“ gibt, wie potentielle Bundestrainer in Deutschland. Trotzdem lese ich ja verschiedene Gartenblogs und Gärtnerspalten in verschiedenen Zeitungen.

Öfters schaue ich mal bei „Jupps Gartentipps“ auf http://www.infranken.de vorbei und größtenteils hat der dortige Gartenexperte tatsächlich immer mal wieder einen guten Tipp. Oft ist es aber auch so, dass in dieser Kolumne recht hanebüchene Meinungen vertreten werden. Dass Herr Jupp in der Vergangenheit gerne auch mal über Energielinien in seinem Garten oder Geomantie erzählt hat, habe ich mit einer hochgezogenen Augenbraue zur Kenntnis genommen, aber nachdem er jetzt gleich zwei in meinen Augen „diskussionswürdige“ Artikel rausgehauen hat, möchte ich mir hier diese beiden Artikel gerne mal näher anschauen.

Herr Jupp bleibt von meiner Meinung natürlich auch verschont, denn es gibt mittlerweile ja glücklicherweise keine Kommentarmöglichkeit unter seinen Artikeln mehr.

Artikel Nr. 1, den wir uns mal anschauen wollen, wurde am 18. April 2016 veröffentlicht und trägt den Titel „Der Mond beeinflusst das Wachstum der Pflanzen“. Schon allein durch den Titel bekam ich ein geschwollenes Skrotum. Aber ich war tapfer und habe weitergelesen.

In dem Artikel heißt es unter anderem: Das Wissen beruht wesentlich darauf, dass die Pflanzen bei abnehmendem Mond einatmen und Energie in Form von Säften in den unteren Pflanzenteilen speichern. Bei zunehmenden Mond steigen die Säfte dann wieder in die oberen Pflanzenteile auf, und die Pflanzen fangen an, Blüten und Früchte auszubilden.

Okeeee… sag ich da mal. Natürlich, der Mond beeinflusst ja auch die Gezeiten, dann muss er ja auch die „Säfte“ in den Pflanzen beeinflussen, ist ja auch Flüssigkeit. Aber müsste dann nicht auch der Mensch, der ja zum größten Teil aus Flüssigkeit besteht, nicht einmal im Monat einen Wasserkopf bekommen und die restliche Zeit mit Elefantenfüßen rumlaufen? Hm, sollte man mal drüber nachdenken.

Die gewagteste Aussage ist aber: Bei Versuchen mit Gärtnern nach dem Mond wurde bei Radieschen eine Ertragssteigerung von etwa 30 Prozent festgestellt. Der Einfluss unseres Erdtrabanten ist also unbestritten. Natürlich nennt Herr Jupp keine Quellen, wo man diese Versuche nachlesen könnte, oder gibt es vielleicht keine belastbaren Studien dazu?

Das hat mich natürlich mal interessiert und ich hab gegoogelt und tatsächlich einen (!) einzigen Eintrag hierzu gefunden. In einem anthroposophischen Netzwerk, was, meiner Meinung nach, von wissenschaftlicher Seite aus vernachlässigt werden kann.

Ich könnte hier jetzt einen langen Sermon ablassen, warum der Mond keinen Einfluss auf Holz oder Pflanzen oder unsere Zehennägel hat, aber das haben Dr. Florian Freistetter (Astronom) und Dr. Florian Aigner (Physiker) bereits getan, nämlich HIER  HIER und HIER

Vielleicht liest sich Herr Jupp das mal durch und merkt, dass er mit seiner Meinung etwas außerhalb des naturwissenschaftlichen Kontextes steht.

Wann der zweite Artikel erschienen ist, weiß ich nicht, er trägt den Zeitstempel „1458557414“ und den schönen Titel „Bärlauch wirkt entschlackend und bringt den Organismus auf Trab

Ihr könnt euch schon denken, welcher Blödsinn auf uns zukommt, deswegen ein Tusch – TATAAAA – und hier ist es: Das Märchen von der Entschlackung. Herr Jupp schreibt nämlich: Das Kraut vom Bärlauch wirkt blutreinigend. Dies wussten schon die Bären, wenn sie nach einem langen Winterschlaf erwachten. Sie fraßen dann tagelang von den Blättern. Das wirkte dann wie eine richtige Entschlackungskur. Das machte die Bären wieder richtig fit. Daher kommt auch vermutlich der Name Bärlauch. […] Auch für die Menschen wäre eine Frühjahrskur mit Bärlauch angesagt, Sie bringt den geschwächten und frühjahrsmüden Organismus wieder ganz schön auf Trab.

Der Glaube an die „Entschlackung“ des Körpers ist ein lästiges Überbleibsel der sogenannten „Säftelehre“, die vor dem Verständnis der Physiologie vorherrschte. Seitdem wissen wir allerdings, dass unser Körper von Hause aus ein recht gutes Entgiftungssystem hat, nämlich die Leber und die Nieren und die funktionieren ganz ohne Bärlauch. Dass Bärlauch in der Phytotherapie durchaus eine gewisse Wirkung auf den Organismus hat, ist ja unbestritten.

Vor allem bei Magen- und Darmproblemen soll er sehr gut helfen, aber „Blutreinigung“ oder „Entschlackung“ sind doch Vorstellungen aus dem vor- vorletzten Jahrhundert. Im Artikel zu Ausleitenden Verfahren in der Wikipedia lesen wir im Abschnitt Wissenschaftliche Bewertung folgendes: Äußere Gifte (Amalgam, Umweltgifte usw.) oder akkumulierte Stoffwechselprodukte (z. B. Harnsäure bei Gicht oder Glucose bei Diabetes mellitus) sind nach Auffassung der wissenschaftlichen Medizin als Krankheitsursachen nur anzunehmen, wenn die angeschuldigte Substanz im Körper in schädlicher Menge und/oder am falschen Ort laborchemisch oder histopathisch nachgewiesen ist und überdies die Symptome und die Latenzzeit zu der Substanz passen. Selbst in solchen seltenen Fällen sind die alternativmedizinischen Ausleitungsverfahren nach wissenschaftlichen Kriterien zur Therapie ungeeignet. Ein allgemein anerkannter Nachweis, dass der Körper in diesem Sinne therapeutisch ‚entgiftet‘ oder ‚entschlackt‘ werden müsse, liegt dabei nicht vor.

Ich denke, damit ist alles gesagt. Für eine tiefergehende Lektüre empfehle ich den Artikel von Prof. Dr. Edzard Ernst Colonic irrigation and the theory of autointoxication: A triumph of ignorance over science im Journal of Clinical Gastroenterology (24, 1997. S. 196-198).

Die reinen Gärtnertipps, die Herr Jupp gibt, sind ja wirklich brauchbar, aber seine esoterischen Ausflüge sollten doch bitte aufhören.

Böhmermann – Meine 2 Cent dazu

Habt ihr alle fleißig den Fall Böhmermann verfolgt oder die „Causa Böhmermann“, wie es ja auch so schön heißt? Ja, gell? Natürlich, geht ja nicht anders. Seit Tagen hört und liest man ja nichts Anderes mehr und mich fasziniert es, wie mittlerweile auch die letzte Flachpfeife, die sonst schon mit dem Klettverschluss der Schuhe überfordert ist, plötzlich zum Rechtsgelehrten mutiert und seinen Senf in die Welt bläst, den diversen Kommentarspalten sei Dank.

Die Affaire Böhmermann ist wieder mal ein perfektes Beispiel, wie schnell eine Diskussion in hysterisches Geplärre ausarten kann. Die selbsternannten Experten galoppieren von Talkshow zu Talkshow und pupsen ihren Senf in die Welt und produzieren so halbgaren auf Dreiviertelinformationen basierenden Mist.

Ich brauche keinen Hallervorden, keinen Kalkofe oder Heinrich Hermannskötter von um die Ecke, um mir eine Meinung zu bilden. Wen ich hören möchte, dass sind Juristen und am besten noch neutrale Juristen ohne irgendeinen parteipolitischen Hintergrund, die mir die ganze Sache ruhig und sachlich erklären.

Ehrlich gesagt, ich möchte nicht in der Haut von Angela Merkel stecken, angesichts der Prügel, die sie einstecken muss. Allerdings hätte sie diese Prügel auch einstecken müssen, wenn sie anders entschieden hätte.

Aber gut, sei es wie es will, die Diskussion wird nicht wieder in geordnete Bahnen zurückkehren. Von einigen Medien erwarte ich ja noch nicht mal eine differenzierte Berichterstattung, aber dass nun auch Medien, die ich bisher als seriös empfunden habe, in den Chor der wahnsinnigen Hysteriker einsteigen, dass irritiert mich schon sehr.

Wenn ich mir jedenfalls diese Masse an selbstgefälligen Leserkommentaren und sonstigen Wortmeldungen ansehe, dann sei es mir gestattet, aus dem „Foucaultschen Pendel“ von Umberto Eco zu zitieren: Ma gavte la nata!

‚Das ist Turinerisch. Heißt soviel wie: Zieh dir mal den Pfropfen raus, oder wenn du’s so lieber hast: Wollen Sie sich bitte gütigst den Stöpsel entfernen. Angesichts einer steif und geschwollen daherredenden Person nimmt man an, dass sie von ihrem eigenen Dünkel aufgeblasen sei, und zugleich unterstellt man, dass diese übermäßige Selbsteinschätzung den geblähten Leib nur kraft eines Pfropfens so prall erhalte, eines korkenähnlichen Stöpsels, der, in den After eingeführt, verhindert, dass diese ganze aerostatische Würde einfach verpufft; dergestalt, dass man mit der Aufforderung an das Subjekt, sich besagten Stöpsels per Extraktion zu entledigen, dieses dazu verurteilen will, sein eigenes Erschlaffen herbeizuführen, ein jähes und irreversibles Zusammenschnurren, nicht selten begleitet von scharfem Zischen, mit Reduktion der verbleibenden Hülle zu einem traurigen Rest, einem blassen Abbild und blutleeren Schatten der einstigen Majestät.’

Respekt für Pflegekräfte!

Ihr habt ja sicherlich schon mitbekommen, dass meine Oma vor einigen Wochen im Krankenhaus verstorben ist, wo sie die letzten zwei Wochen ihres Lebens verbrachte. Hierdurch verbrachte ich naturgemäß wieder einmal viel Zeit in einem Krankenhaus und konnte so einige Beobachtungen machen, die ich in drei Punkten zusammenfassen kann:

An die Pflegekräfte:

Respekt für jeden, der engagiert in der Pflege arbeitet (und nur solche habe ich bisher erlebt). Wenn ich sehe, was von den Menschen dort geleistet wird, wie trotz Personalmangel und dem daraus resultierenden Stress noch menschlich mit den Patienten umgegangen wird. Dass die Patienten eben keine Nummern werden. Ich habe so oft gehört „Ich habe zwar schon seit einer halben Stunde Feierabend, aber ich mache das noch schnell“ Deswegen: Hut ab!

An die Patienten und Angehörigen:

Zeigt den Pflegekräften trotz euren Erkrankungen, Schmerzen und Belastungen eure Wertschätzung. Behandelt sie mit Respekt und nicht wie Dienstboten. Das Gleiche gilt natürlich auch für die Angehörigen: Habt immer vor Augen, was diese Menschen für eure Lieben tun. Ja, sie haben sich den Beruf selbst ausgesucht und ja, sie werden dafür bezahlt (da komme ich noch dazu), aber darf man sie deswegen schlecht behandeln?

An die Arbeitgeber und Klinikbetreiber:

Bezahlt eure Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter endlich gut. Stellt genügend Personal ein und sorgt für ausreichendes und gutes Arbeitsmaterial. Ihr habt verdammt gute Leute am Start und es ist ein Frevel, diese Kräfte aus Profitstreben zu verheizen. Ihr nutzt momentan das Engagement eurer Leute aus und das ist eine Schweinerei.

 

Die Pflege ist ein Berufsfeld, die die Pflegekräfte nicht nur physisch, sondern auch psychisch an die Belastungsgrenze bringt. Sorgen wir alle dafür, dass die Pflegekräfte den Respekt und die Arbeitsbedingungen bekommen, die ihnen zustehen!