Gelesen: Bartoschek, Sebastian: Empörungsnazis – Was ich dem Netz vorwerfe und warum ihr es nicht ändern werdet

In einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung wurde Asfa-Wossen Asserate gefragt, ob wir einen Knigge für das Internet benötigen. Er antwortete darauf: Ich sage jungen Leuten immer wieder: Macht neue Regeln. LEgt fest, was im Internet nicht zulässig sein darf. Es wäre wunderschön, wenn das von der Generation käme, die mit dem Internet aufgewachsen ist. […] Wir brauchen tatsächlich universale Regeln, um im Cyberspace anständig zu surfen.(1)
Dies zeigt, dass a) der Journalist Asserates Buch „Manieren“ nicht verstanden hat, dafür b) Asserate noch Hoffnung mit der Netzgemeinde hat.

Nicht ganz so positiv sieht Sebastian Bartoschek die Zukunft der Netzgemeinde, wie er in seinem E-Book „Empörungsnazis – Was ich dem Netz vorwerfe und warum ihr es nicht ändert werdet„, das im JMB-Verlag erschienen ist und u. a. über Amazon zu beziehen ist.

Bartoschek, in Kreisen des wissenschaftlich-kritischen Denkens u. a. bekannt für seine Arbeiten über Verschwörungstheorien, ist promovierter Psychologe und Journalist (Ruhrbarone). Im Ruhrgebiet unterhält er ein eigenes psychologisches Institut und ist in der bereits angesprochenen wissenschaftlich-kritischen Szene äußerst rührig.

Aber kommen wir zum E-Book und den Empörungsnazis, die sich Sebastian Bartoschek zum Ziel seines Essays genommen hat.

Machen wir es kurz, Bartoschek ist genervt, Bartoschek ist sogar sehr genervt. Ihn gehen die Empörungsnazis gehörig auf den Zeiger. Aber wer sind die Empörungsnazis? Für wen hat der Psychologe seinen Text geschrieben? Diese Frage beantwortet er selbst im Vorwort: Ihr seid die 25%. Die 25%, die für 99% des virtuellen Kommunikationsabfalls verantwortlich sind. Die 25%, die sich für eine Elite der Eingeweihten hält, die Dialogblockwarte, die so gerne Ankläger, Richter und Scharfrichter in einem seien möchten. Die 25%, die bestimmen möchten, wie andere zu handeln und zu denken, noch wichtiger aber, wie sie zu reden haben. Die 25% denen außerhalb ihrer Filterbubble im Real-Life schon lange keiner mehr zuhört, und die sich deswegen in den Kommentarspalten austobt. Die 25%, die laut ‚question everything‘ schreit, wenn sie brav die Parolen ihrer Mediengurus nachbetet und angibt, nicht vom Menschen, sondern von dessen Inhalten begeistert zu seien. Über diese 25% schreibe ich. Ihr haltet euch so gerne für die Netzgemeinde; glaubt dabei selbstironisch zu sein, dabei versucht ihr krampfhaft zu vertuschen, dass ihr Angst davor habt wieder nicht dazu zu gehören; wieder als Verlierer erkannt, bezeichnet, behandelt zu werden.(2)

Faszinierend an diesen 25%, die Bartoschek anspricht, ist, dass sich eben trotz oder genau wegen der Dogmatik dieser Menschen, die im Text angesprochenen Filterblasen bilden. Internetuser geben den Empörungsnazis Macht, indem sie ihr Handeln nach deren Maximen und Vorgaben ausrichten und ihr selbständiges Denken fast komplett einstellen. Natürlich fühlt sich der Empörungsnazi dann irgendwann wie Jesus, der seine Jünger um sich schart und schnell bildet sich ein Allmachtskomplex.

Sebastian Bartoschek macht nun einen ersten Versuch, diese Filterblasen aufzubrechen. Und damit tut er gut daran, denn wie Hermann Hesse in seiner Erzählung „Demian“ bereits erkannt hat, haben andere Menschen nur so viel Macht über einen, wie man ihnen selbst einräumt. Und wenn nur einer der Jünger durch diesen Essay wieder anfängt selbst zu denken, hätte er schon sein Ziel erreicht.

Denn obschon der Autor immer wieder verneint wie weiland Mephistoteles gegenüber Faust, sucht Bartoschek doch den Dialog mit seinen Lesern, denn wer sich schon die Mühe macht, den Text herunter zu laden und zu lesen, der gehört doch zu jenen, die bereit sind, sich mit seinen Ausführungen auseinanderzusetzen. Ist doch der Text in Stil und Aufbau dazu geeignet, eine Diskussionsbasis zu schaffen. Dies auch dadurch, dass Bartoschek darauf verzichtet, seine „Gegner“, also die Empörungsnazis zu dämonisieren und als Bedrohung für die Wertegemeinschaft darzustellen.

Auch wenn der Stil des Textes die Genervtheit des Autors nicht nur unterschwellig, sondern ganz deutlich durchscheinen lässt, erzeugt er beim Leser keine wütende Empörung, viel eher ein gewisses Mitleid mit den Empörungsnazis. Ich persönlich hatte den subjektiven(3) Eindruck, dass Sebastian Bartoschek sowohl die Empörungsnazis, wie auch ihre Jünger als arme Würstchen ansieht, denen man keinerlei Wichtigkeit, sondern nur Lästigkeit zusprechen kann. Und trotz dieser Lästigkeit lässt der Autor doch die Hand ausgestreckt zum Dialog.

Jedenfalls denke ich, dass der vorliegende Essay ein notwendiger Anstoß ist, um dahin zu kommen, wo uns Asfa-Wossen Asserate haben will, nämlich dahin, wo wir Internetnutzer uns selbst Regeln geben können, die persönliche Befindlichkeiten vollkommen außen vor lassen.

Da diese Rezension ja nicht nur auf meinem schnuckeligen kleinen Blog veröffentlicht wird, sondern auch auf Amazon (hier natürlich als Rezession), steht ja auch die Frage nach der Bewertung an. Wie viele Sterne vergibt man? Eigentlich wollte ich ja einen Stern für den leicht genervten und stellenweise unterschwellig-aggressiven Stil einen Stern abziehen und vier vergeben. Aber Sebastian Bartoschek hat sich mit seinem Tonfall nur an die Adressaten seines Textes gerichtet und auf den groben Klotz von Internet gehört einfach ein grober Keil von Bartoschek. Deswegen fünf Sternchen und die Hoffnung, dass der Text weitere Verbreitung findet.

(1) Knigge für das Internet? Prinz Asfa-Wossen Asserate über Manieren. In: Neue Osnabrücker Zeitung vom 26.07.2013.
(2) Bartoschek, Sebastian: Empörungsnazis. Hannover, 2015.
(3) Ich habe „subjektiv“ schon mal gleich fett gemacht, damit auch jeder versteht, dass es sich hier um meine Meinung handelt. Natürlich kann Sebastian Bartoschek diesen Eindruck gar nicht erwecken wollen, aber bei mir kam es halt so an.

Mit Gewalt gegen Hilfe.

Schneckenhäuschens Blog

Auf Hermiones Blog herrscht diese Woche die Themenwoche „Gewalt gegen Rettungsdienste*innen“ und hier möchte auch ich etwas beitragen.

Meine Rettungsdiensterfahrung bezieht sich bisher lediglich auf mein Wachenpraktikum im Rahmen der Ausbildung zur Rettungssanitäterin.
In diesem, 160 Stunden lang dauerndem Praktikum war ich auf einer Großstadtwache und, weil vom Wachvorstand so gewollt 50/50 eingesetzt, – das heißt 14 Tage lang Krankentransport, 14 Tage lang Notfallrettung.

Krankentransport war für mich nicht groß neu, ich war das ganze FSJ im unqualifizierten Krankentransport und so richtig-richtig anders ist es im qualifizierten Transport nun auch nicht. Mehr Hintergrundwissen über Patienten und deren Krankengeschichte, etwas mehr Doku und natürlich jemand, der beim Patienten sitzt und diesen medizinisch überwacht und menschlich entertaint.
Belehrt, wie wir unseren Job zu machen hätten und warum ausgerechnet die junge, weibliche Praktikantin Opa die Treppe hoch tragen soll war ehrlich gesagt nichts schockierendes für mich. Wie traurig, eigentlich.

Rettungsdienst war mir neu. 

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Blogempfehlungen: Hirngefickt – Finding Neverland – Buchblog um die Ecke – Project 1o1

Ich habe meine Blogroll ein bisschen erweitert. Schaut doch mal vorbei

bei Ash und dem tollen Hirngefickt-Blog oder
bei Flying Tinkerbell und findet Neverland mit vielen Podcasts oder
bei Mandy mit ihren Literaturempfehlungen im Buchblog um die Ecke
und wenn ihrselber mal an einer Geschichte mitarbeiten wollt, dann geht doch einfach zu Project 1o1.

Viel Spaß beim lesen, hören, sehen oder was auch immer 😉

Ich bin nicht wichtig – aber zufrieden!

Erinnert ihr euch noch an diese doofe Werbung: Mein Haus – Mein Auto – Meine Syphillis oder so ähnlich… ? Ich fand die ja schon damals blöd, weil es ja einfach nur darum geht, sich selbst auf seinen Besitz zu reduzieren. Leider musste ich feststellen, dass diese Mentalität immer weiter um sich greift und sich viele Menschen nur darüber definieren, was sie besitzen.

Besonders bedenklich ist in meinen Augen auch, dass damit auch die Einstellung einhergeht, Menschen einen Wert beizumessen. Wer am meisten besitzt, der ist am meisten wert. Ist das nicht eine schreckliche Einstellung? Ist das nicht menschenverachtend bis zum geht nicht mehr?

Mir persönlich sind derartige Statussymbole je eher egal, wobei das jetzt auch nicht so stimmt, eher *****egal. Natürlich kenne ich auch Menschen, die stolz mit ihrer neuen Armbanduhr, ihrem neuen Smartphone oder ihrem neuen eingewachsenen Fußnagel Auto rumprotzen. Und die tun mir immer so sehr leid, weil diese ganzen Bemühungen bei mir halt vollkommen verschwendet sind. Ich besitze keine Armbanduhr, weil es mir meistens egal ist, wie spät es ist; vor Smartphones habe ich Angst und von einem Auto erwarte ich eigentlich nur, dass es meinen dicken Boppes möglichst bequem von A nach B schippert. Von daher denke ich mir bei diesen Zurschaustellungen einfach „Was soll’s?“

Jetzt möchte ich mich natürlich nicht als neidfreien Gutmenschen darstellen, ich bin schon auch neidisch, halt auf andere Sachen. Wenn ich zum Beispiel den gepflegten Rasen des Nachbarn „über der Straße drüben“ sehe und dann den Unkrautteppich in meinem Garten. Wenn ich bei meinem Freund Bernd zu Besuch bin und wir bis spät in die Nacht auf der Terrasse sitzen können, ohne auch nur ein Auto zu hören und dann an „meine“ Bundesstraße vor der Haustür denke. Wenn ich sehe, wie selbstverständlich manche Menschen die Liebe und Zuneigung ihrer Partner nehmen usw.

Schlimm ist auch, dass die Besitzer dieser Statussymbole für sich Vorrechte einfordern, die ihnen ihrer Meinung nach zustehen. Besonders beobachte ich dies bei den verschiedensten Mitarbeitern im „Finanzsektor“, schon der kleinste Praktikant bei der Kreissparkasse hält sich für einen Investmentbroker an der Wall Street und erhebt sich innerlich über alle anderen Menschen. Und je höher man in irgendwelchen Hierarchien nachschaut, desto mehr ist dieses Denken verbreitet. Jeder Abteilungsleiter fühlt sich schon wie ein kleiner Herrgott und muss als Zeichen seiner Wichtigkeit natürlich immer sein Smartphone dabei haben, um zu illustrieren, dass er so wichtig ist, dass seine ständige Erreichbarkeit gegeben sein muss. Dass er sich damit selbst allerdings nur zum Hanswurst stempelt, steht auf einem anderen Blatt.

Solche Leute schreien aus allen Poren: ICH BIN WICHTIG! Und ich denke mir so dabei, mei hast Du ein Glück, dass Du nicht wichtig bist. Ja! Ich gebe es zu: ICH BIN NICHT WICHTIG! Und um das zu illustrieren brauche ich noch nicht einmal ein Statussymbol…

Aber das ist für mich noch nicht einmal schlimm, denn ich bin mit meinem Leben zum größten Teil zufrieden. Natürlich könnte man manche Einstellungen etwas nachjustieren, aber das „große Ganze“ passt schon. Und diese Zufriedenheit kommt ganz ohne Uhren, Smartphones, Autos oder was weiß ich nicht allem. Und ich denke, wenn wir uns alle einfach mal auf die kleinen Dinge konzentrieren, auf unsere Mitmenschen, auf die Natur um uns herum und vor allem uns einmal vor Augen halten, wie gut es uns geht und wie wenig wirklichen Grund zu klagen wir eigentlich haben, dann wäre unser Miteinander ein bisschen besser und unsere Welt ein bisschen ein freundlicherer Ort.

Bildnachweis:
Von Wolfgang Pehlemann – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5072372

Träume an einem regnerischen Sonntag

Der Wind verfängt sich klappernd in den Schieferschindeln der Dachgauben und der Regen schlägt gegen die Fensterscheiben. Ich habe heute Nacht nicht gut geschlafen und bin dementsprechend müde, gleichzeitig bin ich aber auch etwas aufgedreht und so lege ich mir eine CD in den Spieler und mache es mir in meinem Lieblingssessel bequem.

Die Musik nimmt mich mit auf eine Reise und vor meinem inneren Auge entsteht eine wunderschöne, von der Sonne beschienene Landschaft mit wogenden Weizenfeldern, an deren Rainen Kornblumen, Mohn und Lupinen wachsen und mit ihren leuchtenden Farben um die Aufmerksamkeit der Spaziergänger buhlen. Knorrige alte Bäume stehen einzeln oder in kleinen Gruppen entlang des Feldweges. Wilde Hecken und alte, halb verfallene Steinmauern, in denen Salamander wohnen, ziehen sich am Weg entlang.

Nach einer Biegung des Weges liegt er vor uns: der Fluss. Ein silbrig glänzendes Band von Wasser, das träge vor sich hin fließt und sich gemächlich seinen Weg in Richtung Meer bahnt. Wir steigen in ein altes Dampfboot, das sich langsam in Bewegung setzt. Ich liege bequem und zufrieden auf einem Decksstuhl und höre hinter mir Gekicher.

Das Dampfboot fährt gemütlich in der Mitte des Flusses und ich genieße diesen Tag. Die mächtigen Weiden beugen sich von beiden Seiten über den Fluss und ihre Zweige hängen bis ins Wasser. Ihre Kronen rahmen den Himmel ein wie ein Bilderrahmen und von allen Seiten dringen die Düfte der Felder, der Bäume und des Flusses zu mir. Das gleichmäßige Tuckern des Dampfbootes gibt den Takt vor und die Vögel und der Wind stimmen mit ein. Entenfamilien kreuzen die Bugwelle unseres Schiffes und ein Schwanenpaar zirkelt erhaben seine Kreise.

Am Ufer sehe ich junge Frauen in ihren Sonntagskleidern mit Sonnenschirm spazieren gehen. An ihren Armen junge Männer in gestreiften Sakkos und Strohhüten auf den Kopf, die um ihre Angebeten werben. Angler winken uns mit ihren Mützen zu und Familien machen ihren Sonntagsspaziergang.Vorne weg rennend die Kinder in ihren Matrosenanzügen und Spitzenkleidchen, mit einem Stöckchen ihren Reifen vorwärts treibend, hinter ihnen die Eltern, zufrieden schlendernd.

Das Boot hält an einer wunderschönen Uferstelle mit einer geschützten kleinen Wiese. Ich greife mir den Picknickkorb, dessen Gewicht eine Verheißung auf kommende Leckereien ist. Nachdem ich ausgestiegen bin und die Decke ausgebreitet habe, hilft ihr der Bootsmann an Land.

Ich kann nicht sehen, wer mit mir an Land gekommen ist, sehe nur ihren Rücken in dem hellen Sommerkleid aber ich spüre, dass es ein ganz, ganz besonderer Mensch ist. Ich tippe ihr auf die Schulter und sie dreht sich um.

Noch bevor ich ihr Gesicht sehen kann, wache ich auf – und fühle mich betrogen und fühle mich glücklich.

Horizont

Ist das eine der beiden Parallelen, die man aus dem Mathematikunterricht kennt und die sich erst in der Unendlichkeit tangieren? Eigentlich eine schöne Vorstellung.

gnaddrig ad libitum

horizont

Der Horizont ruft, die Landstraße lockt. Fernweh oder so. Per Satellitennavigation verschaffen wir uns unterwegs den nötigen Überblick.

An dieser Stelle habe ich übrigens kürzlich eine meiner bahnbrechenden Ideen gehabt…

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