Träume an einem regnerischen Sonntag

Der Wind verfängt sich klappernd in den Schieferschindeln der Dachgauben und der Regen schlägt gegen die Fensterscheiben. Ich habe heute Nacht nicht gut geschlafen und bin dementsprechend müde, gleichzeitig bin ich aber auch etwas aufgedreht und so lege ich mir eine CD in den Spieler und mache es mir in meinem Lieblingssessel bequem.

Die Musik nimmt mich mit auf eine Reise und vor meinem inneren Auge entsteht eine wunderschöne, von der Sonne beschienene Landschaft mit wogenden Weizenfeldern, an deren Rainen Kornblumen, Mohn und Lupinen wachsen und mit ihren leuchtenden Farben um die Aufmerksamkeit der Spaziergänger buhlen. Knorrige alte Bäume stehen einzeln oder in kleinen Gruppen entlang des Feldweges. Wilde Hecken und alte, halb verfallene Steinmauern, in denen Salamander wohnen, ziehen sich am Weg entlang.

Nach einer Biegung des Weges liegt er vor uns: der Fluss. Ein silbrig glänzendes Band von Wasser, das träge vor sich hin fließt und sich gemächlich seinen Weg in Richtung Meer bahnt. Wir steigen in ein altes Dampfboot, das sich langsam in Bewegung setzt. Ich liege bequem und zufrieden auf einem Decksstuhl und höre hinter mir Gekicher.

Das Dampfboot fährt gemütlich in der Mitte des Flusses und ich genieße diesen Tag. Die mächtigen Weiden beugen sich von beiden Seiten über den Fluss und ihre Zweige hängen bis ins Wasser. Ihre Kronen rahmen den Himmel ein wie ein Bilderrahmen und von allen Seiten dringen die Düfte der Felder, der Bäume und des Flusses zu mir. Das gleichmäßige Tuckern des Dampfbootes gibt den Takt vor und die Vögel und der Wind stimmen mit ein. Entenfamilien kreuzen die Bugwelle unseres Schiffes und ein Schwanenpaar zirkelt erhaben seine Kreise.

Am Ufer sehe ich junge Frauen in ihren Sonntagskleidern mit Sonnenschirm spazieren gehen. An ihren Armen junge Männer in gestreiften Sakkos und Strohhüten auf den Kopf, die um ihre Angebeten werben. Angler winken uns mit ihren Mützen zu und Familien machen ihren Sonntagsspaziergang.Vorne weg rennend die Kinder in ihren Matrosenanzügen und Spitzenkleidchen, mit einem Stöckchen ihren Reifen vorwärts treibend, hinter ihnen die Eltern, zufrieden schlendernd.

Das Boot hält an einer wunderschönen Uferstelle mit einer geschützten kleinen Wiese. Ich greife mir den Picknickkorb, dessen Gewicht eine Verheißung auf kommende Leckereien ist. Nachdem ich ausgestiegen bin und die Decke ausgebreitet habe, hilft ihr der Bootsmann an Land.

Ich kann nicht sehen, wer mit mir an Land gekommen ist, sehe nur ihren Rücken in dem hellen Sommerkleid aber ich spüre, dass es ein ganz, ganz besonderer Mensch ist. Ich tippe ihr auf die Schulter und sie dreht sich um.

Noch bevor ich ihr Gesicht sehen kann, wache ich auf – und fühle mich betrogen und fühle mich glücklich.

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Ein Gedanke zu “Träume an einem regnerischen Sonntag

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