ACHTUNG! WICHTIGE MENSCHEN! ACHTUNG!

Ich weiß nicht mehr genau, ob es die Yoli, die Korowei oder die Huli Wigmen waren, jedenfalls ein Stamm, der auf Papua-Neuguinea beheimatet ist. Jedenfalls tragen die Männer dieses Stammes, wenn sie in den Krieg ziehen abstruse Kopfputze aus Federn und Zweigen und über ihren Penis einen grotesk großen Köcher. Beides dient natürlich dazu, dem Gegner zu imponieren, ihn einzuschüchtern und dazu zu veranlassen, das Hasenpanier zu ergreifen.

Derartiges gibt es natürlich nicht nur auf Papua-Neuguinea, sondern überall auf der Welt, denken wir nur an die Indianer Nordamerikas mit ihren Kriegsbemalungen oder die Bersaglieri mit ihrem grotesken Federputz.

Aber auch im zivilen Teil unserer Gesellschaft finden sich solche Attribute, da wird der Penisköcher zum Business-Outfit und der Federputz zum Aktenkoffer … oder so…

Jedenfalls bin ich persönlich immer wieder fasziniert wie viele Menschen um mich herum wichtig sind. So sehr wichtig… Wichtig ohne Ende… Mich befällt ja eine große Demut, dass so wichtige Menschen mit mir armen, kleinen Wurm überhaupt noch reden. Ansatzweise jedenfalls, denn wenn man an ihnen vorbei läuft und einen Guten Tag wünscht, bekommt man in den seltensten Fällen eine Antwort oder wenn man irgendwelche Informationen benötigt, nix, aber wenn’s Dich dann anscheißen, dann sprechen sie mit Dir und darob darf ich dankbar sein und den Großmut, mit dem sie mir ihre Aufmerksamkeit schenken bewundern.

Das sind die richtigen Würdenträger, die so schwer an ihrer Würde und Wichtigkeit tragen, dass sie sich um die tatsächliche Arbeit gar nicht mehr so kümmern können.

All jenen möchte ich ein freundliches „Ma gavte la nata!“ zurufen. Das ist Turinerisch. Heißt soviel wie: Zieh dir mal den Pfropfen raus, oder wenn du’s so lieber hast: Wollen Sie sich bitte gütigst den Stöpsel entfernen. Angesichts einer steif und geschwollen daherredenden Person nimmt man an, daß sie von ihrem eigenen Dünkel aufgebalsen sei, und zugleich unterstellt man, daß diese übermäßige Selbsteinschätzung den geblähten Leib nur kraft eines Pfropfens so prall erhalte, eines korkenähnlichen Stöpsels, der, in den After eingeführt, verhindert, daß diese ganze aerostatische Würde einfach verpufft; dergestalt, daß man mit der Aufforderung an das Subjekt, sich besagten Stöpsels per Extraktion zu entledigen, dieses dazu verurteilen will, sein eigenes Erschlaffen herbeizuführen, ein jähes und irreversibles Zusammenschnurren, nicht selten begleitet von scharfem Zischen, mit Reduktion der verbleibenden Hülle zu einem traurigen Rest, einem blassen Abbild und blutleeren Schatten der einstigen Majestät.
(aus: Eco, Umbert: Das Foucaultsche Pendel. München: Hanser, 1989)

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