Geld stinkt nicht – Homöopathischer Büchermarkt

Pecunia non olet oder Geld stinkt nicht, das wusste schon der römische Kaiser Vespasian und erhob eine Latrinensteuer. Auch viele deutsche Verlage wissen, dass sie damit Geld machen können. Wie sie das machen? Ganz einfach, indem sie zu jedem noch so abstrusen „alternativen“ Heilverfahren Bücher auf den Markt werfen.

Besonders ärgerlich ist dies natürlich auch, wenn renommierte Verlage dies tun, denn wenn der XY-Verlag schon ein Buch über Homöopathie/Reiki/Anthroposophische Medizin etc. rausbringt, dann muss ja was dran sein. Dass es sich hierbei um ein argumentum ad verecundiam, also ein Autoritätsargument handelt, auf dem große Teile der Werbewirtschaft basieren, realisieren die meisten Menschen nicht.

Nachdem schon Prinz Charles die Homöopathie befürwortet, muss doch etwas dran sein! Äääääh… nein… muss es nicht. Ist Charles Mountbatten-Windsor Arzt? Chemiker? Pharmazeut? Nein! Er ist wie viele andere Menschen auch lediglich ein interessierter Laie. Der Unterschied ist, dass er seine herausgehobene Stellung dazu benutzt, die Werbetrommel zu rühren.

Aber zurück zum deutschen Buchmarkt. Gibt man z. B. bei Amazon.de „Homöopathie“ als Suchwort ein, bekommt man dies:

Amazon1Man sieht, von Quickfindern über Notfallapotheken, Quickfinder für Kinder und ähnlicher Unsinn geben sich die Klinke in die Hand. Erst weit unten auf der Seite findet man die ersten kritischen Bücher zum Thema:Amazon2

Um mal kurz abzuschweifen… Was mich persönlich wirklich interessieren würde ist, warum soviele Menschen so verantwortungslos selbst an ihrer Gesundheit herumbasteln. Ist das ein pervertierter DIY-Gedanke? „Meine Küche habe ich selbst gefliest, da kann ich doch auch meine Syphilis selbst behandeln…“ oder „Ich habe die Elektroinstallation in meinem Haus selbst gemacht, da werde ich doch die Mittelohrentzündung meiner Tochter selbst behandeln können…“ Man weiß es nicht…

Aber kommen wir zurück zum Thema. Nicht nur, dass mit diesen Büchern zehntausende von Euro Umsatz generiert wird, bekommt die Homöopathie dazu auch noch eine gewisse Legitimation, werden derartige Bücher doch teilweise auch in Apotheken feilgeboten.

Umso erfreulicher ist es, dass einige Verlage auch kritische Bücher zur Homöopathie und zur restlichen Alternativmedizin publizieren. Und mit Springer, Hanser und Suhrkamp sind es durch bekannte Publikumsverlage. Natürlich würde ich mich freuen, wenn sich noch mehr Verlage auf diesem Gebiet engagieren würden.

Ich habe die Skeptikerbücher, die mir spontan im Gedächtnis waren hier zusammengestellt. Falls ihr noch eines kennt, dann bitte in der Kommentarspalte anmerken, ich werde es dann in der Liste ergänzen.

 

Aust, Norbert: In Sachen Homöopathie: Eine Beweisaufnahme. Elbersdorf: Web-Site-Verl., 2013.
ISBN 9783942594479                      16,90 €

Berndt, Edmund: Der Pillendreh: Ein Apotheker packt aus. Wien: Edition Va Bene, 2009.
ISBN 9783851672350                      nicht lieferbar

Ernst, Edzard: Nazis, Nadeln und Intrigen: Erinnerungen eines Skeptikers. Hannover: JMB, 2015.
ISBN 9783944342566                      18,95 €

Goldner, Colin: Alternative Diagnose- und Therapieverfahren: Eine kritische Bestandsaufnahme. Alibri, 2008.
ISBN 9783865690432                      12,00 €

Graf, Dittmar [Hrsg.]: Anders heilen?: Wo die Alternativmedizin irrt. Aschaffenburg: Alibri, 2015.
ISBN 9783865691699                      14,00 €

Grams, Natalie: Homöopathie neu gedacht: Was Patienten wirklich hilft. Berlin: Springer, 2015.
ISBN 9783662453360                      14,99 €

Much, Theodor: Der große Bluff: Irrwege und Lügen der Alternativmedizin. Wien: Goldegg, 2014.
ISBN 9783902903105                      19,95 €

Müller, Anousch: Unheilpraktiker: Wie Heilpraktiker mit unserer Gesundheit spielen. München: Riemann, 2016.
ISBN 9783570501955                      16,99 €

Schmacke, Norbert [Hrsg.]: Der Glaube an die Globuli: Die Verheißungen der Homöopathie. Berlin: Suhrkamp, 2015.
ISBN 9783518466391                      14,99 €

Singh, Simon / Ernst, Edzard: Gesund ohne Pillen: Was kann die Alternativmedizin? München: Hanser, 2013.
ISBN 9783446245549                      21,50 €

Weymayr, Christian: Die Homöopathie-Lüge: So gefährlich ist die Lehre von den weißen Kügelchen. München: Piper, 2012.
ISBN 9783492055369                      16,99 €

 

Quellenangabe Beitragsbild: https://wasliestdu.de/magazin/2015/buecher-fuer-alle

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2 Gedanken zu “Geld stinkt nicht – Homöopathischer Büchermarkt

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