HÖLLE! HÖLLE! HÖLLE!

Der Teufel? Ist doch klar… rot, mit Pferdefuß und Huf, der hat einen Schwanz und Hörner und der riecht nach Schwefel. Weiß doch jeder, das steht doch sogar in der Bibel. Ok, zwar ist in der Bibel oft und gerne vom Teufel, von Satan, von Luzifer, von Azazel und wie er sonst noch genannt wird, die Rede, doch hat sich seine Ikonographie gründlich gewandelt, bis er zu seiner erschröcklichsten Form gefunden hat:

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Die erste Darstellung des Teufels (wir bleiben mal bei diesem Begriff) finden wir in Ravenna, in der Kirche San Vitale und sie stammt von einem Mosaik aus der Mitte des sechsten Jahrhunderts. Dort sehen wir in der Mitte des Mosaiks den wiedergekehrten Jesus, der die Menschen aufteilt in Gut und Böse, wie es in Matthäus 25, 31 – 33 beschrieben ist: Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit, und werden vor ihm alle Völker versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet, und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zu seiner Linken.

Zu seiner Rechten steht ein schöner, roter Engel, der die Lämmer, also die guten Menschen in Empfang nimmt. Zu seiner Linken steht ein genauso schöner, blauer Engel, der die Böcke, also die schlechten Menschen bekommt. Hier können wir davon ausgehen, dass es sich hier um die erste Darstellung des Teufels handelt, der sich um die Sünder „kümmert“.

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Der erste Teufel war also ein blauer Engel.

Nein, nicht der…

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… und der auch nicht…

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… so, der hier…

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Ist die Farbe Blau heute die Farbe der sog. Jungfrau Maria, die als Mittlerin zwischen den Menschen und Jesus fungiert, war in der damaligen frühchristlich-byzantinischen Zeit Blau die Farbe der Verdammnis und der Sünder. Was an diesem Mosaik allerdings am meisten auffällt ist, dass der Teufel hier als „normaler“ Engel dargestellt wird und nicht als das grauenhafte Monster späterer Zeiten. Hiervon ließen sich übrigens auch die berühmten Miniaturenmaler Paul, Johan und Herman von Limburg inspirieren, als sie um das Jahr 1410 Lés Trés Riches Heures für den Herzog von Berry schufen (heute im Musée Condé in Chantilly), ein Stundenbuch mit wunderschönen Malereien, in dem eben auch der Sturz der rebellierenden Engel dargestellt ist. Auch hier war der Engel Luzifer nicht als verwachsenes Monster zu sehen, sondern er und seine Engel als schöne, junge Männer, die von Gott in die Verdammnis gestoßen wurden.

©Photo. R.M.N. / R.-G. OjŽda
©Photo. R.M.N. / R.-G. OjŽda

Die Brüder von Limburg stellten damit also die „Geburtsstunde“ des Teufels dar. Biblisch geht dies auf zwei etwas diffuse Textstellen zurück. Die erste finden wir im Alten Testament, genauer gesagt im 14. Kapitel des Buches Jesaja, wo der gestürzte Rebell als wunderschöner Morgenstern bezeichnet wird. Die zweite Textstelle findet sich im neuen Testament, im 10. Kapitel des Lukas-Evangeliums, wo der Höllensturz als Blitz beschrieben wird.

Aber kommen wir zurück ins 6. Jahrhundert. Damals war der Teufel also noch ein „normaler“ Engel, aber bereits knapp 400 Jahre später wurde er zu einem Ungeheuer, wie man in der Basilika Santa Maria Assunta auf der venezianischen Insel Torcello sehen kann:

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Zwar hat der Teufel seine blaue Farbe beibehalten (was uns an den alten Udo Jürgens-Schlager „Der Teufel hat den Schnaps gemacht“ erinnert), aber nun wurde er zum bärtigen und schielenden Unhold, der auf einem Menschen verschlingenden Thron sitzt. Wer die kleine Gestalt auf seinem Schoß ist, konnte bisher nicht zweifelsfrei geklärt werden.

Die Basilika von Torcello wurde im Jahr 1008 geweiht und ist besonders für seine Ikonostase und eben das monumentale Mosaik bekannt, zu der auch die Darstellung des jüngsten Gerichtes zählt.

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Interessant an der Darstellung ist, dass die Hölle hier durch eine direkte Verbindung zur Antipode Gottes wird.

Eine weitere Darstellung des Teufels als seelenfressendes Monster finden wir im Baptisterium San Giovanni in Florenz. Dort ist der (wieder blaue) Teufel ebenfalls auf einem Mosaik dargestellt.

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Diese Wandlung ist auch in schriftlichen Quellen zu finden. Wurde bisher der Teufel eher als Unruhestifter, als Verführer oder ähnliches dargestellt (also eher ein christlicher Pan), so wurde er ab de 8./9. Jahrhundert ganz handfest als Bestrafer, als Peiniger, als Quäler manifestiert.

Und dieser Teufelsglaube, der sich im Laufe des Mittelalters noch verfestigen sollte und immer ausgeschmückt wurde, wurde durch die Kirche auch immer mehr in das Alltagsleben der Menschen integriert. Exorzismen waren an der Tagesordnung, jede kleinste Kleinigkeit vom Schnupfen bis zur verdorbenen Milch wurde mit der Anwesenheit des Teufels und seiner Dämonen erklärt.

So verwundert es nicht, dass auf der Synode zu Leptinae 743 zwar auch das Glaubensbekenntnis beschlossen wurde, aber viel länger über eine Formel zur Entsagung des Teufels diskutiert wurde.

Der Hintergrund dieser Wandlung ist ganz einfach. Die Oberste Kirchenleitung wollte den religiösen Dualismus und damit ihre Macht manifestieren. Der Teufel war jetzt nur noch dazu da, Angst und Schrecken zu verbreiten, denn die Kirche hatte eingesehen, dass Menschen in Angst am leichtesten zu kontrollieren sind. Und was wäre hier besser als eine unsichtbare Gefahr, für die man ein unsichtbares Gegenmittel (also Gott) verkaufen konnte?

Und der Plan ging auf, wie wir heute wissen. Gerade in Notzeiten bei Krieg, Hunger und Pestilenz liefen die Angehörigen des Klerus zur Höchstform auf und an allem und jeden waren der Teufel und seine Dämonen schuld.

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