Wörter

Ich habe ja in der letzten Zeit einige gute Bücher gelesen und mir ist aufgefallen, dass selbst in Sachbüchern momentan anscheinend eine große Lust an einer schönen Sprache herrscht. Unsere Sprache ist auch schön, sie lädt ein, wunderschöne Gemälde mit Worten zu malen. Aus ihr entstehen Wortblumensträuße, die glücklich machen, auch wenn sie von leider viel zu vielen verroht und vergewaltigt wird. Aber das ist wieder ein anderes Thema.

Jedenfalls ist mir auch aufgefallen, dass es Worte gibt, die ich mag und Worte, die ich nicht mag. Versteht ihr, was ich meine? Es gibt einfach Worte, die lassen Stimmungen und Bilder entstehen. Einfach ein einzelnes Wort. Eisblumen zum Beispiel, wer denkt da nicht an knackig kalte Wintertage, an eben die Eisblumen, die sich am Fenster hochranken, an Kuschelstunden auf der Couch und Kaminfeuer.

Und wo ich über solche Worte nachgedacht habe, habe ich mal zwei Listen angelegt, mit Wörtern, die ich mag und die ich nicht so mag:

Wörter, die ich mag:
Augenstern
Einsamkeit
Eisblumen
Habseligkeiten
Hase
Jauchzen
Liebreiz
Mutterseelenallein
Sanftmut
Seelenfrieden
Sehnsucht
Wunderschön (Wundervoll)

Wörter, die ich nicht so mag:
Ausgrenzen
Ausnutzen
Liebenswürdig (wer entscheidet, wer würdig ist, geliebt zu werden?)
Liebesentzug (macht mich traurig)
Selbstdarsteller
Streicheleinheiten (wer kommt auf die Idee, Zärtlichkeiten in „Einheiten“ zu messen?“)
Würdenträger (die tragen meist an der eigenen Würde sooo schwer…)
Verrückt (aka „Crazy“ – Erst heute wieder gehört: „Unsere Family ist ja sooo crazy und verrückt“, nein, ihr seid nur bekloppt!)

Ihr seht, die Liste mit den Lieblingswörtern ist um einiges länger. Aber wie sieht das bei euch aus? Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir in den Kommentaren eure Favoriten und Abneigungen hinterlassen würdet. Ich bin gespannt.

Sed tantum dic verbo et sanabitur anima mea!

Dass ich jetzt nun nicht unbedingt ein Freund der Kirche bin, dürfte ja mittlerweile bekannt sein, allerdings gibt es in der römisch-katholischen Liturgie (wie es sich in evangelischen Liturgien verhält, weiß ich leider nicht) ein recht interessantes Gebet oder Absatz oder wie auch immer die richtige Bezeichnung dafür ist.

Es bezieht sich auf das Gleichnis des „Hauptmanns von Kapernaum“ (Mt 8,5-13; Lk 7,1-10) und darin gibt es denn wunderschönen Satz Sed tantum dic verbo et sanábitur ánima mea! – Aber sprich nur ein Wort und meine Seele wird gesund.

Ich finde diese Vorstellung einfach schön. Allerdings benötigt es dazu wirklich keinen Gott dafür. Es gibt tatsächlich so Menschen, bei denen das so ist. Egal wie schlimm gerade alles ist, es reicht nur ein kleines „Hallo“ und schon ist alles wieder gut.

Und es tut so gut, dass es solche Menschen gibt!

Besuch am Feierabend

Die Autorin machte es sich auf der Couch bequem und legte die Füße hoch, nach so einem Tag konnte sie etwas Ruhe gebrauchen. Neben ihr auf dem Tisch dampfte eine Tasse ihres Lieblingstees und ein Tellerchen mit frischen Keksen stand auch bereit. Auch die leise Klaviermusik von Schubert entspannte sie sehr.

Die Autorin nahm ihr schickes Paisley-Notizbuch und begann, die Ideen, die sie für die neue Geschichte hatte, einzutragen. Sie hatte so viel Freude daran, die Figuren zu beschreiben und die Geschichte zu entwickeln, dass sie gar nicht merkte, wie die Zeit verging.

Aber plötzlich fiel ein großer Schatten auf sie. Erschrocken blickte sie hoch. Da stand doch tatsächlich ein alter Bär vor ihr und an der Hand hatte er ein weißes Häschen. Und was war das für eine Versammlung hinter den beiden? Ein Einhorn, ein rosa Häschen, ein rosa Entchen, ein Füchslein, eine Maus, eine Eule mit Kneifer und ein kleiner Ork drängten sich hinter dem Bären und dem Hasen.

Der Bär schaute die Autorin an. Die Autorin schaute den Bär an. Da piekte das Einhorn den Bär in den Hintern, der daraufhin einige tapsige Schritte machte und vor der Couch stand. Der Bär zog seine andere Hand hinter dem Rücken vor und hielt der Autorin einen Strauß Waldblumen hin. „Die haben wir alle zusammen gepflückt!“ brummte er. Dann beugte er sich vor und gab der Autorin einen unbeholfenen Kuss auf die Wange, wurde rot und ging zu seinen Freunden zurück.

Das weiße Häschen allerdings hopste in dem Moment auf den Schoß der Autorin und knuddelte und herzte sie, bis beide ganz außer Puste waren. Da hopste das Häschen von der Couch, nahm die Hand des Bären und zusammen mit ihren Freunden machten sie sich wieder auf den Weg in den verzauberten Wald. Sie wussten, dass ihr Dorf einen ganz besonderen Zauber hatte und dass nur ganz besondere Menschen diesen Zauber spüren und bewahren konnten. Und sie waren dankbar, dass die Autorin so gut auf sie aufpasste.

Homöopathie – Ein Big Business

Zum letzten Homöopathie-Artikel mit den Anmerkungen zum vorletzten Homöopathie-Artikel (Ihr wisst noch, was ich meine? Gut!) habe ich ja etwas recherchiert und wenn man sich vor Augen hält, dass 2014 alleine in Apotheken ein Gesamtumsatz von 528 Millionen €uro mit Homöopathika gemacht wird, dann ist das schon eine Hausnummer.

Interessant ist auch, dass sich der Durchschnittspreis für ein homöopathisches „Arzneimittel“ 10,86 €uro kostete, während er sich bei richtigen Medikamenten auf 7,75 €uro belief. Wobei man hier auch die Gewinnspannen nicht außer Acht lassen darf. Während ein Pharmaunternehmen vor der Zulassung eines neuen Medikamentes gigantische Summen in Forschung oder Studien stecken muss, verursacht die homöopathische Arzneimittelprüfung kaum Kosten. Hierauf werde ich noch in einem gesonderten Artikel eingehen.

Übrigens betreiben auch die Homöopathie-Anbieter eine ausgefeilte Lobbyarbeit. Christian Buggisch schreibt in seinem Artikel (verlinkt in den Quellen) hierzu: Was viele der Pharma-Industrie (nicht zu Unrecht) vorwerfen, gilt auch für die Anbieter von Homöopathika. So stehen etwa der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ), aber auch Firmen wie die Deutsche Homöopathie-Union (DHU), Heel, Staufen Pharma, WALA Heilmittel, Weleda und Hevert in der Kritik, weil sie Journalisten, Blogs und Websites „sponsern“, die Homöopathie-Kritiker anprangern und einschüchtern.

Man sieht also, bei der sogenannten „Alternativmedizin“ der Homöopathie geht es genauso um Umsätze, Gewinne und Gewinnspannen, wie in jeder anderen Branche auch, allerdings schaffen es ihre Vertreter immer wieder gut, dies zu verschleiern.

 

Quellen:
https://buggisch.wordpress.com/2016/08/03/homoeopathiezahlen-daten-fakten
http://www.netzwerk-homoeopathie.eu

Anmerkungen zum Artikel „Warum Homöopathiekritik wichtig ist“

Vor einigen Tagen habe ich hier den Artikel „Warum Homöopathiekritik wichtig ist“ veröffentlicht. Dazu erreichten mich einige Kommentare und Anfragen, auf die ich gerne an dieser Stelle eingehen möchte.

Da es sich im Grunde genommen immer um die gleichen Aussagen, nur in leicht veränderten Variationen handelt, fasse ich die Antworten hierzu zusammen.

  1. Nein, ich werde nicht von der Pharmalobby bezahlt. Wird euch dieser Vorwurf nicht langsam mal langweilig? Naja, würde ich von der Pharmalobby bezahlt, würde ich diesen Beitrag jetzt aus der Montego Bay auf Jamaika absenden, mit einem fetten Rumpunsch in der Hand. Statt dessen sitze ich hier an meinem grindigen Rechner in der wintergrauen süddeutschen Provinz. Also klare Antwort: Nein! (Wobei ich die Sache mit dem Rumpunsch vielleicht nochmal ins Auge fassen sollte…)
  1. Mit dem zweiten Kommentarkomplex habe ich da so ehrlich gesagt ein paar Verständnisschwierigkeiten. Auf der einen Seite wird mir latente Homosexualität unterstellt, auf der anderen Seite zum Beischlaf mit meiner Mutter geraten. Ja was denn jetzt? Bitte entscheiden Sie sich, beides wird wohl etwas schwierig. Wobei beide Ausführungen dann doch eher Rückschlüsse auf den Intellekt des Kommentarschreibers zulassen. (Außerdem, wer macht denn noch „Deine Mudda“-Witze? Pfff)
  1. Zwei Kommentarschreiber*Innen hatten wohl ein Verständnisproblem mit dem Begriff „Mimimi“. Den erkläre ich gerne. Mit „Mimimi“ persifliere ich den larmoyanten Ton, in dem sich Homöopathieanhänger gerne als arme, unterdrückte Opfer der „bösen Pharmalobby“ sehen. Dass in Deutschland im Jahr 2014 z. B. ein Umsatz von 528 Millionen €uro gemacht wurde(1), spricht allerdings eine deutlich andere Sprache. Homöopathika werden in sämtlichen Frauenzeitschriften ganz offen beworben, die Werbespots laufen zur Prime-Time im TV und die Homöopathie genießt in Deutschland beste Voraussetzungen, die schon fast an Narrenfreiheit grenzen. Das wird gerne übersehen, Hauptsache, man kann sich zum Opfer stilisieren.
  1. Noch ein kleiner Tipp zum Thema „anonyme Beschimpfungen per Mail“: wenn in der E-Mail-Anschrift der Name des Absenders zu finden ist, ist die Mail nicht mehr anonym. Da ist es dann auch nicht mehr notwendig, die Mail mit irgendeinem Fantasienamen zu unterschreiben.

(1) http://www.netzwerk-homoeopathie.eu/kurz-erklaert/146-homoeopathie-zahlen-daten-fakten

Unter Menschen

Er saß inmitten der Gruppe und lächelte. Tatsächlich lächelte er trotzdem. Trotz der unablässigen Stichelein, trotz des andauernden piesackens. Trotzdem sie ihm immer wieder deutlich machten, dass er das fünfte Rad am Wagen war, dass sie ihn nur aus Gnade und Barmherzigkeit mitgenommen hatten in diesen neuen „Club“, der genauso seelenlos war wie die Menschen, die sich in ihm präsentierten.

Natürlich war es einfach, auf ihm herum zu hacken. Er stand alleine und sie verbargen ihre Boshaftigkeiten unter ihren falschen Lächeln und ihrer geheuchelten Hilfsbereitschaft. Sie erinnerten ihn an Aasgeier, die sich immer wieder aus heiterem Himmel auf ein angeschlagenes Tier stürzten. Und wie die Aasgeier sich an den herausgehackten Fleischbrocken gütlich taten, ergötzten sie sich daran, wie sie ihm eine Wunde nach der anderen beibringen konnten.

Nur heute, heute ertrug er es nicht mehr. Er stand auf, gab vor, auf die Toilette zu gehen, nahm seinen Mantel und trat in die kühle Nacht. Er ging ein Stück, bis er in den abgelegenen Park trat. Die Stille tat seinen überreizten Nerven gut und trotzdem fühlte er etwas in sich aufsteigen, eine Mischung aus Hilflosigkeit, Einsamkeit aber auch Wut und Zorn. Er fiel auf die Knie und schrie seinen Schmerz in das Dunkel der Nacht, bis kein Ton mehr aus seiner heiseren Kehle drang und keine Träne mehr lief.

Wie lange er so kniete, wusste er nicht, aber als er sich wieder aufrichtete war dies äußerst mühsam und die Knie taten ihm weh. Mit etwas steifen Beinen ging er nach Hause und warf sich, so wie er war, auf sein Bett. Gnädig umfing ihn der Schlaf.

Als er am nächsten Morgen erwachte und in die Küche ging, um die Kaffeemaschine einzuschalten, spürte er, dass die Wärme ganz tief in ihm drin erloschen war. Und auch, wenn sein Körper und sein Geist noch funktionierten, war er innerlich gestorben.

 

Beitragsbild: Von Mario Modesto Mata from Tarragona, España – Buitres leonados (Gyps fulvus), CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18515229