Daheim

Als sie den Raum betrat, war sie überwältigt. Ein Raum voller Bücher. Regale an den Wänden, Regale frei im Raum. Und die wenigen freien Stellen an der Wand zeigten die ursprüngliche Holztäfelung. Alte Landkarten und Urkunden aus den Zeiten der Rosenkriege hingen an dieser Vertäfelung, aber nicht viele, waren es doch die herrlichen alten Bücherregale, die bis zur Decke reichten, die den Raum dominierten.

Diese Regale waren vollgestopft mit Büchern. Alte, in Leder gebundene Folianten neben Taschenbuchausgaben. Taschenbücher waren es auch, die sich in der Mitte des Ganges wie ein riesiger papierner Stalagmit gen Decke türmten und sie ließ unweigerlich ihren Blick nach oben wandern, ob von dort vielleicht Bücher tropften und so diesen Berg bildeten.

Vorsichtig umrundete sie dieses Gebilde und drang langsam in die Mitte des Raumes vor. Dort stand ein alter, eherner Schreibtisch, auf dem eine einzelne Lampe brannte und der über und über mit Papieren bedeckt war. Daneben sah sie einen weinroten Ohrensessel, dessen Leder an manchen Stellen schon glänzend war. Ein mittelgroßer achteckiger Trommeltisch mit grünem Leder auf der Tischplatte stand daneben. Darauf der unweigerliche Stapel Bücher, eine brennende Lampe und ein Tablett auf dem eine Tasse dampfender, lecker riechender Tee und ein Teller Kekse stand.

Sie setzte sich und wollte die Beine übereinander schlagen, aber der Sessel umfing sie und sie saß so bequem, dass sie unweigerlich die Füße auf den passenden Schemel legte. Sie griff sich das oberste Buch des Stapels. Es war eine Erstausgabe von „Der Wind in den Weiden“. Sie las den ersten Satz „Der Maulwurf hatte den ganzen Morgen schwer geschuftet und in seinem kleinen Heim Frühjahrsputz gehalten“ Und schon tauchte sie in die Geschichte ein und erlebte die Abenteuer von Ratty, Mole, Mr Toad und Mr Badger mit. Es fühlte sich alles so wirklich an, dass sie alles um sich herum vergas und erst, als sie den letzten Satz „Die Drohung tat aber trotzdem ihre Wirkung“ gelesen hatte, blickte sie wieder auf.

Sie stellte fest, dass es draußen schon komplett dunkel geworden war und vor allem dass sie den ganz Tee getrunken und alle Kekse gegessen hatte, ohne dass es ihr bewusst war. Sie atmete durch. Dieser Raum war so wunderschön, so heimelig, so magisch. Es war ihr, als wäre dieser Raum nur für sie gemacht, als wäre er genau der Punkt im Universum, der nur ihr alleine gehörte.

Sie fühlte ein warmes und behagliches Gefühl in sich aufsteigen, sie fühlte sich geborgen, sie fühlte sich zu Hause, sie fühlte sich glücklich.

 

Beitragsbild: Von OLB – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18008466

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