It’s Party Time!

Der Schnee knirschte leise unter seinen Schritten. Natürlich hätte er auch den Bus oder die Straßenbahn nach Hause nehmen können, aber er brauchte jetzt die Ruhe und den Frieden für seine überreizten Nerven. Er war auf einer Party gewesen – oder jedenfalls so etwas ähnliches.

Er wusste jetzt aber selber nicht, was ihn so aus der Bahn geworfen hatte. War es der Moment, als er geklingelt hatte und die Gastgeberin ihm noch nicht einmal ansah, sondern an ihm vorbei schielte auf das hinter ihm ankommende Paar? Als sie sein Geschenk, das ihm sehr viele Mühen gekostet hatte zu besorgen achtlos auf die Garderobe legte und sich an ihm vorbei drängte um die anderen zu begrüßen? Waren es die vielen Rücken gewesen, die ihm zugewandt wurden? Sonst spielte er auf solchen Partys immer den lachenden Clown, doch heute hatte er die Kraft dafür nicht gehabt und war nur er selbst gewesen, aber anscheinend reichte das einfach nicht.

Natürlich wusste er, was ihn so aus der Bahn geworfen hatte, er wollte es sich nur nicht eingestehen. Es war dieser Blick gewesen. Dieser Blick der jungen Frau. Dabei wollte er sie doch nur um den Bohnensalat bitten. Sie stand vor dem Buffet und schwang große Reden und er wollte doch nur ein Schälchen Bohnensalat, den mochte er doch so gerne.

Und anstatt einfach kurz zur Seite zu treten drehte sie sich um – und musterte ihn mit diesem speziellen Blick, den er so gut kannte. Kalt, mit leichtem Ekel musterte sie ihn von oben bis unten. In etwa so wie sie einen besonders hässlichen Käfer anschauen würde. Und mit einem arroganten Schnauben drehte sie sich einfach wieder um, ohne auch nur einen Millimeter zur Seite zu gehen.

Da war etwas in ihm zerbrochen. Er ließ das Glasschälchen, das er schon in der Hand hatte fallen, drehte sich um und eilte zur Haustür, griff sich seinen Mantel und seinen Hut und sah aus dem Augenwinkel, dass sein Geschenk mittlerweile unter der Garderobe lag. Aber das interessierte ihn nicht mehr, er musste nur noch raus, raus aus diesem Haus, weg von diesen Menschen und so rannte er den Gartenweg entlang. Sein Schal blieb an den Dornen der Berberitzenhecke hängen, aber das kümmerte ihn nicht. Er sog begierig die kalte Nachtluft ein und genoss direkt die Kälte.

Er wusste nicht, wie lange er schon durch die Winternacht stapfte, aber so viele Gedanken gingen ihm durch den Kopf, so viel wurde ihm klar. Er würde jetzt nach Hause gehen, in sein Bett kriechen und es das Wochenende über nur für die notwendigsten Gänge wieder verlassen. Gut, am Montag im Büro würde man ihn fragen, wie denn die Party war, auf die er sich so lange gefreut hatte, aber was er da erzählen würde, da wollte er morgen darüber nachdenken. Dann würde er es ertragen. Schließlich, morgen ist auch ein Tag.

Beitragsbild: Von Jakob Montrasio from Saarbrücken, Germany – Cheers!, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=38134351

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