Schmetterlingssommer

Sie liebte diesen Platz am Waldrand. Er lag an einem kleinen Hang und sie konnte weit ins Land schauen. In der Nähe stand die Bank, die sie gerne ihre „Nachdenkbank“ nannte. Immer wenn sie grübeln musste, kam sie hier her und der Anblick der wunderschönen Natur mit ihren saftig grünen Wiesen, den Blumen an den Feldrainen und den goldgelben Weizenfeldern taten ihrem Herzen wohl.

Aber heute musste sie über nichts nachdenken, sie hatte einen kleinen Spaziergang gemacht, um diesen wunderschönen Sommertag zu genießen und jetzt lag sie hier an den Stamm eines uralten Baumes gelehnt und genoss denn Anblick, der sich ihr bot.

Die Sonne beschien die Szene aus einem wolkenlosen Himmel, der so blau war, als hätte ihn Chagall gemalt. Sie liebte diesen Ort. Sie… liebte… dachte sie noch und wäre fast eingeschlafen, als sie eine Berührung an ihrer Nasenspitze spürte. Ohne ihre Augen zu öffnen wedelte sie mit der Hand durch die Luft, um die aufdringliche Mücke zu verscheuchen.

Aber da spürte sie wieder eine Berührung und da wieder. Sie öffnete unwillig die Augen und sah einen Schmetterling, der vor ihren Kopf umher tanzte und sie immer wieder an der Nase berührte. Wenn sie es nicht besser wissen würde, hätte sie das Gefühl, der Schmetterling wollte sie absichtlich aufwecken. Aber sowas gab es ja gar nicht.

„Hallo!“ sagte da der Schmetterling und sie riss die Augen auf. Was war denn das? „Hallo Duhuuuu!“ sagte da der Schmetterling wieder, ließ sich auf ihrem Knie nieder und lächelte sie an. „Ja, ich meine genau Dihhhhhich!“

„Weißt Du, ich kenne Dich, ich weiß genau über Dich bescheid und ich weiß auch, was Du für ein wundervolles Herz hast, wie Du Dich um Deine Mitmenschen sorgst und wie oft Du für sie da bist. Und da habe ich mir gedacht, dass Du heute eine kleine Belohnung bekommst. Komm gib mir Deine Hand.“ sagte der Schmetterling und streckte ihr eine kleine Hand entgegen.

Verdattert stand sie auf und als der Schmetterling ihr nochmal die Hand hinstreckte, ergriff sie sie vorsichtig und plötzlich spürte sie, wie sie den Boden unter ihren Füßen verlor. Tatsächlich, gemeinsam mit dem Schmetterling erhob sie sich in die Luft.

Und sie flogen über das Tal, über das kleine Dorf, das ihre Heimat war und sie erkannte dort unten Menschen, die genauso glücklich wie sie waren. Spielende Kinder, spazierende Paare, Menschen in ihren Gärten. Sie blickte über die weite Natur, die Wälder, die Felder, die Hecken und Wege. Die Sonne wärmte ihr wohlig den Rücken und beschien mit ihren freundlichen Strahlen diese wunderschöne Welt, die sie nun von hier oben genießen durfte.

Gelegentlich flogen Tauben und Sperlinge neben ihnen her und begleiteten sie ein Stück. Sie sagten artig „Guten Tag!“ und „Ist das nicht ein herrlicher Tag?“ und „Sie sind das erste mal hier in der Gegend?“ Und flogen dann ihrer eigenen Wege.

Plötzlich rief der Schmetterling „Achtung!“ und in einem kleinen Sturzflug näherten sie sich dem Boden, aber sie landeten noch nicht, nein sie flogen über einen einsamen See und der Schmetterling machte sich einen Spaß daraus, sie mit Wasser zu bespritzen, bis sie aus vollem Hals lachte und jauchzte wie ein übermütiges Kind.

Sie genoss den Flug aus ganzem Herzen und war ein kleines bisschen traurig, als sie merkte, dass der Schmetterling wieder den Weg zurück einschlug. Aber auch hier hatte sie vieles zu entdecken. Da… wunderschöne Häschen, die auf einem Feld spielten… und da ein Reh und da… ein grummeliger Dachs, der sich an einer Hecke entlang auf dem Weg nach Hause machte.

Schon waren sie wieder über den kleinen Tal angelangt, da flog der Schmetterling noch einmal ganz hoch mit ihr und drehte Pirouetten, flog Loopings und Figuren. Und sie fühlte sich eins mit dem blauen Himmel, den warmen Sonnenstrahlen und dem Wind, der sie umspielte.

Aber da setzten sie auch schon wieder sanft auf den Boden auf und sie war traurig und glücklich gleichzeitig und wollte sich beim Schmetterling bedanken, aber der meinte nur „Nein, nein, ich danke Dir, Du wundervoller Mensch!“ und gab ihr einen dicken Kuss auf die Wange.

Da wachte sie auf. Oh, nur ein Traum, ein wunderschöner Traum… Aber warum war ihr Kleid so nass?

 

Beitragsbild: http://www.schmetterling-raupe.de/kanaren.htm

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