The Sound of Silence

Das kleine Glöckchen über der Tür schellte, als er das kleine Antiquariat betrat. Der Verkaufsraum war vollgestellt mit Regalen, die bis zur Decke reichten und als er den Geruch der alten Bücher einatmete fühlte er sich wohl. Hinter der Theke saß ein alter Mann, der aussah, als käme er aus einer längst vergangenen Zeit mit Kneifer auf der Nase, weißen Ärmelschonern und Paisley-Fliege.

Er trat zu dem Antiquar und fragte ihn nach einer speziellen Ausgabe, die er schon so lange suchte. Natürlich hatte man sie hier. Das was er suchte sei im Nebenraum, hinter der Tür am Ende des Raumes. Er fragte, ob der Antiquar sie ihm hollen könne, aber der verneinte, er solle nur selbst gehen und sie sich holen, vielleicht fände er ja noch etwas, was ihm gefiele. So machte er sich auf den Weg zu der Tür. Natürlich sah er fast in jedem Regal mindestens ein Buch, das er auf dem Rückweg ebenfalls mitnehmen wollte.

Die Tür ließ sich nur schwer öffnen und er trat nicht in einen weiteren Verkaufsraum, wie er gedacht hatte, sondern trat auf eine weiche Wiese. Links neben ihm war eine hohe Eibenhecke und von ihr weg erstreckte sich ein wunderschöner Garten. Die Sonne schien und es waren nur Schäfchenwolken am Himmel. Schmetterlinge flogen fröhlich über den Blumenbeeten und Bienen summten. Er drehte sich um und wollte zurück, doch die Tür war verschwunden.

Naja, wenn er schon einmal hier war, konnte er sich auch umschauen. Er ging in den Garten und freute sich an der Schönheit der Natur, an dem Gartenhäuschen, das schon fast vollständig vom Efeu überwuchert war, den herrlichen Rosen, den Stauden, die um die Gunst der Bienen wetteiferten. Der Rasen war wie ein weicher Teppich und er hatte das Gefühl, wie auf Wolken zu gehen.

Er genoss diesen Garten und wunderte sich mittlerweile kein bisschen, wie er hierher gekommen war. Sein Tweedjackett landete im Schleierkraut und die Krawatte in den Rosen.

Da sah er sie am Fuße eines kleines Hanges knieen und in einem Beet arbeiten. Er konnte sie nicht einmal richtig erkennen, er hatte nur das unbändige Verlangen, zu ihr zu kommen, sie in seine Arme zu schließen. Er lief los, erst langsam, dann rannte er immer schneller. Aber er kam nicht vorwärts. So sehr er sich auch bemühte, er blieb immer auf der gleichen Stelle. Er blieb stehen, versuchte langsam, im normalen Tempo, aber auch hier kam er nicht von der Stelle. Was sollte er nur tun? Es war, als zerrisse es ihm das Herz. Wie von Sinnen begann er wieder zu rennen. Und ganz ganz langsam, Zentimeter für Zentimeter kam er vorwärts. Er war komplett durchgeschwitzt von den Anstrengungen. Und er freute sich, sein Herz schlug bis zum Hals. Doch da sah er wie ein Anderer kam, ganz ohne Probleme, zu ihr ging, ihr auf die Füße half, küsste und weg führte.

Es war, als würde gegen eine unsichtbare Wand laufen und er fiel auf die Knie. Was hatte er nur falsch gemacht? Zuviel angestrengt? Zuwenig angestrengt? Und er hatte das Gefühl, dass, egal was er gemacht hätte, es falsch gewesen wäre.

Mit einem leisen Plopp erschien die Tür hinter ihm. Er stand auf, drehte sich um und in dem Moment erschien ein Schild auf der Tür „Nicht gut genug. Du hast versagt. Geh!“

Und er ging.

Aber als er durch die Tür ging, kam er nicht in dem Antiquariat heraus, sondern in einem häßlichen Lagerraum. Er ging zum Ausgang, trat wieder auf die Straße und lebte sein kleines Leben weiter.

 

 

Beitragsbild: https://www.nationaltrust.org.uk/

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