Abenteuer im Dschungel

Es war unerträglich heiß. Sie spürte Schweiß aus allen Poren ihres Körpers dringen. Mit einer Machete hieb sie auf die üppig wachsenden Pflanzen ein und bahnte sich einen Weg durch den Dschungel. Sie nahm den Hut ab und wischte sich den Schweiß aus der Stirn. Sie war schon seit Tagen in dieser mörderischen Hitze unterwegs, um den Tempel des Jaguargottes zu finden und die goldene Götzenstatue, die sich darin befand, in Sicherheit zu bringen, bevor Stevenson ihn stehlen konnte. Das Museum, in dem sie als Kuratorin arbeitete, wäre sicherlich der bessere Aufbewahrungsort, als der Tresor des gewissenlosen Sammlers.

Sie schob die Brille wieder nach oben und sah sich genau um, sie musste schon ganz in der Nähe sein. Im Westen war die Hügelkette und in der Ferne im Norden konnte sie trotz des dichten Blätterdaches über sich den einsamen Berg erkennen, wo sich der Tempel befand. Schon in wenigen Stunden würde sie dort sein.

Sie kämpfte sich weiter durch das Unterholz und machte nur eine kurze Rast, als sie an einen kleinen Bach gekommen war. Dort stillte sie ihren Durst und kühlte ihren von der Sonne verbrannten Nacken. Als sie weiter ging, bemerkte sie, dass der Weg, auf dem sie ging, sich verändert hatte. Sie kniete sich hin und schob das Laub bei Seite. Und tatsächlich: Pflastersteine. Das musste die Straße sein, die zum Tempel führte.

Nun gab es kein Halten mehr. Sie rannte den Weg entlang und da stand sie plötzlich vor dem Heiligtum der Nubsis, jenes rätselhaften Dschungelvolkes, das im Dunkel der Geschichte untergegangen war. Ehrfürchtig stieg sie die Stufen hoch und trat in den Tempel. Ihre Schritte hallten von den Wänden wider, als sie immer tiefer in das Heiligtum eindrang. Die Statue stand auf einer einzelnen Stele. Sie war so wunderschön. Wie lange hatte sie niemand mehr angesehen? Wie lange stand sie hier in unerträglicher Einsamkeit? Ehrfürchtig trat sie näher. Sie streckte die Hand aus, um die Statue zu berühren.

Der Schuss gellte ohrenbetäuben. Sie fuhr zusammen und drehte sich langsam um. Stevenson – Ihr Erzfeind. Dieser skrupellose Schatzjäger, der für einen Dollar seine Mutter verkaufen würde stand ihr gegenüber und zielte genau auf ihr Herz.

„Na, Schätzchen, da hast Du wohl Pech gehabt. Ich werde Dir eine Kugel zwischen die Rippen jagen und die Statute ganz einfach mitnehmen! Unser chinesischer Freund wird ein Vermögen bezahlen.“ Er spielte damit auf einen dubiosen Kunstsammler in Hong Kong an, dessen Identität sie bisher nie hatte herausfinden können und der ihr schon einige Artefakte vor der Nase weggeschnappt hatte.

Sie nahm die Statue von der Stele und hörte das Klicken, mit dem Stevenson den Hahn seines Revolvers spannte. Langsam ging sie mit dem Schatz auf ihn zu „Na da fühlt sich jemand ja ganz sicher. Aber Sie wissen ja, was die Russen sagen, man sollte die Haut des Bären erst verkaufen, wenn man ihn erlegt hat.“

Unerwartet warf sie die Statue in die Luft, trat Stevenson die Waffe aus der Hand, fing die Statue und wollte in Richtung Ausgang sprinten.

Der Schuss fiel unerwartet. Stevenson lachte und schaute triumphierend zu seinem Komplizen, der gerade aus dem Schatten der Säule trat, den Revolver wieder hob und…

Hujujuj war das spannend. Sie legte das Buch auf den Tisch vor sich. Eine tolle Story, sie war ganz darin versunken und wenn sie nicht eine neue Tasse Tee gebraucht hätte, hätte sie gar nicht aufgehört zu lesen. Ihr Blick fiel auf einen leeren Teller. Da hatte sie doch tatsächlich die ganzen Kekse weg gemampft ohne etwas zu merken.

Sie befreite sich aus ihrer Kuscheldecke, stand von der Couch auf und ging in die Küche, Tee aufbrühen, aber sie war schon so gespannt, wie es dort im Dschungel weiterging.

 

 

Beitragsbild: Von Martin Kulldorff – Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=47050237

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