Herbstgedanken

Es war der erste Sonntag dieses herrlichen Altweibersommers und sie hatte einen perfekten Tag gehabt. Nun lag sie geschafft aber glücklich auf ihrer gemütlichen Couch. Eigentlich wollte sie noch dieses herrliche Buch weiter lesen, aber das lag nun auf ihren Bauch und sie hing ihren Gedanken nach.

Sie hatte herrlich geschlafen, einen leckeren Brunch mit guten Freunden gehabt und dann einen langen Spaziergang durch den Park unterhalb des Schlosses gemacht. Die Strahlen der tiefstehenden Sonne streichelten sie wie warme Finger auf ihrem Gesicht und tauchte den gesamten Park in ein goldenes Licht, in dem alle Dinge lebendig zu werden schienen. Das Herbstlaub raschelte unter ihren Füßen und ab und an trat sie auf eine glatte Kastanie.

Auch die Menschen schienen wie ausgewechselt, waren es sonst verschlossene, gehetzte Gesichter, denen sie begegnete, waren sie heute offen und lächelten oft. Leicht stieg sie den kleinen Berg hoch, der zum Schloss führte, vorbei an den alten Ställen und Remisen. Als sie oben angekommen war, stockte ihr ob der Pracht, die sie sah, fast der Atem. Die großen Rosenbeete vor dem altehrwürdigen Gebäude leichteten in allen Farben. Es war so, als wollten die Rosen noch einmal alles geben, all ihre Kraft in genau diesen Moment stecken, um genau jetzt für sie ihre schönste Seite zu zeigen. Der Springbrunnen plätscherte fröhlich und sie trat an die Balustrade und blickte in das Tal. Auch hier hatte die Natur ihr schönstes Kleid angelegt und zeigte in allen Erdtönen ein warmes Bild.

Sie hatte den letzten Tisch auf der Terrasse des Schloßcafés ergattert und ihren Tee genossen. Gut, wegen des Stückchens Torte hatte sie ein bisschen ein schlechtes Gewissen, aber dafür würde sie sich Morgen zurückhalten.

Und nun lag sie hier, auf ihrer gemütlichen Couch. Neben sich eine dampfende Tasse heißer Schokolade. Gedankenverloren beobachtete sie die Staubkörnchen, die in den Sonnenstrahlen, die durch das Fenster herein fielen, tanzten. Sie ließ ihre Gedanken schweifen und plötzlich überkam sie ein Gefühl des absoluten Glücks, das sie von den Fußzehen bis in die Haarspitzen erfüllte und sie wusste, dass alles gut werden würde.

 

 

Beitragsbild: Von Martin.Heiss aus der deutschsprachigen Wikipedia, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2516770

Eine kleine Gute-Nacht-Geschichte

Sie saß genervt auf einer Bank in der Fußgängerzone und kaute lustlos auf ihrem Käsebrot. Heute war wieder so einer von den Tagen, an dem sie gerne eine Axt im Schreibtisch hätte, um sämtliche sinnlosen Diskussionen abzukürzen. Naja, wenigstens schien die Sonne, dachte sie sich und lehnte sich zurück, um die Wärme auf ihrem Gesicht zu genießen.

Als sie wieder die Augen öffnete, schaute sie sich gelangweilt in der Fußgängerzone um, aber keines der Geschäfte reizte sie, um die restliche Pausenzeit darin zu verbringen. Klamotten, Klamotten, Taschen, Bäcker, ein hopsender Bär, Klamotten… Mooooment… Sie richtete sich auf. Ein tanzender Bär? Hier in der Fußgängerzone? Was sollte das denn? Und er kam direkt auf sie zu. Und keiner keiner anderen Passanten schien ihn zu bemerken. Tatsächlich, er kam direkt auf sie zugehopst, sprang auf die Bank und setzte sich neben sie.

Das muss doch jetzt die „Versteckte Kamera“ sein, dachte sie sich und schaute sich um. Der Bär lachte: „Nein, das ist nicht die versteckte Kamera. Und ja, die anderen können mich nicht sehen. Nur Du, denn ich bin nur wegen Dir hier.“ Sprachs, krabbelte auf ihren Schoß und kuschelte sich an sie.

„Aber … aber… was willst Du denn von mir?“ fragte sie verdattert. „Dich mitnehmen“ antwortete der Bär, hopste von ihrem Schoß und zog sie an der Hand mit sich fort. Sie durchquerten die Fußgängerzone und der Bär führte sie in eine verlassene Gasse. Während des ganzen Weges versuchte sie dem Bär zu erklären, dass sie doch nicht einfach mitkommen könnte, sie musste doch arbeiten. Es waren doch nur ein paar Minuten der Pause übrig. Der Bär lachte aber nur und zog sie weiter.

In der Gasse standen sie bald vor einer Tür, einer schweren Eichentür, an die der Bär klopfte, woraufhin sie sich öffnete. Übermütig zog er sie durch einen kurzen Gang, der sich auf eine wunderschöne Wiese öffnete.

Der Bär ließ ihre Hand los und begann laut jauchzend Purzelbäume zu schlagen, während sie ungläubig die wunderschöne Landschaft bestaunte. Eine wunderschöne Blumenwiese breitete sich vor ihr aus, dort hinten ein Wald, durch den sich ein kleiner Bach wand, der fröhlich vor sich hin plätscherte und dort grüne Hügel und dort ein kleiner See. Ach, war das hier schön hier und über allem schien herrlich die Sonne und eine leichte Brise umschmeichelte sie.

Vorsichtig machte sie einige Schritte. Das Moos federte ihre Schritte ab und sie lief wie auf Wolken. War das schön hier, so wunderschön. Es schnürte ihr den Hals zu, als sie ihren Blick schweifen ließ, so überwältigt war sie. Da spürte sie, wie der Bär an ihrem Arm zog. Er brachte sie doch tatsächlich zu Fall und laut lachend kugelten die beiden den kleinen Hügel hinunter und kamen am Ufer des Baches zu liegen.

„Na ihr beiden habt Spaß und alle anderen warten auf euch“ sagte da plötzlich eine Stimme. Sie richtete sich auf und sah in die freundlichen Augen eines Fuches. „Los, los, ihr Kindsköpfe“, sagte der Fuchs, seine lachenden Augen straften seinem strengen Ton allerdings Lügen.

Brav folgte sie dem Fuchs, der sie in den Wald führte, auf eine Lichtung, wo sie von einer großen Gruppe von Tieren erwartet wurden. Sie setzte sich auf einen Baumstumpf und wartete gespannt.

Der Dachs trat vor und richtete das Wort an sie: „Wir haben Dich schon lange beobachtet und ausgewählt. Du bist so ein wundervoller, lieber und warmherziger Mensch, dass wir Dir etwas zurück geben wollen. Immer dann, wenn es Dir mal nicht so gut geht, dann kannst Du hierher kommen, Ruhe und Frieden und wieder zu Dir selbst finden.“

Sie wusste gar nicht, was sie sagen sollte. Da fuhr der Dachs fort: „Dieser Platz gehört nur Dir und ist nur dafür da, Dir Dein Herz leicht zu machen.“ Und bei diesen Worten drückte er ihr einen Schlüssel in die Hand und erklärte, dass er in jede Tür passt. Sobald eine Tür mit diesem Schlüssel aufgeschlossen wurde, führte sie in dieses Land.

Sie stammelte einige Worte des Dankes und drückte den Schlüssel fest an sich. Die Tiere kamen näher und herzten und drückten sie und sagten ihr, wie herzlich willkommen sie sei.

Der Bär brummte, dass es jetzt Zeit wäre und brachte sie wieder zurück zu der Tür. Sie öffnete die Eichentür mit dem Schlüssel und stand plötzlich wieder im Treppenhaus ihres Büros. Pünktlich saß sie wieder an ihrem Schreibtisch, das glückliche Lächeln auf ihren Lippen konnten sich ihre Kollegen nicht erklären, aber sie wusste jetzt, dass sie immer einen Ort hatte, an dem sie willkommen war und an dem sie geliebt wurde. Und das hatte sie sich auch sehr verdient.

 

Beitragsbild: https://www.natur-erleben-nrw.de/natura-2000/regionen-und-gebiete-in-nrw/details/hallenberger-wald/

Was sich Menschen alles antun – Heute: Kolloidales Silber

Ich hab’s ja an den Nerven. In beiden Armen. Chronische Entzündung hier, Neuropathie da. Naja, nicht berauschend, aber man lebt damit. Kürzlich habe ich allerdings einen großen Fehler gemacht, einen quasi unverzeihlichen Fehler, einen Fehler, der dazu führte, dass ich mir Watte in die Ohren stecken musste, damit mein Hirn nicht rausläuft: ich habe jemanden davon erzählt. Einer Bekannten. Einer Bekannten, die gerade die „Ausbildung“ zur Heilpraktikerin macht. Weil ja nächstes Jahr das jüngste Kind aus dem Haus geht und sie dann eine Beschäftigung braucht. Btw. ist das auch die Krux an diesem System, dass nämlich jeder, der halbwegs seinen Namen schreiben kann Heilpraktiker werden kann und an Menschen rumpfuscht. HALLO? GEHT’S NOCH? So jemanden vertraue ich doch meine Gesundheit nicht an… Aber das ist ja ein anderes Thema. (Und wer mehr dazu lesen will, der sollte das Buch von Anousch Mueller „Die Unheilpraktiker“ lesen.)

Aber zurück zu meiner Bekannten. Die hatte natürlich auch gleich einen Tipp für mich. Warum auch Zeit auf Untersuchungen oder ähnlichen Blödsinn verschwenden, nein, hauen wir einfach was raus, irgendwas, Hauptsache es ist was gesagt und man kann sich selbst als große Heilerin darstellen. Aber gut. Ihr bahnbrechender Tipp war TATAAAA Die Einnahme von kolloidalem Silber.

Ich hatte davon bisher nur am Rande etwas gehört, aber alleine die Tatsache, dass es so ziemlich jede Art von Krankheitserregern von Pilzen über Bakterien, Viren bis hin zu Steuernachzahlungsbescheiden binnen weniger Minuten abtöten soll, erregte meine leichte Skepsis, denn die Schlangenöle, die gegen Haarausfall, Diarrhöe und Impotenz gleichermaßen wirken, die kennen wir ja zur Genüge.

Aber jetzt schauen wir uns die Sache erstmal an. Stellen wir uns doof und fragen uns, wat is kolloidales Silber eijentlich?

Bei kolloidalem Silber handelt es sich um ultrafeine Partikel elementaren Silbers (Nanosilber) oder auch schwerlöslicher Silberverbindungen bzw. deren flüssige Dispersionen. Für letztere werden synonym die Begriffe Silbersol und Silberwasser benutzt. Silberkolloiddispersionen bzw. Silbersole sind von Lösungen löslicher Silbersalze zu unterscheiden. Die Kolloidteilchen sind zwischen 1 und 100 nm groß[1] und weder mit dem Auge noch mit einem Lichtmikroskop erkennbar. In den einzelnen Teilchen sind etwa 1.000 bis 1 Milliarde Silberatome oder Moleküle der entsprechenden Silberverbindung enthalten. Im Gegensatz zu Silbersalzlösungen streuen Silberkolloide seitlich einfallendes Licht (Tyndall-Effekt) zum Beobachter.

Soweit die Wikipedia.

Das Zeugs kann man sich entweder fertig kaufen oder man kann es auch selbst herstellen. Daheim. Im Werkkeller. Heimelig…

Natürlich hat das Zeugs angeblich über – haupt – keine Nebenwirkungen, löst keine Antibiotikaresistenzen aus und ist einfach das Heilmittel, das natürlich von der pöhsen, pöhsen Pfarmamafia unterdrückt wird.

Ganz so ist es natürlich nicht. Silber braucht der Körper nicht, es ist giftig und wenn man sich diese giftige Substanz zuführt, bekommt man Probleme. So wurden bereits Leberschädigungen, Herzmuskelschädigungen, Krampfanfälle, Geruchsempflichkeiten, Geschmacksstörungen und Tataaa… Nervenschädigungen (wofür wurde es mir empfohlen? HÄ? HÄ? HÄ?) beschrieben. Selbst Fehlbildungen bei Neugeborenen können vorkommen.

Und das Beste ist, wenn man nur genug Silber eingenommen hat, lagert sich das Metall in der Haut ein, das nennt sich dann Argyrie und bedeutet, dass man aussieht wie Papa Schlumpf auf Crystal Meth. Ja, ehrlich, man wird blau von dem Zeugs. Selbst die Augen können blau werden, das ist dann die Argyrose. Der bekannteste Argyrie-Kranke ist wohl Paul Karason aus den USA. Schaut mal hier bei Psiram nach, da sind ein paar schöne Schlumpfbilder von ihm dabei. Und dagegen gibt es noch nicht mal ein Gegenmittel. Nein, ehrlich. Einmal Schlumpf, immer Schlumpf… Kannste Dir nicht denken, dass sich das Menschen selbst antun.

Ich werde jedenfalls dankend darauf verzichten.

Versteckte Schönheit

Sie ging einen langen, dunklen Gang entlang. Ihre Schritte hallten von den kahlen Wänden wider und sie musste sich in Acht nehmen, dass sie auf dem unebenen Boden nicht fiel. Je länger sie lief, desto länger schien der Gang zu werden. Plötzlich überfiel sie ein tiefes Gefühl der Einsamkeit. Sie fühlte sich von der gesamten Welt abgeschnitten in diesen Steinkatakomben. Wo führte sie dieser Gang hin? Was würde sie erwarten? Sie wusste es nicht und in einem plötzlich aufkeimenden Gefühl der Panik begann sie zu rennen.

Die schwere Eichentür tauchte plötzlich vor ihr auf. Durch den Schleier ihrer Tränen hatte sie sie gar nicht gesehen und prallte erschrocken zurück. Sie griff nach dem dicken Ring, der anstatt der Klinke angebracht war und zog die Tür auf.

Das gleißende Licht blendete sie und schützend hob sie die Hand vor ihre Augen und nur langsam nahm die Landschaft vor ihr Gestalt an. Erstaunt rang sie nach Luft. Sie stand auf einer Blumenwiese, mit wunderschönen weißen Blüten. Das Moos unter ihren Füßen federte bei jedem Schritt.

Sie überkam ein herrliches Gefühl des Glücks, der Zufriedenheit und Geborgenheit. Die tiefe Freude, die sie in diesem Moment empfand, brach sich in einem lauten Jauchzen Bahn. Übermütig drehte sie sich im Kreis, ließ sich zwischen die Blumen fallen und sog gierig ihren herrlichen Duft ein. Sie stand auf und begann zu lachen, begann zu laufen und genoss diese üppige Pracht der Natur.

Plötzlich tauchte vom Fuß des Hügels her eine Gestalt auf. Sie blieb stehen und schaute, konnte aber gegen die Sonne nicht erkennen, wer es war. Aber sie spürte es, eine Welle des Glücks umfing sie. Die Gestalt begann zu winken und zu laufen. Auch sie begann auf die Gestalt zuzulaufen. Doch da, sie verfing sich in einer Wurzel, fiel hin und … wachte in ihrem warmen Bett zu Hause auf. Sie ließ sich in die Kissen fallen und seufzte.

Ich habe endlich die Homöopathie begriffen!

Nachdem ich jetzt im Nachgang meiner letzten beiden Artikel zur Homöopathie einige Diskussionen mit Globulisten (Vastehste? Globulisten, von Globuli! Vastehste? Gnarf Gnarf) führen durfte, habe ich es nun endlich begriffen. Nein, nicht dass das gesamte Homöopathie-Zeugs wirken würde, es wäre sicherlich sinnvoller auf dem nacktem Hintern einen Schlittenhang runter zu brettern, als bei einer Krankheit Homöopathika in sich rein zu schütten.

Ich habe jetzt endlich verstanden, was die Globulisten antreibt, sich selbst bei schweren Krankheiten den Appetit mit Milchzuckerkügelchen zu verderben. Es ist der „Ich weiß das aber besser“-Impuls. Die Oberlehrer-Attitüde in Reinkultur.

„Das ist mein Körper, ich weiß am besten, was dem hilft!“ hört man da oder „Die Schulmedizin behandelt mich doch nicht ganzheitlich“ Ein Geseier… Und dann wird kräftig herumexperimentiert. Dank zahllosen „Ratgebern“ ist das ja auch kein Problem. Da kann sich Erna Krawuttke aus Bottrp-Kirchhell endlich auch mal wie ein richtiger Dokter vorkommen. Wat? Frau Suhrbier von nebenan hat ein Schlackerknie? Da wird los galoppiert und Hilftnix D12 aufgedrängt.

Man muss sich das mal vorstellen, sind die Bremsen am Auto kaputt, kommt es in die Werkstatt, läuft die Toilette aus, holt man den Klempner, braucht man Strom, holt man den Klempner, ist man krank, bastelt man selbst an sich rum. Dann wundert man sich, dass sämtliche „alternativen Heilmethoden“ nichts helfen (verstehe ich auch nicht, warum indianische Ohrkerzen nicht gegen Magengeschwüre helfen) und schleppt sich dann trotzdem zum Arzt, der dann den gesamten verkorksten Krankheitsverlauf wieder ausgleichen muss. Und schafft er das nicht in zwei Tagen, dann heißt es wieder „Typisch Schulmedizin“. Es ist doch zum kotzen.

Normalerweise wäre ich ja in der Beziehung Darwinist und würde „macht doch!“ sagen. Nehmt eure Globuli, glaubt an den größten Mist, den euch irgendein selbst ernannter Schamane im Internet erzählt, aber heult mir nicht die Ohren voll, wenn ihr wegen einer Therapieverschleppung in die Grube fahrt. Aber zum Schluss der Behandlung verstopft ihr ja auch noch den medizinischen Betrieb, weil dann doch noch die „Schulmedizin“ alles richten soll.

Und dann kommt noch dazu, dass ja auch noch Unschuldige mit in diesen Sog gerissen werden, Kinder, die sich nicht wehren können. Bei jedem kleinen Wehwechen werden Torben-Tobias und Charlotte-Emilie Globuli in den Rachen gestopft. Ist ja auch einfacher, als sich Zeit für die Kinder zu nehmen, zu trösten oder mal auf’s aufgeschlagene Knie zu pusten. Da muss man nicht Schlagmichtot D6 verabreichen.

Oft ist auch die Homöopathie der Einstieg in die Esoterikszene, wo selbst ernannte Reiki-Meister, Schamanen und sonstige „Heiler“ naiven Menschen die schwer verdiente Kohle aus dem Kreuz leiern.

Und hinter all dem steht die Geisteshaltung des „Was weiß denn der Arzt? ICH weiß es besser!“ Geht mich doch wech mit so’n Passelackendriss.

Eine Sommernacht

Als die Dunkelheit sich über den kleinen Garten senkte war kein Geräusch mehr zu hören. Es herrschte Stille und auch der große, träge dahinfließende Fluss schien zu schlafen.

Sie lagen eng aneinander geschmiegt im Gras und genossen die herrliche Nacht. Wann immer sie sich in die Augen sahen war es, als wäre Musik in der Luft, eine herrliche Melodie. Ihre Herzen waren so voll und doch war es so schwierig, all das in Worte zu fassen. Aber sie verstanden sich auch so. Er strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht und streichelte ihre Wange. Sie sahen sich an und eine Welle unsagbaren Glücks durchflutete sie, ein Glück, das ihre Herzen zu sprengen drohte.

Sie wussten nicht, wie lange sie schon hier lagen, in der Stille, ohne sie zu stören. Und sie waren erstaunt, als sich über den sanften Hügeln die Morgendämmerung ankündigte und die ersten Vögel zu hören waren.

Warum musste dies Nacht nur enden? Aber sie wussten, dass sie sie nie vergessen würden, dass sie diese Nacht, diese eine Nacht des vollkommenen Glücks, immer im Herzen tragen würden.

Beitragsbild: inobras.deviantart.com/art/Podmoskovnye-Vechera-117351414

Das kulinarische Unwort

Kürzlich habe ich ja den Artikel über schöne und unschöne Worte hier veröffentlicht und gestern las ich einen Text, der sich mit einem ganz besonderen Unwort beschäftigt. Geschrieben hat ihn der Wetterexperte Jörg Kachelmann und der hat mir auch erlaubt, ihn hier einzustellen. Vielen Dank hierfür. Und wo wir schon dabei sind, wenn ihr eine zuverlässige Wetterseite im Netz sucht, dann schaut doch mal bei Jörg vorbei.


Es gibt furchtbare Sätze in der deutschen Sprache, die wegen ihres präpotenten Manierismus anstrengen: „Kann ich morgen offen fahren?“ fragt der extravertierte Cabriobesitzer, wenn er einfach nur wissen will, ob es morgen in seine Karre schifft. Wenn man ein einzelnes Wort als furchtbar auswählen darf, kann es nur eines geben. Ein Wort, das über die deutsche Sprache wie ein Ostfront-Panzer gefahren ist, alles plattmachend, immer geradeaus, gnadenlos, keine Gefangenen machend und nur die Russen könnten es vielleicht aufhalten, denn viele Deutsche mögen ja starke Worte von starken Männern an der Spitze. Ja, wenn Putin ein Machtwort sprechen würde, dann hätten wir vielleicht noch eine Chance.

Aber eigentlich ist der Kampf schon verloren. Das Wort war mal legitim, an der holländischen Grenze, wo es herkommt und für einen relativ breiten Inhalt stehen kann. Die ignoranten Moffen haben es aber klein gemacht, seine Bedeutung auf ein absolutes Minimum verdichtet und dumme Werbetexter mit der Sprachkompetenz eines abgetauten Kühlschranks haben es in Millionen Werbeminuten in den tumben Volkskörper geprügelt. Ältere Menschen erinnern sich noch dunkel, wie reichhaltige Gaumengenüsse beschrieben werden konnten. Ich will für all die verlorenen Seelen, die nur noch die Dicke Berta unter den Adjektiven kennen und nutzen, nochmal daran erinnern, was es noch vor wenigen Jahrzehnten alles gab, ohne Anspruch auf Vollständigkeit: köstlich, delikat, fein, schmackhaft plus die allgemeineren Adjektive wie wunderbar, phantastisch und mehr.

Die Kinder, die heute aufwachsen, kennen das alles nicht mehr. Die Propaganda-Ministerien in den Werbeagenturen haben ganze Arbeit geleistet, den Gegner Reichtum in der deutschen Sprache vernichtet und ihr schmutziges Gleichschaltungswerk kann als geglückt abgehakt werden. Dieselben Leute, die glauben, dass die Sommer früher besser waren, nur weil Rudi Carrell ein Lied gesungen hat, glauben im Ernst, dass dieses eklige Panzer-Wort schon immer gesagt wurde. Schwachfug! Unsere Grosseltern haben es recht eigentlich nicht verwendete, deren Kinder auch nicht, bis erst die Deppengeneration heranwachsen musste, die nur noch ein Wort zur Verfügung hat, um gutes Essen und Trinken zu beschreiben. Ich will es nicht schreiben, nicht sprechen. Ich will nicht die fünfte Kolonne der Schmierlappen sein, die mit der erzwungenen Verbreitung dieses Worts den Sprachschatz von jungen Menschen um 20% gekürzt haben.

Für die Horror-Liebhaber noch ein Hinweis: Man kann es noch etwas furchtbarer machen, als es für sich alleine stehend schon ist. Jegliche Kombination mit „Putenbrust“ ist ein Beleg, dass es des Teufels ist. Putin, übernehmen Sie.

Beitragsbild: Von Varaine – Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=53174901