Das kulinarische Unwort

Kürzlich habe ich ja den Artikel über schöne und unschöne Worte hier veröffentlicht und gestern las ich einen Text, der sich mit einem ganz besonderen Unwort beschäftigt. Geschrieben hat ihn der Wetterexperte Jörg Kachelmann und der hat mir auch erlaubt, ihn hier einzustellen. Vielen Dank hierfür. Und wo wir schon dabei sind, wenn ihr eine zuverlässige Wetterseite im Netz sucht, dann schaut doch mal bei Jörg vorbei.


Es gibt furchtbare Sätze in der deutschen Sprache, die wegen ihres präpotenten Manierismus anstrengen: „Kann ich morgen offen fahren?“ fragt der extravertierte Cabriobesitzer, wenn er einfach nur wissen will, ob es morgen in seine Karre schifft. Wenn man ein einzelnes Wort als furchtbar auswählen darf, kann es nur eines geben. Ein Wort, das über die deutsche Sprache wie ein Ostfront-Panzer gefahren ist, alles plattmachend, immer geradeaus, gnadenlos, keine Gefangenen machend und nur die Russen könnten es vielleicht aufhalten, denn viele Deutsche mögen ja starke Worte von starken Männern an der Spitze. Ja, wenn Putin ein Machtwort sprechen würde, dann hätten wir vielleicht noch eine Chance.

Aber eigentlich ist der Kampf schon verloren. Das Wort war mal legitim, an der holländischen Grenze, wo es herkommt und für einen relativ breiten Inhalt stehen kann. Die ignoranten Moffen haben es aber klein gemacht, seine Bedeutung auf ein absolutes Minimum verdichtet und dumme Werbetexter mit der Sprachkompetenz eines abgetauten Kühlschranks haben es in Millionen Werbeminuten in den tumben Volkskörper geprügelt. Ältere Menschen erinnern sich noch dunkel, wie reichhaltige Gaumengenüsse beschrieben werden konnten. Ich will für all die verlorenen Seelen, die nur noch die Dicke Berta unter den Adjektiven kennen und nutzen, nochmal daran erinnern, was es noch vor wenigen Jahrzehnten alles gab, ohne Anspruch auf Vollständigkeit: köstlich, delikat, fein, schmackhaft plus die allgemeineren Adjektive wie wunderbar, phantastisch und mehr.

Die Kinder, die heute aufwachsen, kennen das alles nicht mehr. Die Propaganda-Ministerien in den Werbeagenturen haben ganze Arbeit geleistet, den Gegner Reichtum in der deutschen Sprache vernichtet und ihr schmutziges Gleichschaltungswerk kann als geglückt abgehakt werden. Dieselben Leute, die glauben, dass die Sommer früher besser waren, nur weil Rudi Carrell ein Lied gesungen hat, glauben im Ernst, dass dieses eklige Panzer-Wort schon immer gesagt wurde. Schwachfug! Unsere Grosseltern haben es recht eigentlich nicht verwendete, deren Kinder auch nicht, bis erst die Deppengeneration heranwachsen musste, die nur noch ein Wort zur Verfügung hat, um gutes Essen und Trinken zu beschreiben. Ich will es nicht schreiben, nicht sprechen. Ich will nicht die fünfte Kolonne der Schmierlappen sein, die mit der erzwungenen Verbreitung dieses Worts den Sprachschatz von jungen Menschen um 20% gekürzt haben.

Für die Horror-Liebhaber noch ein Hinweis: Man kann es noch etwas furchtbarer machen, als es für sich alleine stehend schon ist. Jegliche Kombination mit „Putenbrust“ ist ein Beleg, dass es des Teufels ist. Putin, übernehmen Sie.

Beitragsbild: Von Varaine – Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=53174901

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