Eine kleine Gute-Nacht-Geschichte

Sie saß genervt auf einer Bank in der Fußgängerzone und kaute lustlos auf ihrem Käsebrot. Heute war wieder so einer von den Tagen, an dem sie gerne eine Axt im Schreibtisch hätte, um sämtliche sinnlosen Diskussionen abzukürzen. Naja, wenigstens schien die Sonne, dachte sie sich und lehnte sich zurück, um die Wärme auf ihrem Gesicht zu genießen.

Als sie wieder die Augen öffnete, schaute sie sich gelangweilt in der Fußgängerzone um, aber keines der Geschäfte reizte sie, um die restliche Pausenzeit darin zu verbringen. Klamotten, Klamotten, Taschen, Bäcker, ein hopsender Bär, Klamotten… Mooooment… Sie richtete sich auf. Ein tanzender Bär? Hier in der Fußgängerzone? Was sollte das denn? Und er kam direkt auf sie zu. Und keiner keiner anderen Passanten schien ihn zu bemerken. Tatsächlich, er kam direkt auf sie zugehopst, sprang auf die Bank und setzte sich neben sie.

Das muss doch jetzt die „Versteckte Kamera“ sein, dachte sie sich und schaute sich um. Der Bär lachte: „Nein, das ist nicht die versteckte Kamera. Und ja, die anderen können mich nicht sehen. Nur Du, denn ich bin nur wegen Dir hier.“ Sprachs, krabbelte auf ihren Schoß und kuschelte sich an sie.

„Aber … aber… was willst Du denn von mir?“ fragte sie verdattert. „Dich mitnehmen“ antwortete der Bär, hopste von ihrem Schoß und zog sie an der Hand mit sich fort. Sie durchquerten die Fußgängerzone und der Bär führte sie in eine verlassene Gasse. Während des ganzen Weges versuchte sie dem Bär zu erklären, dass sie doch nicht einfach mitkommen könnte, sie musste doch arbeiten. Es waren doch nur ein paar Minuten der Pause übrig. Der Bär lachte aber nur und zog sie weiter.

In der Gasse standen sie bald vor einer Tür, einer schweren Eichentür, an die der Bär klopfte, woraufhin sie sich öffnete. Übermütig zog er sie durch einen kurzen Gang, der sich auf eine wunderschöne Wiese öffnete.

Der Bär ließ ihre Hand los und begann laut jauchzend Purzelbäume zu schlagen, während sie ungläubig die wunderschöne Landschaft bestaunte. Eine wunderschöne Blumenwiese breitete sich vor ihr aus, dort hinten ein Wald, durch den sich ein kleiner Bach wand, der fröhlich vor sich hin plätscherte und dort grüne Hügel und dort ein kleiner See. Ach, war das hier schön hier und über allem schien herrlich die Sonne und eine leichte Brise umschmeichelte sie.

Vorsichtig machte sie einige Schritte. Das Moos federte ihre Schritte ab und sie lief wie auf Wolken. War das schön hier, so wunderschön. Es schnürte ihr den Hals zu, als sie ihren Blick schweifen ließ, so überwältigt war sie. Da spürte sie, wie der Bär an ihrem Arm zog. Er brachte sie doch tatsächlich zu Fall und laut lachend kugelten die beiden den kleinen Hügel hinunter und kamen am Ufer des Baches zu liegen.

„Na ihr beiden habt Spaß und alle anderen warten auf euch“ sagte da plötzlich eine Stimme. Sie richtete sich auf und sah in die freundlichen Augen eines Fuches. „Los, los, ihr Kindsköpfe“, sagte der Fuchs, seine lachenden Augen straften seinem strengen Ton allerdings Lügen.

Brav folgte sie dem Fuchs, der sie in den Wald führte, auf eine Lichtung, wo sie von einer großen Gruppe von Tieren erwartet wurden. Sie setzte sich auf einen Baumstumpf und wartete gespannt.

Der Dachs trat vor und richtete das Wort an sie: „Wir haben Dich schon lange beobachtet und ausgewählt. Du bist so ein wundervoller, lieber und warmherziger Mensch, dass wir Dir etwas zurück geben wollen. Immer dann, wenn es Dir mal nicht so gut geht, dann kannst Du hierher kommen, Ruhe und Frieden und wieder zu Dir selbst finden.“

Sie wusste gar nicht, was sie sagen sollte. Da fuhr der Dachs fort: „Dieser Platz gehört nur Dir und ist nur dafür da, Dir Dein Herz leicht zu machen.“ Und bei diesen Worten drückte er ihr einen Schlüssel in die Hand und erklärte, dass er in jede Tür passt. Sobald eine Tür mit diesem Schlüssel aufgeschlossen wurde, führte sie in dieses Land.

Sie stammelte einige Worte des Dankes und drückte den Schlüssel fest an sich. Die Tiere kamen näher und herzten und drückten sie und sagten ihr, wie herzlich willkommen sie sei.

Der Bär brummte, dass es jetzt Zeit wäre und brachte sie wieder zurück zu der Tür. Sie öffnete die Eichentür mit dem Schlüssel und stand plötzlich wieder im Treppenhaus ihres Büros. Pünktlich saß sie wieder an ihrem Schreibtisch, das glückliche Lächeln auf ihren Lippen konnten sich ihre Kollegen nicht erklären, aber sie wusste jetzt, dass sie immer einen Ort hatte, an dem sie willkommen war und an dem sie geliebt wurde. Und das hatte sie sich auch sehr verdient.

 

Beitragsbild: https://www.natur-erleben-nrw.de/natura-2000/regionen-und-gebiete-in-nrw/details/hallenberger-wald/

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