Der Blutdruck und seine Messung – Teil 2

3. Wie alles begann – Stephen Hales und seine Pferde

Und hier ist er nun, der versprochene Ausflug in die Veterinärmedizin. Und dieser Ausflug beginnt mit einem gewissen Stephen Hales, der am 17. oder 7. September 1677 bei Beckesbourn in der Grafschaft Kent geboren wurde. Hales war ein englischer Priester, Physiologe und Physiker, der in Cambridge Theologie studiert hatte, aber durch die Freundschaft mit William Stukeley auch Interessen in den Naturwissenschaften hatte.

Nach Beendigung des Studiums und der Übernahme einer Pfarrei widmete sich Hales seinen Studien. So wurde er zum Pionier in den Gebieten der Präventivmedizin sowie der modernen Physiologie bei Mensch und Pflanze. Durch seine Verwaltungstätigkeit für die Kolonie Georgia, die er von England aus erledigte, lernte er auch die speziellen Probleme von langen Seereisen kennen und entwickelte ein Ventilationssystem für Schiffe, das auch in Gefängnissen und Krankenhäusern zur Anwendung kam.

Seine physiologischen Experimente führte Hales mit seinem Studienfreund Stuckley durch, genauso wie chemische und anatomische Experimente. Mit ihm zusammen beschäftigte er sich auch mit astronomischen Themen. Dies sind zweifellos auch hoch interessante Themen, aber uns sollen hier nur seine Versuche zur Bestimmung des Blutdrucks kümmern, die um das Jahr 1709 begannen.

Hales selbst beschreibt seinen ersten Versuch zur direkten Blutdruckmessung wie folgt: Im Dezember ließ ich eine lebende Stute auf den Rücken legen und festbinden. Sie war 14 Hand hoch, ca. 14 Jahre alt, hatte eine Fistel an der Seite und war weder besonders mager noch übermäßig vollblütig. Nachdem ich die linke Kruralarterie ca. 3 Zoll [75 mm] vom Bauch entfernt freigelegt und geöffnet hatte, führte ich ein Metallrohr in dieselbe ein, das ungefähr 1/6 Inch. [4, 17 mm] Durchmesser hatte, an dem ich mit Hilfe eines genau passenden zweiten Metallrohrs ein Glasrohr von ungefähr demselben Durchmesser aber 9 Fuß [270 cm] Länge befestigte. Sobald ich die Ligatur der Arterie löste, stieg das Blut im Glasrohr 8 Fuß 3 Inches [240,75 cm] hoch.[1]

Das gesamte Experiment ging natürlich weiter, diese Messung wiederholte er 25-mal, mit jeweils genauen Pausen dazwischen, in der das Pferd weiter ausblutete. Die jeweilige Abnahme der Höhe der Blutsäule hielt er fest, bis das Pferd tot war. Hales wiederholte dieses Experiment insgesamt 25-mal mit verschiedenen Tieren wie Pferden, Schafen, Hunden oder Ochsen. Hierbei bestimmte er vorher den venösen und den arteriellen Blutdruck und verglich während des Experiments die Auswurfleistung mit Blutdruck und Durchflussgeschwindigkeit, dies auch unter Einfluss verschiedener Substanzen z. B. Alkohol.

Weiterhin injizierte Hales den Tieren teilweise flüssiges Wachs in die Ventrikel, woran er erkannte, dass die Herzleistung und der periphere Widerstand den Blutdruck in den großen Gefäßen erzeugten.  Mit Wachspräparaten konnte er auch die Höhe des kardialen Auswurfvolumens pro Minute erstmals bestimmen.

Nun ist dies natürlich keine sehr angenehme Art der Blutdruckmessung und wir können sehr froh sein, wenn wir nun zum nächsten Kapitel der Geschichte kommen können, in dem ein Italiener, ein Russe und ein Amerikaner die Hauptrollen spielen.

[1] Zitiert nach https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Stephen_Hales&oldid=145582394

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