Das Informationsnetzwerk Homöopathie

Die Kritik an der Homöopathie ist so alt wie die Glaubensvorstellung selbst. Bereits im 19. Jahrhundert erschienen homöopatiekritische Publikationen, die in wissenschaftlicher Genauigkeit die Unwirksamkeit der Erfindung Hahnemanns belegten.

Im Jahr 2015 gründete sich nun eine neue Gruppe, die in der besten Tradition der Homöopathiekritk steht. Hierbei handelt es sich um das Informationsnetzwerk Homöopathie oder kurz INH. Hierbei handelt es sich um einen unabhängigen Zusammenschluss von Wissenschaftlern aller Fachbereiche, Journalisten und interessierten Laien, die Aufklärung zur Homöopathie betreiben wollen. Den Vorsitz des Netzwerkes hat heute die Ärztin und Homöopathin Dr. med. Natalie Grams inne.

Die Initiative zur Gründung ging von dem Ingenieur Dr. Norbert Aust aus, der sich bereits durch sein Buch In Sachen Homöopathie – Eine Bestandsaufnahme und sein Blog Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie als Aufklärer positioniert hatte. Er regte ein Treffen von Skeptikern an, um die bisher laufenden Bestrebungen der Homöopathiekritik zu bündeln.

Norbert Aust erhielt Unterstützung von der ehemaligen Homöopathin und Ärztin Dr. Natalie Grams, die im Mai 2015 ihr Buch Homöopathie neu gedacht – Was Patienten wirklich hilft im Springer-Verlag veröffentlicht hatte. Sie übernahm auch den Vorsitz des Netzwerkes, ist Grams doch nach Aufgabe ihrer homöopathischen Praxis doch in der Wissenschaftskommunikation tätig.

Natürlich schlug die Gründung eines derartigen Netzwerkes hohe Wellen bei den Homöopathen und fand Beachtung in der Skeptiker-Szene. Unterstützung erfährt das Netzwerk durch die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) und dem Deutschen Konsumentenbund.

Unterstützt wird das INH unter anderem von

Dr. Norbert Aust (Ingenieur und Autor)
Dr. Edmund Berndt (Apotheker und Autor)
Prof. em. Edzard Ernst (Mediziner und Autor)
Dr. Natalie Grams (Ärztin und Autorin)
Prof. Rudolf Happle (Verfasser der Marburger Erklärung zur Homöopathie)
Prof. Wolfgang Hell (Vorsitzender des GWUP-Wissenschaftsrates)
Prof. Dr. Martin Lambeck (Physiker und Autor)
Dipl.-Ing. Amardeo Sarma (Vorsitzender der GWUP)
Prof. Dr. Norbert Schmacke (Gesundheitswissenschaftler und Autor)
Dr. Christian Weymayr (Biologe, Medizinjournalist und Autor)
Dr. Kristina Schröder (MdB, ehem. Bundesministerin)

und mir 🙂

An was macht das INH nun seine Kritik fest? Hauptsächlich daran, dass es bis heute keine wissenschaftliche Studie gibt, die eine therapeutische Wirksamkeit der Homöopathie über den Placebo-Effekt hinaus nachweisen konnte. Auch dass es über die sogenannte Potenzierung der Wirkstoffe keinerlei Nachweise gibt wird bemängelt.

Sogar das Fundament der Homöopathie steht auf tönernen Füßen. Hahnemanns Grundprinzip Similia similibus curantur (Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden) fußt im Kern auf der alchemistischen Signaturenlehre, die das System der Ähnlichkeit vorweg genommen hat (Walnuss hilft bei Kopfleiden, weil sie aussieht wie ein Gehirn u. ä.).

Das INH möchte aber auch aufklären, haben doch viele Patienten nur ein diffuses Bild der Homöopathie und verwechseln sie mit der Pflanzenheilkunde, der Phytotherapie, mit der sie überhaupt nichts gemein hat.

Auch über die übermäßige Medikamentengabe – gerade bei Kinder-, die bei den Anhängern der Homöopathie weit verbreitet ist, wird aufgeklärt. Werden doch oft bei jedem aufgeschlagenem Knie und bei jedem Nieser den Kindern gleich Homöopathika verabreicht und sie so auf einen leichtfertigen Medikamentengebrauch konditioniert. Hierzu hat das INH das Projekt „Susannchen braucht keine Globuli“ ins Leben gerufen.

Problematisch ist auch, dass eine homöopathische Behandlung oft zu einer Therapieverschleppung führt. Homöopathische Präparate werden nämlich oftmals bei selbstlimitierenden Bagatellbeschwerden eingesetzt. Tritt der natürliche Heilungsverlauf ein, wird dies dem Homöopathikum zugeschrieben. Aus dieser vermeintlichen Erfahrung heraus, wird dann auch bei schwerwiegenden Erkrankungen zuerst homöopathische Mittel ausprobiert. Sieht man ein, dass diese nicht wirken ist es für eine wirksame Behandlung der evidenzbasierten Medizin oftmals zu spät.

Weiterhin soll auch darüber aufgeklärt werden, dass die Homöopathie der Einstieg in gefährliche, oft auch esoterische Heilsvorstellungen sein kann. Man erkennt dies daran, dass viele Anhänger der Homöopathie auch Impfgegner sind.

Auf seiner Homepage stellt das Netzwerk fest: Das INH will den vielfach einseitigen oder unkritischen Informationen mit eigenen Internetpräsenzen entgegentreten, nach eigenem Anspruch freundlich, sachlich und doch eindeutig kritisch.

Was fordert nun das Informationsnetzwerk Homöopathie?

  1. Eine umfassende Aufklärung und Information der Patienten.
  2. Die Aufhebung der Apothekenpflicht für Homöopathika.
  3. Beendigung des Binnenkonses und der rechtlichen Sonderstellung als besondere Therapierichtung
  4. Krankenkassen sollen keine Kosten für homöopathische Behandlungen übernehmen.
  5. Deutsche Kennzeichnung der Inhaltsstoffe. Damit sich der Hundekot nicht mehr hinter „Excrementum caninum“ verstecken kann und keine Seriosität vorgegaukelt werden kann.
  6. Keine weiteren ärztlichen Fort- und Weiterbildungen auf diesem Gebiet.
  7. Stärkung der evidenzbasierten Medizin und
  8. Stärkung der Patientenorientierung in der Medizin. Das INH erkennt an, dass Patienten sich im derzeitigen zeitknappen medizinischen Alltag nicht angemessen wahrgenommen fühlen und dass sie sich eine Alternative wünschen. Diese sollte jedoch nicht ein veraltetes, nicht spezifisch wirksames Verfahren sein, sondern eine bessere Medizin. (INH-Homepage)

Um dies zu erreichen hat das Netzwerk nun einige Projekte ins Leben gerufen. Die wichtigste Säule hierbei ist natürlich die Homepage des INH und die Seite bei Facebook. Auf der Homepage werden in verschiedenen Rubriken die gängigsten Irrtümer zur Homöopathie erklärt.

Ein umfangreiches Projekt ist die „Homöopedia“, ein Nachschlagewerk im Stil der Wikipedia mit zahlreichen Kategorien zu allen Aspekten der Homöopathie. Die ‚Homöopedia‘ versteht sich als Fachenzyklopädie für Ärzte, Journalisten und andere Experten, die sich vertieft und quellenbasiert über die Homöopathie, deren Grundalgen und Methoden informieren möchten.Diese Internetpräsenz ist recherche- und arbeitsintensiv und wird kontinuierlich fortgeschrieben.

Ebenfalls vom INH wurde die Aktion „Susannchen braucht keine Globuli“, über die ich ja bereits hier berichtet habe. Besonders gefiel mir die Plakataktion, die im Dezember 2016 in Heidelberg, München, Hamburg und Köthen durchgeführt wurde. Auf der INH-Homepage stellt sich das Projekt so vor: Susannchen, ihr Freund Max und Hund Bello sind ein Teil des INH. Wir möchten damit Eltern und deren Kindern mit unserer Idee erreichen, dass es für ein natürliches, gesundes Aufwachsen keine Pseudomedizin braucht. Im Gegenteil, durch Homöopathie & Co. werden kleine Kinder von früh auf dazu erzogen, dass es für jede Bagatelle ein ‚Medikament‘ braucht. Da empfehlen wir lieber heilsame Zuwendung, ab und an gute Medizin – und manchmal einfach nur Abwarten, bis der Körper es von alleine schafft, wieder gesund zu werden.

Das Informationsnetzwerk Homöopathie stellt auf seiner Homepage auch klar, dass Die Projekte richten sich auf keinen Fall gegen Personen, unabhängig davon, ob diese sich als Patient für eine homöopathische Therapie entscheiden, als Therapeut anbieten, als Interessenvertreter fördern oder als Wissenschaftler versuchen, sie zu erklären, sondern gegen die Homöopathie als medizinische Fachrichtung und gegen Strukturen und Organisationen, die sie verbreiten – niemals gegen Menschen. Das INH schließt allerdings nicht aus, dass Anbieter der Homöopathie durch seine Aktivitäten wirtschaftliche Nachteile erleiden könnten.

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