Gelesen: Grams, Natalie: Homöopathie neu gedacht – Was Patienten wirklich hilft

Grams, Natalie: Homöopathie neu gedacht: Was Patienten wirklich hilft. Berlin, 2015.
ISBN 978-3-662-45336-0

Als das Buch von Natalie Grams 2015 erschien, hätte niemand gedacht, dass ein schmales Bändchen mit 221 Seiten die Welt der Homöopathen so gründlich ins Wanken bringt. Aber fangen wir am Anfang an.

Natalie Grams ist Ärztin. Und Homöopathin. Sie studierte in München, Heidelberg und Zürich und promovierte 2007. Ab 2004 begann sie eine Ausbildung in Traditioneller Chinesischer Medizin und Homöopathie, wobei sie letztere mit Zusatzbezeichnung abschloss. Ab 2009 praktizierte sie in einer homöopathischen Privatpraxis und 2011 eröffnete sie eine eigene Privatpraxis für Homöopathie, die sie sehr erfolgreich bis 2015 selbständig betrieb.

Im Rahmen ihrer Praxistätigkeit wurde Grams auch von den Journalisten Christian Weymayr und Nicole Heißmann zur Recherche für deren Buch „Die Homöopathie-Lüge“ interviewt. Als das Buch dann erschienen war, war Natalie Grams nach eigener Aussage „erschüttert“ über die darin geäußerte Kritik und beschloss, eine Antwort zu schreiben. An diesem Punkt begann sie nun, sich mit den geäußerten Kritikpunkten auseinander zu setzen und die genaue Studienlage zu sichten.

Dieses Auseinandersetzen führte dazu, dass die Autorin nicht mehr hinter der Homöopathie stehen konnte und ihre Praxis aufgab. Im Mai 2015 erschien dann ihr Buch „Homöopathie neu gedacht“ im Verlag Springer Spektrum.

Gemeinsam mit Dr. Norbert Aust rief sie das von ihm angeregte „Informationsnetzwerk Homöopathie (INH)“ ins Leben. Heute ist Grams in der Wissenschaftskommunikation tätig.

Kommen wir nun zum Buch selbst. Dieses gliedert sich in 5 Kapitel:

1. Wie und auf welcher Grundlage behandelt die Homöopathie?
2. Wovon ist die Rede, wenn wir von Homöopathie sprechen?
3. Ist die Homöopathie Teil der heutigen Medizin?
4. Warum wenden sich Patienten der Homöopathie zu?
5. Was bleibt übrig von der Homöopathie im 21. Jahrhundert?

Natürlich schließen sich Literaturverzeichnis, Glossar und Index dem Text an.

Im ersten Kapitel beschreibt Natalie Grams anhand eines Fallbeispiels eine homöopathische Behandlung. Und bereits auf Seite 10 bringt sie auf den Punkt, was den „Erfolg“ einer solchen Behandlung bringt:

– Zeit für den Patienten
– Offenheit und Verständnis (selbst für Ungewöhnliches und ‚Eigenheitliches‘)
– Die Möglichkeit, körperliche, emotionale und geistige Dinge auszudrücken und sie in einen Zusammenhang zu bringen (ganzheitlich)
– Individuelles Herangehen (nicht irgendwelche Schmerzen, sondern meine Schmerzen)
– Selbstwahrnehmung und Selbsterkenntnis verbessern und situationsgerechte Lebensveränderungen einleiten
– Medikamente mit hohem Placebo-Effekt (der offenbar umso größer ist, je auffälliger die Form und je größer die Anzahl der zu nehmenden Medikamente ist).

Das zweite Kapitel erläutert ausführlich das System der Homöopathie über Entstehung, Methodik, Repertorien, Anamnese und Potenzierung. Weiterhin werden die Diagnostik, das Ähnlichkeitsprinzip und die Arzneimittelprüfung erklärt.

Das schwierige Verhältnis zwischen Homöopathie und Naturwissenschaften wird in Kapitel 3 beleuchtet, wobei auch die persönliche Situation der Autorin geschildert wird. Besonders die problematischen Begriffe der Potenzierung und der Lebenskraft werden hier angesprochen. Das Kapitel gipfelt in der Frage Ist die Homöopathie Medizin?

Auf die Frage, warum sich Patienten überhaupt der Homöopathie zuwenden wird in Kapitel 4 erläutert. Vom therapeutischen Setting bis zum Verhältnis Therapeut/Patient werden alle Aspekte beleuchtet. Das homöopathische Krankheitsbild ebenso wie die sogenannten Ebenen einer Krankheit, die Begriffe „Geist“ und „geistig“ sowie das „ganzheitliche Vorgehen“ homöopathischer Therapeuten.

Besonders interessant ist natürlich das fünfte und letzte Kapitel, in dem das Resümee gezogen wird. Hier analysiert die Autorin, welche Bereiche der Homöopathie verworfen werden sollten und über welche Bereiche nochmal nachgedacht werden sollte und warum. Insbesondere das Verhältnis zu den Naturwissenschaften beschäftigt Grams.

Um ein Fazit zu ziehen, hat man hier ein fundiertes Buch vor sich liegen, das es wert wäre, in den entsprechenden Kreisen nüchtern diskutiert zu werden. Dies ist leider nicht der Fall, lieber wird die Autorin diskreditiert, was natürlich nicht von guter Kinderstube zeugt.

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