Gelesen: Mueller, Anousch: Unheilpraktiker – Wie Heilpraktiker mit unserer Gesundheit spielen

Mueller, Anousch: Unheilpraktiker: Wie Heilpraktiker mit unserer Gesundheit spielen. Münschen, 2016.
978-3-570-50195-5

Es ist ein Mammutwerk, das Anousch Müller hier vorlegt. Und für sich selbst auch ein schonungsloses Werk, wie im ersten Kapitel gleich klar wird, denn Anousch Müller hat selbst an den „Humbug“ geglaubt, über den sie berichtet und wollte selbst Heilpraktikerin werden.

Über diesen Einstieg in die Naturheilszene schreibt sie gleich im ersten Kapitel und beleuchtet auch das weit verbreitete Phänomen der „Cyberchondrie“, also das googlen von Symptomen. Das anschließende Kapitel zeigt auf, wie man in Deutschland Heilpraktiker wird, dies mit einem Abstecher in die Geschichte des Heilpraktikerwesens, welches ja aus der Zeit des Dritten Reiches stammt.

Kapitel 3 beschreibt nun Muellers eigene (abgebrochene) Ausbildung in einer Heipraktikerschule und was sie da erlebt hat ist sicher nicht im Sinne des Patienten. Im anschließenden Kapitel „Heile, heile Segen?“ beschreibt die Autorin nun das Behandlungssetting der Heilpraktiker und zeigt auf, wie stark die „Heilerfolge“ mit Placeboeffekt und Psychosomatik verknüpft sind.

Im fünften Kapitel werden nun die gängigsten Alternativtherapien beschrieben, das meinte ich auch mit Mammutwerk. Hierfür hat sich Anousch Mueller auf jeden Fall ein Fleißkärtchen verdient. Von Akupunktur über Bioresonanztherapie hin zu Geistheilung, Irisdiagnostik Reiki und Zelltherapien. Dazwischen liegen noch zahlreiche andere Therapieformen, die kurz und prägnant vorgestellt werden. Amüsant und stellenweise auch grotesk mutet das sechste Kapitel an, in dem die gängigsten Phrasen und Antworten der Heilpraktiker vorgestellt und entlarvt werden.

Kern des Buches ist aber Kapitel 7, in dem Anousch Mueller eine Reform des Heilpraktikerwesens vorschlägt. Die hier vorgebrachten Vorschläge haben Hand und Fuß und sollten ernsthaft diskutiert werden. Leider gingen sie in der öffentlichen Debatte nach Veröffentlichung des Buches im allgemeinen Wutgeheul der Heilpraktiker unter.

Den Abschluss finden Muellers Ausführungen in einem Kapitel über Studien und einem Schlusswort. Amüsant und hilfreich ist die angehängte Checkliste „Zehn Indizien für Quacksalberei“ genauso wie die Checkliste „Was zeichnet einen seriösen Heilpraktiker aus?“.

Alles in allem ein wichtiges und richtiges Buch, das im öffentlichen Diskurs zur Thematik Heilpraktiker/Alternativmedizin viel mehr Beachtung finden sollte.

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