Cesare Mattei und seine Elektrohomöopathie

Conte Cesare Mattei wurde am 11. Januar 1809 in Bologna geboren der italienische Adlige war hauptsächlich Politiker, dilettierte aber auch als Literat. Ohne jegliche medizinische Ausbildung beschäftigte er sich auch mit der Homöopathie und war in Italien ein bekannter Wunderheiler. Er begründete die sogenannte Elektrohomöopathie, mit der wir uns hier etwas näher beschäftigen. Conte Mattei verstarb am 3. April 1896 auf seinem Schloss Rocchetta Mattei bei Grizzana Morandi.

Matteis Familie war sehr begütert und angesehen in Ferrara und so konnte Cesare eine Karriere in der Politik beginnen. Nach der Revolution von 1847 erkannte Mattei, dass ich den Leuten bei ihren hohen Zielen in der Politik im Wege stehen könne,[so] zog ich, der ich nur einen Glauben auf Schwur hatte, niemals auch die Gasse hinabgestiegen war, zog ich mich, sage ich, freiwillig aus einer ziemlich hohen Stellung in das Privatleben zurück. (1)

Dieses Privatleben fand auf seinem neu erbauten Schloss Rocchetta Mattei nähe Grizzana Morandi statt. Dort entwickelte er seine Methode der Elektrohomöopathie, die auch Spezifica nach Mattei genannt wurde. Mattei selbst schrieb über seine Methode: Ich hinterlasse der Welt keineswegs ein System der Arzneiwissenschaft: ich hinterlasse ihr die Arzneiwissenschaft selbst, welche nach fünfundzwanzig Jahrhunderten noch zu entdecken war. Die Nichtigkeit aller Systeme, welche jedes Jahrhundert und fast jede Schule auf den alten Stamm des ausgearteten Baumes der Medizin aufgepfropft hat, war mir seit langer Zeit bekannt. (1)

Der Begriff „Elektro“homöopathie ist insofern irreführend, dass keinerlei elektrische Energie beteiligt ist. Mattei behauptete in seinen Schriften, dass er eine „vegetabilische Elektrizität“ aus Pflanzen extrahieren könne, die er in seinen Arzneimitteln konservieren würde. Diese Mittel sollten ‚so schlagartig‘ wirken wie der elektrische Strom, weshalb er seinem Heilsystem den Namen ‚Elektrohomöopathie‘ gab. (2)

Tatsächlich war seine Heilmethode eine Mischung aus der Homöopathie Hahnemanns, der auf Alchemie beruhender Spagyrik und der Humoralpathologie. Mattei stellte durch bestimmte Gärungs- und Destillationsmethoden Lösungen her, die er auf Milchzuckerkügelchen träufelte. Insgesamt stellte er knapp 30 Lösungen zur Verfügung, deren Zusammensetzung und Herstellung er aber geheim hielt und die er im Monopol vertrieb. Informationen hierüber drangen erst nach seinem Tode an die Öffentlichkeit.

Mittel konnten beispielsweise sein:

Antiscrofoloso als Mittel für die Lymphe,
Anticanceroso als Gewebemittel,
Antiangiotico bei Bluterkrankungen,
Pettorali bei Lungenerkrankungen,
Febbrifughi bei Fieber,
Vermifughi bei Darmerkrankungen und Wurmbefall. (2)

Die Grundüberlegung zur Elektrohomöopathie war die Behandlung des gesamten Organismus, war doch Matteis Meinung nach bei Krankheiten immer der Mensch in seiner Gesamtheit betroffen.

Cesare Mattei gründete auf seinem Schloss auch ein eigenes „Behandlungszentrum“. Der Erzählung nach sollen hier auch der bayerische König Ludwig und der russische Zar Alexander II. behandelt worden sein.

Der wichtigste Vertreter der Elektrohomöopathie in Deutschland war der Homöopath Theodor Krauß, der am 3. November 1864 in Berau (Böhmen) geboren wurde und am 1. Oktober 1924 verstarb. Bereits im Alter von 17 Jahren beschäftigte er sich mit der Elektrohomöopathie. 1885 gründete er nach Kontakt zu Mattei ein Komitee zur Verbreitung der Elektrohomöopathie. Krauß war sehr rührig auf diesem Gebiet, gründete Vereine, führte Vortragsreisen durch und bildete Ärzte und Therapeuten auf dem Gebiet der Elektrohomöopathie aus. Er selbst promovierte allerdings er im Jahr 1900.

Ab 1917 entwickelte er mit dem Apotheker Johannes Sonntag und dem Homöopathen Johannes Dingfelder die JSO-Komplex-Heilweise, eine auf der Elektrohomöopathie aufbauende Therapie, die ebenfalls mit Hilfe spagyrischer Mittel heilen soll.

Bereits im Jahr 1906 stellte Meyers Großes Konversations-Lexikon fest: Die E. entbehrt der wissenschaftlichen Begründung. (3) Hieran hat sich bis heute nichts geändert.

(1) Mattei, Cesare: Elektro-Homoöopathie: Grundsätze einer neuen Wissenschaft. Regensburg, 1884. S. 2f

(2) Seite „Cesare Mattei“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 25. Februar 2015, 20:58 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Cesare_Mattei&oldid=139216676 (Abgerufen: 18. März 2017, 10:25 UTC)

(3) Meyers Großes Konversations-Lexikon. Bd. 5, S. 673. Leipzig, 1906.

(4) https://web.archive.org/web/20030915115112/http://www.cocura.de/ikhinfos.html

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