Heiliger Bimbam – Geisteraustreibung im Berliner Ensemble

Es gibt wirklich wenig Dinge, die mich so richtig wütend machen, allerdings hat es das Berliner Ensemble jetzt geschafft. Denn gerade das Berliner Ensemble, das von Bertolt Brecht gegründet wurde und das er zum „Theater des wissenschaftlichen Zeitalters“ machen wollte, wurde zu einer „Brutstätte des Irrationalismus„.

So, was ist nun passiert? Ganz einfach! Claus Peymann verließ das Berliner Ensemble nach 18-jähriger Tätigkeit als Intendant und Oliver Reese wurde sein Nachfolger. Das ist noch nichts zum aufregen. Dann gab es eine Einweihungsfeier, was auch noch nichts aufregendswertes ist. Aber just bei dieser Einweihungsfeier wurde auch ein sogenannter „Geomant“ eingeladen, der die Räume des Theaters „energetisieren“ sollte. Ein Geomant ist eine Art Hellseher, der seine „Weisheiten“ aus der Erde bezieht. Genau möchte ich auf diesen Blödsinn nicht eingehen, man kann es hier nachlesen. So sollte der hannoveraner Geomant nun auch die negativen Energien aus unterirdischen Wasseradern in den Räumen aufheben, wozu er auch gleich seine Wünschelrute zückte. Dass das ganze Gerede von Wasseradern und Wünschelruten aus wissenschaftlicher Sicht absoluter Bullsh… ääh… Blödsinn ist, kann man hier, hier und hier nachlesen.

Natürlich hat der Geomant nun auch gleich Energien gefunden, die auf diese Wasseradern zurückzuführen sind. Ganz schlimm war, dass durch die Technik im Theater diese Energien von positiven rechtsdrehenden in negative linksdrehende Energien umgewandelt wurden. Ein Geschmarre sondersgleichen! Was dann passierte beschreibt die Berliner Zeitung so: Die Störungssituation am Haus hat sich jedenfalls als dramatisch erwiesen. Hartung spricht von „ganz fatalen Werten“. Viele neue und alte Mitarbeiter hätten sich nicht wohl gefühlt. Von Raum zu Raum, von Büro zu Büro zogen ihn die neuen Hausherren, um nach erfolgter Reinigung erleichtert aufzuatmen und von plötzlich gestoppten Kopfschmerzen zu berichten.

Und die Berliner Zeitung stellt am Schluss ihres Artikels auch die richtigen Fragen: Der Einsatz Dr. Hartungs wirft aufwühlende Fragen auf. Steht nun ein Esoteriker an der Spitze des Hauses, in dem einst der V-Effekt praktiziert wurde? Dreht Brecht sich gerade im Grabe herum?

Die entscheidende Frage stellt aber die GWUP: Nun steht es Künstlern aller Art natürlich frei, ihre Spleens und Überspanntheiten zu pflegen. Andererseits fragen wir uns natürlich schon, wie viel von den “mehr als 10 Millionen Euro” an öffentlichen Zuwendungen, die das Berliner Ensemble jährlich kassiert, in diesen Mumpitz geflossen sind.

Überall in Deutschland kämpfen hervorragende Bühnen um ihr finanzielles Überleben und am Berliner Ensemble werden Gelder für derartigen Humbug zum Fenster heraus geworfen. Was soll das? Und bevor es jetzt jemand versucht: mir soll niemand erzählen, dass der Herr Geomant diesen Hokuspokus kostenlos aufgeführt hat (umsonst war er ja eh). Schon Anreise und Unterkunft dürften schon ein hübsches Sümmchen gekostet haben, über das sich so manche kleine Bühne sehr gefreut hätte.

Und was das Schlimmste ist: der Herr Geomant fühlt sich durch diese Nummer ja auch noch bestätigt.

Es ist zum kotzen!

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