Der unwürdige Tod des Pius XII.

Eugenio Pacelli wurde am 2. März 1876 in Rom geboren,  am 2. April 1899 zum Priester geweiht und am 2. März 1939 durch das Konklave zum Papst gewählt. Er wählte den Namen Pius XII. und hatte die schwere Aufgabe, die sanctam ecclesiam catholicam durch die Zeit des Zweiten Weltkrieges zu führen. Am 9. Oktober 1958 um 3.52 Uhr sprach der Kardinalkämmerer in Castel Gandolfo die Worte Papa vere mortuus est, der Papst ist wirklich tot. Einige Tage zuvor ging ein dramatischer Vorfall voraus: Wie gewohnt war Papst Pius XII. an einem Oktobertag 1958 auf den Balkon des päpstlichen Sommerpalastes Castel Gandolfo hinausgetreten, um gemeinsam mit den Gläubigen das Angelus-Gebet zu sprechen. Wie jeden Sonntag um die Mittagszeit hatte sich eine Menschenmenge im Innenhof versammelt. Doch dann kam alles anders als sonst: Als der Heilige Vater seinen Schäfchen nach Gebet und kurzer Ansprache gerade den Segen erteilen wollte, versagt ihm die Stimme; wie vom Donner gerührt verharrte Pius bewegungslos. Nach schier endlosen Minuten ohne jede Regung erhob der Papst den Blick gen Himmel. „A Dio“, zu Gott, murmelte er und verließ den Balkon. (1)

Da der Leichnam über mehrere Tage den Gläubigen gezeigt werden sollte, stand bereits kurz nach dem Tod des Papstes dessen Einbalsamierung an. Hierzu wurde bei den bisherigen Päpsten die inneren Organe entnommen und das Blut durch eine Konservierungsflüssigkeit ersetzt. Dies war bei Pius XII. nicht der Fall. Sein Leibarzt, Dr. Riccardo Galeazzi-Lisi setzte allerdings auf ein anderes Verfahren, bei dem dies nicht geschah. Statt dessen wurde der Körper des Pontifex mit ätherischen Ölen und Kräutern eingerieben, die über Stunden einwirken mussten. So zeigte sich den Gläubigen ein bizarres Bild, als der Pius in Castel Gandolfo aufgebahrt wurde. Er war nämlich zeitweise mit Cellophanfolie eingeschlagen.

Nun, dieses neue Verfahren des Leibarztes versagte gänzlich. Der Verwesungsprozess setzte ein und die hohen Temperaturen, die im Oktober 1958 in Italien herrschten, taten ihr übriges. Die Fäulnisgase waren so schlimm, dass die Ehrenwachen der Schweizer- und der Nobelgarde teilweise in Ohnmacht fielen und alle halbe Stunde ausgetauscht werden mussten. Als der päpstliche Leichnam in einem schwarzen Leichenwagen mit großen Fenstern von der  Basilika San Giovanni in Laterano in die Basilika St. Peter im Vatikan überführt wurde, beschleunigte die Hitze im Sarg den Fäulnisprozess noch einmal und mit lauten Knallgeräuschen zerplatzten die inneren Organe und ebenso lautstark trat das Faulgas aus dem Körper aus. In Rom hieß es, der Papst sei „innerlich explodiert“.

Drei Tage wurde der Leichnam im Petersdom aufgebahrt. Vorsichtshalber auf einem meterhohen Katafalk, so daß die Menge den schlimmen Zustand des Gesichtes, nicht sehen konnten. Während der Aufbahrung im Petersdom verfärbte sich das Gesicht: Es wurde zuerst grau, dann grün und purpurrot. Das unwürdige Geschehen endete damit, dass die Nase schwarz wurde und noch vor der Beisetzung abfiel. Der Geruch war so entsetzlich, dass einer der Aufseher in Ohnmacht fiel. (2) Kritiker des Pontifikats sprachen […] von „diesen unhygienischen Umständen, als seien sie das düstere finale Sinnbild des absolutistischsten Pontifikats in der modernen Geschichte“ (2)

Allerdings hatten die Menschen auch gar nicht viel Zeit, den Zustand des Leichnams zu bemerken, waren doch Millionen gekommen, um ihn zu sehen. Pro Minute wurden 500 Menschen am Katafalk vorbei geschleust. Es war das bisher größte Begräbnis eines Papstes in der Geschichte und sein Kardinal Giuseppe Roncalli, der als Johannes XXIII. die Nachfolge von Pius XII. antreten sollte, stellte sich selbst in seinem Tagebuch die Frage, ob je ein römischer Kaiser solch ein Begräbnis, ja einen solchen Triumphzug erfahren hätte.

Als wäre die stümperhafte Einbalsamierung nicht genug, sorgte der Leibarzt Galeazzi-Lisi noch für einen weiteren Skandal. Er hatte während des Sterbeprozesses des Papstes heimlich Fotoaufnahmen gemacht und ein Tagebuch mit dem Krankenverlauf angefertigt und beides der Presse angeboten. Nur zwei Zeitschriften griffen zu „Paris Match“ und „Stern“.

Dem Wunsch Pius’ XII. „je mehr im Verborgenen, desto besser“ bestattet zu werden, wurde entsprochen: Seine Grabstätte in den Grotten von St. Peter liegt abseits aller anderen Papstgräber, ist nur morgens bis 9 Uhr, solange Messen in den verschiedenen Kapellen stattfinden, frei zugänglich und wird deshalb von den meisten Besuchern der Grotten vollständig übersehen. Dennoch befindet sie sich an einer exponierten Stelle direkt gegenüber der Capella Clementina mit dem Petrusgrab, das während seines Pontifikates wiederentdeckt wurde. Hierzu schreibt Sr. Pascalina: „Da auf Anordnung Pius XII. die Ausgrabungen in den Grotten von St. Peter stattfanden und es somit auch sein Verdienst ist, dass man die Nische gegenüber dem Petrusgrab fand, gab man sie ihm als letzte Ruhestätte.“ Keineswegs hatte er sie selbst ausgewählt, im Gegenteil war ihm der Ort seiner Beisetzung – wenn nur verborgen – ganz gleichgültig und er sagte dazu: „Wenn ich gestorben bin, kann man diese armselige Hülle meines Körpers hintun, wo man will, das ist mir ganz gleich. Das einzig Notwendige ist, seine Seele zu retten – und das ist nichts Leichtes.“ (3)

 

(1) http://www.spiegel.de/einestages/papst-pius-xii-der-bizarre-tod-des-stellvertreters-a-947942.html
(2) https://derstandard.at/2005735/Vor-46-Jahren-Missglueckte-Einbalsamierung-von-Pius-XII
(3) https://www.thecathwalk.de/2016/10/09/zum-tod-von-papst-pius-xii/

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