Eine Nachschau auf den Offenen Brief an Frau Huml

Ich habe ja vor einiger Zeit meinen offenen Brief an die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml zum menschenverachtenden Gesetzentwurf zum Bay. Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz hier auf meinem kleinen Blog veröffentlicht. Zeitgleich schickte ich den Link mit einem Anschreiben per E-Mail an die Vorsitzenden der Landtatsfraktionen CSU/SPD/Freie Wähler/Grüne sowie an den hiesigen Stimmkreisabgeordneten Jürgen Baumgärtner von der CSU

Was ist seither passiert? Das Gesetz wird glücklicherweise geändert und die darin geplante Unterbringungsdatenbank fällt weg. Das ist jetzt natürlich nicht der Verdienst meines offenen Briefes, sondern von rührigen und engagierten Landtagsabgeordneten aus den Reihen der Grünen und der SPD. Das ist erstmal gut und ich weiß, dass auch die nachfolgenden Entwürfe dieses Gesetzes sehr genau durchgesehen werden.

Meine E-Mails fanden übrigens bei der SPD und den Grünen Resonanz, sowohl Markus Rinderspacher als auch Katharina Schulze setzten sich mit mir in Verbindung. Von Seiten der CSU war allerdings „Schweigen im Walde“. Keine einzige Reaktion. Das betrübt mich doch schon etwas, zeigt sich doch darin, wie die Bürger von der CSU mit ihren Sorgen und Nöten im Stich gelassen werden.

Gut, dass die Ministerin antwortet oder der Fraktionsvorsitzende, das habe ich mir gedacht, aber dass noch nicht einmal unser hiesiger Abgeordneter, der sonst immer bei jeder Gelegenheit von „Bürgernähe“ plärrt, eine Reaktion zeigt, das hat mich schon etwas sehr irritiert.

Ist das jetzt schon diese „Arroganz der Macht“, von der Senator Fulbright in den 1960-er Jahren schrieb? Oder einfach nur Desinteresse am Stimmvieh?

Kennt ihr das Gedicht „Osymandias“ von Percy B. Shelley? Nein? Meiner Meinung nach sollte das wirklich jeder Politiker auswendig lernen und sich Gedanken darübermachen, denn es zeigt sehr schön, dass das, was heute im Glanz der Macht steht, schon morgen Schall und Rauch ist:

Osymandias

von Percy Bysshe Shelley

Ein Wandrer kam aus einem alten Land,
Und sprach: „Ein riesig Trümmerbild von Stein
Steht in der Wüste, rumpflos Bein an Bein,
Das Haupt daneben, halb verdeckt vom Sand.

Der Züge Trotz belehrt uns: wohl verstand
Der Bildner, jenes eitlen Hohnes Schein
Zu lesen, der in todten Stoff hinein
Geprägt den Stempel seiner ehrnen Hand.

Und auf dem Sockel steht die Schrift: ‚Mein Name
Ist Osymandias, aller Kön’ge König: –
Seht meine Werke, Mächt’ge und erbebt!‘

Nichts weiter blieb. Ein Bild von düstrem Grame,
Dehnt um die Trümmer endlos, kahl, eintönig
Die Wüste sich die den Koloß begräbt.“

(Übersetzung von Adolf Strodtmann, 1866)

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