Nehmen sie ihr Prana aus meinem Qi!

Ich will ja nicht, dass ihr einen falschen Eindruck von mir bekommt und mich für einen alten Nörgel-Heini haltet, aber über manche Sachen muss ich mich einfach aufregen. Weils halt Blödsinn ist. Wie kürzlich bei der Schlacke. Denn solche Vorstellungen kommen einfach daher, dass ein falsches oder naives Bild von den Vorgängen im menschlichen Körper in den Köpfen sitzt.

Genauso ist es mit dem Qi. Qi soll eine Lebensenergie sein, die den Menschen antreibt und in zwölf Kanälen im Körper zirkuliert. Dabei ist dieses Qi nicht die einzige Vorstellung von so einer Lebensenergie. In Indien gibt es das Prana oder auf Hawaii das Mana, Samuel Hahnemann hat sich die homöopathische Resonanz einfallen lassen und Wilhelm Reich die Orgonenergie. Auch die esoterischen Vorstellungen der Seele gehören hier teilweise dazu.

Und gerade solche Konzepte wie Qi oder Prana kommen daher, dass man sich früher nicht vorstellen konnte, wie der menschliche Körper so funktionierte. Also musste als Erklärungsmuster etwas anderes her, hier also eine mystische Lebenskraft, die alles antreibt.

So. Jetzt könnte man natürlich sagen: „Onkel Michael, du alter Nörgel-Heini! Lass doch die Leute und ihre Glaubensvorstellungen in Ruhe!“ Das würde ich ja. Aber diese Glaubensvorstellungen schwappen auch in den medizinischen Bereich über und werden hier verbreitet. Die homöopathische Resonanz von Hahnemann habe ich ja schon erwähnt und auch bei den Herrn Bach, Schüssler und Steiner stellt diese Lebenskraft die Basis ihrer Heilssysteme dar. Zumeist dann noch verbunden mit „feinstofflichen Schwingungen“. Die bekannteste „Heilmethode“, die auf der Vorstellung des Qi beruht, ist übrigens Reiki.

Und selbst heute, im 21. Jahrhundert wird nach diesen Konzepten behandelt und man bildet sich ein, mit diesen vollkommen überholten und widerlegten Denkmodellen Krankheiten heilen zu können. Sowas muss einfach in die Hose gehen.

Denn spätestens, seit 1828 Friedrich Wöhler die Synthese von Harnstoff gelungen ist und Carlo Matteucci 1843 entdeckte, dass die Herztätigkeit aus elektrischen Vorgängen heraus entsteht, ist ziemlich klar, dass es so etwas wie eine Lebensenergie nicht gibt und der Körper so etwas auch gar nicht benötigt. Durch elektrische Signale im Herzen, welche die Kontraktionen auslösen und durch den Stoffwechsel funktioniert die „Maschine Mensch“. Auch die feinstofflichen Schwingungen sind nirgends im Körper zu finden. Auch wenn das Hugo Strasser überhaupt nicht gefallen dürfte, muss man sagen nothing swings!

Natürlich ist die Vorstellung vom göttlich eingehauchten Lebensodem äußerst romantisch, aber diese Vorstellung wird von der Biochemie und der Kardiologie zunichte gemacht.

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