Was Hänschen lernt, das kann man dem Hans schwer abgewöhnen

Sie kennen doch sicher den alten Spruch „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“. Umgekehrt ist es auch so, was Hänschen lernt, das ist dem Hans nur schwer abzugewöhnen. Dazu gehört auch ein verantwortungsbewusster Umgang mit Medikamenten.

Und gerade dieser ist heutzutage recht schwierig zu erreichen. Waren Sie in letzter Zeit einmal auf einem Spielplatz? Dann haben Sie sicherlich auch folgende Szene beobachten können: Ein Kind fällt hin, schlägt sich vielleicht das Knie auf und blutet etwas. Zu meiner Zeit griffen die Muttis beherzt zu Taschentuch und Spucke, um das Blut abzuwischen. Dann wurde nochmal drauf gepustet, Heile-Heile-Segen gemacht und geknuddelt – und schon war vorbei und es wurde weitergespielt. Heutzutage sieht man allerdings viele Muttis in so einem Fall hektisch in ihren Taschen wühlen, um dann dem Kind die verschiedensten Zuckerkügelchen in den Mund zu stopfen.

Verstehen Sie mich bitte jetzt nicht falsch, ich möchte nicht in ein unreflektiertes „Früher war alles besser“-Genöle verfallen. Aber tatsächlich haben unsere Mütter damals vernünftiger gehandelt. Ja, Sie sagen jetzt vielleicht, dass die paar Globuli doch nicht schaden. Nein, diese drei oder vier Globuli schaden erstmal nicht. Sie enthalten ja keine Wirkstoffe. Also schaden sie nicht, sie bringen allerdings auch keinen Nutzen.

Das Problem ist, dass dieses Verhalten ja immer wieder passiert. Das Kind stößt sich – Globuli. Das Kind fällt hin – Globuli. Das Kind quengelt – Globuli. Und so weiter und so fort.

Erkennen Sie langsam das Problem? Mit der ständigen Gabe von Globuli bei Bagatellverletzungen werden die Kinder auf den übermäßigen Konsum von Medikamenten getrimmt. „Konditioniert“ heißt der Fachbegriff dafür. Und diese Konditionierung setzt sich dann bis ins Erwachsenenalter fort, denn „Was Hänschen lernt, verlernt Hans nimmermehr“. Das heißt, auch als Jugendliche und Erwachsene werden viele dieser Kinder leichtfertig zu Medikamenten greifen, weil sie nie gelernt haben, verantwortungsvoll damit umzugehen.

Dieser unglückseligen Entwicklung wird von Homöopathika-Herstellern Vorschub geleistet, indem sie spezielle Sets für Kinder anbieten. Das sind vier oder fünf Ampullen mit verschiedenen Globuli (beispielsweise Aconitum D6, Arnica D6, Belladonna D6, Chamomilla D6) in einem verlockenden bunten Täschchen für unterwegs. Diese Sets für gut 20 Euro liegen dann neben der Apothekenkasse und sollen die Eltern (und Großeltern) ansprechen.

Sie kennen doch bestimmt im Supermarkt das „Quengelregal“ vor der Kasse, wo Kindern bequem auf Augenhöhe allerlei Süßigkeiten präsentiert werden. So ähnlich ist das in den Apotheken auch. Diese Sets habe ich leider schon häufig neben den Kassen liegen sehen, quasi im Quengelregal für Erwachsene. Und wenn man sich schon dafür interessiert, kann man ja noch schnell einen Ratgeber kaufen, der daneben angeboten wird. Sie verstehen das Prinzip?

Aber zurück zu den lieben Kleinen. Jetzt fragen Sie mich natürlich, was man denn tun soll, wenn die Kinder hingefallen sind und weinen. Ganz einfach: das, was schon meine und vermutlich auch Ihre Mutter gemacht macht. Das Kind in den Arm nehmen, knuddeln, dreimal auf das Knie blasen und dann weiterspielen lassen… Nach wenigen Augenblicken sind die Tränen getrocknet und das Kind lacht wieder. Ganz ohne Globuli. Das hilft. Versprochen!

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