Kuck mal wer da kommentiert…

Wenn man sich Diskussionen ansieht, die Skeptiker mit Anhängern von pseudowissenschaftlichen Therapien führen, fällt dem/der geneigten Leser/in sicherlich auf, wie schnell derartige Diskussionen eskalieren. Dieser Artikel soll jetzt aber keine Anleitung sein, wie man am besten mit derartigen Fundamentalisten diskutiert. Eine solche Anleitung hat Nikil Mukerji bereits schon verfasst, fundierter und besser als ich es je könnte. „Die zehn Gebote des gesunden Menschenverstandes“ heißt sein Buch und ihr könnt hier was drüber lesen und es dann anschließend hier kaufen. Nein, dieser Artikel soll eine Art Gebrauchsanweisung sein, wie derartige Diskussionen zu lesen sind.

Zu diesem Zweck habe ich mich nun die letzten Tage intensiv in die Tiefen des Internets gestürzt und habe massenweise derartige Diskussionen gelesen. Von den Klassikern wie Homöopathie, Osteopathie, Chiropraktik, Akupunktur, TCM über Hardcore-Schwurbel-Themen wie MMS oder Kolloidales Silber. Und ja, es war so schlimm wie es sich anhört (und wer etwas Gutes zur Regeneration meiner Nerven tun will, kann ja gerne Schnapspralinen senden ).

Aber kommen wir mal zurück zum Thema. Mir ist nämlich aufgefallen, dass die Diskutanten auf Seiten der Pseudowissenschaft sich immer grob in drei Lager einteilen lässt.

  1. Die Profis
    Die Profis sind diejenigen, die mit eben jener Methode, sei es Homöopathie, Osteopathie etc. ihr Geld verdienen. Also meist Heilpraktiker, durchaus auch Ärzte mit Zusatzbezeichnung oder sonstige „Praktiker“, die es so gibt.
    Diese Menschen haben nun ein handfestes, monetäres Interesse, die jeweilige Methode zu verteidigen. Und dafür habe ich durchaus auch ein gewisses Verständnis. Sie haben einige tausend Euro für ihre Ausbildung hingelegt, teilweise Geld für Praxisausstattung investiert und wollen ja auch von was leben. Und dann kommt so ein böser Onkel und sagt, genau das, womit sie Geld verdienen, ist Blödsinn. Dass man da ungehalten wird, kann man verstehen (auch wenn man in diesem Falle die Contenance behalten kann).
    Womit ich allerdings ein Problem habe, ist, wenn diese Profis dann nicht zugeben, dass sie wirtschaftliche Interessen haben, also sich nicht als Heilpraktiker o.ä. zu erkennen geben und dann hart mitdiskutieren.
    Natürlich will ich jetzt damit nicht unterstellen, dass diese „Therapeuten“ nicht überzeugt von ihrer jeweiligen Methode sind, das kommt dann noch dazu, denn die zweite große Gruppe sind…
  2. Die Anwender
    Die Anwender sind – wie der Name schon sagt – diejenigen, die die jeweilige kritisierte Methode anwenden und aus welchen Gründen auch immer begeistert davon sind. Diese schwören auf Globuli, Akupunktur, Reiki, Heilsteine oder was auch immer. Ihnen, ihrer Familie, den Haustieren und Omma Kawulke vom Nachbarhaus hat das auch IMMER geholfen, egal ob es um einen eingewachsenen Zehennagel, eine Erkältung oder einen bösartigen Tumor ging.
    Diese Gruppe gehört zu den Überzeugten. Sie wird man in keiner Diskussion von ihrem Standpunkt abbringen. Man kann hier nur versuchen, die angeführten Verteidigungen für die stillen Mitleser der Diskussion zu entkräften und richtigzustellen.
    Warum man sie nicht überzeugen kann? Ganz einfach. Diese Leute leben in einem Glaubenssystem, wenden die jeweilige Methode über Jahre hinweg an und erzielen in ihren Augen auch einiges an Erfolgen damit. Dass so ein Mensch nach zehn, zwanzig, dreißig Jahren sagt: „Och ja, ich hab mich jetzt geirrt und bin zwanzig Jahre etwas Falschem hinterher gelaufen“, wird sicherlich nicht passieren. Damit müssten sie ihr Handeln, ihre Überzeugungen und schlussendlich auch sich selbst in Frage stellen. Das wird kaum jemand machen.
  3. Die Konsensler
    Die Konsensler regen mich bei Diskussionen immer am meisten auf. Oft haben sie kein oder nur schlechtes Wissen über die jeweilige Methode, sind aber bei der Diskussion vorne mit dabei. Sie fordern einen Konsens zwischen der „Schulmedizin“ und der „Alternativmedizin“. Über kurz oder lang kommt auch der Spruch, der meinen Blutdruck unweigerlich in die Höhe treibt: Es gibt mehr Ding zwischen Himmel und Erde, als eure Schulweisheit euch träumen lässt. Immer. Sie kommen immer mit diesem Spruch…
    Oder sie fügen an, dass ja jeder seine Meinung haben darf, weil wir ja Meinungsfreiheit haben.
    Was die Konsensler allerdings nicht verstehen ist, dass es in der Medizin nicht um Meinungen geht. Krankheiten werden nicht mit Meinungen geheilt. Das Bein wächst nicht wieder zusammen, nur weil ich der Meinung bin, dass es das sollte. (Schlechtes Beispiel, aber ihr merkt, worauf ich hinaus will)
    Wenn es dann wieder mal heißt: „Aber wenn die Menschen sich mit Globuli behandeln wollen, dann sollten das auch die Kassen übernehmen.“ Möchte ich dann immer anfügen: „Ja, ich möchte mich auch gerne von meiner persönlichen Voodoo-Heilerin auf Haiti behandeln lassen, dann sollte die Kasse mir also auch die Reise dahin bezahlen?“

In allen drei Gruppen gibt es natürlich auch die Pöbler. Diese sind ebenfalls äußerst nervig, weil man schon von Anfang an merkt, dass sie an einer sachlichen Diskussion absolut nicht interessiert sind, sondern nur an der Eskalation. Hier kann man nur eines: ignorieren, wenn es zu schlimm wird. Denn wenn man sich auf die Pöbler einlässt, bringt das absolut nichts.

Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr noch andere Gruppen an Diskutanten erkannt? Welche Erfahrungen habt ihr mit derartigen Diskussionen gemacht? Das könnt ihr mir gerne in die Kommentare meiner Facebook-Seite schreiben, ich würde mich freuen!

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