„Homoheilung“ durch Homöopathie? So ein Schmarrn!

Wenn man denkt, man hätte schon jeden Blödsinn gehört, kommt bestimmt irgendjemand daher und toppt das wieder. Diesmal hat es der „Bund katholischer Ärzte“ geschafft, mein Zutrauen zur Menschheit ein gutes Stück zu erschüttern.

Dieser Verein wurde im Jahr 2004 gegründet und sieht sich als eine Vereinigung von katholischen Ärzten, die sich im Bereich Beruf, Gesellschaft, Glauben und Kirche engagieren. Willkommen beim BKÄ sind auch katholische Zahnärzte, Psychotherapeuten, Medizinstudenten, Geistliche – und interessierte Gäste. Besonderes Augenmerk legt man hierbei auf die Themen Sexualität, „Lebensschutz“ sowie Organspende und Transplantationsmedizin. Interessant wäre hier natürlich zu wissen, wieviele Mitglieder der Verein hat und wie sich diese Mitglieder auf die einzelnen Gruppen verteilen. Dies ist über die Homepage allerdings nicht zu erfahren.

Nachdem man nun schon die Sexualtität als besonderes Themengebiet auserkoren hat, verwundert es natürlich nicht, dass dieser Bund einen eigenen „Arbeitskreis Homosexualität“ gibt. Was jetzt allerdings der eigentlich Skandal ist, ist erstmal, dass diese Vereinigung Homosexualität noch immer als psychische Störung ansieht und tatsächlich auch „Behandlungsmöglichkeiten“ anbietet. Auf deren Homepage heißt es: Es gibt religiöse, psychotherapeutische und medizinisch-homöopathische Möglichkeiten der ‚Behandlung‘ bei Homosexualität und homosexuellen Neigungen. Auch oder gerade, weil seit einigen Jahren Homosexualität nicht mehr als ‚Krankheit‘ gilt.

Aber nicht nur das, der BKÄ will tatsächlich auch bei Pädophilie und gegen Mißbrauch von Geistlichen einsetzen. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

Wie diese „Behandlung“ der Homosexualität aussehen soll, wird auch gleich auf der Homepage beschrieben:

Das generelle Therapiekonzept lautet kurz: ‚Entgiftung‘ und spezielle ‚Konstitutionstherapie‘
1. Homöopathische Erst-Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte, Dauer ca. bis 90 Min.)
2. Grundbehandlung: -Beginn der Ausleitung und Vorbereitung des Bindegewebes (Sulfur) – Entgiften (von Folgen alter Infektionskrankheiten / Miasmen, mittels Nosoden)
3. ‚Folge von…‘ Alte, nicht ausgeheilte Folgen von psychischen Verletzungen und Erkrankungen angehen.
4. Spezielle Therapie des eigentliche Übels, Durch Gabe des ‚Simile‘, Konstitutionstherapie.

Nach eigenen Angaben auf der Homepage behandelt der Vorsitzende des Vereins (selbst homöopathischer Arzt) zwei Männer mit dieser „Therapie“. Interessant ist übrigens, dass dieser „Arzt“ das Miasma, das zur Entstehung der Homosexualität auf eine durch die „Ahnen“ erworbene syphilitische Belastung zurückführt.

Als ich das gelesen habe, musste ich erstmal auf den Kalender schauen, aber doch, wir haben das Jahr 2018. Solch einen Blödsinn kannte ich bisher nur von evangelikalen Kirchen in den USA, die eigene „Umerziehungscamps“ unterhalten. Aber mit der „Behandlung“ durch Homöopathie ist das natürlich bequemer. Ich persönlich finde ein solches Vorgehen und die Denkart, die dahinter steckt, als zutiefst unmenschlich, unseriös und mit dem ärztlichen Ethos in keinster Weise vereinbar.

Bereits seit dem Jahr 2011 verbreitet dieser Bund diesen hanebüchenen Unsinn. Schon damals distanzierte sich die Bundesärztekammer mit ihrem Präsidenten Frank Ulrich Montgomery „schärfstens“ vom Bund katholischer Ärzte und nannte deren Aussagen völlig abwegig. Dies alles in einem Schreiben an den damaligen Bundestagsabgeordneten Volker Beck (Grüne), in dem Montgomery auch ankündigte, seine katholischen Kollegen an die ärztlichen Prinzipien erinnern und ermahnen zu wollen. Hat ja nun nicht wirklich geklappt…

2012 wiederum unterhielt der BKÄ einen Stand am Katholikentag in Mannheim, wo auch ein Flyer verteilt wurde, in dem Homosexualität als psychische Störung beschrieben wurde, die durch epigenetische Vererbung von syphilitischer Belastung entsteht. Damals gab es massive Proteste und auch das Zentralkomitee deutscher Katholiken als Veranstalter des Kirchentages distanzierte sich von den Aussagen:

Es stimmt übrigens, dass die Aussagen des BKÄ dem aktuellen katholischen Katechismus widersprichen. In dessen Artikel 2358 heißt es: Eine nicht geringe Anzahl von Männern und Frauen sind homosexuell veranlagt. Sie haben diese Veranlagung nicht selbst gewählt; für die meisten von ihnen stellt sie eine Prüfung dar. Ihnen ist mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen. Man hüte sich, sie in irgend einer Weise ungerecht zurückzusetzen. Auch diese Menschen sind berufen, in ihrem Leben den Willen Gottes zu erfüllen und, wenn sie Christen sind, die Schwierigkeiten, die ihnen aus ihrer Veranlagung erwachsen können, mit dem Kreuzesopfer des Herrn zu vereinen.

Aber dies alles ficht den BKÄ nicht an. Noch immer verbreiten sie ihre menschenverachtenden Thesen, die eher in das finstere Mittelalter gehören, als ins 21. Jahrhundert. Umso bedenklicher ist dies, da die Menschen, die so einen Schmarrn in die Welt blöken, ja eigentlich über ein gewisses Maß an Bildung verfügen müssten. Hab ich mir jedenfalls gedacht. Hab ich mich anscheinend geirrt.

Aber wie es Edzard Ernst es bereits so schön zusammengefasst hat: The only conclusion I can draw here is that not homosexuality but homeopathy is a disease – and some homeopaths are incurable!

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