Ein Besuch in Cornwall – Teil 2

Der nächste Morgen war passte zur Laune des Lords trist, grau und wolkenverhangen mit typisch englischen Schnürlregen präsentierte er sich durch die hohen Glastüren des Frühstücksraums auf Twekesbury Manor, an dessen langgestreckten Tisch der Lord und seine Frau schweigsam sprachen. Während der Lord seine Kipper massakrierte, plapperte Hilda betont fröhlich vor sich hin und erzählte ihm ihre Ausflugspläne für die Woche.

Da hörten sie das Auto vorfahren. William, ihr Chauffeur kam vom Flughafen zurück. „Oh, da ist sie ja!“ rief Trudy aus „Ich freue mich so, das wird bestimmt eine wunderbare Zeit! ROBERT! LASS DEN SCHÜRHAKEN HÄNGEN!“

Mit weit geöffneten Armen ging sie auf die kleine Gestalt zu, die gerade in die Halle gewatschelt kam. Der Lord konnte sich nicht helfen, Trudy sah immer so aus, wie die Schildkröte, die er als Kind hatte, nur mit lila Haaren und einer dicken Hornbrille. Sie trug ein typischen Blümchenkleid mit einer Spitzenstola.

Die beiden Frauen umarmten sich herzlich. Und Trudys Reibeisenstimme ließ eine Gänsehaut über den Körper des Lords laufen. Aber auch er wurde herzlich von ihr begrüßt: „Ah, der da ist ja auch da. Willst Du mich wieder vor Gericht zerren? Trag gefälligst mein Gepäck in mein Zimmer!“ „Ich freue mich auch, dich zu sehen, noch schöner wäre es aber gewesen, Dein Flugzeug wäre abgestürzt“ antwortete der Lord zuckersüß, was ihm einen Tritt seiner Frau einbrachte.

In dem Moment schlug die alte Standuhr in der Halle und wie aus den Boden gewachsen stand plötzlich der Butler neben ihnen „Das Gepäck wurde bereits nach oben gebracht und das Mittagessen wird wie gewünscht in einer Stunde serviert.“ „Danke Alfred, das war sehr aufmerksam von ihnen“ sagte Hilda und zu Trudy gewandt: „Komm, ich zeige Dir Dein Zimmer, Du wirst Dich frisch machen wollen!“ Trudys Antwort wunderte den Lord gar nicht: „Aber nein, meine Liebe, ich hatte erst am Samstag ein Vollbad, aber ich würde gerne dem Herrn für meine sichere Ankunft danken.“ Hilda blickte etwas verwirrt, brachte sie aber nach oben. „Und beim Essen kannst Du uns dann alles über Deine Zeit als Krankenschwester im Sezessionskrieg erzählen!“ rief ihnen der Lord nach.

Am Mittagstisch hielt der Burgfrieden, auf den Hilda ihren Mann eingeschworen hatte. Stoisch ertrug er ihre schlechten Tischmanieren und ihre Geschichten aus ihrer Gemeinde. Selbst als sie anfing an ihm herumzunörgeln und ihn über seine Kirchgangsgewohnheiten befragte, blieb er äußerlich ruhig. Nur ein gelegentliches Zähneknirschen verriet seiner Frau, dass er kurz vor der Explosion stand.

Nach dem Essen verabschiedete sich Trudy zu einem ausgedehnten Spaziergang und der Lord zog sich in sein Arbeitszimmer zurück, ließ sich in seinen Ohrensessel plumpsen und schnaufte tief durch. Da kam Hilda ins Zimmer, stellte ihn ein Tablett mit seinem Lieblingsportwein, einer Zigarre und der Rennzeitung auf den Beistelltisch neben dem Ohrensessel, gab ihm einen Kuss auf die Wange und lobte ihn für sein Durchhalten beim Mittagessen.

Zufrieden legte er die Füße hoch, zündete sich die Zigarre an und vertiefte sich in seine Rennzeitung. Er war auf der letzten Seite angelangt und sehr in seine Lektüre vertieft, als es plötzlich neben ihm kreischte: „Was soll das denn? Du rauchst? Und trinkst Alkohol? Und beschäftigst Dich mit Pferdewetten? Sodom und Gomorrha! Was ist das für ein Sündenpfuhl hier? Wahrscheinlich frönst Du noch der fleischlichen Lust auf deinem Esstisch!“

Trudy hatte sich durch die offenen Terrassentüren hereingeschlichen und ihn ertappt. Der Lord erschrak so sehr, dass er seinen Portwein verschüttete und seine Zeitung in hohen Bogen durch das Zimmer flog. „WAS ZUM TEUFEL?“ rief er aufgebracht. „DU SOLLST NICHT FLUCHEN!“ kreischte Trudy, als gerade Hilda ins Zimmer gestürzt kam und sofort die Lage überblickte. Sie begann auf Trudy begütigend einzureden und sie aus dem Zimmer zu drängen, aber so einfach war das nicht. Trudy war standhaft, denn sie hatte noch eine Frage: „Habt ihr eigentlich ein Buch von Rosalie Milchner in diesem sündigen Haus? Ich würde es gerne lesen, die Dame habe ich gerade auf meinem Spaziergang kennengelernt und wir waren uns auf Anhieb sympathisch!“ Der Lord stand kurz vor einem Schlaganfall, aber Trudy war noch nicht fertig: „Ich habe sie übrigens für heute zum Dinner eingeladen, ich hoffe, hier gibt es etwas anständiges, sie kommt um 8 Uhr!“

Der Kopf des Lords war so rot wie die Oktoberrevolution und er schnappte nach Luft wie ein Fisch auf dem Trockenen. Er fiel in seinen Sessel zurück und tastete nach seinem Puls. Als seine Frau wieder in das Arbeitszimmer zurück kam, war der Lord verschwunden, aber der Waffenschrank stand offen. „Oh mein Gott, jetzt macht er ernst!“ dachte sich Hilda und stürzte über die noch immer offenen Terrassentüren nach draußen, als der erste Schuss durch die friedliche Landschaft hallte.

Hilda lief schneller und nachdem schon gut ein halbes Dutzend Schüsse zu hören waren, machte sie sich auf ein Blutbad gefasst. Aber als sie über den kleinen Hügel kam, konnte sie aufatmen, ihr Mann schoss glücklicherweise nur auf Tontauben und das mehrfach, selbst als sie schon auf dem Boden lagen. Sie trat zu ihm und legte ihm die Hand auf die Schulter „Robert, es tut mir so leid!“ Er grunzte und presste ein „Du weißt, dass ich das nur deinetwegen durchstehe, das kostet dich einiges, wenn sie wieder weg ist!“ zwischen den Lippen hervor. Hilda küsste ihn „Und wenn Du heute Abend durchstehst, dann werde ich persönlich nach Rom schreiben und Dich heilig sprechen lassen“ „Ich bin Anglikaner“ „Ich stelle Trudy und die Autorin dem Papst vor, dann spielt das keine Rolle mehr“ Lächelnd ging sie zurück zum Haus und sprach mit der Köchin das Dinner durch.

Die Köchin war natürlich sehr amüsiert darüber, kannte sie doch die Abneigung des Lords gegenüber der Autorin. Auch der Butler lachte innerlich Tränen, als ihm die Lady das erzählte. „Wo wollen wir den Gast platzieren?“ fragte er äußerlich ungerührt. „Wenn ich das nur wüsste“ seufzte Lady Hilda. „Wie wäre es mit dem Nebenraum?“ „Philip, kennen sie eigentlich die Arbeitsmarktchancen für vorlaute Butler?“ Aber eigentlich konnte ihm Hilda nicht böse sein, natürlich hatte die Szenerie etwas groteskes, pflegte ihr Mann doch schon seit Jahrzehnten eine heftige Fehde mit der Autorin, die nur zu gerne ihr Familienleben für ihre Schmalzromane verwursten würde.

Ein Besuch in Cornwall – Teil 1

Twekesbury Manor lag in absoluter Sonntagsruhe zwischen den grünen Hügeln von Cornwall. Die Sonne des herrlichen Frühsommertages schien warm und freundlich auf das altehrwürdige Herrenhaus und den ausgedehnten Park, der sich anschloss. Einer der Jagdhunde des Grundherren gähnte träge auf der Terrasse und genoss die Wärme. Schmetterlinge flogen fröhlich ihre Runden und nur die Bienen summten geschäftig von Blüte zu Blüte. Die Szenerie wirkte, wie aus einem Prospekt des britischen Fremdenverkehrsverbands. Die Idylle hatte doch ein jähes Ende, als ein wütender Schrei die Stille durchbrach

„ZUM HENKER, DU HAST WAS? BIST DU VON ALLEN GUTEN GEISTERN VERLASSEN?“ Lord Twekesbury saß hinter seinem schweren Schreibtisch und sein Gesicht war genauso rot, wie die Uniform seines Ahnherrn auf dem großen Portrait dahinter. Vor dem Schreibtisch stand Hilda, seine Frau und funkelte ihn kampfeslustig an. „Ja, mein lieber, ich habe DEINE Tante Trudy aus Texas eingeladen. Sie ist alt und hat außer uns keine Familie und bevor sie von uns geht, soll sie noch mal ein paar schöne Tage bei uns haben.“ Bei diesen Worten seiner Frau stand der Lord auf und grummelte „Bei dem von uns gehen kann ich ihr helfen“ und wandte sich seinem Waffenschrank zu. „ROBERT! Sei nicht albern, Du wirst sie nicht erschießen und nein, auch keine Salzpatronen!“ wies sie ihren Mann zurecht. „Außerdem ist es jetzt eh zu spät, sie landet morgen früh in Heathrow.“ Mit diesen Worten wandte sie sich ab und zog sich in ihren Damensalon zurück.

Sie wusste ja, dass Tante Trudy eine Landplage war, aber in ihren letzten Briefen hatte sie einfach so einsam und verzweifelt geklungen, dass sie sie einfach einladen musste. Ja, Trudy war an ihrer Lage selbst schuld, hatte sie doch mit ihrer geheuchelten Frömmelei alle Menschen vertrieben, aber als Tochter eines Wanderpredigers konnte man vielleicht gar nicht anders. Es war für sie immer noch ein Wunder, was Frederick, der jüngste Onkel ihres Mannes an der Frau gefunden hatte. Irgendwie war sie sich sicher, dass er den Krebs, der ihn ins Grab gebracht hatte aus Notwehr ganz bewusst gezüchtet hatte. Das Verhältnis zu ihrem Mann war äußerst gespannt, seit Trudy nach dem Tod Fredericks anfing, sich als „Lady Twekesbury“ auszugeben. Das hatte erst aufgehört, als der Lord ihr das gerichtlich verbieten ließ. Immerhin ging in ihrer Familie der Titel nur an die ältesten Kinder über.

Sie seufzte, das würden zwei harte Wochen für sie werden, dachte sie sich und kippte ihr Glas Portwein in einem Zug hinunter.

Auch Robert, ihr Mann hielt sich an Hochprozentiges, ließ sich zwei Daumen hoch Whisky ins Glas laufen und stürzte es in einem Zug hinunter. Gerade Trudy hatte seine Frau eingeladen. Dieses frömmelnde Weibsstück. Das hieß für ihn eine Woche keinen Whisky, keine Pferdewetten und der Pub war auch gestrichen, genauso wie die Jagd. Aber er liebte seine Frau und ihr zuliebe würde er sich zusammennehmen. Wenigstens kam seine Tochter um diese Nervensäge herum, sie war nach Montana geflogen, um sich ihren zukünftigen Schwiegereltern vorzustellen.

Grummelnd zog er sich in sein Gartenhaus zurück, die er sich ganz nach seinem Geschmack eingerichtet hatte. Seine Frau nannte das Häuschen gerne die „Brummbärenhöhle“. Dort saß der Lord nun und pichelte einen Whisky nach dem anderen, als plötzlich der alte Groom, der Pferdeknecht herein schaute. Er war der Einzige, der den Lord hier stören durfte. „Ah, euer Lordschaft, welchen guten Tropfen gibt es denn heute?“ Wortlos schenkte im Twekesbury ein großzügiges Glas ein. Der Groom nahm neben ihm Platz und schweigend schlürften die beiden ihren Whisky. Nach zwei weiteren Gläsern brach der Pferdeknecht ihr Schweigen: „Was beschert uns diesen guten Tropfen?“ „Trudy“ antwortete er tonlos „Sie besucht uns ab morgen. Für ZWEI WOCHEN!“ Der Groom verschluckte sich und spuckte den Whisky in hohen Bogen auf den Boden. Er begann zu stammeln, sagte etwas von Pferden und füttern und machte sich eiligst auf dem Weg. „Alle bekloppt geworden!“ grummelte der Lord. Aber er hatte Verständnis für den alten Fred, kannte er Trudy doch am längsten und bei ihren bisherigen Besuchen war sie oft im Pferdestall gewesen. Der arme Kerl hatte also auch einiges unter ihr zu leiden gehabt.

Vom Ernst des Lebens

Neulich war ich in Rostock auf dem Jahrmarkt. Die Straßen, die sich schräg zur Warnow hinabsenken, standen voller Bunden, und unten am Ufer drehten sich Karussells. Ich wurde, weil alles so schön laut war, sehr fidel, stellte mich an eine Zuckerwarenbude und verlangte für zehn Pfennige türkischen Honig. Er schmeckte großartig.

Da kam ein Junge mit seiner Mutter vorüber, zog die Frau am Ärmel und sagte: „Noch einen Pfefferkuchen!“ Dabei trug er schon fünf Pfefferkuchenpakete unterm Arm. Die Mutter stellte sich taub. Da blieb er stehen, stampfte mit dem Fuß auf und krähte. „Noch einen Pfefferkuchen!“
„Du hast doch schon fünf Pakete“, erklärte die Mutter. „Denk nur, die armen Kinder kriegen überhaupt keinen Pfefferkuchen!“

Wißt ihr, was der Junge antwortete?
Er schrie ärgerlich: „Was gehen mich denn die armen Kinder an?“ Ich erschrak so, daß ich fast meinen türkischen Honig samt dem Papier auf einmal verschluckt hätte. Kinder, Kinder! Hält man das für möglich?
Da hat so ein Junge das unverdiente Glück, wohlhabende Eltern zu bekommen, und dann stellt er sich hin und schreit: „Was gehen mich die armen Kinder an!“ Anstatt von seinen fünf Paketen Pfefferkuchen armen Kindern zwei zu schenken und sich zu freuen, daß er denen eine kleine Freude machen kann!

Das Leben ist ernst und schwer. Und wenn die Menschen, denen es gutgeht, den anderen, denen es schlechtgeht, nicht aus freien Stücken helfen wollen, wird es noch mal ein schlimmes Ende nehmen.

Aus: Kästner, Erich: Pünktchen und Anton. Hamburg, 1980. S. 76f.

Bildnachweis: Von Schlurcher (talk) – Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9431707

Was zu bedenken wäre

Heinrich Heine (heutzutage muss man ja noch anmerken: Heinrich Heine, 1797 – 1856 war ein deutscher Schriftsteller, Journalist und Hauptvertreter des „Jungen Deutschland“) hat in seinem umfangreichen Werk Reisebilder, Romane, Tragödien, Gedichte, Reportagen und vieles mehr hinterlassen. Er hat aber auch in einem Satz eine Erkenntnis hinterlassen, die heutzutage leider in Vergessenheit geraten ist, halten sich doch so wenige Menschen daran. Deswegen möchte ich heute daran erinnern:

Ein Kluger bemerkt alles. Ein Dummer macht über alles eine Bemerkung.

 

Pflanzenhomöopathie

Seit ich mich mit der Homöopathie und sonstigen „alternativmedizinischen“ Themen beschäftige, habe ich schon viel verqueren Blödsinn gehört, aber Homöopathie für Pflanzen toppt hier so einiges… Nein, ich will euch nicht veräppeln, nein, die meinen das wirklich ernst! Wirklich, ganz ehrlich, glaub es mir!

In Mode kam die Pflanzenhomöopathie ab den 1980er Jahren, wobei wohl bereits in den 1920er Jahren erste Versuche im anthroposophischen Milieu gemacht wurden. Ab den 1990er Jahren gibt es auch Hochschulschriften zu diesem Thema. In mindestens einem halben Dutzend Arbeiten versuchte man derartige Effekte nachzuweisen, an Übersichtsarbeiten sind nur zwei bekannt geworden, darunter eine Diplomarbeit (Scofield, Emde). Häufig litten die Arbeiten unter qualitativen Einschränkungen hinsichtlich der angewandten statistischen Methoden. Die veröffentlichten Ergebnisse sind widersprüchlich und können nicht als Beleg einer reproduzierbaren Wirksamkeit der Pflanzenhomöopathie gewertet werden, und eine Replikation erfolgreicher Versuchsergebnisse ist nicht bekannt. (1)

Die erste Publikation für Jedermann dürfte das von Stefan Liebknecht herausgegebene Buch Homöopathie für Pflanzen: gesundes Wachstum in Haus, Garten und Natur sein, welches 1998 im Fit-fürs-Leben-Verlag erschienen ist. Einige wenige Publikationen erschienen in den seit 2010, wobei die Marktführerin wohl Christiane Maute mit ihren Büchern Homöopathie für Pflanzen: der praktische Leitfaden für Zimmer-, Balkon- und Gartenpflanzen, das erstmals 2011 im Narayana Verlag erschienen ist und Homöopathie für Rosen: Ein praktischer Leitfaden für die wichtigsten Erkrankungen und Schädlinge (2013, ebenfalls Narayana) sein dürfte.

Frau Maute, die nach eigenen Angaben auf ihrer Homepage ein „Studium“ der Klassischen Homöopathie an der Boenninghausen-Akademie absolvierte, hat eine eigene Praxis für Fußreflexzonentherapie. Die Pflanzenhomöopathie betreibt sie zusammen mit ihrer Tochter Cornelia, deren Qualifikation in diesem Bereich eine Ausbildung bei ihrer Mutter darstellt. (1)

In der Zeitschrift G-Plus sagte Cornelia Maute zu dem Thema: Während man bei den Menschen und Tieren einen Placeboeffekt anführen könne, sei dies bei den Pflanzen anders: ‚Die Pflanze zeigt deutliche Reaktionen auf ein homöopathisches Mittel, die nicht auf anderes Zutun zurückzuführen sind. Pflanzenzellen nehmen die Information im homöopathischen Mittel auf. Ich möchte betonen, dass wir keine Pflanzenflüsterer sind. Unsere Behandlungen und die Auswahl der passenden Mittel geschehen ganz pragmatisch und logisch nach Kriterien, die für jeden nachvollziehbar sind, der sich näher damit beschäftigt.‘ (2) Welche Kriterien das sind, wird allerdings nicht verraten. Weiterhin werden Heilungsversprechen bei Schädlingsbefall, Pilzkrankheiten und Witterungsfolgen gemacht. Für uns gibt es kaum Grenzen (2) heißt es da. Es ist allerdings schwierig, wenn Böden durch Chemikalien und Dünger verseucht oder durch zu schwere Landmaschinen extrem verdichtet sind. Ohne Wiederaufbau des Bodens geht es hier nicht, dabei ist die homöopathische Ausleitung der Gifte wichtig. [Anm: Und wohin sollen Gifte, die im Boden sind ausgeleitet werden?] Dies dauert jedoch seine Zeit. Bei sehr starken Schädigungen des Bodens durch Pestizide, Fungizide oder Herbizide (wie zum Beispiel Glyphosat) wird es schwierig, denn aus totem Material, wo essenzielle Bodenlebewesen und Mikroorganismen fehlen, kann auch ein engagierter Einsatz von Homöopathie nichts Lebendiges mehr hervorbringen. (2) Somit wird also einer ausbleibenden Reaktion bereits vorgebeugt, wirkt es nicht, war der Boden schuld.

Wobei interessant zu erfahren wäre, ob die Homöopathika eine Zulassung als Pflanzenschutzmittel haben, wenn schon ihr Wirkungsbereich angegeben wird. Auch ist interessant, dass das pöhse pöhse Glyphosat unbedingt mit eingebaut werden muss, obschon sich Buch und Artikel an Privatpersonen richtet, in deren Wirkungsbereich der Einsatz verboten ist.

In der Anzeigensonderveröffentlichung Haus & Garten der „Freien Presse“ erzählt Christiane Maute, wie sie ihre Karriere als Pflanzenhomöopathin begonnen hat: Das kam 2001 durch einen ‚Unglücksfall‘ im Garten. Beim Einpflanzen eines bereits blühenden Rittersporns brach der Haupttrieb ab. In der Homöopathie gibt es ein sehr gutes Mittel bei‚ Stoß, Schlag oder Fall‘, nämlich Arnica. Deshalb überlegte ich kurz, übergoss die ganze Pflanze nach dem Einsetzen mit ein paar Globuli Arnica C200, welche ich zuerst in wenig Wasser auflöste und dann in 10 Liter Wasser einrührte. Zu meinem großen Erstaunen hatte sich der Blütenstängel am nächsten Tag aufgerichtet, man sah noch ein paar bräunliche Verletzungsspuren – aber der Rittersporn blühte weiter. (3)

Für mich stellt sich hier hauptsächlich die Frage, warum Samuel Hahnemann so viel Wert auf das Anamnesegespräch legte, wenn man Tier und Pflanze einfach irgendwas verabreicht. Außerdem ist für mich fraglich, ob überhaupt realisiert wurde, wie weit sich der Stoffwechsel von Pflanzen und Tieren bzw. Menschen unterscheidet, Stichwort autotrophe Organismen vs. heterotrophe Organismen, Stichwort Photosynthese etc., denn im Gegensatz zum Menschen funktioniert bei Pflanzen ja die „Lichtnahrung“, während sie einem guten Steak eher abgeneigt sind.

Natürlich werden auch passend zum Buch die darin beschriebenen Homöopathika als Sets durch den Narayana-Verlag angeboten. Schauen wir uns mal an, was der ganze Spaß so kostet:

9er Set für Zimmerpflanzen 28,00 €
14er Einstiger-Set für Garten-, Zimmer- und Balkonpflanzen 39,80 €
30er Grundsortiment 69,00 €
48er Komplettsortiment 98,00 €
5er Rosen-Set in rotem Schlüsselanhänger 19,80 €
14er Rosen Set 35,00 €
40er Rosen-Set 85,00 €
30er Grundsortiment im Holzkasten 98,00 €
48er Komplettsortiment im Holzkasten 138,00 €

(4)

Man kann also einiges an Geld ausgeben. Natürlich gibt es dann noch diverse Kombinationssets Buch und Globuli.

Die Globuli sollen in Wasser aufgelöst werden, wofür ein Schraubdeckelglas empfohlen wird. Auch soll diese Mischung dann durch Verschütteln dynamisiert werden. Schade, in dieser Anleitung auf der Homepage wird weder vom Schlagen auf ein in Leder gebundenes Buch noch vom rhythmischen Schütteln in Richtung Erdkern berichtet. Sind diese Mischungen dann überhaupt wirksam, wenn sie nicht richtig dynamisiert wurden? OH OH… /o\ Und dürfen Frauen während ihrer Menstruation oder ihrer Menopause diese Verschüttelungen durchführen? Fragen über Fragen, denen Hahnemann zwar Bedeutung beigemessen hat, hier aber anscheinend obsolet zu sein scheinen. (5)

Vielleicht werden diese Fragen ja in der angebotenen Telefonberatung geklärt, deren Kosten übrigens bei 12,00 € Grundgebühr sowie Kosten für die Gesprächsdauer zwischen 12,00 € und 22,00 € liegen. Per E-Mail belaufen sich die Kosten auf 12,00 € Grundgebühr und 39,00 € für die Beratung. (6)

Dafür bekommt man einen Behandlungsplan, in dem neben der homöopathischen Behandlung auch allgemeine gärtnerische Ratschläge gegeben werden. Hier ist natürlich fraglich, ob genau unterschieden werden kann, welche Wirkung auf die Homöopathika zurückzuführen sind und welche auf die – durchaus sinnvolle – gärtnerische Pflege. (7)

Aber es gibt noch genügend andere Meinungen zu dem Thema, die ein wirklich sehr ääääh… „interessantes“ Naturverständnis offenbaren: ‚Tiere und Pflanzen bestehen, wie wir Menschen auch, hauptsächlich aus Lebensenergie, Wasser, Stickstoff, Kohlenstoff und Mineralien.‘ Physikalisch gesehen funktionierten die Systeme ähnlich. Die Blätter seien die Atmungsorgane, die Wurzel der Darm. (8)

Oder: Der Naturarzt ist überzeugt: «Lebewesen kommen nicht wegen Krankheitserregern in einen krankhaften Zustand, sondern weil ihre Gesundheitsfaktoren in einem schlechten Zustand sind.» Zu diesen zählen Wasser, Luft, Licht, Nahrung im Boden, Ruhe und Bewegung, Platzbedarf im Umfeld, Pflege und Hygiene, Klima und Wetter. Ist ein Lebewesen nicht mehr fähig, die inneren und äusseren Umstände durch seine Lebensenergie auszugleichen, schwindet diese. Um gesund zu werden, müssen die Bedingungen optimiert werden, dann startet der Selbstheilungsprozess. Damit das Lebewesen gesund bleibt, müssen sie erhalten werden. (8)

Aber auch der „Naturarzt“ Heinz Weder hat Hilfe im Gepäck, nämlich in Form seiner Notfallapotheke, die sieben verschiedene Homöopathika enthält und zum Preis von 39.—sFr zu bestellen ist. (9 und 10)

Und auch, wenn die Homöopathie nicht hilft, hat Weder eine Lösung parat: Tritt keine Wirkung ein, muss eben eine erneute Diagnose und ein anderes Mittel her. (8)

Hach, gärtnern kann so einfach sein… Vor allem, wenn man sich auf ein so gut erforschtes Gebiet wie die Pflanzenhomöopathie stützen kann, denn Kritiker kann Weder deshalb verstehen, aber ‚Nach unzähligen Versuchen, die ich seit 1995 an Pflanzen durchgeführt habe, bin ich mir der Wirkung ganz sicher.‘ (8) Und Frau Maute sagt: Und wenn einmal etwas nicht so klappt, spornt uns das an, weiter zu forschen. (3)

Nun, diese Forschungen und Versuche sind sicherlich interessant, allerdings wurden sie bisher noch nirgends publiziert. Von daher kann auch kein Rückschluss gezogen werden, ob diese „Forschungen“ den wissenschaftlichen Standards genügen. Hier wäre vielleicht ein Langzeittest der GWUP interessant.

Wie dem auch sei, meine persönliche Meinung dazu ist, dass man sich homöopathische „Behandlungen“ für seine Pflanzen sparen kann, wenn man mit ein bisschen Sachverstand an die Gärtnerei ran geht. Kauft euch lieber ein gescheites Gartenbuch, das hilft mehr. Und es gibt auch gute Bücher, in denen man Rezepte für allerlei Sude und Jauchen findet, die rein natürlich sind und gegen z. B. Pilzinfektionen helfen.

(1) http://www.xn--maute-pflanzenhomopathie-1oc.de/de/ueber-uns.html
(2) Zollinger, Caroline: Mithilfe von Homöopathie zu gesunden Pflanzen? Gplus-Magazin. 2/2017. S. 32-34. Abgerufen via http://www.xn--maute-pflanzenhomopathie-1oc.de/de/pressespiegel.html
(3) Homöopathie kommt in den Gärten an. In: Haus & Garten: Anzeigensonderveröffentlichung der Freien Presse vom 18. März 2016, S. 14. Abgerufen via http://www.xn--maute-pflanzenhomopathie-1oc.de/de/pressespiegel.html
(4) http://www.narayanaverlag.de/ChristianeMaute/a2448?authors_id=2448&boxleft=1&gclid=CMadlIa459ICFRI8GwodqkQBNQ und http://www.narayanaverlag.de/homeoplantproduktemaute.php
(5) http://www.xnmautepflanzenhomopathie1oc.de/de/anwendung.html
(6) http://www.xnmautepflanzenhomopathie1oc.de/de/preisliste.html
(7) http://www.xn--maute-pflanzenhomopathie-1oc.de/files/Inhalt/Downloads/Behandlungsplan_Muster.pdf
(8) http://www.tierwelt.ch/?rub=4499&id=39467
(9) http://www.weder-homoeopathie.ch/images/PDF-Notfallapotheke.pdf
(10)http://www.wederhomoeopathie.ch/nutzundzierpflanzen/notfallapothekehausundobstgarten

Online-Quellen 1-8 abgerufen und gesichert am 21.03.2017. Quellen 9-10 abgerufen und gesichert am 24.03.2017.

Blogempfehlung: Keine Ahnung von Garnix

Es gibt ja einen neuen Blog, den ich euch dringend ans Herz legen möchte und zwar hat der liebe Udo unter dem Titel Keine Ahnung von Garnix … und davon noch zuviel einen eigenen Blog. Hierin nimmt er sich skeptischer Themen aus dem Medizinbereich an. Also wer sich über Homöopathie, Impfgegner, Heilpraktiker uvm. informieren möchte ist dort gut aufgehoben.

Also, husch husch, hin und lesen…

Cesare Mattei und seine Elektrohomöopathie

Conte Cesare Mattei wurde am 11. Januar 1809 in Bologna geboren der italienische Adlige war hauptsächlich Politiker, dilettierte aber auch als Literat. Ohne jegliche medizinische Ausbildung beschäftigte er sich auch mit der Homöopathie und war in Italien ein bekannter Wunderheiler. Er begründete die sogenannte Elektrohomöopathie, mit der wir uns hier etwas näher beschäftigen. Conte Mattei verstarb am 3. April 1896 auf seinem Schloss Rocchetta Mattei bei Grizzana Morandi.

Matteis Familie war sehr begütert und angesehen in Ferrara und so konnte Cesare eine Karriere in der Politik beginnen. Nach der Revolution von 1847 erkannte Mattei, dass ich den Leuten bei ihren hohen Zielen in der Politik im Wege stehen könne,[so] zog ich, der ich nur einen Glauben auf Schwur hatte, niemals auch die Gasse hinabgestiegen war, zog ich mich, sage ich, freiwillig aus einer ziemlich hohen Stellung in das Privatleben zurück. (1)

Dieses Privatleben fand auf seinem neu erbauten Schloss Rocchetta Mattei nähe Grizzana Morandi statt. Dort entwickelte er seine Methode der Elektrohomöopathie, die auch Spezifica nach Mattei genannt wurde. Mattei selbst schrieb über seine Methode: Ich hinterlasse der Welt keineswegs ein System der Arzneiwissenschaft: ich hinterlasse ihr die Arzneiwissenschaft selbst, welche nach fünfundzwanzig Jahrhunderten noch zu entdecken war. Die Nichtigkeit aller Systeme, welche jedes Jahrhundert und fast jede Schule auf den alten Stamm des ausgearteten Baumes der Medizin aufgepfropft hat, war mir seit langer Zeit bekannt. (1)

Der Begriff „Elektro“homöopathie ist insofern irreführend, dass keinerlei elektrische Energie beteiligt ist. Mattei behauptete in seinen Schriften, dass er eine „vegetabilische Elektrizität“ aus Pflanzen extrahieren könne, die er in seinen Arzneimitteln konservieren würde. Diese Mittel sollten ‚so schlagartig‘ wirken wie der elektrische Strom, weshalb er seinem Heilsystem den Namen ‚Elektrohomöopathie‘ gab. (2)

Tatsächlich war seine Heilmethode eine Mischung aus der Homöopathie Hahnemanns, der auf Alchemie beruhender Spagyrik und der Humoralpathologie. Mattei stellte durch bestimmte Gärungs- und Destillationsmethoden Lösungen her, die er auf Milchzuckerkügelchen träufelte. Insgesamt stellte er knapp 30 Lösungen zur Verfügung, deren Zusammensetzung und Herstellung er aber geheim hielt und die er im Monopol vertrieb. Informationen hierüber drangen erst nach seinem Tode an die Öffentlichkeit.

Mittel konnten beispielsweise sein:

Antiscrofoloso als Mittel für die Lymphe,
Anticanceroso als Gewebemittel,
Antiangiotico bei Bluterkrankungen,
Pettorali bei Lungenerkrankungen,
Febbrifughi bei Fieber,
Vermifughi bei Darmerkrankungen und Wurmbefall. (2)

Die Grundüberlegung zur Elektrohomöopathie war die Behandlung des gesamten Organismus, war doch Matteis Meinung nach bei Krankheiten immer der Mensch in seiner Gesamtheit betroffen.

Cesare Mattei gründete auf seinem Schloss auch ein eigenes „Behandlungszentrum“. Der Erzählung nach sollen hier auch der bayerische König Ludwig und der russische Zar Alexander II. behandelt worden sein.

Der wichtigste Vertreter der Elektrohomöopathie in Deutschland war der Homöopath Theodor Krauß, der am 3. November 1864 in Berau (Böhmen) geboren wurde und am 1. Oktober 1924 verstarb. Bereits im Alter von 17 Jahren beschäftigte er sich mit der Elektrohomöopathie. 1885 gründete er nach Kontakt zu Mattei ein Komitee zur Verbreitung der Elektrohomöopathie. Krauß war sehr rührig auf diesem Gebiet, gründete Vereine, führte Vortragsreisen durch und bildete Ärzte und Therapeuten auf dem Gebiet der Elektrohomöopathie aus. Er selbst promovierte allerdings er im Jahr 1900.

Ab 1917 entwickelte er mit dem Apotheker Johannes Sonntag und dem Homöopathen Johannes Dingfelder die JSO-Komplex-Heilweise, eine auf der Elektrohomöopathie aufbauende Therapie, die ebenfalls mit Hilfe spagyrischer Mittel heilen soll.

Bereits im Jahr 1906 stellte Meyers Großes Konversations-Lexikon fest: Die E. entbehrt der wissenschaftlichen Begründung. (3) Hieran hat sich bis heute nichts geändert.

(1) Mattei, Cesare: Elektro-Homoöopathie: Grundsätze einer neuen Wissenschaft. Regensburg, 1884. S. 2f

(2) Seite „Cesare Mattei“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 25. Februar 2015, 20:58 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Cesare_Mattei&oldid=139216676 (Abgerufen: 18. März 2017, 10:25 UTC)

(3) Meyers Großes Konversations-Lexikon. Bd. 5, S. 673. Leipzig, 1906.

(4) https://web.archive.org/web/20030915115112/http://www.cocura.de/ikhinfos.html