HÖLLE! HÖLLE! HÖLLE!

Der Teufel? Ist doch klar… rot, mit Pferdefuß und Huf, der hat einen Schwanz und Hörner und der riecht nach Schwefel. Weiß doch jeder, das steht doch sogar in der Bibel. Ok, zwar ist in der Bibel oft und gerne vom Teufel, von Satan, von Luzifer, von Azazel und wie er sonst noch genannt wird, die Rede, doch hat sich seine Ikonographie gründlich gewandelt, bis er zu seiner erschröcklichsten Form gefunden hat:

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Die erste Darstellung des Teufels (wir bleiben mal bei diesem Begriff) finden wir in Ravenna, in der Kirche San Vitale und sie stammt von einem Mosaik aus der Mitte des sechsten Jahrhunderts. Dort sehen wir in der Mitte des Mosaiks den wiedergekehrten Jesus, der die Menschen aufteilt in Gut und Böse, wie es in Matthäus 25, 31 – 33 beschrieben ist: Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit, und werden vor ihm alle Völker versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet, und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zu seiner Linken.

Zu seiner Rechten steht ein schöner, roter Engel, der die Lämmer, also die guten Menschen in Empfang nimmt. Zu seiner Linken steht ein genauso schöner, blauer Engel, der die Böcke, also die schlechten Menschen bekommt. Hier können wir davon ausgehen, dass es sich hier um die erste Darstellung des Teufels handelt, der sich um die Sünder „kümmert“.

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Der erste Teufel war also ein blauer Engel.

Nein, nicht der…

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… und der auch nicht…

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… so, der hier…

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Ist die Farbe Blau heute die Farbe der sog. Jungfrau Maria, die als Mittlerin zwischen den Menschen und Jesus fungiert, war in der damaligen frühchristlich-byzantinischen Zeit Blau die Farbe der Verdammnis und der Sünder. Was an diesem Mosaik allerdings am meisten auffällt ist, dass der Teufel hier als „normaler“ Engel dargestellt wird und nicht als das grauenhafte Monster späterer Zeiten. Hiervon ließen sich übrigens auch die berühmten Miniaturenmaler Paul, Johan und Herman von Limburg inspirieren, als sie um das Jahr 1410 Lés Trés Riches Heures für den Herzog von Berry schufen (heute im Musée Condé in Chantilly), ein Stundenbuch mit wunderschönen Malereien, in dem eben auch der Sturz der rebellierenden Engel dargestellt ist. Auch hier war der Engel Luzifer nicht als verwachsenes Monster zu sehen, sondern er und seine Engel als schöne, junge Männer, die von Gott in die Verdammnis gestoßen wurden.

©Photo. R.M.N. / R.-G. OjŽda
©Photo. R.M.N. / R.-G. OjŽda

Die Brüder von Limburg stellten damit also die „Geburtsstunde“ des Teufels dar. Biblisch geht dies auf zwei etwas diffuse Textstellen zurück. Die erste finden wir im Alten Testament, genauer gesagt im 14. Kapitel des Buches Jesaja, wo der gestürzte Rebell als wunderschöner Morgenstern bezeichnet wird. Die zweite Textstelle findet sich im neuen Testament, im 10. Kapitel des Lukas-Evangeliums, wo der Höllensturz als Blitz beschrieben wird.

Aber kommen wir zurück ins 6. Jahrhundert. Damals war der Teufel also noch ein „normaler“ Engel, aber bereits knapp 400 Jahre später wurde er zu einem Ungeheuer, wie man in der Basilika Santa Maria Assunta auf der venezianischen Insel Torcello sehen kann:

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Zwar hat der Teufel seine blaue Farbe beibehalten (was uns an den alten Udo Jürgens-Schlager „Der Teufel hat den Schnaps gemacht“ erinnert), aber nun wurde er zum bärtigen und schielenden Unhold, der auf einem Menschen verschlingenden Thron sitzt. Wer die kleine Gestalt auf seinem Schoß ist, konnte bisher nicht zweifelsfrei geklärt werden.

Die Basilika von Torcello wurde im Jahr 1008 geweiht und ist besonders für seine Ikonostase und eben das monumentale Mosaik bekannt, zu der auch die Darstellung des jüngsten Gerichtes zählt.

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Interessant an der Darstellung ist, dass die Hölle hier durch eine direkte Verbindung zur Antipode Gottes wird.

Eine weitere Darstellung des Teufels als seelenfressendes Monster finden wir im Baptisterium San Giovanni in Florenz. Dort ist der (wieder blaue) Teufel ebenfalls auf einem Mosaik dargestellt.

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Diese Wandlung ist auch in schriftlichen Quellen zu finden. Wurde bisher der Teufel eher als Unruhestifter, als Verführer oder ähnliches dargestellt (also eher ein christlicher Pan), so wurde er ab de 8./9. Jahrhundert ganz handfest als Bestrafer, als Peiniger, als Quäler manifestiert.

Und dieser Teufelsglaube, der sich im Laufe des Mittelalters noch verfestigen sollte und immer ausgeschmückt wurde, wurde durch die Kirche auch immer mehr in das Alltagsleben der Menschen integriert. Exorzismen waren an der Tagesordnung, jede kleinste Kleinigkeit vom Schnupfen bis zur verdorbenen Milch wurde mit der Anwesenheit des Teufels und seiner Dämonen erklärt.

So verwundert es nicht, dass auf der Synode zu Leptinae 743 zwar auch das Glaubensbekenntnis beschlossen wurde, aber viel länger über eine Formel zur Entsagung des Teufels diskutiert wurde.

Der Hintergrund dieser Wandlung ist ganz einfach. Die Oberste Kirchenleitung wollte den religiösen Dualismus und damit ihre Macht manifestieren. Der Teufel war jetzt nur noch dazu da, Angst und Schrecken zu verbreiten, denn die Kirche hatte eingesehen, dass Menschen in Angst am leichtesten zu kontrollieren sind. Und was wäre hier besser als eine unsichtbare Gefahr, für die man ein unsichtbares Gegenmittel (also Gott) verkaufen konnte?

Und der Plan ging auf, wie wir heute wissen. Gerade in Notzeiten bei Krieg, Hunger und Pestilenz liefen die Angehörigen des Klerus zur Höchstform auf und an allem und jeden waren der Teufel und seine Dämonen schuld.

Das Gleichnis von der Handarbeiterin und dem Soldaten

Und sehet, es begab sich zu der Zeit, als die Gummistiefel noch aus Holz geschnitzt wurden und die Makrelenfischer auf den Shetland-Inseln die Makrelen mit Ponys erschlugen und die Wildecker Herzbuben so richtig wild und herzig waren, da begab es sich, dass in Judäa eine Frau lebte. Diese Frau war frisch zugezogen aus Dinslaken und verdiente ihren Lebensunterhalt damit, dass sie für die römischen Besatzungssoldaten Pilumschoner aus Katzenhaaren häkelte. Und nein, ein Pilum ist nichts schweinisches, sondern ein römischer Kampfspeer, ihr kleinen Schweinchen.

Da begab es sich, dass eines Tages ein römischer Soldat in ihr Ladengeschäft trat, in dem sie neben Pilumschonern aus Katzenhaaren auch Milchpulver aus Ziegemilchersatz und chinesische Pfeifenständer aus Backpflaumen feilbot. Jener Soldat trat nun auf die Frau zu und sprach: „Entschuldigung, ich hab kürzlich hier diesen Pilumschoner aus Katzenhaar gekauft und der passt nicht, kann ich den bitte eine Nummer größer haben?“ Und die Frau sprach: „Römischer Soldat, das ist doch kein Problem. Hier bitte eine Nummer größer. beehren sie mich bald wieder.“

Und der Soldat ging seiner Wege und freute sich über einen passenden Pilumschoner aus Katzenhaar.

Liebe Gemeinde, ich erkläre euch nun, wie dieses Gleichnis unser aller Leben verändern kann. Aber erst gehe ich zu Tisch. Mahlzeit!

Das Gleichnis vom Chemiker

Und es begab sich zu der Zeit, als Saulus, das saluzäische Sackgesicht in die Jury von „Judäa sucht den Superstar“ eintrat, da lebte in Bethanien ein junger, lustiger Bursche. Es war Chaim, der chassidische Chemiker, der täglich nach Jerusalem-Ost einpendelte, um dort in seinem lustigen Laboratorium viele fröhliche Versuche zu unternehmen.

Aber es sollte so kommen, dass dareinst sein Automobil einen Wackelkontakt hatte und er es deswegen stehen lassen musste. So benutzte er den Expresszug Bethanien – Jerusalem um 8.32 Uhr ab Gleis 3. Und so verbrachte er einen fröhlichen Arbeitstag, während dessen er viele fröhliche Versuche versuchte. Genau bis 17.18 Uhr, als er seine Handschuhe in die Ecke warf und pfeifend seinen Heimweg antrat.

Und es begab sich, dass Chaim, der chassidische Chemiker den Bahnhof Bethanien verließ und die Straße überquerte, als plötzlich ein großer schwarzer Mercedes W 186 angebraust kam und ihn brutal überfuhr. Ja, nicht nur einmal vorwärts, sondern auch noch einmal rückwärts. Und als Chaim nun so unter dem Mercedes lag, öffnete dessen Fahrer sein Fenster und rief Chaim zu: „SO! Das haben Sie jetzt von ihren Experimenten!“, denn der Fahrer des Mercedes war Konrad Adenauer.

Plötzlich kam aber von hinten ein Opel Kapitän in einer Staubwolke an, vor dem der Mercedes flüchtete. Aus dem Fenster des Opel blickte Herbert Wehner auf Chaim hinab und meinte: „Der Herr Bundeskanzler badet gerne lau; so in einem Schaumbad. Aber hier mein Junge, haste eine Zwiebel“, warf Chaim eine Zwiebel zu und brauste hinter Adenauer her, wilde Verwünschungen ausstoßend.

Und als Chaim, der chassidische Chemiker nun so auf der Straße lag, fiel ihm auf, dass seine Zwiebel genauso aussah wie Andrea Berg und darob begann er vor Furcht zu kreischen.

Nun, liebe Gemeinde, was will uns dieses Gleichnis sagen?

Nichts, ab – so – lut nichts.

Das Gleichnis vom zärtlichen Ziegenhirten Zebedäus

Uns sehet, liebe Brüder und Schwestern, da war einmal ein Ziegenhirte mit Namen Zebedäus und dieses da sei ein da und kein dort oder hier oder links unten. Nein, Zebedäus war genau da. Und dieses da war sein kleines Ziegenhirtenhäuschen am Rande der Stadt, gleich neben dem Krankenhaus.

Und Zebedäus war ein sehr bescheidener Mensch mit einem wohlgeformten großen Onkel am linken Fuß. Von nah und fern kamen die Leute und bestaunten diesen wohlgeformten großen Onkel am linken Fuß und Zebedäus war sehr glücklich darüber.

Bis eines Tages im Nachbarort ein Döner-Verkäufer auftauchte, der nicht nur am linken Fuß einen wohlgeformten großen Onkel hatte, sondern auch am rechten. Da liefen die Leute alle zum Döner-Verkäufer und bestaunten seine beiden großen Onkels und trugen sie auf ihren Schultern durch die Stadt, was für den Döner-Verkäufer allerdings nicht so schön war, weil der hing ja noch kopfüber an den Onkels dran.

Und ob dieser Schmach und Schändung grämte sich Zebedäus sehr und begann bitterlichst zu weinen und zu saufen. Er soff wie ein Loch und dann begann er noch zu koksen. Und er aß unmäßig viel, nämlich ein Kamel. Und ein Gnu. Und eine ganze Kindergartengruppe. Und die heilige Handgranate von Antiochia, auf die er Sodbrennen bekam.

Seine Freunde waren sehr besorgt um Zebedäus und beschlossen, eine Frau für ihn zu suchen. Aber keine wollte etwas mit einem Mann mit nur einem wohlgeformten großen Onkel zu tun haben. Und so berieten sich seine Freunde und meldeten ihn bei „Bauer sucht Frau“ an, wo er als zärtlicher Ziegenhirte Zebedäus angepriesen wurde.

Aber niemand wollte ihn und so lebt er heute zusammen mit Schäfer Heinrich in einer von Tine Wittler gestalteten Kate. Und dort tranken sie Unmengen von Bier und koksten vor sich hin bis sie eines Tages barfuß im Garten standen. Da sah Zebedäus, dass der Schäfer Heinrich einen wohlgeformten rechten großen Onkel hatte und so merkten sie, dass sie gemeinsam ein seltsames Paar abgaben und so zogen sie nach New York in eine Wohngemeinschaft mit Walter Matthau und Jack Lemon, wo sie für die Bühne entdeckt wurden und als Mitglieder der drei Stooges Karriere machten.

Das Gleichnis vom Gerechten und dem Kackvogel

Dareinst war da in Obergaliläa ein Gerechter, der lebte glücklich und zufrieden. Er arbeitete dort in der Kolchose „Zum fröhlichen Seemann“ und war dort Buchhalter und Werbetexter und damit sehr erfolgreich. Sein Plakat „Edel sei der Mensch, milchreich die Kuh!“ wurde sogar im Fachblatt für Milcherzeuger und Eierproduzenten für Oer-Erkenschwick und Westmünsterland abgedruckt.

So lebte er glücklich und zufrieden vor sich hin, bis eines schlimmen Tages ein Kackvogel in der Kolchose auftauchte. Es war ein häßlicher, alter Kackvogel mit räudigem Federkleid, der mit sich und der Welt unzufrieden war. Das einzige Besondere am Kackvogel war aber, dass er sprechen konnte und diese Sprache benutzte er dazu, Menschen zu drangsalieren, zu beleidigen und zu verleumden. Da er aber einen besonderen Status hatte, konnte man ihn nicht von der Kolchose verweisen und so musste man mit ihm leben.

Der Kackvogel suchte sich den Gerechten aus, um ihn zu drangsalieren und alle seine Kollegen waren froh, dass Ihnen dieses Schicksal erspart geblieben war. Nur zwei alte Fetteln, die mit ihrem Leben genauso unzufrieden waren wie der Kackvogel hielten zu ihm, ansonsten konnte kein anderer Arbeiter auf der Kolchose das Vieh leiden und alle waren froh, wenn sie es nicht oder nur von hinten sahen.

Der Gerechte musste aber nun viel erleiden. Tag für Tag beleidigte ihn der Kackvogel, hielt ihn von der Arbeit ab und drangsalierte ihn auf’s Blut. Und wenn er einmal vom Gerechten ablies, dann nur, um durch die Kolchose zu flattern und schlecht über den Gerechten zu sprechen.

Tag um Tag verging, Monat für Monat und Jahr für Jahr. Und auch der Gerechte veränderte sich durch das dauernde drangsalieren. Erst wurde er ungerecht gegen seine Familie und Freunde, viele zogen sich von ihm zurück und der Gerechte wurde immer einsamer. Bald hatte er Angst, zur Kolchose zu gehen. Jeden früh, wenn er auf seinem Kamel zur Kolchose ritt, hatte er Panik, die stärker wurde, je näher er dort hin kam. Zur Angst kam dann die Depression unter der der Gerechte zu leiden hatte und bald konnte er nur noch zur Kolchose, wenn er Tabletten genommen hatte.

Und der Kackvogel wurde immer dreister und je dreister der Kackvogel wurde, desto schlechter ging es dem Gerechten. Und da er um seinen besonderen Status wusste, dachte er, er hätte Narrenfreiheit auf der Kolchose und so war es auch. Egal was er tat, egal wie sehr er den Gerechten drangsalierte, niemand tat etwas dagegen, niemand beschützte ihn und der Gerechte wusste, dass er ganz alleine, dass er Freiwild war.

Eines Tages erfuhr der Kackvogel von einer neuen Siedlung in der Nähe, wo neue, schöne Häuser gebaut wurden. Dorthin flog der Kackvogel, setzte sich auf die Dächer und kackte all die neuen, schönen Häuser voll. Als er nach vier Wochen alle Häuser vollgekackt hatte, kam er wieder zurück auf die Kolchose und da er von seinem bösen Werk so beflügelt war, drangsalierte er den Gerechten umso mehr und umso stärker.

Wie so oft davor versuchte sich der Gerechte Hilfe zu holen, aber niemand stand ihm bei. Da nahm der Gerechte einen Baseballschläger, schlug den Kackvogel bewusstlos und steckte ihn in den Häcksler, auf dass nur noch einige häßliche Federn übrig blieb. Und als dies in der Kolchose bekannt wurde, hob ein großes Freudengeheul an und eine große Party wurde gefeiert. Nur die beiden alten Fetteln packten den Gerechten und zerrten ihn vor Gericht, wo sie ihn anklagten. Aber dem Richter gehörte eines der Häuser, die der Kackvogel vollgekackt hatte und so sprach er den Gerechten frei und schlug ihn noch für die ehrenvolle Hundeführermedaille am Band mit Schärpe vor.

Und nun endlich konnte der Gerechte wieder in Frieden leben.

Das Gleichnis von Mamis Liebling

Und es begab sich zu der Zeit, dass in West-Galiläa eine Bank stand, die sogenannte West-Bank, was aber gelogen ist, denn dieses Gleichnis trug sich in Ost-Galiläa zu, ich wollte aber den guten Scherz nicht umkommen lassen, damit allgemeines Gelächter in der Welt sei.

Tatsächlich war es nun also Ost-Galiläla, wo ein braver Farmer mit seinen drei Söhnen von der Viehzucht und dem Ackerbau wohlfein lebte. Seine Söhne hießen Hossekiel, kleiner Josephus und Adam. Der brave Farmersmann hieß Theopor Karsuppke und ihr kleines Reich, ihre geliebte Farm nannten sie „Kronprinz-Willem-Zeche“ und schrieben dies auch über das Tor.

Dort lebten sie in Ruhe und Zufriedenheit, gut versorgt von ihrem chinesischen Koch afrikanischer Abstammung mit dem Namen Ulf. Und so lebten sie dort ohne Frau und so bekamen auch die Schafe der Farm jedes Mal Ausbrüche von Angstschweiß, wenn sie nur aus der Ferne das Öffnen eines Reißverschlusses hörten.

Dareinst begab es sich nun, dass die Familie Karsuppke und Ulf, der chinesische Koch afrikanischer Abstammung friedlich auf der Veranda saßen, einen Hot Dog verspeisten und über den kategorischen Imperativ von Kant diskutierten, als dort in Ost-Galiläa ein Trupp von Komantschen auf den Hof geritten kam. Neugierig traten sie den Fremden entgegen. Der älteste Komantsche mit dem prächtigsten Federschmuck erhob die Hand zum Gruße und sprach „Ich bin der alte Häuptling der Indianer!“ worauf die Karsuppkes antworteten „Wild ist der Westen, schwer ist der Beruf! Uff!“ Was die traditionelle Begrüßungsformel in Ost-Galiläa war.

Verschlagen lächelnd stieg der Häuptling ab, zog eine dicke Ledermappe aus seiner Satteltasche und sprach: „Höre Theopor Karsuppke! Du und Deine Kinder müsst die Zeche Kronprinz Willem verlassen. Ihr hab die  Kanalerschließungsgebühren der Stadtwerke Jericho nicht bezahlt und deswegen werdet ihr gepfändet!“ „Du teuflischer Schurke!“ rief Theopor darauf aus, „Ihr wisst genau, dass wir hier eine zertifizierte biologische Senkgrube haben und gar nicht an den Kanal angeschlossen sind, das ist ein Komplott!“

„Oh nein“, sprach der alte Häuptling der Indianer, „Kompott gibt es nur
Sonntags zum Frühstück und dann nur Zwetschge von koscheren Bäumen!“ „Diese Beleidigung lasse ich nicht auf mir sitzen!“ rief Theopor aus, hechtete hinter einen Felsen und begann mit seinem Colt das Feuer auf die Indianer zu eröffnen und seine Söhne und Ulf taten es ihm gleich. Bald flogen die Kugeln von einer Seite zur anderen und so mancher Komantsche und so mancher Zechen-Kumpel verletzte sich stark an einem Splitter. Diese Verletzten wurden aber mit Pflastern verarztet, die ein lustiges Tiermotiv hatten, nämlich einen toten Wasserbüffel.

Da – plötzlich trat ein Mann tapfer in den Kugelhagel und rief: „HALTET EIN!“. Verwirrt blickten sich die Kontrahenten an und stellten das Feuer ein. Und der Fremde sprach „Ich bin der Abgesandte der letzten großen Friedensmacht dieser Welt – der IG Metall – und ich fordere euch auf, sofort diese sinnlose Metallvergeudung einzustellen. Wegen euch müssen schon die Patronendreher in Wanne-Eickel Überstunden machen. Wisst ihr was das kostet ihr Passelakken?“ Da erhob sich der alte Häuptling der Indianer und sprach „Ich möchte Dir die einzig passende Antwort darauf geben!“
Daraufhin drehte er sich um, zog die Hose runter, beugte sich vor und sang  „Pubsgesicht, Pubsgesicht, du bist ein doofes Pubsgesicht!“ und alle seine Indianer und alle Zechenkumpel taten es ihm gleich. Da begann der Gewerkschaftsfunktionär an bitterlichst zu greinen, rief „Das sag ich meiner Mama und die kommt und verdrischt euch!“, steckte sich den Daumen in den Mund und rannte weg.

Daraufhin erhob sich die Schießerei von neuem. Aber da plötzlich,
verfinsterte sich der Himmel und eine große Wolke brach auf,
überschüttete die Zeche Kronprinz Willem mit hellem, warmen Licht
und eine liebreizende Stimme erschall: „Hallo Schnuffelhase,  hier ist deine Mama, kannst Du mich bitte mal zurückrufen? Kann auch spät werden. Danke! Tschüss und Tschaui!“

Und alle, egal ob Ost-Galiläer, Komantschen oder der chinesische Koch
afrikanischer Herkunft Ulf, alle griffen zu ihren Handys und Smartphones, um bei der Mama anzurufen. Und sogar an den Telefonzellen bildeten sich lange Schlangen und das, obwohl alle acht Indianer und alle fünf Zechen-Kumpel ein Smartphone besaßen. Aber als sie die Nummer gewählt hatten und hofften mit der Mama sprechen zu können, da war besetzt, denn ein asiatisches Callcenter war schneller gewesen und drehte der alten Dame gerade einen neuen und schweineteuren Stromtarif an

Und alle brachen darob in ein gewaltiges Heulen und Wehklagen aus,
das bis nach Bottrop-Kirchhellen zu hören war, woraufhin Omma Krawuttke auf der Zeche in Ost-Galiläa anrief und keifte: „Ihr ollen Kackpratzen, könnt ihr keine Ruhe geben?“ Aber sie gaben keine  Ruhe, bis sie so erschöpft vom Heulen und Wehklagen waren, dass sie alle, wo sie auch Standen, einschliefen. Manche lagen sogar Löffelchen, aber das ist eine andere Geschichte.

Nur Ulf, der chinesische Koch afrikanischer Abstammung, schlich sich noch in den Schafstall – der Schlingel.

Aber so war auch Ruhe und Frieden in Ost-Galiläa eingekehrt und noch Generationen später feierten die Menschen dieses Landstriches – die
Ost-Galiläianer – diese Errettung durch die Mama und gedachten ihr. So kommt es, dass noch heute, an jenem Tage die Menschen sich auf der Straße versammeln, ihre Handys in die Höhe halten und das alte Ost-Galiläianische Volkslied „In meiner Badewanne bin ich Kapitän“ singen. Olé!

Das Gleichnis vom Einäugigen und den Blinden

Es begab sich dareinst in Galiläa, dass ein Einäugiger zu Hause am Frühstückstisch saß und sehr erzürnt war. Das lag daran, dass er eigentlich den Galiläischen Volksboten hatte abonnieren wollen, aber statt dessen den Gallizischen Volksboten abonniert hatte und nun auch noch fünf Schekel Auslandsportozuschlag zahlen musste. Da er kein Ukrainisch sprach, erfuhr er so nicht die Fußballtotoergebnisse aus Nazareth und Umgebung und wusste so nicht, dass er ein halbes Huhn dort gewonnen hatte. Seine Wut war so unbändig, dass er seine Katze rief und diese unbändig verdrosch.

Als er so in seiner Küche stand und seine Katze verdrosch, fiel, sein Blick auf den Wandkalender und er las das Tagesmotto, das da lautete: Der Einäugige ist der König unter den Blinden. Da hörte er auf seine Katze zu verdreschen und rief aus „JA! Ich will zu den Blinden gehen und ihr König werden!“ Das tat er dann auch.

So ging er nach Akko, in die Blindenschule, stellte sich vor alle Menschen und rief „Blinde! Ich will euer König sein, denn ich bin einäugig!“, worauf sich ein großes Gemurmel unter den Blinden erhob. Da stand ein Weib auf, das Lockenwickler im Haar und eine Kittelschürze trug. Im Mundwinkel hatte sie eine Zigarette. Und das Weib sprach: „Hömma, du Flitzpiepe, wir sind ein autonomes Kollektiv der Kommunistischen Partei und brauche keinen König. Und wenn wir einen König brauchen, dann keinen Spassemaken wie dich!“

Daraufhin applaudierten alle Blinden und begannen den Einäugigen mit Eiern, Salat, Tomaten, Essig und Öl zu bewerfen. Aber sie waren blind und trafen nicht. Der Einäugige aber fing alles auf und bereitete einen schmackhaften Salat daraus zu, aber die Blinden wollten ihn nicht und beschimpften ihn als Warmduscher, Turnbeutelvergesser und Helene-Fischer-Hörer.

Da öffnete sich der Himmel, ein gleißendes Licht erstrahlte den Raum und eine Donnerstimme sprach: „18 bitte 37 rufen! 18 bitte 37 rufen!“ Da wurden die Blinden ruhig, stellten sich in eine Reihe, fassten sich an den Schultern und begannen zu singen „Hier fliegen gleich die Löcher aus dem Käse, denn nun geht sie los unsre Polonäse, von Blankenese bis hinter Wuppertal“. Und sie zogen durch den ganzen Ort, der Einäugige führte den Zug an und war so doch ein bisschen König der Blinden, vor allem weil er die Macht über das Gummihuhn hatte.

Liebe Gemeinde, was will uns dieses Gleichnis sagen? Geht immer kurz vor Ladenschluss einkaufen, denn dann bekommt ihr Brot und Kuchen billiger und das Joghurt ist auch bereits reduziert. Aber achtet auf das Mindeshaltbarkeitsdatum! Denn wenn der Deckel sich schon wölbt ist dies ein großes Übel und ihr bekommt Flitzekacke davon. So und nun verpfeift euch ihr Spassemaken, der Onkel hat noch was anderes zu tun.