Was zu bedenken wäre

Heinrich Heine (heutzutage muss man ja noch anmerken: Heinrich Heine, 1797 – 1856 war ein deutscher Schriftsteller, Journalist und Hauptvertreter des „Jungen Deutschland“) hat in seinem umfangreichen Werk Reisebilder, Romane, Tragödien, Gedichte, Reportagen und vieles mehr hinterlassen. Er hat aber auch in einem Satz eine Erkenntnis hinterlassen, die heutzutage leider in Vergessenheit geraten ist, halten sich doch so wenige Menschen daran. Deswegen möchte ich heute daran erinnern:

Ein Kluger bemerkt alles. Ein Dummer macht über alles eine Bemerkung.

 

Herbstgedanken

Es war der erste Sonntag dieses herrlichen Altweibersommers und sie hatte einen perfekten Tag gehabt. Nun lag sie geschafft aber glücklich auf ihrer gemütlichen Couch. Eigentlich wollte sie noch dieses herrliche Buch weiter lesen, aber das lag nun auf ihren Bauch und sie hing ihren Gedanken nach.

Sie hatte herrlich geschlafen, einen leckeren Brunch mit guten Freunden gehabt und dann einen langen Spaziergang durch den Park unterhalb des Schlosses gemacht. Die Strahlen der tiefstehenden Sonne streichelten sie wie warme Finger auf ihrem Gesicht und tauchte den gesamten Park in ein goldenes Licht, in dem alle Dinge lebendig zu werden schienen. Das Herbstlaub raschelte unter ihren Füßen und ab und an trat sie auf eine glatte Kastanie.

Auch die Menschen schienen wie ausgewechselt, waren es sonst verschlossene, gehetzte Gesichter, denen sie begegnete, waren sie heute offen und lächelten oft. Leicht stieg sie den kleinen Berg hoch, der zum Schloss führte, vorbei an den alten Ställen und Remisen. Als sie oben angekommen war, stockte ihr ob der Pracht, die sie sah, fast der Atem. Die großen Rosenbeete vor dem altehrwürdigen Gebäude leichteten in allen Farben. Es war so, als wollten die Rosen noch einmal alles geben, all ihre Kraft in genau diesen Moment stecken, um genau jetzt für sie ihre schönste Seite zu zeigen. Der Springbrunnen plätscherte fröhlich und sie trat an die Balustrade und blickte in das Tal. Auch hier hatte die Natur ihr schönstes Kleid angelegt und zeigte in allen Erdtönen ein warmes Bild.

Sie hatte den letzten Tisch auf der Terrasse des Schloßcafés ergattert und ihren Tee genossen. Gut, wegen des Stückchens Torte hatte sie ein bisschen ein schlechtes Gewissen, aber dafür würde sie sich Morgen zurückhalten.

Und nun lag sie hier, auf ihrer gemütlichen Couch. Neben sich eine dampfende Tasse heißer Schokolade. Gedankenverloren beobachtete sie die Staubkörnchen, die in den Sonnenstrahlen, die durch das Fenster herein fielen, tanzten. Sie ließ ihre Gedanken schweifen und plötzlich überkam sie ein Gefühl des absoluten Glücks, das sie von den Fußzehen bis in die Haarspitzen erfüllte und sie wusste, dass alles gut werden würde.

 

 

Beitragsbild: Von Martin.Heiss aus der deutschsprachigen Wikipedia, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2516770

Eine kleine Gute-Nacht-Geschichte

Sie saß genervt auf einer Bank in der Fußgängerzone und kaute lustlos auf ihrem Käsebrot. Heute war wieder so einer von den Tagen, an dem sie gerne eine Axt im Schreibtisch hätte, um sämtliche sinnlosen Diskussionen abzukürzen. Naja, wenigstens schien die Sonne, dachte sie sich und lehnte sich zurück, um die Wärme auf ihrem Gesicht zu genießen.

Als sie wieder die Augen öffnete, schaute sie sich gelangweilt in der Fußgängerzone um, aber keines der Geschäfte reizte sie, um die restliche Pausenzeit darin zu verbringen. Klamotten, Klamotten, Taschen, Bäcker, ein hopsender Bär, Klamotten… Mooooment… Sie richtete sich auf. Ein tanzender Bär? Hier in der Fußgängerzone? Was sollte das denn? Und er kam direkt auf sie zu. Und keiner keiner anderen Passanten schien ihn zu bemerken. Tatsächlich, er kam direkt auf sie zugehopst, sprang auf die Bank und setzte sich neben sie.

Das muss doch jetzt die „Versteckte Kamera“ sein, dachte sie sich und schaute sich um. Der Bär lachte: „Nein, das ist nicht die versteckte Kamera. Und ja, die anderen können mich nicht sehen. Nur Du, denn ich bin nur wegen Dir hier.“ Sprachs, krabbelte auf ihren Schoß und kuschelte sich an sie.

„Aber … aber… was willst Du denn von mir?“ fragte sie verdattert. „Dich mitnehmen“ antwortete der Bär, hopste von ihrem Schoß und zog sie an der Hand mit sich fort. Sie durchquerten die Fußgängerzone und der Bär führte sie in eine verlassene Gasse. Während des ganzen Weges versuchte sie dem Bär zu erklären, dass sie doch nicht einfach mitkommen könnte, sie musste doch arbeiten. Es waren doch nur ein paar Minuten der Pause übrig. Der Bär lachte aber nur und zog sie weiter.

In der Gasse standen sie bald vor einer Tür, einer schweren Eichentür, an die der Bär klopfte, woraufhin sie sich öffnete. Übermütig zog er sie durch einen kurzen Gang, der sich auf eine wunderschöne Wiese öffnete.

Der Bär ließ ihre Hand los und begann laut jauchzend Purzelbäume zu schlagen, während sie ungläubig die wunderschöne Landschaft bestaunte. Eine wunderschöne Blumenwiese breitete sich vor ihr aus, dort hinten ein Wald, durch den sich ein kleiner Bach wand, der fröhlich vor sich hin plätscherte und dort grüne Hügel und dort ein kleiner See. Ach, war das hier schön hier und über allem schien herrlich die Sonne und eine leichte Brise umschmeichelte sie.

Vorsichtig machte sie einige Schritte. Das Moos federte ihre Schritte ab und sie lief wie auf Wolken. War das schön hier, so wunderschön. Es schnürte ihr den Hals zu, als sie ihren Blick schweifen ließ, so überwältigt war sie. Da spürte sie, wie der Bär an ihrem Arm zog. Er brachte sie doch tatsächlich zu Fall und laut lachend kugelten die beiden den kleinen Hügel hinunter und kamen am Ufer des Baches zu liegen.

„Na ihr beiden habt Spaß und alle anderen warten auf euch“ sagte da plötzlich eine Stimme. Sie richtete sich auf und sah in die freundlichen Augen eines Fuches. „Los, los, ihr Kindsköpfe“, sagte der Fuchs, seine lachenden Augen straften seinem strengen Ton allerdings Lügen.

Brav folgte sie dem Fuchs, der sie in den Wald führte, auf eine Lichtung, wo sie von einer großen Gruppe von Tieren erwartet wurden. Sie setzte sich auf einen Baumstumpf und wartete gespannt.

Der Dachs trat vor und richtete das Wort an sie: „Wir haben Dich schon lange beobachtet und ausgewählt. Du bist so ein wundervoller, lieber und warmherziger Mensch, dass wir Dir etwas zurück geben wollen. Immer dann, wenn es Dir mal nicht so gut geht, dann kannst Du hierher kommen, Ruhe und Frieden und wieder zu Dir selbst finden.“

Sie wusste gar nicht, was sie sagen sollte. Da fuhr der Dachs fort: „Dieser Platz gehört nur Dir und ist nur dafür da, Dir Dein Herz leicht zu machen.“ Und bei diesen Worten drückte er ihr einen Schlüssel in die Hand und erklärte, dass er in jede Tür passt. Sobald eine Tür mit diesem Schlüssel aufgeschlossen wurde, führte sie in dieses Land.

Sie stammelte einige Worte des Dankes und drückte den Schlüssel fest an sich. Die Tiere kamen näher und herzten und drückten sie und sagten ihr, wie herzlich willkommen sie sei.

Der Bär brummte, dass es jetzt Zeit wäre und brachte sie wieder zurück zu der Tür. Sie öffnete die Eichentür mit dem Schlüssel und stand plötzlich wieder im Treppenhaus ihres Büros. Pünktlich saß sie wieder an ihrem Schreibtisch, das glückliche Lächeln auf ihren Lippen konnten sich ihre Kollegen nicht erklären, aber sie wusste jetzt, dass sie immer einen Ort hatte, an dem sie willkommen war und an dem sie geliebt wurde. Und das hatte sie sich auch sehr verdient.

 

Beitragsbild: https://www.natur-erleben-nrw.de/natura-2000/regionen-und-gebiete-in-nrw/details/hallenberger-wald/

Versteckte Schönheit

Sie ging einen langen, dunklen Gang entlang. Ihre Schritte hallten von den kahlen Wänden wider und sie musste sich in Acht nehmen, dass sie auf dem unebenen Boden nicht fiel. Je länger sie lief, desto länger schien der Gang zu werden. Plötzlich überfiel sie ein tiefes Gefühl der Einsamkeit. Sie fühlte sich von der gesamten Welt abgeschnitten in diesen Steinkatakomben. Wo führte sie dieser Gang hin? Was würde sie erwarten? Sie wusste es nicht und in einem plötzlich aufkeimenden Gefühl der Panik begann sie zu rennen.

Die schwere Eichentür tauchte plötzlich vor ihr auf. Durch den Schleier ihrer Tränen hatte sie sie gar nicht gesehen und prallte erschrocken zurück. Sie griff nach dem dicken Ring, der anstatt der Klinke angebracht war und zog die Tür auf.

Das gleißende Licht blendete sie und schützend hob sie die Hand vor ihre Augen und nur langsam nahm die Landschaft vor ihr Gestalt an. Erstaunt rang sie nach Luft. Sie stand auf einer Blumenwiese, mit wunderschönen weißen Blüten. Das Moos unter ihren Füßen federte bei jedem Schritt.

Sie überkam ein herrliches Gefühl des Glücks, der Zufriedenheit und Geborgenheit. Die tiefe Freude, die sie in diesem Moment empfand, brach sich in einem lauten Jauchzen Bahn. Übermütig drehte sie sich im Kreis, ließ sich zwischen die Blumen fallen und sog gierig ihren herrlichen Duft ein. Sie stand auf und begann zu lachen, begann zu laufen und genoss diese üppige Pracht der Natur.

Plötzlich tauchte vom Fuß des Hügels her eine Gestalt auf. Sie blieb stehen und schaute, konnte aber gegen die Sonne nicht erkennen, wer es war. Aber sie spürte es, eine Welle des Glücks umfing sie. Die Gestalt begann zu winken und zu laufen. Auch sie begann auf die Gestalt zuzulaufen. Doch da, sie verfing sich in einer Wurzel, fiel hin und … wachte in ihrem warmen Bett zu Hause auf. Sie ließ sich in die Kissen fallen und seufzte.

Wörter

Ich habe ja in der letzten Zeit einige gute Bücher gelesen und mir ist aufgefallen, dass selbst in Sachbüchern momentan anscheinend eine große Lust an einer schönen Sprache herrscht. Unsere Sprache ist auch schön, sie lädt ein, wunderschöne Gemälde mit Worten zu malen. Aus ihr entstehen Wortblumensträuße, die glücklich machen, auch wenn sie von leider viel zu vielen verroht und vergewaltigt wird. Aber das ist wieder ein anderes Thema.

Jedenfalls ist mir auch aufgefallen, dass es Worte gibt, die ich mag und Worte, die ich nicht mag. Versteht ihr, was ich meine? Es gibt einfach Worte, die lassen Stimmungen und Bilder entstehen. Einfach ein einzelnes Wort. Eisblumen zum Beispiel, wer denkt da nicht an knackig kalte Wintertage, an eben die Eisblumen, die sich am Fenster hochranken, an Kuschelstunden auf der Couch und Kaminfeuer.

Und wo ich über solche Worte nachgedacht habe, habe ich mal zwei Listen angelegt, mit Wörtern, die ich mag und die ich nicht so mag:

Wörter, die ich mag:
Augenstern
Einsamkeit
Eisblumen
Habseligkeiten
Hase
Jauchzen
Liebreiz
Mutterseelenallein
Sanftmut
Seelenfrieden
Sehnsucht
Wunderschön (Wundervoll)

Wörter, die ich nicht so mag:
Ausgrenzen
Ausnutzen
Liebenswürdig (wer entscheidet, wer würdig ist, geliebt zu werden?)
Liebesentzug (macht mich traurig)
Selbstdarsteller
Streicheleinheiten (wer kommt auf die Idee, Zärtlichkeiten in „Einheiten“ zu messen?“)
Würdenträger (die tragen meist an der eigenen Würde sooo schwer…)
Verrückt (aka „Crazy“ – Erst heute wieder gehört: „Unsere Family ist ja sooo crazy und verrückt“, nein, ihr seid nur bekloppt!)

Ihr seht, die Liste mit den Lieblingswörtern ist um einiges länger. Aber wie sieht das bei euch aus? Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir in den Kommentaren eure Favoriten und Abneigungen hinterlassen würdet. Ich bin gespannt.

Sed tantum dic verbo et sanabitur anima mea!

Dass ich jetzt nun nicht unbedingt ein Freund der Kirche bin, dürfte ja mittlerweile bekannt sein, allerdings gibt es in der römisch-katholischen Liturgie (wie es sich in evangelischen Liturgien verhält, weiß ich leider nicht) ein recht interessantes Gebet oder Absatz oder wie auch immer die richtige Bezeichnung dafür ist.

Es bezieht sich auf das Gleichnis des „Hauptmanns von Kapernaum“ (Mt 8,5-13; Lk 7,1-10) und darin gibt es denn wunderschönen Satz Sed tantum dic verbo et sanábitur ánima mea! – Aber sprich nur ein Wort und meine Seele wird gesund.

Ich finde diese Vorstellung einfach schön. Allerdings benötigt es dazu wirklich keinen Gott dafür. Es gibt tatsächlich so Menschen, bei denen das so ist. Egal wie schlimm gerade alles ist, es reicht nur ein kleines „Hallo“ und schon ist alles wieder gut.

Und es tut so gut, dass es solche Menschen gibt!