Vom Ernst des Lebens

Neulich war ich in Rostock auf dem Jahrmarkt. Die Straßen, die sich schräg zur Warnow hinabsenken, standen voller Bunden, und unten am Ufer drehten sich Karussells. Ich wurde, weil alles so schön laut war, sehr fidel, stellte mich an eine Zuckerwarenbude und verlangte für zehn Pfennige türkischen Honig. Er schmeckte großartig.

Da kam ein Junge mit seiner Mutter vorüber, zog die Frau am Ärmel und sagte: „Noch einen Pfefferkuchen!“ Dabei trug er schon fünf Pfefferkuchenpakete unterm Arm. Die Mutter stellte sich taub. Da blieb er stehen, stampfte mit dem Fuß auf und krähte. „Noch einen Pfefferkuchen!“
„Du hast doch schon fünf Pakete“, erklärte die Mutter. „Denk nur, die armen Kinder kriegen überhaupt keinen Pfefferkuchen!“

Wißt ihr, was der Junge antwortete?
Er schrie ärgerlich: „Was gehen mich denn die armen Kinder an?“ Ich erschrak so, daß ich fast meinen türkischen Honig samt dem Papier auf einmal verschluckt hätte. Kinder, Kinder! Hält man das für möglich?
Da hat so ein Junge das unverdiente Glück, wohlhabende Eltern zu bekommen, und dann stellt er sich hin und schreit: „Was gehen mich die armen Kinder an!“ Anstatt von seinen fünf Paketen Pfefferkuchen armen Kindern zwei zu schenken und sich zu freuen, daß er denen eine kleine Freude machen kann!

Das Leben ist ernst und schwer. Und wenn die Menschen, denen es gutgeht, den anderen, denen es schlechtgeht, nicht aus freien Stücken helfen wollen, wird es noch mal ein schlimmes Ende nehmen.

Aus: Kästner, Erich: Pünktchen und Anton. Hamburg, 1980. S. 76f.

Bildnachweis: Von Schlurcher (talk) – Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9431707

Was zu bedenken wäre

Heinrich Heine (heutzutage muss man ja noch anmerken: Heinrich Heine, 1797 – 1856 war ein deutscher Schriftsteller, Journalist und Hauptvertreter des „Jungen Deutschland“) hat in seinem umfangreichen Werk Reisebilder, Romane, Tragödien, Gedichte, Reportagen und vieles mehr hinterlassen. Er hat aber auch in einem Satz eine Erkenntnis hinterlassen, die heutzutage leider in Vergessenheit geraten ist, halten sich doch so wenige Menschen daran. Deswegen möchte ich heute daran erinnern:

Ein Kluger bemerkt alles. Ein Dummer macht über alles eine Bemerkung.

 

Wörter

Ich habe ja in der letzten Zeit einige gute Bücher gelesen und mir ist aufgefallen, dass selbst in Sachbüchern momentan anscheinend eine große Lust an einer schönen Sprache herrscht. Unsere Sprache ist auch schön, sie lädt ein, wunderschöne Gemälde mit Worten zu malen. Aus ihr entstehen Wortblumensträuße, die glücklich machen, auch wenn sie von leider viel zu vielen verroht und vergewaltigt wird. Aber das ist wieder ein anderes Thema.

Jedenfalls ist mir auch aufgefallen, dass es Worte gibt, die ich mag und Worte, die ich nicht mag. Versteht ihr, was ich meine? Es gibt einfach Worte, die lassen Stimmungen und Bilder entstehen. Einfach ein einzelnes Wort. Eisblumen zum Beispiel, wer denkt da nicht an knackig kalte Wintertage, an eben die Eisblumen, die sich am Fenster hochranken, an Kuschelstunden auf der Couch und Kaminfeuer.

Und wo ich über solche Worte nachgedacht habe, habe ich mal zwei Listen angelegt, mit Wörtern, die ich mag und die ich nicht so mag:

Wörter, die ich mag:
Augenstern
Einsamkeit
Eisblumen
Habseligkeiten
Hase
Jauchzen
Liebreiz
Mutterseelenallein
Sanftmut
Seelenfrieden
Sehnsucht
Wunderschön (Wundervoll)

Wörter, die ich nicht so mag:
Ausgrenzen
Ausnutzen
Liebenswürdig (wer entscheidet, wer würdig ist, geliebt zu werden?)
Liebesentzug (macht mich traurig)
Selbstdarsteller
Streicheleinheiten (wer kommt auf die Idee, Zärtlichkeiten in „Einheiten“ zu messen?“)
Würdenträger (die tragen meist an der eigenen Würde sooo schwer…)
Verrückt (aka „Crazy“ – Erst heute wieder gehört: „Unsere Family ist ja sooo crazy und verrückt“, nein, ihr seid nur bekloppt!)

Ihr seht, die Liste mit den Lieblingswörtern ist um einiges länger. Aber wie sieht das bei euch aus? Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir in den Kommentaren eure Favoriten und Abneigungen hinterlassen würdet. Ich bin gespannt.

Sed tantum dic verbo et sanabitur anima mea!

Dass ich jetzt nun nicht unbedingt ein Freund der Kirche bin, dürfte ja mittlerweile bekannt sein, allerdings gibt es in der römisch-katholischen Liturgie (wie es sich in evangelischen Liturgien verhält, weiß ich leider nicht) ein recht interessantes Gebet oder Absatz oder wie auch immer die richtige Bezeichnung dafür ist.

Es bezieht sich auf das Gleichnis des „Hauptmanns von Kapernaum“ (Mt 8,5-13; Lk 7,1-10) und darin gibt es denn wunderschönen Satz Sed tantum dic verbo et sanábitur ánima mea! – Aber sprich nur ein Wort und meine Seele wird gesund.

Ich finde diese Vorstellung einfach schön. Allerdings benötigt es dazu wirklich keinen Gott dafür. Es gibt tatsächlich so Menschen, bei denen das so ist. Egal wie schlimm gerade alles ist, es reicht nur ein kleines „Hallo“ und schon ist alles wieder gut.

Und es tut so gut, dass es solche Menschen gibt!