HAHNEMANN IS OUR JESUS!

HAHNEMANN IS OUR JESUS! Ruft der indische Homöopath aus und hat ein Glänzen in den Augen, als er vor dem Denkmal des Homöopathie-Erfinders steht. Ein anderer bezeichnet ihn als den „Gott der Homöopathen“, der nächste kniet am Sterbebett Hahnemanns und streichelt es andächtig.

Sie glauben, dass habe ich mir ausgedacht habe? Nein, das sind Szenen, die sich am Rande der Homöopathie-Tagung in Leipzig zugetragen haben und von der Tagesschau in einem Beitrag gezeigt wurden.

Ich beschäftige mich ja schon länger mit der Geschichte der Homöopathie und von daher überrascht mich das nicht groß. Die Verehrung Hahnemanns hatte schon sehr schnell pseudo-religiöse Züge angenommen, was man beispielsweise an den „Totenfeiern“ sehen kann, die schon bald nach seinem Tode abgehalten wurden (ok, vorher wäre ja wirklich ein bisschen taktlos gewesen). Damit setzte die Verklärung Hahnemanns ein und der streitsüchtige sächsische Choleriker wurde zu einer „Lichtgestalt“ stilisiert, die wahrscheinlich mit dem Messias-Status noch nicht abgeschlossen sein wird.

Nun gut, mir persönlich ist jeder Personenkult eh sehr fremd, vielleicht finde ich so ein Verhalten deswegen so bizarr.

Wobei, wenn ich mir die Menschen, die ich kenne und die zu Heilpraktikern gehen, anschaue so haben die doch eine recht tiefe Bindung zu denen. Ist das vielleicht das ganze „Geheimnis“ der Homöopathie? Dass sich die Therapeuten mehr Zeit für den Patienten nehmen und ein tieferes Verhältnis aufbauen als es der normale Hausarzt kann? Sind Homöopathen vielleicht doch eher mehr Psycho-Therapeuten? Mir kommt es fast so vor.

Ich muss ja gestehen, dass ich ein recht pragmatisches Verhältnis zu meinen Ärzten habe. Vielleicht am ehesten zu vergleichen mit meinem Klempner, der soll mir auch nur die Dusche reparieren und mich nicht zum Tanztee ausführen. Ich pflege mit denen also eine zielführende Zweckbeziehung. Aber vielleicht ist das Verhältnis von Homöopathen zu ihren Patienten ja absichtlich anders gestaltet.

Nun denn, ich weiß es nicht und deswegen setze ich mich jetzt auf einen Hügel und warte, bis der Himmel aufreißt und mir Samuel Hahnemann als Messias erscheint. Wahrscheinlich kackt er erstmal den Erstbesten an, wenn er unten ist, der alte Choleriker…

Beitragsbild: http://www.abc.net.au/religion/articles/2011/04/21/3197816.htm

Nochmal zu den Impfgegnern

Nachdem ich einige Kommentare von Impfgegnern auf meinen gestrigen Artikel bekommen habe (Übrigens, „Waldemar“, „Blöder Vixxer“ – da schreibt man „blöder“ klein und „Vixxer“ wird mit W und nur einem x geschrieben. Du schreibst jetzt zehn Mal in Dein Schönschreibheft „Ich bin ein blöder Wixer.“, dann müsstest Du es gelernt haben), möchte ich meinen Artikel von gestern nochmal konkretisieren.

Also, warum kann man Impfgegner als „Wohlstandsmaden“ bezeichnen?

  1. Sie schmarotzen ihre Gesundheit aus der Herdenimmunität. Das bedeutet, dass sie selbst nicht krank werden, weil sich genügend Menschen um sie herum impfen lassen. Die Masernausbrüche im impfgegnerischen Waldorfklientel zeigt dies recht deutlich.
  2. Sie gefährend andere Kinder, die noch nicht geimpft werden können. Beispielsweise im Kindergarten, im Wartezimmer des Kinderarztes.
  3. Dies zeigt, dass die Entscheidung zu impfen eben nicht individuell ist, sondern durchaus auch Auswirkungen auf andere Menschen hat.
  4. Impfgegner-Eltern leben ihren Spleen auf Kosten ihrer Kinder aus.  Eine Impfung ist sicherlich angenehmener, als an einer maserninduzierten Enzephalitis zu sterben.
  5. Impfgegnern ist gar nicht klar, in welch priviligierten Zeiten sie leben, in denen sie keine Angst vor Krankheiten haben zu müssen und wie nah die Zeiten noch sind, in denen das nicht so war.

Wer sich jetzt noch weiter mit dem Thema beschäftigen möchte, dem empfehle ich die Seiten des Robert-Koch-Instituts.

Von Impfungen und Wohlstandsmaden

Meine Omma wurde 1911, irgendwo in der schlesischen Provinz geboren. Auf’n Dorf. 300 Einwohner und ein Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Den hatte man damals auch noch, den Kaiser Willem, das ist der mit’n Bart, Ihr wisst schon.

Als meine Omma in die Schule kam, lag der Erste Weltkrieg in den letzten Zügen. Für meine Omma war es normal, dass immer wieder Freunde einfach nicht mehr in die Schule kamen. Sie waren gestorben. Nicht durch den Krieg, sondern durch Krankheiten. An Masern zum Beispiel oder an Tetanus. Auch war es für sie normal, dass einige ihrer Klassenkameraden durch die Poliomyelitis gelähmt waren oder schwere Deformationen an Armen und Beinen davon getragen hatten. Auch Kinder, die nach einer Mumpserkrankung taub waren, waren für sie normal. Damit lebte man damals und wenn man halt Röteln, Windpocken oder Diphterie bekam, dann war das halt so, da konnte man nichts dagegen machen. Und wenn das Kind starb, naja, dann war das halt so. Man konnte ja nichts dagegen machen. Wenigstens konnte man etwas gegen die Pocken unternehmen, da gab es Impfungen dagegen und tatsächlich gab es kaum noch Todesfälle durch diese schlimme Krankheit.

Sie erlebte, dass genauso viele ihrer Altersgenossen durch Krankheiten starben wie durch Krieg und den dadurch verursachten Mangel. Dass sie selbst überlebt hatte, war einfach Glück.

Heute gibt es gegen diese Krankheiten Impfstoffe. Kein Kind braucht mehr zu sterben, kein Kind braucht mehr Angst zu haben, gelähmt zu werden. Aber noch heute sterben beispielsweise Kinder in Deutschland an den Masern. Warum? Weil ihre Eltern aus irgendwelchen abstrusen Gründen heraus Impfungen ablehnen. Weil ihre Eltern aus irgendwelchen abstrusen Gründen heraus irgendwelchen Scharlatanen mehr glauben, als den Erfahrungswerten ganzer Ärztegenerationen. Ihrer Meinung nach sind beispielsweise Autismus, Homosexualität oder Masturbation „Spätfolgen“ von Impfungen. Jeder kleine Pickel am Hintern des Nachbarkindes nach einer Impfung wird zu einem „Impfschaden“ hochstilisiert.

Warum ist das so? Weil sie die Erfahrungen meiner Omma glücklicherweise nie machen mussten. Weil das, was für meine Omma Realität war, für diese Leute weit, weit entfernt ist und nur eine „Horrorstory“, mit der die böse Pharmamafia Angst machen will. Meiner Omma zufolge geht es Impfkritikern einfach zu gut und nur deswegen können sie sich auch mit solchen Kokolores beschäftigen. Solche Leute nannte meine Omma „Wohlstandsmaden“ Und damit hatte sie ja auch recht.

Nach dem Krieg und ihrer Flucht aus Schlesien siedelte sich meine Omma hier bei uns in der Provinz an. Sie sorgte für ihre beiden Kinder und als in den 1950er und 1960er die ersten Impfprogramme anliefen, waren sie und ihre Kinder jeweils die ersten in der Schlange. Mein Bruder und ich wurden selbstverständlich auch komplett durchgeimpft. Und wenn wir Angst hatten vor der Nadel, sagte sie nur „Sterben ist schlimmer als pieksen!“ Und damit hatte sie ja schon wieder recht. Danke Omma!

 

Beitragsbild: Von Cory Doctorow – Flickr: Maggots, London Zoo, London.JPG, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17973437

Sommer, Sonne, Sonnenschein, es könnt‘ doch alles so einfach sein…

Urlaub und Ferien sind zum Genießen da und man denkt nicht daran, dass etwas passieren könnte. Aber gerade, wenn man mit Kindern unterwegs ist, gibt es öfters mal kleinere Verletzungen und Wehwehchen. Das ist kein großes Problem, man nimmt einfach eine Reiseapotheke mit, in der sich Pflaster, Desinfektionsspray, Kopfschmerztabletten und ähnliches findet.

Aber hier beginnt die Crux schon. Die Werbemaschinerie der Homöopathiehersteller läuft zur Urlaubszeit auf Hochtouren. Natürlich sollen Urlauber homöopathische Reiseapotheken mitnehmen. Gut, wer Zucker im Kaffee mag, wird sicherlich Verwendung für Globuli finden, denn medizinisch sind sie ja unwirksam.

Also könnte man eigentlich ganz entspannt deswegen sein. Das könnte man, würde auf verschiedenen Seiten im Internet bei der Zusammenstellung nicht auch auf wirklich bedrohliche Krankheiten und Verletzungen eingegangen.

Meiner Meinung nach ist es grob fahrlässig, Blutungen, Blutverlust, Brüche oder Vergiftungen homöopathisch zu behandeln. Das kann wirklich ins Auge gehen. Und wenn dann noch Globuli für Verbrennungen oder Zeckenbisse angeboten werden, ist das auch kein Spaß mehr.

Dem Ganzen setzen aber die Seiten die Krone auf, die auch Krankheiten wie die Cholera, Malaria oder das Denguefieber mit Zuckerkügelchen behandeln wollen. Das kann lebensgefährlich werden. Ganz ohne Spaß! Macht sowas nicht! Auch beliebt ist es, Homöopathika zur Malaria-Prophylaxe, also Vorsorge, anzubieten. Das Deutsche Ärzteblatt wiederholt seit 1995 ständig seine Warnungen, sich auf solche „Behandlungen“ einzulassen. Malaria ist eine hochgefährliche Krankheit und muss ernsthaft behandelt werden.

Und wenn ihr denkt, das braucht euch nicht zu interessieren, dann schaut mal, wo Malaria alles auftreten kann: Thailand, Brasilien, Kenia, die Dominikanische Republik… alles beliebte Urlaubsziele. Cholera ist weit verbreitet in Mexiko, Kuba oder Südafrika und selbst das „exotische“ Dengue-Fieber ist so weit gar nicht weg von uns: In Thailand, Mexiko, dem Süden der USA, Hawaii und seit 2010 auch in Kroatien und seit 2015 in Südfrankreich gab es Ansteckungsfälle.

Also, auch wenn die Urlaubszeit ansteht und es durchaus etwas hektisch werden kann: nehmt euch die Zeit, stellt eine ordentliche Reiseapotheke zusammen, informiert euch, welche Impfungen ihr benötigt und lasst euch impfen. Auch wenn in vielen Apotheken hübsche Mäppchen bekannter Homöopathie-Hersteller mit fix-fertig zusammengestellten Globulifläschen für die Reise oder speziell für Kinder in Impulskauf-Reichweite locken – verlasst euch nicht auf eine Wirkung!

Seriöse Informationen zum Thema „Reiseimpfungen“ findet ihr hier:

Robert-Koch-Institut

Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin

Centrum für Reisemedizin

Deutsche Angestelltenkrankenkasse

Und zum Thema Reiseapotheke hier:

Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V. (ABDA)

Die AOK

Tropeninstitut

Und beim Auswärtigen Amt findet ihr eine Länderübersicht mit diversen Gesundheitshinweisen.

Auf einen schönen Urlaub!

Beitragsbild: By FlaviaC – Own work, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3546809

Vom Ernst des Lebens

Neulich war ich in Rostock auf dem Jahrmarkt. Die Straßen, die sich schräg zur Warnow hinabsenken, standen voller Bunden, und unten am Ufer drehten sich Karussells. Ich wurde, weil alles so schön laut war, sehr fidel, stellte mich an eine Zuckerwarenbude und verlangte für zehn Pfennige türkischen Honig. Er schmeckte großartig.

Da kam ein Junge mit seiner Mutter vorüber, zog die Frau am Ärmel und sagte: „Noch einen Pfefferkuchen!“ Dabei trug er schon fünf Pfefferkuchenpakete unterm Arm. Die Mutter stellte sich taub. Da blieb er stehen, stampfte mit dem Fuß auf und krähte. „Noch einen Pfefferkuchen!“
„Du hast doch schon fünf Pakete“, erklärte die Mutter. „Denk nur, die armen Kinder kriegen überhaupt keinen Pfefferkuchen!“

Wißt ihr, was der Junge antwortete?
Er schrie ärgerlich: „Was gehen mich denn die armen Kinder an?“ Ich erschrak so, daß ich fast meinen türkischen Honig samt dem Papier auf einmal verschluckt hätte. Kinder, Kinder! Hält man das für möglich?
Da hat so ein Junge das unverdiente Glück, wohlhabende Eltern zu bekommen, und dann stellt er sich hin und schreit: „Was gehen mich die armen Kinder an!“ Anstatt von seinen fünf Paketen Pfefferkuchen armen Kindern zwei zu schenken und sich zu freuen, daß er denen eine kleine Freude machen kann!

Das Leben ist ernst und schwer. Und wenn die Menschen, denen es gutgeht, den anderen, denen es schlechtgeht, nicht aus freien Stücken helfen wollen, wird es noch mal ein schlimmes Ende nehmen.

Aus: Kästner, Erich: Pünktchen und Anton. Hamburg, 1980. S. 76f.

Bildnachweis: Von Schlurcher (talk) – Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9431707

Was zu bedenken wäre

Heinrich Heine (heutzutage muss man ja noch anmerken: Heinrich Heine, 1797 – 1856 war ein deutscher Schriftsteller, Journalist und Hauptvertreter des „Jungen Deutschland“) hat in seinem umfangreichen Werk Reisebilder, Romane, Tragödien, Gedichte, Reportagen und vieles mehr hinterlassen. Er hat aber auch in einem Satz eine Erkenntnis hinterlassen, die heutzutage leider in Vergessenheit geraten ist, halten sich doch so wenige Menschen daran. Deswegen möchte ich heute daran erinnern:

Ein Kluger bemerkt alles. Ein Dummer macht über alles eine Bemerkung.

 

Pflanzenhomöopathie

Seit ich mich mit der Homöopathie und sonstigen „alternativmedizinischen“ Themen beschäftige, habe ich schon viel verqueren Blödsinn gehört, aber Homöopathie für Pflanzen toppt hier so einiges… Nein, ich will euch nicht veräppeln, nein, die meinen das wirklich ernst! Wirklich, ganz ehrlich, glaub es mir!

In Mode kam die Pflanzenhomöopathie ab den 1980er Jahren, wobei wohl bereits in den 1920er Jahren erste Versuche im anthroposophischen Milieu gemacht wurden. Ab den 1990er Jahren gibt es auch Hochschulschriften zu diesem Thema. In mindestens einem halben Dutzend Arbeiten versuchte man derartige Effekte nachzuweisen, an Übersichtsarbeiten sind nur zwei bekannt geworden, darunter eine Diplomarbeit (Scofield, Emde). Häufig litten die Arbeiten unter qualitativen Einschränkungen hinsichtlich der angewandten statistischen Methoden. Die veröffentlichten Ergebnisse sind widersprüchlich und können nicht als Beleg einer reproduzierbaren Wirksamkeit der Pflanzenhomöopathie gewertet werden, und eine Replikation erfolgreicher Versuchsergebnisse ist nicht bekannt. (1)

Die erste Publikation für Jedermann dürfte das von Stefan Liebknecht herausgegebene Buch Homöopathie für Pflanzen: gesundes Wachstum in Haus, Garten und Natur sein, welches 1998 im Fit-fürs-Leben-Verlag erschienen ist. Einige wenige Publikationen erschienen in den seit 2010, wobei die Marktführerin wohl Christiane Maute mit ihren Büchern Homöopathie für Pflanzen: der praktische Leitfaden für Zimmer-, Balkon- und Gartenpflanzen, das erstmals 2011 im Narayana Verlag erschienen ist und Homöopathie für Rosen: Ein praktischer Leitfaden für die wichtigsten Erkrankungen und Schädlinge (2013, ebenfalls Narayana) sein dürfte.

Frau Maute, die nach eigenen Angaben auf ihrer Homepage ein „Studium“ der Klassischen Homöopathie an der Boenninghausen-Akademie absolvierte, hat eine eigene Praxis für Fußreflexzonentherapie. Die Pflanzenhomöopathie betreibt sie zusammen mit ihrer Tochter Cornelia, deren Qualifikation in diesem Bereich eine Ausbildung bei ihrer Mutter darstellt. (1)

In der Zeitschrift G-Plus sagte Cornelia Maute zu dem Thema: Während man bei den Menschen und Tieren einen Placeboeffekt anführen könne, sei dies bei den Pflanzen anders: ‚Die Pflanze zeigt deutliche Reaktionen auf ein homöopathisches Mittel, die nicht auf anderes Zutun zurückzuführen sind. Pflanzenzellen nehmen die Information im homöopathischen Mittel auf. Ich möchte betonen, dass wir keine Pflanzenflüsterer sind. Unsere Behandlungen und die Auswahl der passenden Mittel geschehen ganz pragmatisch und logisch nach Kriterien, die für jeden nachvollziehbar sind, der sich näher damit beschäftigt.‘ (2) Welche Kriterien das sind, wird allerdings nicht verraten. Weiterhin werden Heilungsversprechen bei Schädlingsbefall, Pilzkrankheiten und Witterungsfolgen gemacht. Für uns gibt es kaum Grenzen (2) heißt es da. Es ist allerdings schwierig, wenn Böden durch Chemikalien und Dünger verseucht oder durch zu schwere Landmaschinen extrem verdichtet sind. Ohne Wiederaufbau des Bodens geht es hier nicht, dabei ist die homöopathische Ausleitung der Gifte wichtig. [Anm: Und wohin sollen Gifte, die im Boden sind ausgeleitet werden?] Dies dauert jedoch seine Zeit. Bei sehr starken Schädigungen des Bodens durch Pestizide, Fungizide oder Herbizide (wie zum Beispiel Glyphosat) wird es schwierig, denn aus totem Material, wo essenzielle Bodenlebewesen und Mikroorganismen fehlen, kann auch ein engagierter Einsatz von Homöopathie nichts Lebendiges mehr hervorbringen. (2) Somit wird also einer ausbleibenden Reaktion bereits vorgebeugt, wirkt es nicht, war der Boden schuld.

Wobei interessant zu erfahren wäre, ob die Homöopathika eine Zulassung als Pflanzenschutzmittel haben, wenn schon ihr Wirkungsbereich angegeben wird. Auch ist interessant, dass das pöhse pöhse Glyphosat unbedingt mit eingebaut werden muss, obschon sich Buch und Artikel an Privatpersonen richtet, in deren Wirkungsbereich der Einsatz verboten ist.

In der Anzeigensonderveröffentlichung Haus & Garten der „Freien Presse“ erzählt Christiane Maute, wie sie ihre Karriere als Pflanzenhomöopathin begonnen hat: Das kam 2001 durch einen ‚Unglücksfall‘ im Garten. Beim Einpflanzen eines bereits blühenden Rittersporns brach der Haupttrieb ab. In der Homöopathie gibt es ein sehr gutes Mittel bei‚ Stoß, Schlag oder Fall‘, nämlich Arnica. Deshalb überlegte ich kurz, übergoss die ganze Pflanze nach dem Einsetzen mit ein paar Globuli Arnica C200, welche ich zuerst in wenig Wasser auflöste und dann in 10 Liter Wasser einrührte. Zu meinem großen Erstaunen hatte sich der Blütenstängel am nächsten Tag aufgerichtet, man sah noch ein paar bräunliche Verletzungsspuren – aber der Rittersporn blühte weiter. (3)

Für mich stellt sich hier hauptsächlich die Frage, warum Samuel Hahnemann so viel Wert auf das Anamnesegespräch legte, wenn man Tier und Pflanze einfach irgendwas verabreicht. Außerdem ist für mich fraglich, ob überhaupt realisiert wurde, wie weit sich der Stoffwechsel von Pflanzen und Tieren bzw. Menschen unterscheidet, Stichwort autotrophe Organismen vs. heterotrophe Organismen, Stichwort Photosynthese etc., denn im Gegensatz zum Menschen funktioniert bei Pflanzen ja die „Lichtnahrung“, während sie einem guten Steak eher abgeneigt sind.

Natürlich werden auch passend zum Buch die darin beschriebenen Homöopathika als Sets durch den Narayana-Verlag angeboten. Schauen wir uns mal an, was der ganze Spaß so kostet:

9er Set für Zimmerpflanzen 28,00 €
14er Einstiger-Set für Garten-, Zimmer- und Balkonpflanzen 39,80 €
30er Grundsortiment 69,00 €
48er Komplettsortiment 98,00 €
5er Rosen-Set in rotem Schlüsselanhänger 19,80 €
14er Rosen Set 35,00 €
40er Rosen-Set 85,00 €
30er Grundsortiment im Holzkasten 98,00 €
48er Komplettsortiment im Holzkasten 138,00 €

(4)

Man kann also einiges an Geld ausgeben. Natürlich gibt es dann noch diverse Kombinationssets Buch und Globuli.

Die Globuli sollen in Wasser aufgelöst werden, wofür ein Schraubdeckelglas empfohlen wird. Auch soll diese Mischung dann durch Verschütteln dynamisiert werden. Schade, in dieser Anleitung auf der Homepage wird weder vom Schlagen auf ein in Leder gebundenes Buch noch vom rhythmischen Schütteln in Richtung Erdkern berichtet. Sind diese Mischungen dann überhaupt wirksam, wenn sie nicht richtig dynamisiert wurden? OH OH… /o\ Und dürfen Frauen während ihrer Menstruation oder ihrer Menopause diese Verschüttelungen durchführen? Fragen über Fragen, denen Hahnemann zwar Bedeutung beigemessen hat, hier aber anscheinend obsolet zu sein scheinen. (5)

Vielleicht werden diese Fragen ja in der angebotenen Telefonberatung geklärt, deren Kosten übrigens bei 12,00 € Grundgebühr sowie Kosten für die Gesprächsdauer zwischen 12,00 € und 22,00 € liegen. Per E-Mail belaufen sich die Kosten auf 12,00 € Grundgebühr und 39,00 € für die Beratung. (6)

Dafür bekommt man einen Behandlungsplan, in dem neben der homöopathischen Behandlung auch allgemeine gärtnerische Ratschläge gegeben werden. Hier ist natürlich fraglich, ob genau unterschieden werden kann, welche Wirkung auf die Homöopathika zurückzuführen sind und welche auf die – durchaus sinnvolle – gärtnerische Pflege. (7)

Aber es gibt noch genügend andere Meinungen zu dem Thema, die ein wirklich sehr ääääh… „interessantes“ Naturverständnis offenbaren: ‚Tiere und Pflanzen bestehen, wie wir Menschen auch, hauptsächlich aus Lebensenergie, Wasser, Stickstoff, Kohlenstoff und Mineralien.‘ Physikalisch gesehen funktionierten die Systeme ähnlich. Die Blätter seien die Atmungsorgane, die Wurzel der Darm. (8)

Oder: Der Naturarzt ist überzeugt: «Lebewesen kommen nicht wegen Krankheitserregern in einen krankhaften Zustand, sondern weil ihre Gesundheitsfaktoren in einem schlechten Zustand sind.» Zu diesen zählen Wasser, Luft, Licht, Nahrung im Boden, Ruhe und Bewegung, Platzbedarf im Umfeld, Pflege und Hygiene, Klima und Wetter. Ist ein Lebewesen nicht mehr fähig, die inneren und äusseren Umstände durch seine Lebensenergie auszugleichen, schwindet diese. Um gesund zu werden, müssen die Bedingungen optimiert werden, dann startet der Selbstheilungsprozess. Damit das Lebewesen gesund bleibt, müssen sie erhalten werden. (8)

Aber auch der „Naturarzt“ Heinz Weder hat Hilfe im Gepäck, nämlich in Form seiner Notfallapotheke, die sieben verschiedene Homöopathika enthält und zum Preis von 39.—sFr zu bestellen ist. (9 und 10)

Und auch, wenn die Homöopathie nicht hilft, hat Weder eine Lösung parat: Tritt keine Wirkung ein, muss eben eine erneute Diagnose und ein anderes Mittel her. (8)

Hach, gärtnern kann so einfach sein… Vor allem, wenn man sich auf ein so gut erforschtes Gebiet wie die Pflanzenhomöopathie stützen kann, denn Kritiker kann Weder deshalb verstehen, aber ‚Nach unzähligen Versuchen, die ich seit 1995 an Pflanzen durchgeführt habe, bin ich mir der Wirkung ganz sicher.‘ (8) Und Frau Maute sagt: Und wenn einmal etwas nicht so klappt, spornt uns das an, weiter zu forschen. (3)

Nun, diese Forschungen und Versuche sind sicherlich interessant, allerdings wurden sie bisher noch nirgends publiziert. Von daher kann auch kein Rückschluss gezogen werden, ob diese „Forschungen“ den wissenschaftlichen Standards genügen. Hier wäre vielleicht ein Langzeittest der GWUP interessant.

Wie dem auch sei, meine persönliche Meinung dazu ist, dass man sich homöopathische „Behandlungen“ für seine Pflanzen sparen kann, wenn man mit ein bisschen Sachverstand an die Gärtnerei ran geht. Kauft euch lieber ein gescheites Gartenbuch, das hilft mehr. Und es gibt auch gute Bücher, in denen man Rezepte für allerlei Sude und Jauchen findet, die rein natürlich sind und gegen z. B. Pilzinfektionen helfen.

(1) http://www.xn--maute-pflanzenhomopathie-1oc.de/de/ueber-uns.html
(2) Zollinger, Caroline: Mithilfe von Homöopathie zu gesunden Pflanzen? Gplus-Magazin. 2/2017. S. 32-34. Abgerufen via http://www.xn--maute-pflanzenhomopathie-1oc.de/de/pressespiegel.html
(3) Homöopathie kommt in den Gärten an. In: Haus & Garten: Anzeigensonderveröffentlichung der Freien Presse vom 18. März 2016, S. 14. Abgerufen via http://www.xn--maute-pflanzenhomopathie-1oc.de/de/pressespiegel.html
(4) http://www.narayanaverlag.de/ChristianeMaute/a2448?authors_id=2448&boxleft=1&gclid=CMadlIa459ICFRI8GwodqkQBNQ und http://www.narayanaverlag.de/homeoplantproduktemaute.php
(5) http://www.xnmautepflanzenhomopathie1oc.de/de/anwendung.html
(6) http://www.xnmautepflanzenhomopathie1oc.de/de/preisliste.html
(7) http://www.xn--maute-pflanzenhomopathie-1oc.de/files/Inhalt/Downloads/Behandlungsplan_Muster.pdf
(8) http://www.tierwelt.ch/?rub=4499&id=39467
(9) http://www.weder-homoeopathie.ch/images/PDF-Notfallapotheke.pdf
(10)http://www.wederhomoeopathie.ch/nutzundzierpflanzen/notfallapothekehausundobstgarten

Online-Quellen 1-8 abgerufen und gesichert am 21.03.2017. Quellen 9-10 abgerufen und gesichert am 24.03.2017.