Gelesen: Mueller, Anousch: Unheilpraktiker – Wie Heilpraktiker mit unserer Gesundheit spielen

Mueller, Anousch: Unheilpraktiker: Wie Heilpraktiker mit unserer Gesundheit spielen. Münschen, 2016.
978-3-570-50195-5

Es ist ein Mammutwerk, das Anousch Müller hier vorlegt. Und für sich selbst auch ein schonungsloses Werk, wie im ersten Kapitel gleich klar wird, denn Anousch Müller hat selbst an den „Humbug“ geglaubt, über den sie berichtet und wollte selbst Heilpraktikerin werden.

Über diesen Einstieg in die Naturheilszene schreibt sie gleich im ersten Kapitel und beleuchtet auch das weit verbreitete Phänomen der „Cyberchondrie“, also das googlen von Symptomen. Das anschließende Kapitel zeigt auf, wie man in Deutschland Heilpraktiker wird, dies mit einem Abstecher in die Geschichte des Heilpraktikerwesens, welches ja aus der Zeit des Dritten Reiches stammt.

Kapitel 3 beschreibt nun Muellers eigene (abgebrochene) Ausbildung in einer Heipraktikerschule und was sie da erlebt hat ist sicher nicht im Sinne des Patienten. Im anschließenden Kapitel „Heile, heile Segen?“ beschreibt die Autorin nun das Behandlungssetting der Heilpraktiker und zeigt auf, wie stark die „Heilerfolge“ mit Placeboeffekt und Psychosomatik verknüpft sind.

Im fünften Kapitel werden nun die gängigsten Alternativtherapien beschrieben, das meinte ich auch mit Mammutwerk. Hierfür hat sich Anousch Mueller auf jeden Fall ein Fleißkärtchen verdient. Von Akupunktur über Bioresonanztherapie hin zu Geistheilung, Irisdiagnostik Reiki und Zelltherapien. Dazwischen liegen noch zahlreiche andere Therapieformen, die kurz und prägnant vorgestellt werden. Amüsant und stellenweise auch grotesk mutet das sechste Kapitel an, in dem die gängigsten Phrasen und Antworten der Heilpraktiker vorgestellt und entlarvt werden.

Kern des Buches ist aber Kapitel 7, in dem Anousch Mueller eine Reform des Heilpraktikerwesens vorschlägt. Die hier vorgebrachten Vorschläge haben Hand und Fuß und sollten ernsthaft diskutiert werden. Leider gingen sie in der öffentlichen Debatte nach Veröffentlichung des Buches im allgemeinen Wutgeheul der Heilpraktiker unter.

Den Abschluss finden Muellers Ausführungen in einem Kapitel über Studien und einem Schlusswort. Amüsant und hilfreich ist die angehängte Checkliste „Zehn Indizien für Quacksalberei“ genauso wie die Checkliste „Was zeichnet einen seriösen Heilpraktiker aus?“.

Alles in allem ein wichtiges und richtiges Buch, das im öffentlichen Diskurs zur Thematik Heilpraktiker/Alternativmedizin viel mehr Beachtung finden sollte.

Gelesen: Grams, Natalie: Homöopathie neu gedacht – Was Patienten wirklich hilft

Grams, Natalie: Homöopathie neu gedacht: Was Patienten wirklich hilft. Berlin, 2015.
ISBN 978-3-662-45336-0

Als das Buch von Natalie Grams 2015 erschien, hätte niemand gedacht, dass ein schmales Bändchen mit 221 Seiten die Welt der Homöopathen so gründlich ins Wanken bringt. Aber fangen wir am Anfang an.

Natalie Grams ist Ärztin. Und Homöopathin. Sie studierte in München, Heidelberg und Zürich und promovierte 2007. Ab 2004 begann sie eine Ausbildung in Traditioneller Chinesischer Medizin und Homöopathie, wobei sie letztere mit Zusatzbezeichnung abschloss. Ab 2009 praktizierte sie in einer homöopathischen Privatpraxis und 2011 eröffnete sie eine eigene Privatpraxis für Homöopathie, die sie sehr erfolgreich bis 2015 selbständig betrieb.

Im Rahmen ihrer Praxistätigkeit wurde Grams auch von den Journalisten Christian Weymayr und Nicole Heißmann zur Recherche für deren Buch „Die Homöopathie-Lüge“ interviewt. Als das Buch dann erschienen war, war Natalie Grams nach eigener Aussage „erschüttert“ über die darin geäußerte Kritik und beschloss, eine Antwort zu schreiben. An diesem Punkt begann sie nun, sich mit den geäußerten Kritikpunkten auseinander zu setzen und die genaue Studienlage zu sichten.

Dieses Auseinandersetzen führte dazu, dass die Autorin nicht mehr hinter der Homöopathie stehen konnte und ihre Praxis aufgab. Im Mai 2015 erschien dann ihr Buch „Homöopathie neu gedacht“ im Verlag Springer Spektrum.

Gemeinsam mit Dr. Norbert Aust rief sie das von ihm angeregte „Informationsnetzwerk Homöopathie (INH)“ ins Leben. Heute ist Grams in der Wissenschaftskommunikation tätig.

Kommen wir nun zum Buch selbst. Dieses gliedert sich in 5 Kapitel:

1. Wie und auf welcher Grundlage behandelt die Homöopathie?
2. Wovon ist die Rede, wenn wir von Homöopathie sprechen?
3. Ist die Homöopathie Teil der heutigen Medizin?
4. Warum wenden sich Patienten der Homöopathie zu?
5. Was bleibt übrig von der Homöopathie im 21. Jahrhundert?

Natürlich schließen sich Literaturverzeichnis, Glossar und Index dem Text an.

Im ersten Kapitel beschreibt Natalie Grams anhand eines Fallbeispiels eine homöopathische Behandlung. Und bereits auf Seite 10 bringt sie auf den Punkt, was den „Erfolg“ einer solchen Behandlung bringt:

– Zeit für den Patienten
– Offenheit und Verständnis (selbst für Ungewöhnliches und ‚Eigenheitliches‘)
– Die Möglichkeit, körperliche, emotionale und geistige Dinge auszudrücken und sie in einen Zusammenhang zu bringen (ganzheitlich)
– Individuelles Herangehen (nicht irgendwelche Schmerzen, sondern meine Schmerzen)
– Selbstwahrnehmung und Selbsterkenntnis verbessern und situationsgerechte Lebensveränderungen einleiten
– Medikamente mit hohem Placebo-Effekt (der offenbar umso größer ist, je auffälliger die Form und je größer die Anzahl der zu nehmenden Medikamente ist).

Das zweite Kapitel erläutert ausführlich das System der Homöopathie über Entstehung, Methodik, Repertorien, Anamnese und Potenzierung. Weiterhin werden die Diagnostik, das Ähnlichkeitsprinzip und die Arzneimittelprüfung erklärt.

Das schwierige Verhältnis zwischen Homöopathie und Naturwissenschaften wird in Kapitel 3 beleuchtet, wobei auch die persönliche Situation der Autorin geschildert wird. Besonders die problematischen Begriffe der Potenzierung und der Lebenskraft werden hier angesprochen. Das Kapitel gipfelt in der Frage Ist die Homöopathie Medizin?

Auf die Frage, warum sich Patienten überhaupt der Homöopathie zuwenden wird in Kapitel 4 erläutert. Vom therapeutischen Setting bis zum Verhältnis Therapeut/Patient werden alle Aspekte beleuchtet. Das homöopathische Krankheitsbild ebenso wie die sogenannten Ebenen einer Krankheit, die Begriffe „Geist“ und „geistig“ sowie das „ganzheitliche Vorgehen“ homöopathischer Therapeuten.

Besonders interessant ist natürlich das fünfte und letzte Kapitel, in dem das Resümee gezogen wird. Hier analysiert die Autorin, welche Bereiche der Homöopathie verworfen werden sollten und über welche Bereiche nochmal nachgedacht werden sollte und warum. Insbesondere das Verhältnis zu den Naturwissenschaften beschäftigt Grams.

Um ein Fazit zu ziehen, hat man hier ein fundiertes Buch vor sich liegen, das es wert wäre, in den entsprechenden Kreisen nüchtern diskutiert zu werden. Dies ist leider nicht der Fall, lieber wird die Autorin diskreditiert, was natürlich nicht von guter Kinderstube zeugt.

Gelesen: Aust, Norbert: In Sachen Homöopathie

Aust, Norbert: In Sachen Homöopathie: Eine Beweisaufnahme. Ebersdorf, 2013.
ISBN 978-3-942594-47-9

Der Autor dieses Buches, Dr. Norbert Aust, geboren 1952 ist Ingenieur und kein Mediziner, das tut dem vorliegenden Band keinen Abruch, geht Aust doch methodisch und wissenschaftlich an die Thematik Homöopathie heran. Der Leser spürt deutlich, dass der Autor ein fundiertes naturwissenschaftliches Basiswissen hat, mit dem er sich der Materie nähert. Seine Intention, sich mit der Homöopathie näher zu beschäftigen beschreibt der Autor auf seinem Blog „Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie“ wie folgt: Mit der Homöopathie kam ich in Berührung, als meine Frau eine solche Behandlung begann, die allerdings auch nach längerer Zeit und verschiedenen Versuchen nicht zum Erfolg führte. Ich begann zu ergründen, was Homöopathie ist, habe intensiv in der wissenschaftlichen Literatur recherchiert – und muss mich sehr darüber wundern, wie wenig glaubhaft das Ganze ist, ein krasser Gegensatz zum gegenwärtigen wirtschaftlichen Erfolg der Homöopathie. Dies war für mich der Anlass, meine Ergebnisse in Buchform zu veröffentlichen.

Auf stattlichen 281 Seiten beschäftigt sich Dr. Aust von der naturwissenschaftlichen Seite her mit der Homöopathie. Erläutert er zuerst die Grundlagen der Homöopathie, erklärt Aust dann die Herstellung der sog. homöopathischen „Arzneimittel“ und geht vor allem auf die Potenzierung und das Thema „Wassergedächtnis“ ein und zeigt die verschiedenen Erklärungsmodelle der Homöopathen auf. Hierbei ist vor allem das Unterkapitel zur Quantenphysik hoch interessant, ist die Quantentheorie doch der „neue heiße Scheiß“ bei den Anhängern von alternativen Heilmethoden. Kein Mensch versteht sie richtig, es hört sich alles sehr wissenschaftlich an und es gibt jede Menge Phänomene, die der Alltagslogik entgegen laufen, so Dr. Aust. Und tatsächlich wird die Quantentheorie ja zur Erklärung von allem möglichen alternativmedizinischen Kokolores herangezogen. Ich warte ja nur noch, bis die Klientel den Begriff „Nano“ für sich entdeckt, aber das ist ein anderes Thema…

Einen großen Teil des Buches nehmen die statistische Auswertung vermeintlicher homöopathischer Erfolge und die Übersicht über die existierenden Studien und deren Erläuterungen ein. In gut verständlicher Sprache zeigt Dr. Aust auf, was von den Studien zu halten ist, wie es um ihre Reproduzierbarkeit steht und welche Sicht Homöopathen auf klinische Studien haben. Das hört sich zwar sehr trocken an, ist es aber nicht, schafft es der Autor doch, die ganze Thematik fundiert darzustellen ohne den Leser zu langweilen.

Den Abschluss des Buches bildet ein Kapitel zur homöopathischen Arzneimittelprüfung, zu den zur Verfügung stehenden Quellen und Schlusskapitel, in dem Norbert Aust der Frage nachgeht, wie sich die Homöopathie so lange „halten“ konnte.

Alles in allem ein hervorragender Überblick über die Homöopathie und ihre Wirkweise, der von einem versierten Naturwissenschaftler in gut verständlicher Form dargebracht wird. „In Sachen Homöopathie“ ist ein fundierter Einstieg in die Materie und kann jedem interessierten Leser nur empfohlen werden.

Das Informationsnetzwerk Homöopathie

Die Kritik an der Homöopathie ist so alt wie die Glaubensvorstellung selbst. Bereits im 19. Jahrhundert erschienen homöopatiekritische Publikationen, die in wissenschaftlicher Genauigkeit die Unwirksamkeit der Erfindung Hahnemanns belegten.

Im Jahr 2015 gründete sich nun eine neue Gruppe, die in der besten Tradition der Homöopathiekritk steht. Hierbei handelt es sich um das Informationsnetzwerk Homöopathie oder kurz INH. Hierbei handelt es sich um einen unabhängigen Zusammenschluss von Wissenschaftlern aller Fachbereiche, Journalisten und interessierten Laien, die Aufklärung zur Homöopathie betreiben wollen. Den Vorsitz des Netzwerkes hat heute die Ärztin und Homöopathin Dr. med. Natalie Grams inne.

Die Initiative zur Gründung ging von dem Ingenieur Dr. Norbert Aust aus, der sich bereits durch sein Buch In Sachen Homöopathie – Eine Bestandsaufnahme und sein Blog Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie als Aufklärer positioniert hatte. Er regte ein Treffen von Skeptikern an, um die bisher laufenden Bestrebungen der Homöopathiekritik zu bündeln.

Norbert Aust erhielt Unterstützung von der ehemaligen Homöopathin und Ärztin Dr. Natalie Grams, die im Mai 2015 ihr Buch Homöopathie neu gedacht – Was Patienten wirklich hilft im Springer-Verlag veröffentlicht hatte. Sie übernahm auch den Vorsitz des Netzwerkes, ist Grams doch nach Aufgabe ihrer homöopathischen Praxis doch in der Wissenschaftskommunikation tätig.

Natürlich schlug die Gründung eines derartigen Netzwerkes hohe Wellen bei den Homöopathen und fand Beachtung in der Skeptiker-Szene. Unterstützung erfährt das Netzwerk durch die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) und dem Deutschen Konsumentenbund.

Unterstützt wird das INH unter anderem von

Dr. Norbert Aust (Ingenieur und Autor)
Dr. Edmund Berndt (Apotheker und Autor)
Prof. em. Edzard Ernst (Mediziner und Autor)
Dr. Natalie Grams (Ärztin und Autorin)
Prof. Rudolf Happle (Verfasser der Marburger Erklärung zur Homöopathie)
Prof. Wolfgang Hell (Vorsitzender des GWUP-Wissenschaftsrates)
Prof. Dr. Martin Lambeck (Physiker und Autor)
Dipl.-Ing. Amardeo Sarma (Vorsitzender der GWUP)
Prof. Dr. Norbert Schmacke (Gesundheitswissenschaftler und Autor)
Dr. Christian Weymayr (Biologe, Medizinjournalist und Autor)
Dr. Kristina Schröder (MdB, ehem. Bundesministerin)

und mir 🙂

An was macht das INH nun seine Kritik fest? Hauptsächlich daran, dass es bis heute keine wissenschaftliche Studie gibt, die eine therapeutische Wirksamkeit der Homöopathie über den Placebo-Effekt hinaus nachweisen konnte. Auch dass es über die sogenannte Potenzierung der Wirkstoffe keinerlei Nachweise gibt wird bemängelt.

Sogar das Fundament der Homöopathie steht auf tönernen Füßen. Hahnemanns Grundprinzip Similia similibus curantur (Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden) fußt im Kern auf der alchemistischen Signaturenlehre, die das System der Ähnlichkeit vorweg genommen hat (Walnuss hilft bei Kopfleiden, weil sie aussieht wie ein Gehirn u. ä.).

Das INH möchte aber auch aufklären, haben doch viele Patienten nur ein diffuses Bild der Homöopathie und verwechseln sie mit der Pflanzenheilkunde, der Phytotherapie, mit der sie überhaupt nichts gemein hat.

Auch über die übermäßige Medikamentengabe – gerade bei Kinder-, die bei den Anhängern der Homöopathie weit verbreitet ist, wird aufgeklärt. Werden doch oft bei jedem aufgeschlagenem Knie und bei jedem Nieser den Kindern gleich Homöopathika verabreicht und sie so auf einen leichtfertigen Medikamentengebrauch konditioniert. Hierzu hat das INH das Projekt „Susannchen braucht keine Globuli“ ins Leben gerufen.

Problematisch ist auch, dass eine homöopathische Behandlung oft zu einer Therapieverschleppung führt. Homöopathische Präparate werden nämlich oftmals bei selbstlimitierenden Bagatellbeschwerden eingesetzt. Tritt der natürliche Heilungsverlauf ein, wird dies dem Homöopathikum zugeschrieben. Aus dieser vermeintlichen Erfahrung heraus, wird dann auch bei schwerwiegenden Erkrankungen zuerst homöopathische Mittel ausprobiert. Sieht man ein, dass diese nicht wirken ist es für eine wirksame Behandlung der evidenzbasierten Medizin oftmals zu spät.

Weiterhin soll auch darüber aufgeklärt werden, dass die Homöopathie der Einstieg in gefährliche, oft auch esoterische Heilsvorstellungen sein kann. Man erkennt dies daran, dass viele Anhänger der Homöopathie auch Impfgegner sind.

Auf seiner Homepage stellt das Netzwerk fest: Das INH will den vielfach einseitigen oder unkritischen Informationen mit eigenen Internetpräsenzen entgegentreten, nach eigenem Anspruch freundlich, sachlich und doch eindeutig kritisch.

Was fordert nun das Informationsnetzwerk Homöopathie?

  1. Eine umfassende Aufklärung und Information der Patienten.
  2. Die Aufhebung der Apothekenpflicht für Homöopathika.
  3. Beendigung des Binnenkonses und der rechtlichen Sonderstellung als besondere Therapierichtung
  4. Krankenkassen sollen keine Kosten für homöopathische Behandlungen übernehmen.
  5. Deutsche Kennzeichnung der Inhaltsstoffe. Damit sich der Hundekot nicht mehr hinter „Excrementum caninum“ verstecken kann und keine Seriosität vorgegaukelt werden kann.
  6. Keine weiteren ärztlichen Fort- und Weiterbildungen auf diesem Gebiet.
  7. Stärkung der evidenzbasierten Medizin und
  8. Stärkung der Patientenorientierung in der Medizin. Das INH erkennt an, dass Patienten sich im derzeitigen zeitknappen medizinischen Alltag nicht angemessen wahrgenommen fühlen und dass sie sich eine Alternative wünschen. Diese sollte jedoch nicht ein veraltetes, nicht spezifisch wirksames Verfahren sein, sondern eine bessere Medizin. (INH-Homepage)

Um dies zu erreichen hat das Netzwerk nun einige Projekte ins Leben gerufen. Die wichtigste Säule hierbei ist natürlich die Homepage des INH und die Seite bei Facebook. Auf der Homepage werden in verschiedenen Rubriken die gängigsten Irrtümer zur Homöopathie erklärt.

Ein umfangreiches Projekt ist die „Homöopedia“, ein Nachschlagewerk im Stil der Wikipedia mit zahlreichen Kategorien zu allen Aspekten der Homöopathie. Die ‚Homöopedia‘ versteht sich als Fachenzyklopädie für Ärzte, Journalisten und andere Experten, die sich vertieft und quellenbasiert über die Homöopathie, deren Grundalgen und Methoden informieren möchten.Diese Internetpräsenz ist recherche- und arbeitsintensiv und wird kontinuierlich fortgeschrieben.

Ebenfalls vom INH wurde die Aktion „Susannchen braucht keine Globuli“, über die ich ja bereits hier berichtet habe. Besonders gefiel mir die Plakataktion, die im Dezember 2016 in Heidelberg, München, Hamburg und Köthen durchgeführt wurde. Auf der INH-Homepage stellt sich das Projekt so vor: Susannchen, ihr Freund Max und Hund Bello sind ein Teil des INH. Wir möchten damit Eltern und deren Kindern mit unserer Idee erreichen, dass es für ein natürliches, gesundes Aufwachsen keine Pseudomedizin braucht. Im Gegenteil, durch Homöopathie & Co. werden kleine Kinder von früh auf dazu erzogen, dass es für jede Bagatelle ein ‚Medikament‘ braucht. Da empfehlen wir lieber heilsame Zuwendung, ab und an gute Medizin – und manchmal einfach nur Abwarten, bis der Körper es von alleine schafft, wieder gesund zu werden.

Das Informationsnetzwerk Homöopathie stellt auf seiner Homepage auch klar, dass Die Projekte richten sich auf keinen Fall gegen Personen, unabhängig davon, ob diese sich als Patient für eine homöopathische Therapie entscheiden, als Therapeut anbieten, als Interessenvertreter fördern oder als Wissenschaftler versuchen, sie zu erklären, sondern gegen die Homöopathie als medizinische Fachrichtung und gegen Strukturen und Organisationen, die sie verbreiten – niemals gegen Menschen. Das INH schließt allerdings nicht aus, dass Anbieter der Homöopathie durch seine Aktivitäten wirtschaftliche Nachteile erleiden könnten.

Susannchen braucht keine Globuli

Kinder aufzuziehen (und dabei am besten noch zu erziehen) ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, ihnen hierbei auch die beste medizinische Versorgung angedeihen zu lassen, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Seit einiger Zeit ist es aber so, dass esoterikaffine Mütter nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Kinder mit homöopathischen Mitteln versorgen. Und das bei der kleinsten Kleinigkeit. Hat sich ein Kind das Knie aufgeschlagen, gibt es sofort ein Arnika-Globuli (Globulus? Globulum? Gollum? Mein Ssssssssatz… Sorry, geht schon wieder), was für eine schnelle Konditionierung der Kinder sorgt. Was natürlich insofern problematisch ist, da die Kinder keine Wahl haben, im Gegensatz zu den Erwachsenen. Sie können sich gegen die Pseudomedizin nicht wehren.

Aber zurück zu unserem „Aua“ auf dem Spielplatz. Früher wurde von der Mutter mal auf die Wunde gepustet oder „Heile-heile-Segen“ gemacht und schon wurde weitergespielt. Und wenn tatsächlich Blut floss, kam ein Pflaster drauf. Dieses Pusten, das Heile-heile-Segen oder das Pflaster hatten die Funktion eines Placebos. Ursprünglich bedeutet Placebo wörtlich so etwas wie ‚Ich werde gefallen‘, etwas salopper übersetzt ‚Ich werde dir helfen‘. Zum einen ist damit das Placebo gemeint, also das Scheinmedikament, das keinen Wirkstoff enthält, aber dennoch eine Reaktion im Patienten auslösen kann, da er meint Hilfe zu bekommen. […]
Zum andern ist damit aber auch der Akt der Zuwendung gemeint. Jede Mutter vollbringt Placebo-Therapie, wenn sie ihrem Kind liebevoll auf ein ‚Aua‘ pustet, ein Trostpflaster aufklebt oder wenn sie es in den Armen wiegt. Tatsächlich ‚wirkt‘ eine solche Handlung nicht, praktisch weiß aber jeder, dass das Kind meist nach ein paar Minuten des Tröstens wieder munter davon springt oder beruhigt einschläft. Es hat also geholfen.(1)

Wie diese Placebo-Behandlung aussieht, kann natürlich unterschiedlich sein. Das Ganze nennt man „Placebo by proxy“ und wurde hier und hier recht anschaulich erklärt.

Um gerade junge Familien, Mütter, aber auch Kinder selbst aufzuklären, hat das Informationsnetzwerk Homöopathie nun schon seit einiger Zeit die Aktion „Susannchen braucht keine Globuli“ ins Leben gerufen. Die kecke Susanne klärt Eltern und Kinder darüber auf, dass Kinder eben keine Pseudomedizin benötigen, sondern viel mehr Zuwendung, Nähe und Liebe, um viele Krankheiten zu überwinden. Unterstützt wird sie durch ihren Freund Max, dem Hund Bello und den Kater Hannibal.

Hierzu gibt es verschiedene Motive, die es als Plakat, Postkarte oder Aufkleber gibt und von Sascha Abraham gezeichnet werden. Die fröhlichen Motive finden sich aber auch auf Kaffeetassen oder Einkaufstaschen wieder. Dies alles wird im eigenen Shop angeboten. Mit diesen Postkarten, Stickern oder Plakaten kann man hervorragend im Bekanntenkreis Aufklärung zur Homöopathie betreiben, wird doch auf allen Artikeln auf die Homepage des Informationsnetzwerkes hingewiesen. Also, schaut mal vorbei und unterstützt eine gute Sache. Ich persönlich kann das „Susannchen Rundum-sorglos-Paket“ empfehlen.

Der Blutdruck und seine Messung – Teil 5

6. Stethoskop und Sphygmomanometer

So, nun wissen wir, wie sich die Blutdruckmessung bis heute entwickelt hat. Aber so einfach wie z. B. der Puls ist der Blutdruck nicht zu ermitteln. Ganz klassisch benötigt man hierzu zwei Hilfsmittel: das Stethoskop und das Sphygmomanometer. Schauen wir uns erstmal das Stethoskop an.

6.1 René Théophile Hyacinthe Laënnec und das Stethoskop

Wobei der Name Stethoskop eigentlich falsch ist. Die Endung -skop kommt vom griechischen σκοπεῖν, also scopein, was Beobachter bedeutet (Mit dem Mikroskop z. B. betrachtet man ja auch das Kleine) und mit den Ohren beobachtet man relativ wenig. Eigentlich müsste es sich um ein Stethophon handeln, aber da in der Zeit seiner Entwicklung die Medizin zum größten Teil aus visuellen Untersuchungen bestand, entwickelte sich dieser eigentlich falsche Name. στῆθος oder stethos bedeutet ganz schnöde Brust, also haben wir hier quasi den Brustbeobachter für die Ohren.

Es gibt mittlerweile drei Arten des Stethoskops. Einmal das akustische Stethoskop, das wir alle von unserem Hausarzt kennen, den Stethoclip, den der Hörgeräteakustiker benutzt und elektronische Stethoskope, die zahlreiche technische Möglichkeit bieten. Wir wollen uns aber mit dem „normalen“ akustischen Stethoskop beschäftigen.

Dieses besteht heute aus dem Bruststück mit der Membran, die die Schallwellen aufnimmt und über einen oder zwei Gummischläuche an die Ohrbügel weitergibt. Im besten Falle befindet sich zwischen den Ohrbügeln ein Gehirn, das die Geräusche gut interpretieren kann.

In der Kardiologie werden oftmals sogenannte Doppelkopfstethoskope benutzt, die – wie der Name schon sagt – neben dem Kopf mit Membran einen weiteren ohne Membran, aber mit einem (Schall-)Trichter haben. Hierdurch können auch leisere Geräusche besser gehört werden. Den Kopf dieses Stethoskops nennt man Doppelkopf-Bruststück.

Erfunden wurde das Stethoskop von René Théophile Hyacinthe Laënnec, einem französischen Mediziner, der am 17. Februar 1781 in Quimper geboren wurde und in Nantes und Paris studierte. Das Stethoskop entwickelte Laënnec 1816. Damals war es noch üblich, dass der Arzt zum Abhören des Herzens oder der Lunge sein Ohr direkt auf den Patienten legte. Dies wollte Laënnec nicht und so benutzte er ein zur Rolle gedrehtes Papier und merkte schnell, dass er hierdurch die Herz- und Lungengeräusche um einiges besser wahrnehmen konnte. Eine oft kolportierte Geschichte erzählt, dass Laënnec mit diesem gedrehten Papier auch den zu engen Kontakt zu einer etwas aufdringlichen Patientin verhindern wollte.

Aus dieser Erfahrung heraus konzipierte Laënnec ein hölzernes „Hörrohr“, welches vom zeitgenössischen Meyers Konversations-Lexikon wie folgt beschrieben wurde: Das Stethoskop ist eine 26-31 cm lange Röhre aus Holz, die unten trichterförmig gestaltet, und an der oben eine runde Scheibe, die so genannte Ohrplatte, gewöhnlich aus Elfenbein, angebracht ist. Das untere Ende von etwa 2,6 – 3,9 cm Durchmesser muss abgerundet sein, damit es beim Aufsetzen auf die Körperhaut nicht schmerzhaft einschneidet. Beim Gebrauch ergreift man das Stethoskop am trichterförmigen Ende, setzt es genau auf die Oberfläche des Körperteils, welcher untersucht werden soll, so dass es rundum fest aufsitzt, und legt dann das Ohr auf die Ohrplatte.[1]

1823 wurde er Professor am Collège de France und im folgenden Jahr Professor der medizinischen Klinik. Laënnec hat neben Leopold Auenbrugger, dem Entdecker der Perkussion, den Grund zu der exakten physikalischen Diagnostik der Krankheiten der Brustorgane gelegt und dadurch die Fortschritte der Medizin auf diesem Gebiet angebahnt. Laënnec starb 1826 im Alter von erst 45 Jahren an Tuberkulose.[2]

Das Abhören des Körpers mit dem Stethoskop nennt man „Auskultation“.

6.2 Das Sphygmomanometer

Das Sphygmomanometer besteht aus fünf Teilen. Einmal ist dies die aufblasbare Armmanschette, die über einen Schlauch mit dem Manometer mit Ablassventil und dem Ball zum Aufblasen verbunden ist. Diese heute gebräuchlichste Form geht direkt auf das von Riva-Rocci erfundene und von Cushing verbesserte Gerät zurück. Mit dem Ball wird die Manschette aufgeblasen und das Manometer misst den entstandenen Druck. Zur Blutdruckmessung wird dieser Druck über das Ablassventil verringert und man kann die Korotkow-Geräusche hören.

Heute sind gerade in Privathaushalten elektronische Blutdruckmessgeräte im Einsatz, bei denen dann Sensoren die Ermittlung des Blutdrucks durch Schwingungen übernehmen. Dies nennt man dann oszillometrische Messung. Je nach Typ werden noch andere Werte wie die Pulsfrequenz ermittelt.

Hier gibt es zwei Grundtypen an Geräten. Einmal kleine Geräte mit relativ schmaler Manschette, die an der Innenseite des Handgelenks angebracht werden und größere Geräte mit „normaler“ Manschette, die wie die manuellen Geräte ebenfalls am Oberarm angebracht werden. Ein kleiner Nachteil der Handgelenksgeräte ist, dass die Ergebnisse abhängig von der relativen Messhöhe sind, es also sehr auf die Armhaltung bei der Messung ankommt. Das Gerät sollte immer auf Herzhöhe gehalten werden, so erhält man solide Werte.

Früher waren noch Sphygmomanometer im Einsatz, die den Blutdruck am Finger ermittelten. Diese verschwanden aber bald wieder vom Markt, da sie recht ungenau waren und die Messergebnisse durch z. B. Durchblutungsstörungen verfälscht wurden.

7. Literaturliste

Bartens, Werner: Hörende Heilkunde. In: Süddeutsche Zeitung. 26. Januar 2014.

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[1] Zitiert nach: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Stethoskop&oldid=152154718

[2] ebd.

Der Blutdruck und seine Messung – Teil 4

5. Riva-Rocci, Korotkow, Cushing und von Recklinghausen –
Der Weg zur modernen Blutdruckmessung

5.1 Scipione Riva-Rocci

Scipione Riva-Rocci … seien wir doch mal ehrlich, das ist doch ein Name, der eher in eine Oper von Verdi oder Puccini passen würde, als zu einem nüchternen Arzt… Aber seien wir froh, dass Scipione Riva-Rocci Arzt wurde und nicht Opernfigur, sonst hätte er höchstwahrscheinlich nie ein einfaches Verfahren zur Blutdruckmessung erfunden.

Riva-Rocci wurde am 7. August 1863 in Almese im Piemont geboren und studierte Innere Medizin und Chirurgie an der Universität Turin. Dieses Studium schloss er 1888 erfolgreich ab, worauf er eine Stelle als Assistenzarzt der Propädeutischen Medizinischen Klinik in Turin annahm und dort mit Carlo Forlanini zusammen. Dieser entwickelte die Technik für den künstlichen Pneumothorax, der zur Behandlung der Pulmonaltuberkolose eingesetzt wurde. Riva-Rocci assistierte nun während der ersten Experimente. Weitere Experimente auf dem Gebiet der Atemfunktion bei verminderter pulmonaler Resorptionsfläche führte er gemeinsam mit Cavallero durch.

Weitere Stationen seiner beruflichen Karriere waren seine Habilitation im Jahr 1894 im Bereich der „Speziellen Pathologie der Inneren Medizin“, 1898 die Universität Pavia mit dem Ospedale San Matteo und die Übernahme des Postens als Chefarzt und Direktor am städtischen Krankenhaus in Varese. Während dieser Zeit habilitierte er sich auch in der Pädiatrie (1907) und lehrte an der Pädiatrischen Klinik der Universität Pavia (1908 bis 1921). Weiterhin ist noch seine Tätigkeit als Übersetzer von medizinischer Fachliteratur und als Autor zu nennen. Er verstarb am 15. März 1937 im ligurischen Rapallo.

Man sieht also, ein sehr gelehrter und umtriebiger Mediziner, aber was hat das alles mit dem Blutdruck zu tun? Ganz einfach. Bis zum Jahr 1896 gab es nur die invasive Möglichkeit, den Blutdruck zu bestimmen. Das sah so aus, dass eine kleine Lanzette mit einem Hohlröhrchen in eine Arterie eingeführt wurde und der Blutdruck anhand der Blutfontäne ermittelt wurde. Für den Patienten nun keine wirklich angenehme Prozedur.

Zwar gab es bereits Sphygmomanometer, die konnten nur die Pulsfrequenz sichtbar machen und aufzeichnen. Riva-Rocci entdeckte nun, dass man durch die Kompression der Oberarmarterie den systolischen Wert des Blutdrucks einfach und schnell ermitteln kann.

Hierzu entwickelte er aus einem alten Fahrradschlauch eine Art Manschette entwickelte, die durch das Aufpumpen mit Luft den Oberarm und damit auch die Arterie abdrückte. Während die Luft langsam abgelassen wurde, konnte der Arzt mit den Fingern das Wiedereinsetzen des Pulsschlages erspüren. Den Wert konnte man an einem angeschlossenen Quecksilbermanometer ablesen. Erstmalig berichtete er 1896 über dieses Verfahren.

Dieses neue Verfahren war revolutionär, konnten doch damit erstmals durch genaue Messungen Kreislauferkrankungen wie Hypertonie erfolgreich behandelt werden. Als Reminiszenz an Riva-Rocci wird noch heute der gemessene Blutdruck mit RR abgekürzt und der Wert in Millimeter Quecksilbersäule, abgekürzt mit mmHg angegeben.

So, nun konnte mal also den systolischen Wert des Blutdruckes ermitteln. Es dauerte nur wenige Jahre und es trat ein russischer Militärarzt mit einer weiteren bahnbrechenden Neuerung auf den Plan.

5.2 Nikolai Sergejewitsch Korotkow

Nikolai Sergejewitsch Korotkow, ein Militärarzt mit einem Namen wie aus einem Dostojewski-Roman und einer Ähnlichkeit zum jungen Omar Sharif als Doktor Schiwago, experimentierte mit Manschette und Stethoskop und entdeckte hierbei die systolischen und diastolischen Geräusche beim Absinken des Kompressionsdrucks.

Krotokow wurde am 26. Februar 1874 in Kursk geboren und verstarb am 14. März 1920 in Petrograd. Er studierte ab 1893 an der medizinischen Schule in Charkow und ab 1895 an der Universität Moskau, das er 1898 erfolgreich abschloss. Nachdem er von 1898 bis 1900 als Assistent von Alexander Bobrow an der Universität Moskau arbeitete, ging er als Militärarzt während des Boxeraufstandes nach China. Für seinen aufopferungsvollen Dienst wurde er mit dem Orden der heiligen Anna ausgezeichnet.

Im Russisch-Japanische Krieg von 1904 bis 1905 wurde Korotkow erst leitender Chirurg in der Zweiten Sankt-Georg-Lazaretteinheit des russischen Roten Kreuzes. Später war er Chirurg im Ersten Allgemeinen Krankenhaus in Harbin in der Mandschurei, wo er sich auch für Gefäßverletzungen und Gefäßchirurgie zu interessieren begann.

Gefäßchirurgie war auch das Thema seiner Dissertation, die er 1910 an der Kaiserlichen Militärakademie für Medizin in St. Petersburg einreichte einreichte und mit der er promoviert wurde. Während der Arbeit an seiner Dissertation stützte er sich auf die Arbeit von Nikolai Pirogow, einem der bekanntesten russischen Ärzte seiner Zeit. Pirogow hatte herausgefunden, dass bei vaskulären Tumoren bzw. arteriovenösen Fisteln die auskulatorischen Geräusche (unter Auskulation versteht man das Abhören des Körpers durch den Arzt) dann verschwanden, wenn die Arterie „abgeklemmt“ wurde.

Kortokow experimentierte nun mit einer aufblasbaren Manschette und einem Stethoskop. Hierbei entdeckte er die beiden „Klopfgeräusche“, die das Einsetzen des diastolischen bzw. systolischen Blutdruckes kennzeichnen und von der Verwirbelung des Blutes herrühren. Am 8. November 1905 veröffentlichte er erstmals sein Forschungsergebnis und beschrieb die auskulatorische Blutdruckmessung. Nach einigen Versuchen mit Tieren stellte Krotokow fest, dass es sich bei den Geräuschen um lokale und nicht um kardiale Geräusche handelte. Hierüber veröffentlichte er einen Bericht am 13. November1905.

Natürlich setzte hierüber eine lebhafte wissenschaftliche Diskussion ein und es wurden auch zahlreiche Versuche von seinen Kollegen durchgeführt, die ihn aber alle bestätigten. Zu seinen Ehren werden diese Geräusche als Korotkow-Geräusche benannt.

Korotkow verstarb am 14. März 1920 als Arzt am Krankenhaus am Sagorodny-Prospekt in St. Petersburg.

5.3 Harvey Cushing

Harvey Williams Cushing war einer der großen Ärzte seiner Zeit. Geboren wurde er am 8. April 1869 in Cleveland und verstarb am 7. Oktober 1939 in New Haven. Ab 1891 studierte er an der Harvard Medical School in Boston, das er 1895 erfolgreich abschloss. Bereits in seiner Studienzeit entwickelte er mit einem Kollegen ein Protokoll für Äther-Narkosen ein. 1896 wechselte er an das Johns Hopkins Hospital in Baltimore, wo er als Chirurg arbeitete.

Weitere Stationen seiner Karriere waren Harvard Medical School, der Dienst in der US-Armee während des Ersten Weltkrieges und die Yale-Universität. Cushing war einer der bedeutendsten Neurochirurgen, dessen vielfältige wissenschaftliche Leistungen noch bis in die heutige Zeit nachwirken. Er entwickelte verschiedene Behandlungsmethoden für die Tumorbehandlung sowie verschiedene Operationsverfahren.

Für uns ist eine Europareise Cushings besonders von Interesse, die er 1901 antrat. Während dieser Reise traf er auch Scipione Riva-Rocci in Pavia
(6. Mai 1901) und lernte dessen Blutdruckmessgerät im klinischen Alltag kennen. Als er nämlich wieder in die USA zurückgekehrt war, entwickelte er das Gerät Riva-Roccis weiter und verbesserte es so, dass die meisten amerikanischen Ärzte ab 1910 dieses oder ähnliche Geräte benutzten. Auch führte er erstmals ein Anästhesie-Verlaufsprotokoll ein, in dem der Blutdruck standardmäßig erfasst wurden. Hierdurch war er maßgeblich für die Verbreitung dieser schonenden Methode der Blutdruckmessung verantwortlich.

Cushing war einer der bedeutendsten Mediziner seiner Zeit und verstarb hoch geehrt am 7. Oktober 1939 in New Haven, Connecticut.

5.4 Heinrich Jacob von Recklinghausen

Ein weiterer Pionier auf dem Gebiet der Blutdruckmessung war der am 17. April 1867 in Würzburg geborene und am 12. Dezember 1942 in München verstorbene Arzt und Philosoph Heinrich Jacob von Recklinghausen.

Recklinghausen studierte nach dem Besuch des protestantischen Gymnasiums in Straßburg Medizin in Kiel, Leipzig, München, Genf, Heidelberg, Berlin und wieder Straßburg, wo er 1895 auch promovierte. Auf Grund seines schlechten Gesundheitszustandes wechselte er öfters seine Arztstellen und war sogar als Schiffsarzt tätig. Während des Ersten Weltkrieges war er Arzt in einem Straßburger Lazarett und übersiedelte nach dem verlorenen Krieg nach München zu seiner Schwester über.

Heinrich Jacob von Recklinghausen leistete besonders im Bereich der oszillatorischen Blutdruckmessung und schuf so die Grundlagen für die heutigen elektronischen Blutdruckmessgeräte. So entwickelte er mit dem Recklinghausen-Tonometer bereits Ende der 1930er Jahre ein funktionierendes Oscillotonometer, welches von der Firma Bosch & Speidel hergestellt und vertrieben wurde.

Sein 1940 erschienenes Werk Blutdruckmessung und Kreislauf in den Arterien des Menschen ist ein Klassiker in diesem Fachgebiet.

Im nächsten – und letzten – Teil beschäftigen wir uns noch mit dem Stethoskop und und dem Sphygmomanometer.