Das Informationsnetzwerk Homöopathie

Die Kritik an der Homöopathie ist so alt wie die Glaubensvorstellung selbst. Bereits im 19. Jahrhundert erschienen homöopatiekritische Publikationen, die in wissenschaftlicher Genauigkeit die Unwirksamkeit der Erfindung Hahnemanns belegten.

Im Jahr 2015 gründete sich nun eine neue Gruppe, die in der besten Tradition der Homöopathiekritk steht. Hierbei handelt es sich um das Informationsnetzwerk Homöopathie oder kurz INH. Hierbei handelt es sich um einen unabhängigen Zusammenschluss von Wissenschaftlern aller Fachbereiche, Journalisten und interessierten Laien, die Aufklärung zur Homöopathie betreiben wollen. Den Vorsitz des Netzwerkes hat heute die Ärztin und Homöopathin Dr. med. Natalie Grams inne.

Die Initiative zur Gründung ging von dem Ingenieur Dr. Norbert Aust aus, der sich bereits durch sein Buch In Sachen Homöopathie – Eine Bestandsaufnahme und sein Blog Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie als Aufklärer positioniert hatte. Er regte ein Treffen von Skeptikern an, um die bisher laufenden Bestrebungen der Homöopathiekritik zu bündeln.

Norbert Aust erhielt Unterstützung von der ehemaligen Homöopathin und Ärztin Dr. Natalie Grams, die im Mai 2015 ihr Buch Homöopathie neu gedacht – Was Patienten wirklich hilft im Springer-Verlag veröffentlicht hatte. Sie übernahm auch den Vorsitz des Netzwerkes, ist Grams doch nach Aufgabe ihrer homöopathischen Praxis doch in der Wissenschaftskommunikation tätig.

Natürlich schlug die Gründung eines derartigen Netzwerkes hohe Wellen bei den Homöopathen und fand Beachtung in der Skeptiker-Szene. Unterstützung erfährt das Netzwerk durch die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) und dem Deutschen Konsumentenbund.

Unterstützt wird das INH unter anderem von

Dr. Norbert Aust (Ingenieur und Autor)
Dr. Edmund Berndt (Apotheker und Autor)
Prof. em. Edzard Ernst (Mediziner und Autor)
Dr. Natalie Grams (Ärztin und Autorin)
Prof. Rudolf Happle (Verfasser der Marburger Erklärung zur Homöopathie)
Prof. Wolfgang Hell (Vorsitzender des GWUP-Wissenschaftsrates)
Prof. Dr. Martin Lambeck (Physiker und Autor)
Dipl.-Ing. Amardeo Sarma (Vorsitzender der GWUP)
Prof. Dr. Norbert Schmacke (Gesundheitswissenschaftler und Autor)
Dr. Christian Weymayr (Biologe, Medizinjournalist und Autor)
Dr. Kristina Schröder (MdB, ehem. Bundesministerin)

und mir 🙂

An was macht das INH nun seine Kritik fest? Hauptsächlich daran, dass es bis heute keine wissenschaftliche Studie gibt, die eine therapeutische Wirksamkeit der Homöopathie über den Placebo-Effekt hinaus nachweisen konnte. Auch dass es über die sogenannte Potenzierung der Wirkstoffe keinerlei Nachweise gibt wird bemängelt.

Sogar das Fundament der Homöopathie steht auf tönernen Füßen. Hahnemanns Grundprinzip Similia similibus curantur (Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden) fußt im Kern auf der alchemistischen Signaturenlehre, die das System der Ähnlichkeit vorweg genommen hat (Walnuss hilft bei Kopfleiden, weil sie aussieht wie ein Gehirn u. ä.).

Das INH möchte aber auch aufklären, haben doch viele Patienten nur ein diffuses Bild der Homöopathie und verwechseln sie mit der Pflanzenheilkunde, der Phytotherapie, mit der sie überhaupt nichts gemein hat.

Auch über die übermäßige Medikamentengabe – gerade bei Kinder-, die bei den Anhängern der Homöopathie weit verbreitet ist, wird aufgeklärt. Werden doch oft bei jedem aufgeschlagenem Knie und bei jedem Nieser den Kindern gleich Homöopathika verabreicht und sie so auf einen leichtfertigen Medikamentengebrauch konditioniert. Hierzu hat das INH das Projekt „Susannchen braucht keine Globuli“ ins Leben gerufen.

Problematisch ist auch, dass eine homöopathische Behandlung oft zu einer Therapieverschleppung führt. Homöopathische Präparate werden nämlich oftmals bei selbstlimitierenden Bagatellbeschwerden eingesetzt. Tritt der natürliche Heilungsverlauf ein, wird dies dem Homöopathikum zugeschrieben. Aus dieser vermeintlichen Erfahrung heraus, wird dann auch bei schwerwiegenden Erkrankungen zuerst homöopathische Mittel ausprobiert. Sieht man ein, dass diese nicht wirken ist es für eine wirksame Behandlung der evidenzbasierten Medizin oftmals zu spät.

Weiterhin soll auch darüber aufgeklärt werden, dass die Homöopathie der Einstieg in gefährliche, oft auch esoterische Heilsvorstellungen sein kann. Man erkennt dies daran, dass viele Anhänger der Homöopathie auch Impfgegner sind.

Auf seiner Homepage stellt das Netzwerk fest: Das INH will den vielfach einseitigen oder unkritischen Informationen mit eigenen Internetpräsenzen entgegentreten, nach eigenem Anspruch freundlich, sachlich und doch eindeutig kritisch.

Was fordert nun das Informationsnetzwerk Homöopathie?

  1. Eine umfassende Aufklärung und Information der Patienten.
  2. Die Aufhebung der Apothekenpflicht für Homöopathika.
  3. Beendigung des Binnenkonses und der rechtlichen Sonderstellung als besondere Therapierichtung
  4. Krankenkassen sollen keine Kosten für homöopathische Behandlungen übernehmen.
  5. Deutsche Kennzeichnung der Inhaltsstoffe. Damit sich der Hundekot nicht mehr hinter „Excrementum caninum“ verstecken kann und keine Seriosität vorgegaukelt werden kann.
  6. Keine weiteren ärztlichen Fort- und Weiterbildungen auf diesem Gebiet.
  7. Stärkung der evidenzbasierten Medizin und
  8. Stärkung der Patientenorientierung in der Medizin. Das INH erkennt an, dass Patienten sich im derzeitigen zeitknappen medizinischen Alltag nicht angemessen wahrgenommen fühlen und dass sie sich eine Alternative wünschen. Diese sollte jedoch nicht ein veraltetes, nicht spezifisch wirksames Verfahren sein, sondern eine bessere Medizin. (INH-Homepage)

Um dies zu erreichen hat das Netzwerk nun einige Projekte ins Leben gerufen. Die wichtigste Säule hierbei ist natürlich die Homepage des INH und die Seite bei Facebook. Auf der Homepage werden in verschiedenen Rubriken die gängigsten Irrtümer zur Homöopathie erklärt.

Ein umfangreiches Projekt ist die „Homöopedia“, ein Nachschlagewerk im Stil der Wikipedia mit zahlreichen Kategorien zu allen Aspekten der Homöopathie. Die ‚Homöopedia‘ versteht sich als Fachenzyklopädie für Ärzte, Journalisten und andere Experten, die sich vertieft und quellenbasiert über die Homöopathie, deren Grundalgen und Methoden informieren möchten.Diese Internetpräsenz ist recherche- und arbeitsintensiv und wird kontinuierlich fortgeschrieben.

Ebenfalls vom INH wurde die Aktion „Susannchen braucht keine Globuli“, über die ich ja bereits hier berichtet habe. Besonders gefiel mir die Plakataktion, die im Dezember 2016 in Heidelberg, München, Hamburg und Köthen durchgeführt wurde. Auf der INH-Homepage stellt sich das Projekt so vor: Susannchen, ihr Freund Max und Hund Bello sind ein Teil des INH. Wir möchten damit Eltern und deren Kindern mit unserer Idee erreichen, dass es für ein natürliches, gesundes Aufwachsen keine Pseudomedizin braucht. Im Gegenteil, durch Homöopathie & Co. werden kleine Kinder von früh auf dazu erzogen, dass es für jede Bagatelle ein ‚Medikament‘ braucht. Da empfehlen wir lieber heilsame Zuwendung, ab und an gute Medizin – und manchmal einfach nur Abwarten, bis der Körper es von alleine schafft, wieder gesund zu werden.

Das Informationsnetzwerk Homöopathie stellt auf seiner Homepage auch klar, dass Die Projekte richten sich auf keinen Fall gegen Personen, unabhängig davon, ob diese sich als Patient für eine homöopathische Therapie entscheiden, als Therapeut anbieten, als Interessenvertreter fördern oder als Wissenschaftler versuchen, sie zu erklären, sondern gegen die Homöopathie als medizinische Fachrichtung und gegen Strukturen und Organisationen, die sie verbreiten – niemals gegen Menschen. Das INH schließt allerdings nicht aus, dass Anbieter der Homöopathie durch seine Aktivitäten wirtschaftliche Nachteile erleiden könnten.

Susannchen braucht keine Globuli

Kinder aufzuziehen (und dabei am besten noch zu erziehen) ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, ihnen hierbei auch die beste medizinische Versorgung angedeihen zu lassen, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Seit einiger Zeit ist es aber so, dass esoterikaffine Mütter nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Kinder mit homöopathischen Mitteln versorgen. Und das bei der kleinsten Kleinigkeit. Hat sich ein Kind das Knie aufgeschlagen, gibt es sofort ein Arnika-Globuli (Globulus? Globulum? Gollum? Mein Ssssssssatz… Sorry, geht schon wieder), was für eine schnelle Konditionierung der Kinder sorgt. Was natürlich insofern problematisch ist, da die Kinder keine Wahl haben, im Gegensatz zu den Erwachsenen. Sie können sich gegen die Pseudomedizin nicht wehren.

Aber zurück zu unserem „Aua“ auf dem Spielplatz. Früher wurde von der Mutter mal auf die Wunde gepustet oder „Heile-heile-Segen“ gemacht und schon wurde weitergespielt. Und wenn tatsächlich Blut floss, kam ein Pflaster drauf. Dieses Pusten, das Heile-heile-Segen oder das Pflaster hatten die Funktion eines Placebos. Ursprünglich bedeutet Placebo wörtlich so etwas wie ‚Ich werde gefallen‘, etwas salopper übersetzt ‚Ich werde dir helfen‘. Zum einen ist damit das Placebo gemeint, also das Scheinmedikament, das keinen Wirkstoff enthält, aber dennoch eine Reaktion im Patienten auslösen kann, da er meint Hilfe zu bekommen. […]
Zum andern ist damit aber auch der Akt der Zuwendung gemeint. Jede Mutter vollbringt Placebo-Therapie, wenn sie ihrem Kind liebevoll auf ein ‚Aua‘ pustet, ein Trostpflaster aufklebt oder wenn sie es in den Armen wiegt. Tatsächlich ‚wirkt‘ eine solche Handlung nicht, praktisch weiß aber jeder, dass das Kind meist nach ein paar Minuten des Tröstens wieder munter davon springt oder beruhigt einschläft. Es hat also geholfen.(1)

Wie diese Placebo-Behandlung aussieht, kann natürlich unterschiedlich sein. Das Ganze nennt man „Placebo by proxy“ und wurde hier und hier recht anschaulich erklärt.

Um gerade junge Familien, Mütter, aber auch Kinder selbst aufzuklären, hat das Informationsnetzwerk Homöopathie nun schon seit einiger Zeit die Aktion „Susannchen braucht keine Globuli“ ins Leben gerufen. Die kecke Susanne klärt Eltern und Kinder darüber auf, dass Kinder eben keine Pseudomedizin benötigen, sondern viel mehr Zuwendung, Nähe und Liebe, um viele Krankheiten zu überwinden. Unterstützt wird sie durch ihren Freund Max, dem Hund Bello und den Kater Hannibal.

Hierzu gibt es verschiedene Motive, die es als Plakat, Postkarte oder Aufkleber gibt und von Sascha Abraham gezeichnet werden. Die fröhlichen Motive finden sich aber auch auf Kaffeetassen oder Einkaufstaschen wieder. Dies alles wird im eigenen Shop angeboten. Mit diesen Postkarten, Stickern oder Plakaten kann man hervorragend im Bekanntenkreis Aufklärung zur Homöopathie betreiben, wird doch auf allen Artikeln auf die Homepage des Informationsnetzwerkes hingewiesen. Also, schaut mal vorbei und unterstützt eine gute Sache. Ich persönlich kann das „Susannchen Rundum-sorglos-Paket“ empfehlen.

Der Blutdruck und seine Messung – Teil 5

6. Stethoskop und Sphygmomanometer

So, nun wissen wir, wie sich die Blutdruckmessung bis heute entwickelt hat. Aber so einfach wie z. B. der Puls ist der Blutdruck nicht zu ermitteln. Ganz klassisch benötigt man hierzu zwei Hilfsmittel: das Stethoskop und das Sphygmomanometer. Schauen wir uns erstmal das Stethoskop an.

6.1 René Théophile Hyacinthe Laënnec und das Stethoskop

Wobei der Name Stethoskop eigentlich falsch ist. Die Endung -skop kommt vom griechischen σκοπεῖν, also scopein, was Beobachter bedeutet (Mit dem Mikroskop z. B. betrachtet man ja auch das Kleine) und mit den Ohren beobachtet man relativ wenig. Eigentlich müsste es sich um ein Stethophon handeln, aber da in der Zeit seiner Entwicklung die Medizin zum größten Teil aus visuellen Untersuchungen bestand, entwickelte sich dieser eigentlich falsche Name. στῆθος oder stethos bedeutet ganz schnöde Brust, also haben wir hier quasi den Brustbeobachter für die Ohren.

Es gibt mittlerweile drei Arten des Stethoskops. Einmal das akustische Stethoskop, das wir alle von unserem Hausarzt kennen, den Stethoclip, den der Hörgeräteakustiker benutzt und elektronische Stethoskope, die zahlreiche technische Möglichkeit bieten. Wir wollen uns aber mit dem „normalen“ akustischen Stethoskop beschäftigen.

Dieses besteht heute aus dem Bruststück mit der Membran, die die Schallwellen aufnimmt und über einen oder zwei Gummischläuche an die Ohrbügel weitergibt. Im besten Falle befindet sich zwischen den Ohrbügeln ein Gehirn, das die Geräusche gut interpretieren kann.

In der Kardiologie werden oftmals sogenannte Doppelkopfstethoskope benutzt, die – wie der Name schon sagt – neben dem Kopf mit Membran einen weiteren ohne Membran, aber mit einem (Schall-)Trichter haben. Hierdurch können auch leisere Geräusche besser gehört werden. Den Kopf dieses Stethoskops nennt man Doppelkopf-Bruststück.

Erfunden wurde das Stethoskop von René Théophile Hyacinthe Laënnec, einem französischen Mediziner, der am 17. Februar 1781 in Quimper geboren wurde und in Nantes und Paris studierte. Das Stethoskop entwickelte Laënnec 1816. Damals war es noch üblich, dass der Arzt zum Abhören des Herzens oder der Lunge sein Ohr direkt auf den Patienten legte. Dies wollte Laënnec nicht und so benutzte er ein zur Rolle gedrehtes Papier und merkte schnell, dass er hierdurch die Herz- und Lungengeräusche um einiges besser wahrnehmen konnte. Eine oft kolportierte Geschichte erzählt, dass Laënnec mit diesem gedrehten Papier auch den zu engen Kontakt zu einer etwas aufdringlichen Patientin verhindern wollte.

Aus dieser Erfahrung heraus konzipierte Laënnec ein hölzernes „Hörrohr“, welches vom zeitgenössischen Meyers Konversations-Lexikon wie folgt beschrieben wurde: Das Stethoskop ist eine 26-31 cm lange Röhre aus Holz, die unten trichterförmig gestaltet, und an der oben eine runde Scheibe, die so genannte Ohrplatte, gewöhnlich aus Elfenbein, angebracht ist. Das untere Ende von etwa 2,6 – 3,9 cm Durchmesser muss abgerundet sein, damit es beim Aufsetzen auf die Körperhaut nicht schmerzhaft einschneidet. Beim Gebrauch ergreift man das Stethoskop am trichterförmigen Ende, setzt es genau auf die Oberfläche des Körperteils, welcher untersucht werden soll, so dass es rundum fest aufsitzt, und legt dann das Ohr auf die Ohrplatte.[1]

1823 wurde er Professor am Collège de France und im folgenden Jahr Professor der medizinischen Klinik. Laënnec hat neben Leopold Auenbrugger, dem Entdecker der Perkussion, den Grund zu der exakten physikalischen Diagnostik der Krankheiten der Brustorgane gelegt und dadurch die Fortschritte der Medizin auf diesem Gebiet angebahnt. Laënnec starb 1826 im Alter von erst 45 Jahren an Tuberkulose.[2]

Das Abhören des Körpers mit dem Stethoskop nennt man „Auskultation“.

6.2 Das Sphygmomanometer

Das Sphygmomanometer besteht aus fünf Teilen. Einmal ist dies die aufblasbare Armmanschette, die über einen Schlauch mit dem Manometer mit Ablassventil und dem Ball zum Aufblasen verbunden ist. Diese heute gebräuchlichste Form geht direkt auf das von Riva-Rocci erfundene und von Cushing verbesserte Gerät zurück. Mit dem Ball wird die Manschette aufgeblasen und das Manometer misst den entstandenen Druck. Zur Blutdruckmessung wird dieser Druck über das Ablassventil verringert und man kann die Korotkow-Geräusche hören.

Heute sind gerade in Privathaushalten elektronische Blutdruckmessgeräte im Einsatz, bei denen dann Sensoren die Ermittlung des Blutdrucks durch Schwingungen übernehmen. Dies nennt man dann oszillometrische Messung. Je nach Typ werden noch andere Werte wie die Pulsfrequenz ermittelt.

Hier gibt es zwei Grundtypen an Geräten. Einmal kleine Geräte mit relativ schmaler Manschette, die an der Innenseite des Handgelenks angebracht werden und größere Geräte mit „normaler“ Manschette, die wie die manuellen Geräte ebenfalls am Oberarm angebracht werden. Ein kleiner Nachteil der Handgelenksgeräte ist, dass die Ergebnisse abhängig von der relativen Messhöhe sind, es also sehr auf die Armhaltung bei der Messung ankommt. Das Gerät sollte immer auf Herzhöhe gehalten werden, so erhält man solide Werte.

Früher waren noch Sphygmomanometer im Einsatz, die den Blutdruck am Finger ermittelten. Diese verschwanden aber bald wieder vom Markt, da sie recht ungenau waren und die Messergebnisse durch z. B. Durchblutungsstörungen verfälscht wurden.

7. Literaturliste

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[1] Zitiert nach: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Stethoskop&oldid=152154718

[2] ebd.

Der Blutdruck und seine Messung – Teil 4

5. Riva-Rocci, Korotkow, Cushing und von Recklinghausen –
Der Weg zur modernen Blutdruckmessung

5.1 Scipione Riva-Rocci

Scipione Riva-Rocci … seien wir doch mal ehrlich, das ist doch ein Name, der eher in eine Oper von Verdi oder Puccini passen würde, als zu einem nüchternen Arzt… Aber seien wir froh, dass Scipione Riva-Rocci Arzt wurde und nicht Opernfigur, sonst hätte er höchstwahrscheinlich nie ein einfaches Verfahren zur Blutdruckmessung erfunden.

Riva-Rocci wurde am 7. August 1863 in Almese im Piemont geboren und studierte Innere Medizin und Chirurgie an der Universität Turin. Dieses Studium schloss er 1888 erfolgreich ab, worauf er eine Stelle als Assistenzarzt der Propädeutischen Medizinischen Klinik in Turin annahm und dort mit Carlo Forlanini zusammen. Dieser entwickelte die Technik für den künstlichen Pneumothorax, der zur Behandlung der Pulmonaltuberkolose eingesetzt wurde. Riva-Rocci assistierte nun während der ersten Experimente. Weitere Experimente auf dem Gebiet der Atemfunktion bei verminderter pulmonaler Resorptionsfläche führte er gemeinsam mit Cavallero durch.

Weitere Stationen seiner beruflichen Karriere waren seine Habilitation im Jahr 1894 im Bereich der „Speziellen Pathologie der Inneren Medizin“, 1898 die Universität Pavia mit dem Ospedale San Matteo und die Übernahme des Postens als Chefarzt und Direktor am städtischen Krankenhaus in Varese. Während dieser Zeit habilitierte er sich auch in der Pädiatrie (1907) und lehrte an der Pädiatrischen Klinik der Universität Pavia (1908 bis 1921). Weiterhin ist noch seine Tätigkeit als Übersetzer von medizinischer Fachliteratur und als Autor zu nennen. Er verstarb am 15. März 1937 im ligurischen Rapallo.

Man sieht also, ein sehr gelehrter und umtriebiger Mediziner, aber was hat das alles mit dem Blutdruck zu tun? Ganz einfach. Bis zum Jahr 1896 gab es nur die invasive Möglichkeit, den Blutdruck zu bestimmen. Das sah so aus, dass eine kleine Lanzette mit einem Hohlröhrchen in eine Arterie eingeführt wurde und der Blutdruck anhand der Blutfontäne ermittelt wurde. Für den Patienten nun keine wirklich angenehme Prozedur.

Zwar gab es bereits Sphygmomanometer, die konnten nur die Pulsfrequenz sichtbar machen und aufzeichnen. Riva-Rocci entdeckte nun, dass man durch die Kompression der Oberarmarterie den systolischen Wert des Blutdrucks einfach und schnell ermitteln kann.

Hierzu entwickelte er aus einem alten Fahrradschlauch eine Art Manschette entwickelte, die durch das Aufpumpen mit Luft den Oberarm und damit auch die Arterie abdrückte. Während die Luft langsam abgelassen wurde, konnte der Arzt mit den Fingern das Wiedereinsetzen des Pulsschlages erspüren. Den Wert konnte man an einem angeschlossenen Quecksilbermanometer ablesen. Erstmalig berichtete er 1896 über dieses Verfahren.

Dieses neue Verfahren war revolutionär, konnten doch damit erstmals durch genaue Messungen Kreislauferkrankungen wie Hypertonie erfolgreich behandelt werden. Als Reminiszenz an Riva-Rocci wird noch heute der gemessene Blutdruck mit RR abgekürzt und der Wert in Millimeter Quecksilbersäule, abgekürzt mit mmHg angegeben.

So, nun konnte mal also den systolischen Wert des Blutdruckes ermitteln. Es dauerte nur wenige Jahre und es trat ein russischer Militärarzt mit einer weiteren bahnbrechenden Neuerung auf den Plan.

5.2 Nikolai Sergejewitsch Korotkow

Nikolai Sergejewitsch Korotkow, ein Militärarzt mit einem Namen wie aus einem Dostojewski-Roman und einer Ähnlichkeit zum jungen Omar Sharif als Doktor Schiwago, experimentierte mit Manschette und Stethoskop und entdeckte hierbei die systolischen und diastolischen Geräusche beim Absinken des Kompressionsdrucks.

Krotokow wurde am 26. Februar 1874 in Kursk geboren und verstarb am 14. März 1920 in Petrograd. Er studierte ab 1893 an der medizinischen Schule in Charkow und ab 1895 an der Universität Moskau, das er 1898 erfolgreich abschloss. Nachdem er von 1898 bis 1900 als Assistent von Alexander Bobrow an der Universität Moskau arbeitete, ging er als Militärarzt während des Boxeraufstandes nach China. Für seinen aufopferungsvollen Dienst wurde er mit dem Orden der heiligen Anna ausgezeichnet.

Im Russisch-Japanische Krieg von 1904 bis 1905 wurde Korotkow erst leitender Chirurg in der Zweiten Sankt-Georg-Lazaretteinheit des russischen Roten Kreuzes. Später war er Chirurg im Ersten Allgemeinen Krankenhaus in Harbin in der Mandschurei, wo er sich auch für Gefäßverletzungen und Gefäßchirurgie zu interessieren begann.

Gefäßchirurgie war auch das Thema seiner Dissertation, die er 1910 an der Kaiserlichen Militärakademie für Medizin in St. Petersburg einreichte einreichte und mit der er promoviert wurde. Während der Arbeit an seiner Dissertation stützte er sich auf die Arbeit von Nikolai Pirogow, einem der bekanntesten russischen Ärzte seiner Zeit. Pirogow hatte herausgefunden, dass bei vaskulären Tumoren bzw. arteriovenösen Fisteln die auskulatorischen Geräusche (unter Auskulation versteht man das Abhören des Körpers durch den Arzt) dann verschwanden, wenn die Arterie „abgeklemmt“ wurde.

Kortokow experimentierte nun mit einer aufblasbaren Manschette und einem Stethoskop. Hierbei entdeckte er die beiden „Klopfgeräusche“, die das Einsetzen des diastolischen bzw. systolischen Blutdruckes kennzeichnen und von der Verwirbelung des Blutes herrühren. Am 8. November 1905 veröffentlichte er erstmals sein Forschungsergebnis und beschrieb die auskulatorische Blutdruckmessung. Nach einigen Versuchen mit Tieren stellte Krotokow fest, dass es sich bei den Geräuschen um lokale und nicht um kardiale Geräusche handelte. Hierüber veröffentlichte er einen Bericht am 13. November1905.

Natürlich setzte hierüber eine lebhafte wissenschaftliche Diskussion ein und es wurden auch zahlreiche Versuche von seinen Kollegen durchgeführt, die ihn aber alle bestätigten. Zu seinen Ehren werden diese Geräusche als Korotkow-Geräusche benannt.

Korotkow verstarb am 14. März 1920 als Arzt am Krankenhaus am Sagorodny-Prospekt in St. Petersburg.

5.3 Harvey Cushing

Harvey Williams Cushing war einer der großen Ärzte seiner Zeit. Geboren wurde er am 8. April 1869 in Cleveland und verstarb am 7. Oktober 1939 in New Haven. Ab 1891 studierte er an der Harvard Medical School in Boston, das er 1895 erfolgreich abschloss. Bereits in seiner Studienzeit entwickelte er mit einem Kollegen ein Protokoll für Äther-Narkosen ein. 1896 wechselte er an das Johns Hopkins Hospital in Baltimore, wo er als Chirurg arbeitete.

Weitere Stationen seiner Karriere waren Harvard Medical School, der Dienst in der US-Armee während des Ersten Weltkrieges und die Yale-Universität. Cushing war einer der bedeutendsten Neurochirurgen, dessen vielfältige wissenschaftliche Leistungen noch bis in die heutige Zeit nachwirken. Er entwickelte verschiedene Behandlungsmethoden für die Tumorbehandlung sowie verschiedene Operationsverfahren.

Für uns ist eine Europareise Cushings besonders von Interesse, die er 1901 antrat. Während dieser Reise traf er auch Scipione Riva-Rocci in Pavia
(6. Mai 1901) und lernte dessen Blutdruckmessgerät im klinischen Alltag kennen. Als er nämlich wieder in die USA zurückgekehrt war, entwickelte er das Gerät Riva-Roccis weiter und verbesserte es so, dass die meisten amerikanischen Ärzte ab 1910 dieses oder ähnliche Geräte benutzten. Auch führte er erstmals ein Anästhesie-Verlaufsprotokoll ein, in dem der Blutdruck standardmäßig erfasst wurden. Hierdurch war er maßgeblich für die Verbreitung dieser schonenden Methode der Blutdruckmessung verantwortlich.

Cushing war einer der bedeutendsten Mediziner seiner Zeit und verstarb hoch geehrt am 7. Oktober 1939 in New Haven, Connecticut.

5.4 Heinrich Jacob von Recklinghausen

Ein weiterer Pionier auf dem Gebiet der Blutdruckmessung war der am 17. April 1867 in Würzburg geborene und am 12. Dezember 1942 in München verstorbene Arzt und Philosoph Heinrich Jacob von Recklinghausen.

Recklinghausen studierte nach dem Besuch des protestantischen Gymnasiums in Straßburg Medizin in Kiel, Leipzig, München, Genf, Heidelberg, Berlin und wieder Straßburg, wo er 1895 auch promovierte. Auf Grund seines schlechten Gesundheitszustandes wechselte er öfters seine Arztstellen und war sogar als Schiffsarzt tätig. Während des Ersten Weltkrieges war er Arzt in einem Straßburger Lazarett und übersiedelte nach dem verlorenen Krieg nach München zu seiner Schwester über.

Heinrich Jacob von Recklinghausen leistete besonders im Bereich der oszillatorischen Blutdruckmessung und schuf so die Grundlagen für die heutigen elektronischen Blutdruckmessgeräte. So entwickelte er mit dem Recklinghausen-Tonometer bereits Ende der 1930er Jahre ein funktionierendes Oscillotonometer, welches von der Firma Bosch & Speidel hergestellt und vertrieben wurde.

Sein 1940 erschienenes Werk Blutdruckmessung und Kreislauf in den Arterien des Menschen ist ein Klassiker in diesem Fachgebiet.

Im nächsten – und letzten – Teil beschäftigen wir uns noch mit dem Stethoskop und und dem Sphygmomanometer.

Der Blutdruck und seine Messung – Teil 3

4. Die Anfänge der non-invasiven Blutdruckmessung

4.1 Der Sphygmograph

Der Sphygmograph war die erste Möglichkeit, den Blutdruck sichtbar zu machen. Durch das Ausdehnen und Zusammenziehen der Arterie wurde hier eine kleine Metallplatte bewegt, die mit einem Hebelarm verbunden war. Am anderen Ende des Hebelarms befand sich eine Mine, anhand derer auf einem Papierstreifen die Bewegung abgebildet wurde. Angetrieben wurde der Papierstreifen zumeist durch ein Uhrwerk, da dieses einen konstante Geschwindigkeit halten konnte.

Das Ganze sah dann so aus:

Es gab dann noch ein sogenanntes Sphygmophon, durch das man den Pulsschlag akustisch wiedergeben konnte. Es bestand aus einer galvanischen Batterie, einem Telefon und einem Stromunterbrecher. Bei dem Gerät handelte es sich allerdings nur um ein kurzes Intermezzo.

4.2 Karl von Vierodt

Der Physiologe Karl von Vierordt wurde am 1. Juli 1818 im badischen Lahr geboren und verstarb am 22. November 1884 in Tübingen. Ab 1836 studierte er an der medizinischen Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg. Weiterhin studierte er noch an der Georg-August-Universität Göttingen und der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin. Seine medizinischen Examina legte er im Herbst 1840 in Karlsruhe ab.

Karl von Vierordt legte seinen Forschungsschwerpunkt zuerst auf die Physiologie der Atmung, bevor er sich der „Herzkraft“, also dem Blutkreislauf zuwandte. So entwickelte er die erste genaue Methode, die Zellen im Blut zu bestimmen. 1854 und 1855 beschrieb er die Aufzeichnung des Arteriellen Blutdrucks mittels eines von ihm entwickelten Spyhmographen und 1858 folgte die Veröffentlichung seiner Erkenntnisse zur Strömungsgeschwindigkeit des Blutes und deren Einfluss auf Puls- und Atmung. Auch entwickelte er ein sogenanntes Haemotachometer, anhand dessen man den Blutfluss exakt bestimmen konnte.

In späteren Jahren beschäftigte sich der vielseitig interessierte Mediziner auch mit der Spektrophotometrie, Spektralanalysen oder der pädiatrischen Physiologie.

4.3 Étienne-Jules Marey

Der französische Arzt Étienne-Jules Marey wurde am 5. März 1830 in Beaune geboren und verstarb am 15. Mai 1904 in Paris. Er beschäftigte sich hauptsächlich mit der menschlichen Physiologie, war aber auch als Erfinder tätig, hier war er ein Pionier auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Fotographie und des Films. Marey begann ab 1850 ein Studium der Medizin, das er 1859 mit seiner Dissertation abschloss. Aber bereits ab 1857 beschäftigte er sich mit kreislaufphysiologischen Themen und sphygmographischer Technik und entwickelte 1860 seinen ersten Sphygmographen. Ab 1867 war er am Collége de France und 1872 wurde er in die Académie de Médecine aufgenommen. 1878 folgte die Aufnahme in die Académie des Sciences.

Mareys Interese auf physiologischem Gebiet lag sehr stark auf der Darstellung von Puls und kardialer Tätigkeit. So erforschte er in Tierversuchen die Herzklappenbewegungen mittels eines Herzkatheters.

Seine wichtigste Arbeit war allerdings die Entwicklung seines Sphygmographen. Ziel seiner Arbeit war es für Marey, die bisher z. B. von Vierordt gebauten Apparate genauer und handlicher zu machen, was ihm z. B. durch ein elastisches Metallfeder-System auch gelang, so dass sein Sphygmograph bald weit verbreitet war.

Eine weitere Erfindung Mareys war die Konstruktion eines Transmissions-Sphygmographen, mit dem zwar eine exakte Blutdruckmessung noch nicht möglich war, der aber der Ausgangspunkt für weitere Forschungen bildete.

4.4 Samuel Siegfried Karl von Basch

Der am 9. September 1837 in Prag geborene und am 25. April 1905 in Wien verstorbene Samuel von Basch hatte doch ein etwas bewegtes Berufsleben. Es begann nach der Gymnasialzeit, als er erst in Prag und später in Wien begann Medizin zu studieren und am 15. Juli 1862 promovierte. Hier schloss sich eine Anstellung am Wiener Allgemeinen Krankenhaus an.

Am 10. Februar 1866 ging er mit Ferdinand Maximilian von Österreich nach Mexiko, wo er erst Kommandant eines Militärhospitals in Puebla wurde und ab September 1866 Leibarzt des Habsburgers, der als „Kaiser Maximilian“ über Mexiko herrschte. Nach dessen Sturz und Exekution kehrte er im November 1867 nach Wien zurück und wurde für seine treuen Dienste mit einer Ehrenpension und dem Ritterstand belohnt Ab sofort hieß er also Samuel Siegfried Karl Ritter von Basch. Ist ja auch nicht schlecht, so ein schmucker Titel.

Das große Thema in Baschs Forschungen war die Kreislaufphysiognomie und die Puls- und Blutdruckmessung. So entwickelte er 1880 einen Sphygmometer, mit dem man auch den Blutdruck messen konnte und ein spezielles Metall-Sphygmometer, welches auch einfach transportiert und angewandt werden konnte. Ebenso erfand von Basch ein Gerät zur Messung des Kapillardrucks. Er wurde auch als „Vater der Kreislaufphysiologie“ bezeichnet.

Samuel von Basch war aber auch auf den Gebieten der Bakteriologie und der experimentellen Pathologie tätig. Hier erforschte er die Auswirkungen des Nikotins auf den Organismus und die Physiologie und die Pathologie der Darmbewegungen.

Im nächsten Teil wird es dann schon etwas moderner, wir lernen die Menschen kennen, die die Blutdruckmessung in die Richtung lenkten, die wir heute noch kennen.

Der Blutdruck und seine Messung – Teil 2

3. Wie alles begann – Stephen Hales und seine Pferde

Und hier ist er nun, der versprochene Ausflug in die Veterinärmedizin. Und dieser Ausflug beginnt mit einem gewissen Stephen Hales, der am 17. oder 7. September 1677 bei Beckesbourn in der Grafschaft Kent geboren wurde. Hales war ein englischer Priester, Physiologe und Physiker, der in Cambridge Theologie studiert hatte, aber durch die Freundschaft mit William Stukeley auch Interessen in den Naturwissenschaften hatte.

Nach Beendigung des Studiums und der Übernahme einer Pfarrei widmete sich Hales seinen Studien. So wurde er zum Pionier in den Gebieten der Präventivmedizin sowie der modernen Physiologie bei Mensch und Pflanze. Durch seine Verwaltungstätigkeit für die Kolonie Georgia, die er von England aus erledigte, lernte er auch die speziellen Probleme von langen Seereisen kennen und entwickelte ein Ventilationssystem für Schiffe, das auch in Gefängnissen und Krankenhäusern zur Anwendung kam.

Seine physiologischen Experimente führte Hales mit seinem Studienfreund Stuckley durch, genauso wie chemische und anatomische Experimente. Mit ihm zusammen beschäftigte er sich auch mit astronomischen Themen. Dies sind zweifellos auch hoch interessante Themen, aber uns sollen hier nur seine Versuche zur Bestimmung des Blutdrucks kümmern, die um das Jahr 1709 begannen.

Hales selbst beschreibt seinen ersten Versuch zur direkten Blutdruckmessung wie folgt: Im Dezember ließ ich eine lebende Stute auf den Rücken legen und festbinden. Sie war 14 Hand hoch, ca. 14 Jahre alt, hatte eine Fistel an der Seite und war weder besonders mager noch übermäßig vollblütig. Nachdem ich die linke Kruralarterie ca. 3 Zoll [75 mm] vom Bauch entfernt freigelegt und geöffnet hatte, führte ich ein Metallrohr in dieselbe ein, das ungefähr 1/6 Inch. [4, 17 mm] Durchmesser hatte, an dem ich mit Hilfe eines genau passenden zweiten Metallrohrs ein Glasrohr von ungefähr demselben Durchmesser aber 9 Fuß [270 cm] Länge befestigte. Sobald ich die Ligatur der Arterie löste, stieg das Blut im Glasrohr 8 Fuß 3 Inches [240,75 cm] hoch.[1]

Das gesamte Experiment ging natürlich weiter, diese Messung wiederholte er 25-mal, mit jeweils genauen Pausen dazwischen, in der das Pferd weiter ausblutete. Die jeweilige Abnahme der Höhe der Blutsäule hielt er fest, bis das Pferd tot war. Hales wiederholte dieses Experiment insgesamt 25-mal mit verschiedenen Tieren wie Pferden, Schafen, Hunden oder Ochsen. Hierbei bestimmte er vorher den venösen und den arteriellen Blutdruck und verglich während des Experiments die Auswurfleistung mit Blutdruck und Durchflussgeschwindigkeit, dies auch unter Einfluss verschiedener Substanzen z. B. Alkohol.

Weiterhin injizierte Hales den Tieren teilweise flüssiges Wachs in die Ventrikel, woran er erkannte, dass die Herzleistung und der periphere Widerstand den Blutdruck in den großen Gefäßen erzeugten.  Mit Wachspräparaten konnte er auch die Höhe des kardialen Auswurfvolumens pro Minute erstmals bestimmen.

Nun ist dies natürlich keine sehr angenehme Art der Blutdruckmessung und wir können sehr froh sein, wenn wir nun zum nächsten Kapitel der Geschichte kommen können, in dem ein Italiener, ein Russe und ein Amerikaner die Hauptrollen spielen.

[1] Zitiert nach https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Stephen_Hales&oldid=145582394

Der Blutdruck und seine Messung – Teil 1

1. Vorbemerkung

Blutdruck ist etwas Feines, ich persönlich schätze meinen Blutdruck sehr. Genauso wie die regelmäßige Respiration, also die Atmung. Beide möchte ich nicht missen.

Heutzutage ist es auch einfach, den Blutdruck zu ermitteln. Mit kleinen elektronischen Geräten geht dies ganz bequem zu Hause. Bis dahin war es allerdings ein langer Weg. Viele Menschen haben im Laufe von gut zweihundert Jahren daran gearbeitet, dass wir es heute so einfach haben. Und eben diesen langen Weg möchte ich an dieser Stelle aufzeigen.

Hier geht es auch nicht darum, zu beschreiben, wie man „richtig“ Blutdruck misst, die Ausführungen im nächsten Kapitel hierzu sind nur oberflächlich und ersetzen keine fachgerechte Ausbildung zum Thema Blutdruckmessung.

2. Der Blutdruck und seine Messung

Um mal wieder den viel strapazierten Professor Bömmel aus der Feuerzangenbowle zu zitieren: Wat is ein Blutdruck? Da stellen wir uns ma janz dumm…

Blutdruck wird fachlich auch „Gefäßdruck“ genannt und durch diesen weiteren Begriff merkt man schon langsam, wie der Hase läuft. Es handelt sich nämlich um die Kraft pro Fläche, die zwischen Blut und Gefäßwänden der Arterien, Kapillaren und Venen ausgeübt wird, wobei beim Blutdruck meist der Druck in den größeren Arterien gemeint ist.

So, jetzt wissen wir, was ein Blutdruck ist, aber wie misst man ihn? Will man ja auch wissen… Dazu gibt es zwei prinzipielle, nämlich die direkte und die indirekte Messung. Bei der direkten Messung handelt es sich um eine invasive Methode, bei der ein Blutgefäß, meist eine periphere Arterie, die man sonst eh nicht so dringend braucht, punktiert und ein Katheder eingeführt wird. Durch die Verbindung mit einem Drucksensor kann man eine Blutdruckkurve auf einem Monitor darstellen. Nachdem es sich hierbei um eine Methode handelt, die zwar für höchst genaue Langzeitmessungen in der Klinik sehr, für den Laien aber weniger geeignet ist, soll sie hier nur kurz erwähnt sein.

Die zweite, non-invasive Methode ist die Blutdruckmessung, wie wir sie kennen. Zumeist wird die auskultatorische Messung angewandt, wie man sie vom Hausarzt kennt. Hierzu wird mit einer aufblasbaren Manschette die Arterie des Oberarms zusammengedrückt, so dass kein Blut mehr diese Engstelle passieren kann. Das Stethoskop wird dann in die Armbeuge gelegt und der Druck der Manschette langsam abgelassen. Irgendwann beginnt ein Klopfen, was die Druckspitzen des schlagenden Herzens sind. Das erste Klopfgeräusch zeigt den systolischen Blutdruck, das letzte den diastolischen Blutdruck. Dieses Klopfen nennt man nach seinem Entdecker Korotkow-Geräusch, von dem hören wir aber später noch mehr.

Eine weitere non-invasive Methode ist die palpatorische Messung, wie sie schon Riva-Rocci durchgeführt hat. Keine Panik, auch von Riva-Rocci hören wir später noch mehr. Die palpatorische Messung beginnt wie die auskulatorische Messung. Manschette anlegen und pumpen. Wo aber das Stethoskop ins Spiel kommt, nehmen wir unsere Finger. Mit ihnen ertasten wir nämlich das Einsetzen des Pulses an der Arteria radialis. Damit kann man natürlich nur den systolischen Wert ermitteln. Deswegen wird diese Methode meist nur bei einer großen Geräuschkulisse angewandt.

Die dritte non-invasive Methode ist die oszillatorische Messung, die zumeist bei Messautomaten in der Klinik oder in elektronischen Handgelenkmessgeräten angewandt wird. Deswegen soll sie hier vernachlässigt werden.

So, und das nächste mal erzähle ich euch, was ein Pfarrer und seine Pferde damit zu tun haben.