Meine persönliche Chemtrailqueen

Dass Bibliotheken auch ein Magnet für Flachpfeifen und Vollidioten sind, merkt man relativ schnell, wenn man in einer arbeitet. Und ich meine jetzt nicht den üblichen Prozentsatz an Exzentrikern und Skurrilitäten, die sind ja harmlos, nein, ich meine die Hardcore-Irren.

Bei uns hatten wir jahrelang drei Hardcore-Irre, zuerst mal unser Allround-Irrer, egal ob Chemtrails, Elektrosmog, BRD GmbH, Impfgegnerei, Freimaurer oder NWO, er springt auf jedes Thema an. Nachdem der gute Mann ein pensionierter Briefträger ist und über einen High-Speed-Internetanschluss verfügt (DANKE, liebe Stadtwerke-Kollegen, VIELEN DANK, das habt ihr toll hinbekommen…), kommt er jede Woche mit einer neuen Erkenntnis.

Dann hatten wir noch eine junge Frau, die sich auf die Reichsbürgerei spezialisiert hatte und sich nur am Rande mit Chemtrails beschäftigte. Die ist jetzt weggezogen,aber  ich werde ihr quasi in Memoriam einen Artikel widmen.

Und dann haben wir aber noch die beklopfteste der Beklopftesten, meine Chemtrailqueen. Meine Chemtrailqueen, nennen wir sie Gabi (und das ist jetzt wirklich der erste Name, der mir eingefallen ist), ist wirklich eine Marke. Ein Feuerwerk des Irrsinns – Und sie nahm mich auf ihren Weg mit. Regelmäßig alle zwei Wochen kam sie bzw. kommt sie in unsere kleine Bücherei, holt neue Bücher (Nora Roberts, Jojo Moyes oder Iny Lorentz) und erzählt mir von den neuesten Erkenntnissen aus der Chemtrail-Szene.

Als sie mir kürzlich erzählte, dass die Flugzeuge, die die Chemtrails ausbringen genau die Straßen am Boden entlang fliegen und genau da die meisten Chemikalien ausbringen, wo Plätze und Bushaltestellen unseres Stadtbusses (!) sind. Und durch die HAARP-Strahlungen fächern die Tropfen auf und haben so eine größere Oberfläche, dafür fallen sie langsamer auf die Erde, wie bei einem Fallschirm. Durch diese langsamere Fluggeschwindigkeit könnte man die Tropfen aber besser lenken und so teilweise gezielt Menschen treffen.

Also, wir rekapitulieren:

  1. Die Flugzeuge fliegen exakt die Straßen am Boden nach. (Bleiben die dann auch an roten Ampeln stehen? Und blinken die auch richtig?)
  2. Die Chemikalien fallen aus über 10.000m senkrecht nach unten.
  3. Durch die HAARP-Strahlen verbreitern sich die Tropfen und werden zu kleinen Fallschirmen
  4. Dadurch kann man gezielt Menschen treffen.
  5. Das war mir zuviel…

…und ich habe ihr dann wortlos das „Chemtrail-Handbuch“ von Jörg Lorenz (erschienen im hoch geschätzten JMB-Verlag) in die Hand gedrückt. Was darauf folgte war sehr amüsant, jedenfalls für mich. Ich wurde nämlich beschimpft. Ich bin ein „Systemling“ und ich arbeite ja im öffentlichen Dienst und deswegen ein „Desinformationstroll“. Und wahrscheinlich würde ich noch zum Rotary- oder Lions-Club gehören und von dort aus die NWO vorbereiten. Und außerdem esse ich meinen Teller nie leer und lasse die Klobrille immer oben und und und und und

Das Buch warf sie unter ein Regal und stapfte erbost hinaus. Schade, mir hätte es gefallen, wenn sie noch „Lügenpresse“ skandiert hätte. Ich wäre so gerne mal die Lügenpresse gewesen *schmoll*

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