Gelesen: Mukerji, Nikil: Die 10 Gebote des gesunden Menschenverstands

Als Bibliothekar (oder als Mensch, der ab und an mal eine Buchhandlung aufsucht) kennt man sie ja: „diese“ Ratgeber. Ich nenne das ja gerne „Küchentischpsychologie“, was in „solchen“ Ratgebern verbreitet wird. In kürzester Zeit versprechen sie alles mögliche, wie man ein perfekter Liebhaber wird, wie man Erfolg beim anderen Geschlecht hat, wie man richtig mit dem Chef verhandelt, wie man durch Körpersprache erfolgreich wird und und und.

Und als ich die Anzeige des Springer Verlages für „Die 10 Gebote des gesunden Menschenverstands“ von Nikil Mukerji gesehen hatte, schob ich das Buch gleich in diese Ecke. Wieder so ein Ratgeber, dachte ich mir. Aber irgendwas hat mich dann doch angesprochen, denn immerhin war es der Springer Verlag und kein Verlag aus den Reihen der „üblichen Verdächtigen“. Nun ja, dachte ich mir, probierst Du es mal. Gesunden Menschenverstand kann man ja immer gebrauchen, vor allem heutzutage. Gedacht, getan, Buch bestellt, gelesen und war begeistert. Das war nun wirklich keine „Küchentischpsychologie“, die Nikil Mukerji hier verbreitete. Deswegen auch hiermit meine hoch offizielle Entschuldigung an den Autor, dass ich ihn gedanklich zuerst in dieser Richtung verortet hatte. Anhand der zehn Gebote, die der Autor hier auflistet kann man hervorragend Denkfehler erkennen. Denkfehler, die man täglich selbst (ja auch ich) begeht.  Einer dieser Denkfehler ist es beispielsweise die Annahme, dass bei hoher Intelligenz auch eine hohe Vernunftbegabung vorhanden ist.

Nikil Mukerji ist promovierter Philosoph und arbeitet an der Ludwigs-Maximilians-Universität in München. Darüber hinaus ist er selbständiger Mitarbeiter am Institut für Argumentation in München und – auch wenn seine recht kurze Haartracht dies nicht ahnen lässt – auch Sänger und Gitarrist von Spacemueller, einer „Indie-Rockband“. Man sieht, der Mann versteht etwas von seinem Thema. Und da Mukerji nun Philosoph ist, verwundert es auch nicht, dass er Kant als Grundlage seines Buches hat, der den Menschen als mit „Vernunftfähigkeit begabtes Thier“ beschreibt, auch wenn es einen evidenten Unterschied darstellt, ob man diese Fähigkeit nur prinzipiell besitzt, oder diese auch anwendet. Der Autor verwendet hier ein nettes Beispiel. Zwar kann jeder laufen, aber nicht jeder ist Usain Bolt.

Hier setzt Mukerji nun an. Seine zehn Gebote sind eine praktische Anleitung, um in unserer immer komplexer werdenden Welt quasi die auf uns einströmenden Informationen zu selektieren und den Gehalt an Plausibilität zu bestimmen. Logische Fehlschlüsse, kognitive Verzerrungen und andere rhetorische Fallen lauern in dieser komplexen Welt auf uns und der Autor gibt uns nun zehn, nun nennen wir sie „Werkzeuge“, an die Hand, damit wir nicht in diese Fallen tappen. Jedes dieser Werkzeuge wird erläutert und anschaulich durch Fallbeispiele illustriert. Somit kann man die jeweiligen Argumentationen gut nachvollziehen und verinnerlichen.

Angenehm fällt an dem Buch der angenehme und zurückhaltende Stil, in dem Mukerji seine Gebote an den Leser bringt. Hierdurch ist der Band für eine breite Leserschaft geeignet, die ich ihm auch erhoffe. Auch wenn es – im Gegensatz zu den Versprechungen der oben angeführten Ratgeber – schon harte Arbeit an sich selbst ist, diese zehn Gebote zu verinnerlichen und konsequent anzuwenden, zu verführerisch ist doch der leichte Weg. Aber nach der Lektüre der „Zehn Gebote des gesunden Menschenverstandes“ ist man bestens gewappnet, dieser Verführung zu widerstehen.

Das Buch „Die 10 Gebote des gesunden Menschenverstands“ erschien mit der ISBN 9783662503386 im Springer-Wissenschaftsverlag und kostet gebunden 16,99€ und als E-Book 12,99€, die meiner Meinung nach hervorragend angelegt sind.

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